Die Verkündigung des Herrn: Ein göttliches Versprechen
Das Hochfest "Verkündigung des Herrn", das genau neun Monate vor dem Weihnachtsfest gefeiert wird, symbolisiert für das Christentum ein bedeutendes Ereignis. Gott entsandte den Engel Gabriel nach Nazareth in Galiläa, um der Jungfrau Maria die Geburt eines Sohnes anzukündigen. Wie im Lukasevangelium (1,31) berichtet wird, sprach Gabriel: "Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben."
Die ältesten Belege für das Fest "Verkündigung des Herrn" und das Datum des 25. März stammen aus dem 7. Jahrhundert. Je nach seiner Benennung - "Verkündigung des Herrn", "Mariä Verkündigung" oder in der lateinischen Tradition "Verkündigung der seligen Jungfrau Maria" ("Annuntiatio beatae Mariae virginis") - wurde es entweder den Herrenfesten oder den Marienfesten im Kirchenjahr zugeordnet. Seit 1969 wird es in der katholischen Kirche als Hochfest begangen.
Mit der Festlegung des Weihnachtsfestes auf den 25. Dezember im 4. Jahrhundert gewann der 25. März zusätzliche Bedeutung. Die exakt neunmonatige Spanne zwischen dem Hochfest "Verkündigung des Herrn" und der "Geburt des Herrn" unterstreicht die theologische Verknüpfung dieser beiden Ereignisse.

Besonderheiten in der Liturgie und theologische Bedeutung
Die Liturgie des Hochfestes "Verkündigung des Herrn" weist zwei bemerkenswerte Besonderheiten auf. Während des Sprechens oder Singens des großen Glaubensbekenntnisses knien Priester und Gläubige an der Stelle "et incarnatus est" ("hat Fleisch angenommen") nieder. Dies unterstreicht die tiefgreifende Bedeutung der Menschwerdung Gottes.
Die zweite Besonderheit betrifft die Festlegung des Hochfestes und seine Einordnung in die Grundordnung des Kirchenjahres. Da der 25. März häufig in die Fastenzeit fällt, hängt die genaue Durchführung von der Position des Wochentages ab. Sollte der 25. März in die Karwoche, das Triduum Paschale (Ostertriduum) oder die Osteroktav fallen, wird das Hochfest verschoben.
Die Verkündigungsszene in der Kunst
Die Szene der Verkündigung des Herrn ist ein wiederkehrendes Motiv in verschiedenen Kunstrichtungen. Eine herausragende Darstellung findet sich im Erzbistum Köln. Der Flügelaltar "Altar der Stadtpatrone", gemalt vom Kölner Maler Stefan Lochner um 1442, gilt als bedeutendstes Werk der spätgotischen Kölner Malschule.
Auf der Werktagsseite, dem geschlossenen Altar, ist auf der linken Hälfte Maria mit einem Heiligenschein und einem langen weißen Umhang abgebildet. Auf der rechten Seite präsentiert sich ein Engel mit geöffneten Flügeln, der eine Schriftrolle in Händen hält. Bei geöffnetem Altar (Feiertagsseite) steht zentral Maria mit dem Christuskind im Mittelpunkt, flankiert von den knienden Heiligen Drei Königen mit ihrem Gefolge.

Die Verheißung Jesu Christi im Alten Testament
Das Alte Testament ist reich an Prophezeiungen, die das Kommen Jesu Christi ankündigen. Hunderte von solchen Vorhersagen werden von manchen Deutern beziffert. Diese Prophezeiungen umfassen nicht nur seine Geburt, sondern auch sein Leiden und Sterben.
Prophezeiungen über Jesu Geburt und Identität
Bereits Jesaja, ein bedeutender Prophet des Alten Testaments, verkündete die künftige Geburt des Messias. Er sprach von einem Zeichen, das der Herr geben werde: "Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Seine Herrschaft ist groß und der Friede hat kein Ende." Diese Verheißung fand ihre Erfüllung in der Geburt Jesu in Bethlehem.
Auch das Buch Mormon offenbart Prophezeiungen über die Geburt Christi. Die Frage, ob Mose nicht in Bezug auf das Kommen des Messias prophezeit habe, dass Gott sein Volk erlösen werde, unterstreicht die Kontinuität der göttlichen Heilspläne durch die Zeitalter hindurch.
Die prophetische Ankündigung der Geburt eines Kindes, das "Sohn des Höchsten genannt werden" wird und über dessen Herrschaft "kein Ende" sein wird, findet sich in den Schriften wieder. Diese Verheißung ist ein zentraler Bestandteil des christlichen Glaubens und weist auf die einzigartige Natur Jesu hin.
Die Bedeutung des Alten Testaments für die Erfüllung
Jesus selbst betonte die Bedeutung der Prophezeiungen: "Denkt nicht, dass ich gekommen bin, das Gesetz und die Propheten aufzuheben; ich bin nicht gekommen aufzuheben, sondern zu erfüllen" (Matthäus 5,17). Dies bedeutet, dass das Alte Testament im Neuen Testament seine Erfüllung findet, insbesondere in der Person und dem Wirken Jesu.
Die Geburt Jesu aus dem Hause David, wie sie in den Evangelien durch Josef, den "Sohn Davids", dargestellt wird, ist ein Beispiel für diese Erfüllung. Die Evangelien, die als "Bibel Jesu und seiner Nachfolger" gelten, entfalten diese Bedeutung, wenn sie auf das Alte Testament zurückgreifen.
Die Verbindung zwischen dem Alten und dem Neuen Testament verdeutlicht, dass die Bibel eine zusammenhängende Geschichte erzählt. Von den Anfängen an weist alles auf Jesus hin, der die Erfüllung von Gottes Plan darstellt. Das Alte Testament liefert die Verheißungen, während das Neue Testament deren Erfüllung offenbart.
Konkrete Prophezeiungen und ihre Erfüllung
Zahlreiche Prophezeiungen im Alten Testament nehmen das Leben und Wirken Jesu präzise vorweg. Ein Beispiel dafür ist die Prophezeiung in Micha 5,1: "Du aber, Bethlehem, zwar das kleinste unter Judas Geschlechtern, doch aus dir wird mir hervorgehen, der über Israel herrschen soll." Diese Vorhersage erfüllte sich in der Geburt Jesu in Bethlehem.
Auch Psalm 22 enthält deutliche Hinweise auf das Leiden Christi. Die Worte "Denn Hunde haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben" spiegeln sich wortwörtlich im Kreuz Jesu wider.
Das gesamte Kapitel 53 des Jesajabuches wird als eine der deutlichsten Prophezeiungen über Jesus betrachtet. Die Beschreibung des leidenden Gottesknechtes, der "um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen" wird, um uns Frieden zu schenken, ist unmissverständlich.
Weitere Prophezeiungen umfassen:
- Sacharja 9,9: Die Ankündigung eines Königs, der gerecht, aber arm ist und auf einem Esel reitet.
- Sacharja 12,10: Die Vorhersage des "Durchbohrens" des Messias.
- Daniel 9: Die Prophezeiung der "siebzig Wochen", die das genaue Datum des Kommens des Messias vorhersagt.
- Jesaja 50,6: Die Beschreibung der Schläge, die Jesus ertrug.
Diese Prophezeiungen belegen eindrücklich, wie das Alte Testament das Kommen Jesu als Messias deutlich voraussagt und seine göttliche Mission unterstreicht.

Die Geburtserzählungen im Neuen Testament
Das Neue Testament berichtet ausführlich über die Geburt Jesu, wobei die Evangelien nach Matthäus und Lukas die zentralen Quellen darstellen. Diese Texte bieten unterschiedliche Perspektiven und Details, die jedoch gemeinsam das Fundament des christlichen Glaubens bilden.
Das Lukasevangelium: Verkündigung und Geburt in Bethlehem
Das Lukasevangelium beginnt mit der Verkündigung der Geburt Jesu an Maria durch den Erzengel Gabriel. Gabriel kündigt an, dass Maria durch den Heiligen Geist schwanger werden und einen Sohn gebären wird, der "groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden" wird und dessen Herrschaft "kein Ende haben" wird (Lukas 1,26-38).
Die Geburtsgeschichte Jesu wird im Lukasevangelium detailliert geschildert. Kaiser Augustus ordnet eine Volkszählung an, die Josef und seine hochschwangere Verlobte Maria veranlasst, nach Bethlehem zu reisen, dem Geburtsort Josefs und der Linie Davids. In Bethlehem bringt Maria ihren erstgeborenen Sohn zur Welt, wickelt ihn in Windeln und legt ihn in eine Krippe, da kein Platz in der Herberge war (Lukas 2,1-7).
Die Verkündigung an die Hirten durch die Engel, die die Geburt des "Heilands (Messias)" in der Stadt Davids verkünden, und die anschließende Huldigung des Kindes durch die Hirten sind weitere zentrale Elemente der lukanischen Erzählung (Lukas 2,8-20).
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Das Matthäusevangelium: Die Weisen aus dem Osten und die Flucht nach Ägypten
Das Matthäusevangelium richtet sich primär an judenchristliche Leser und beginnt mit dem Stammbaum Jesu, der seine Abstammung von David und Abraham aufzeigt (Matthäus 1,1-17). Die Erzählung der Geburt Jesu wird hier relativ kurz gehalten (Matthäus 1,18-25).
Ein besonderes Merkmal des Matthäusevangeliums ist die Ankunft der "Magier" (Sterndeuter oder Weisen) aus dem Osten, die von einem Stern nach Bethlehem geführt werden, um den neugeborenen "König der Juden" zu huldigen und ihm Geschenke darzubringen (Matthäus 2,1-12).
Diese Suche der Weisen nach dem neugeborenen König veranlasst König Herodes zur Sorge vor einem Rivalen. Dies führt zum Kindermord in Bethlehem, der gemäß Matthäus die Erfüllung einer Prophezeiung Jeremias darstellt (Matthäus 2,16-18).
Durch eine Engelsbotschaft gewarnt, fliehen Josef, Maria und das Kind nach Ägypten, um sich vor Herodes' Verfolgung zu schützen (Matthäus 2,13-15). Nach dem Tod Herodes' kehren sie nach Israel zurück und lassen sich in Nazareth nieder, was ebenfalls als Erfüllung einer Prophezeiung (möglicherweise auf Jesaja 11,1 bezogen) interpretiert wird (Matthäus 2,19-23).
Die Typologie und die Rückbindung an das Alte Testament
Die Evangelien nutzen die Methode der Typologie, um die Ereignisse des Neuen Testaments mit denen des Alten Testaments zu verbinden. Dies geschieht durch Zitate und Anspielungen, die zeigen, wie Jesus die Verheißungen des Alten Bundes erfüllt.
Bezeichnungen wie "Sohn Davids" oder "Sohn Abrahams" sind nicht wörtlich zu verstehen, sondern tragen die heilsgeschichtliche Bedeutung im Hinblick auf die Vollendung der Zeiten im Messias. Die Geburtsdarstellungen sind reich an solchen Bildern, die oft als Grundlage für Krippendarstellungen dienen.
Die Tatsache, dass der Sohn Davids in Bethlehem geboren werden "musste", ist nicht nur auf die Prophezeiung Michas zurückzuführen. Die Berufung und Salbung Davids zum König, ausgewählt aus den Söhnen Isai (der "Wurzel Jesse"), unterstreicht die genealogische und prophetische Bedeutung Bethlehems als Geburtsort des Messias.
Die Huldigung der Magier aus dem Osten und die Flucht nach Ägypten haben ebenfalls tiefe symbolische Bedeutungen, die mit der Geschichte Israels verbunden sind. Babylon als Land Abrahams und Ursprung der Weisheit sowie Ägypten als Ort der Befreiung aus der Knechtschaft durch Mose, den "Sohn Gottes", werden in der Person Jesu neu gedeutet.
Die Evangelisten Matthäus und Lukas lösen den scheinbaren Gegensatz zwischen der Geburt in Bethlehem und dem späteren Wohnort Nazareth auf unterschiedliche Weise. Lukas verweist auf die Volkszählung, die eine Rückkehr nach Nazareth nach sich zog, während Matthäus die Ansiedlung in Nazareth erst nach der Flucht nach Ägypten beschreibt. Dies wirft Fragen nach der historischen Genauigkeit des Geburtsortes Bethlehem auf, der von vielen als legendarisch betrachtet wird.
Historische und theologische Einordnungen der Weihnachtsgeschichte
Die historischen und theologischen Hintergründe der Weihnachtsgeschichte werfen komplexere Fragen auf und laden zu kritischen Betrachtungen ein.
Zeitliche und historische Ungereimtheiten
Historisch-kritische Untersuchungen weisen auf Widersprüche zwischen den biblischen Erzählungen und historischen Daten hin. Der Tatenbericht des Augustus erwähnt einen Reichszensus im Jahr 8 v. Chr., während Lukas einen Zensus unter Quirinius im Jahr 6 n. Chr. impliziert, kurz nachdem Judäa Teil der römischen Provinz Syrien wurde.
Nach Matthäus wurde Jesus vor dem Tod Herodes' (4 v. Chr.) geboren, was von vielen Historikern als glaubhaft angesehen wird. Dies führt zu einer zeitlichen Diskrepanz von über einem Jahrzehnt zwischen den beiden Evangelisten. Lösungsansätze reichen von der Annahme zweier Amtszeiten des Quirinius bis hin zur Infragestellung der historischen Genauigkeit der genannten Daten.
Die Herkunft Josefs aus Bethlehem und die Möglichkeit familiärer Beziehungen dort werden diskutiert, ebenso wie die Übersetzung des griechischen Wortes κατάλυμα (katályma), das sowohl "Herberge" als auch "Gästezimmer" bedeuten kann. Es wird erwogen, dass Jesus möglicherweise im Obergeschoss eines Verwandtenhauses geboren wurde, anstatt in einem Stall, da das Wort "Stall" in der Weihnachtsgeschichte nicht vorkommt.
Die Bedeutung des Datums und der literarischen Form
Das Datum des 25. Dezember wurde erst im vierten Jahrhundert unter Kaiser Konstantin I. als Fest der Geburt Christi etabliert. Die Festlegung dieses Datums ist möglicherweise von vorchristlichen Festen beeinflusst worden.
Die unterschiedlichen Darstellungen der Geburt Jesu in den Evangelien, das Fehlen von Kindheitsgeschichten im Markusevangelium und im Johannesevangelium sowie die Tatsache, dass die Weihnachtsgeschichte als solche in den Evangelien nicht vorkommt, lassen einige Historiker und Theologen zu dem Schluss kommen, dass es sich um literarische Konstrukte handelt.
Diese literarischen Fiktionen dienen dazu, die Gottessohnschaft Christi und seine historische Existenz glaubhaft zu machen und zu vermitteln, dass Jesus keine rein mythische Gestalt war, sondern eine reale historische Person.
Die Weihnachtsgeschichte im Kontext
Die geläufigste Weihnachtsgeschichte, wie sie im Lukasevangelium erzählt wird, bildet das Kernstück der christlichen Feierlichkeiten. Die lutherische und katholische Tradition greifen auf diese Erzählung zurück und integrieren sie in ihre Liturgien.
Die Geburtsgeschichten Jesu werden im Kontext der gesamten biblischen Zukunftserwartung verstanden. Sie greifen die Botschaft vom Reich Gottes vorweg und bilden die Grundlage für die Hoffnung auf Jesu Wiederkunft.
Apokryphe Schriften wie das Protoevangelium des Jakobus und das Kindheitsevangelium nach Thomas ergänzen und variieren die neutestamentlichen Erzählungen, setzen diese jedoch voraus. Die Vision Jesajas, die in der Ascensio Jesaiae geschildert wird, ist möglicherweise eine unabhängige Tradition, die der Ankündigung und Geburt Jesu ähneln soll.
Die Geburt Jesu in Bethlehem, die Verbindung zu David und die prophetischen Vorhersagen werden als Elemente betrachtet, die seine messianische Identität und die Erfüllung der Schrift bekräftigen sollen. Die Rückbindung an das Alte Testament verleiht der Weihnachtsgeschichte eine tiefere theologische Dimension und unterstreicht die Treue Gottes zu seinen Verheißungen.
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