Die Nornen: Urd, Verdandi und Skuld

In der nordischen Mythologie sind die Nornen (altnordisch nornir) mächtige Wesen, die das Schicksal gestalten. Von ihnen sind namentlich drei bekannt: Urd, Verdandi und Skuld. Diese drei Schicksalsgöttinnen verkörpern das persönlich gedachte fatum und repräsentieren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Die Bedeutung der Namen

Die Namen der Nornen sind tief in der altnordischen Sprache verwurzelt und offenbaren ihre jeweiligen Rollen:

  • Urd (auch Urðr, Wyrd im Altenglischen, Wurd) leitet sich vom altnordischen Verb verða (werden) ab und bedeutet „das Gewordene“ oder „die Vergangenheit“.
  • Verdandi (auch Verðandi, Werdandi) ist das Partizip Präsens des gleichen Verbs verða und bedeutet „das Werdende“ oder „das Geschehende“, was die „Gegenwart“ symbolisiert.
  • Skuld (auch Skuld) leitet sich vom altnordischen Wort skal (sollen) ab und bedeutet „das Werdensollende“ oder „die Zukunft“. Der Name „Skuld“ ist auch als Name einer Walküre bekannt.

Der Germanist Jacob Grimm beschreibt die etymologische Verbindung wie folgt: „In den drei eigennamen sind die formen abstracter verba unmöglich zu verkennen: Urdhr ist aus dem pluralablaut von verdha (vardh, urdhum) entnommen, Verdhandi ist das fem. part. praes. des nemlichen worts, Skuld das part. praet.“

Illustration der drei Nornen Urd, Verdandi und Skuld, wie sie am Brunnen unter Yggdrasil sitzen.

Der Wohnort der Nornen

Die Nornen residieren an der Wurzel der Weltenesche Yggdrasil, dem kosmischen Baum der nordischen Mythologie. Dort befindet sich der Urdbrunnen (auch Urdarbrunnr oder Schicksalsquell genannt), aus dem sie den heiligen Weltenbaum begießen. Die Hauksbók-Version der Lieder-Edda beschreibt ihren Wohnort folgendermaßen: „Þar stendr salr einn fagr undir askinum við brunninn, ok ór þeim sal koma þrjár meyjar, þær er svá heita: Urðr, Verðandi, Skuld. Þessar meyjar skapa mönnum aldr.“ Dies bedeutet: „Dort steht eine schöne Halle unter der Esche an der Quelle, und aus dieser Halle kommen drei (junge) Frauen, diese, die so heißen: Urd, Verdandi, Skuld. Diese (jungen) Frauen formen den Menschen das Leben.“ In der Codex-Regius-Handschrift wird anstelle der „Halle“ (salr) „See“ (sær) erwähnt, was sich wahrscheinlich auf die Quelle selbst bezieht.

Nach der Völuspá wohnen sie an der Wurzel der Weltenesche Yggdrasil an einem Brunnen, der nach der ältesten Norne Urdaborn heißt.

Die Aufgaben und Einflüsse der Nornen

Die Nornen lenken die Geschicke der Menschen und Götter, indem sie die Fäden des Schicksals spinnen und weben. Sie teilen allen Wesen Schicksal und Lebensspanne zu. Oft wird berichtet, dass zwei von ihnen dem Neugeborenen Glück und Begabung in die Wiege legen, während die dritte durch ihren Spruch diesem Glück eine Grenze setzt. Diese Grenze ist der Tod, und die, die ihn vorbestimmt, ist die jüngste der Nornen, die Skuld.

Die Nornen sind auch als Gottheiten des Wetters bekannt und bringen den Menschen Heil und Unheil. Sie sind für die Bestimmung des Lebensweges jedes Individuums verantwortlich.

Eine stilisierte Darstellung von Lebensfäden, die von den Händen der Nornen gesponnen werden.

Verwechslungen und Assoziationen

Obwohl die Nornen einzigartige Wesen sind, werden sie oft mit anderen Figuren der germanischen Mythologie verwechselt:

  • Walküren: Manchmal werden die Nornen mit den Walküren gleichgesetzt, insbesondere Skuld, deren Name ebenfalls als Name einer Walküre bekannt ist.
  • Schutzgeister (Fylgjur): Ähnlichkeiten bestehen auch zu den Schutzgeistern.
  • Weise Frauen (Volur und Spåkonur): Ihre prophetischen Fähigkeiten ähneln denen der weisen Frauen.

Manche Sagen erzählen, dass Urd allein am Urdaborn sitzt, während ihre Schwestern in Gestalt schneeweißer Schwäne auf dem Wasser des Quells schwimmen. Andere Sagen berichten, dass Schwäne den Göttern der Nornen Botschaften überbringen.

Die Nornen in der modernen Kultur

Die Nornen, insbesondere Verdandi, haben auch ihren Weg in die moderne Popkultur gefunden. In der Manga-Reihe Oh! My Goddess von Kōsuke Fujishima und der daraus resultierenden Anime-Serie ist Verdandi eine der Hauptfiguren. Aufgrund der Transliteration vom Altnordischen ins Japanische wird ihr Name dort jedoch als Berudandī (Katakana ベルダンディー) wiedergegeben.

Der Ursprung der Nordischen Welt - Nordische Mythologie - Animierte Version

Der Nornen-Brunnen in München, errichtet im Jugendstil nach einem Entwurf von Hubert Netzer, zeigt die drei germanischen Schicksalsfrauen Urd, Verdandi und Skuld als Sinnbild der Vergänglichkeit des menschlichen Lebens.

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