Impfungen während der Stillzeit: Sicherheit und Empfehlungen

Die Entscheidung für oder gegen Impfungen während der Stillzeit ist eine wichtige, die sowohl die Gesundheit der Mutter als auch des gestillten Säuglings betrifft. Generell gilt, dass Impfungen in der Stillzeit für die Mutter und ihr Kind sicher sind und sogar empfohlen werden, um den Schutz vor verschiedenen Infektionskrankheiten aufrechtzuerhalten und zu verbessern. Die Ständige Impfkommission (STIKO) gibt hierzu klare Empfehlungen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

Allgemeine Empfehlungen zur Impfung in der Stillzeit

In der Stillzeit können sowohl die Stillende als auch der gestillte Säugling alle von der STIKO empfohlenen Impfungen erhalten. Dies schließt sowohl sogenannte Totimpfstoffe als auch die meisten Lebendimpfstoffe ein. Die Sorge, dass Impfstoffe oder die darin enthaltenen Antikörper über die Muttermilch auf das Kind übergehen und dessen Immunsystem überfordern oder spätere Impferfolge beeinträchtigen könnten, hat sich nach aktuellem wissenschaftlichen Stand als unbegründet erwiesen.

Eine Studie von Wissenschaftlern der Universität von Kalifornien in San Diego hat die gängigen Vakzine hinsichtlich des Risikos für Mutter und Kind untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Alle gängigen Impfstoffe, darunter Grippe-, Masern-, Mumps-, Röteln-, Polio-, Diphtherie-, Pertussis-, HPV- und Varizellen-Vakzine, sind unbedenklich. Auch Indikationsimpfungen stillender Mütter gegen Hepatitis A und B, Meningokokken, Haemophilus influenzae Typ b, Pneumokokken oder Tollwut bergen keine nennenswerten Risiken für das Baby.

Darüber hinaus können Babys von den mütterlichen Impfungen profitieren. Die Muttermilch liefert zwar wichtige Abwehrstoffe, doch die Impfung der Mutter stärkt das eigene Immunsystem des Kindes und schützt es indirekt vor Ansteckung, da die Mutter selbst vor schweren Infektionskrankheiten geschützt ist.

Besonderes Augenmerk legt die STIKO auf junge Mütter, die nicht ausreichend vor Keuchhusten (Pertussis) geschützt sind. Sie sollten sich in den ersten Tagen nach der Geburt impfen lassen, da Keuchhusten für Säuglinge lebensbedrohlich sein kann. Seit März 2020 empfiehlt die STIKO die Impfung gegen Keuchhusten sogar bereits während der Schwangerschaft, zu Beginn des dritten Schwangerschaftsdrittels. Bei einem erhöhten Risiko für eine Frühgeburt wird die Impfung ins zweite Schwangerschaftsdrittel vorgezogen. Die Impfung während der Schwangerschaft ist eine allgemeine Kassenleistung.

Auch die HPV-Impfung kann in der Stillzeit problemlos begonnen oder fortgesetzt werden. Sie wird in der Schweiz bis zum 26. Lebensjahr empfohlen.

Schema der STIKO-Empfehlungen für Impfungen während der Schwangerschaft und Stillzeit

Von der STIKO empfohlene Standardimpfungen in der Stillzeit

Für stillende Frauen sind grundsätzlich alle von der STIKO empfohlenen Standardimpfungen unbedenklich. Dazu gehören:

  • Grippe (Influenza)
  • Masern
  • Mumps
  • Röteln
  • Polio (Kinderlähmung)
  • Diphtherie
  • Pertussis (Keuchhusten)
  • HPV (Humane Papillomviren)
  • Varizellen (Windpocken)

Es wird jungen Müttern empfohlen, auftretende Impflücken zu schließen, um sich selbst und ihr Kind bestmöglich zu schützen.

Indikationsimpfungen in der Stillzeit

Auch bestimmte Indikationsimpfungen sind für stillende Mütter möglich und sinnvoll:

  • Hepatitis A und B: Diese Impfungen bergen keine erhöhten Risiken für das Baby.
  • Meningokokken: Die Impfung gegen Meningokokken ist ebenfalls unbedenklich.
  • Haemophilus influenzae Typ b (Hib): Diese Impfung stellt kein Risiko für das gestillte Kind dar.
  • Pneumokokken: Die Impfung wird insbesondere empfohlen, wenn die junge Mutter an bestimmten Grunderkrankungen wie Asthma leidet.
  • Tollwut: Die Tollwut-Impfung ist für stillende Mütter ebenfalls möglich.
  • COVID-19: Auch die Impfung mit einem mRNA-Impfstoff gegen das Coronavirus ist für stillende Mütter empfohlen, insbesondere bei fehlender Grundimmunität oder Grunderkrankungen.

Diese Impfungen gelten als Indikationsimpfungen, da die STIKO sie nur unter bestimmten Bedingungen oder für bestimmte Personengruppen empfiehlt.

Ausnahmen und zu vermeidende Impfungen in der Stillzeit

Es gibt einige wenige Ausnahmen bei den Impfempfehlungen für stillende Frauen:

  • Gelbfieber: Von einer Impfung gegen Gelbfieber sollte bei stillenden Müttern abgesehen werden, insbesondere wenn das Kind jünger als neun Monate ist. Der Grund dafür sind seltene Fälle von Entzündungen des Gehirns und der Hirnhäute (Meningoenzephalitis) bei gestillten Säuglingen nach der Gelbfieber-Impfung der Mutter. Wenn die Impfung unbedingt erforderlich ist, muss eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.
  • Pocken und Adenoviren Typ 4 und 7: Von diesen Impfungen sollte ebenfalls abgesehen werden. Diese Impfungen sind im ärztlichen Alltag ohnehin kaum relevant und werden, wenn überhaupt, nur bei Militärpersonal vorgenommen.
  • Dengue: Auch von der Dengue-Impfung wird in der Stillzeit abgeraten.

Stillen und impfen? Luisa war erst skeptisch, ließ sich aber von verlässlichen Studien überzeugen.

Impfungen während der Schwangerschaft im Vergleich zur Stillzeit

Die Empfehlungen für Impfungen während der Schwangerschaft unterscheiden sich leicht von denen für die Stillzeit. Grundsätzlich gilt auch hier: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Totimpfstoffe in der Schwangerschaft

Totimpfstoffe, wie beispielsweise gegen Influenza, Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Hepatitis A und B sowie COVID-19, stellen in der Schwangerschaft keine Kontraindikation dar. Die STIKO empfiehlt die Influenza-Impfung allen Schwangeren ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung bereits ab dem 1. Trimester. Die Pertussis-Impfung wird allen schwangeren Frauen zu Beginn des 3. Schwangerschaftsdrittels empfohlen, bei erhöhter Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt bereits im 2. Trimester.

Im ersten Drittel der Schwangerschaft sollten nur dringend indizierte Impfungen durchgeführt werden, um eine mögliche psychische Belastung für die Betroffenen zu vermeiden, falls Spontanaborte fälschlicherweise mit der Impfung in Zusammenhang gebracht werden.

Lebendimpfstoffe in der Schwangerschaft

Impfungen mit einem Lebendimpfstoff, wie zum Beispiel gegen Röteln, Masern-Mumps-Röteln (MMR) oder Varizellen, sind in der Schwangerschaft aus theoretischen Überlegungen grundsätzlich kontraindiziert. Nach einer Impfung mit einem Lebendimpfstoff sollte eine Schwangerschaft für mindestens einen Monat vermieden werden. Eine versehentliche Impfung in oder kurz vor einer Schwangerschaft stellt jedoch nach nationalen und internationalen Empfehlungen keine Indikation zum Schwangerschaftsabbruch dar, da kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen festgestellt wurde.

Beratung durch Fachpersonal

Bei Fragen zur Verträglichkeit von Impfungen während der Still- oder Schwangerschaftszeit ist es ratsam, sich an den behandelnden Arzt oder die Ärztin zu wenden. Organisationen wie das Infant Risk Center, MotherToBaby oder The Breastfeeding Network bieten ebenfalls Informationen zu spezifischen Substanzen und dem Stillen an, die mit dem medizinischen Fachpersonal besprochen werden können.

Es ist wichtig, den eigenen Impfstatus regelmäßig überprüfen zu lassen und eventuelle Impflücken, insbesondere im gebärfähigen Alter, zu schließen. Dies schützt nicht nur die Mutter, sondern auch das Kind vor potenziell schweren Infektionskrankheiten.

Infografik: Wann welche Impfungen für Schwangere und Stillende empfohlen werden

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