Die Feststellung einer Erweiterung des Nierenbeckens (Hydronephrose) bei einem ungeborenen Kind während einer Ultraschalluntersuchung kann für werdende Eltern beunruhigend sein. Diese Diagnose bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass gesundheitliche Probleme auftreten werden. Häufig bildet sich die Nierenbeckenerweiterung spontan zurück, und nur ein kleiner Prozentsatz der Fälle erfordert eine Behandlung.
Was ist eine Nierenbeckenerweiterung?
Das Nierenbecken ist ein Teil des Harnsystems, das den Urin sammelt, bevor er über die Harnleiter zur Blase weitergeleitet wird. Eine Nierenbeckenerweiterung (Hydronephrose) tritt auf, wenn der Abfluss des Urins gestört ist. Dies kann dazu führen, dass sich der Urin staut und das umliegende Gewebe erweitert.
Bei Neugeborenen und Föten sind die Harnleiter oft noch sehr eng und klein, was den Urinabfluss erschweren und eine vorübergehende Nierenbeckenerweiterung begünstigen kann. In vielen Fällen handelt es sich hierbei um eine physiologische Veränderung, die sich mit zunehmender Reifung des Harnsystems von allein zurückbildet.

Mögliche Ursachen einer Nierenbeckenerweiterung
Neben der physiologischen Enge der Harnleiter können auch andere Faktoren zu einer Nierenbeckenerweiterung führen:
- Obstruktion (Abflussstörung): Eine Verengung im ableitenden Harnwegssystem kann den Urinabfluss behindern.
- Reflux (Rückfluss von Harn): Ein Rückfluss von Urin aus der Blase in die Harnleiter und Nieren kann ebenfalls zu einer Stauung führen. Bei männlichen Föten kann eine Fehlbildung der Harnröhre, wie z.B. Harnröhrenklappen, den Urinabfluss behindern.
Die Nierenbeckenerweiterung kann einseitig oder beidseitig auftreten. Schätzungen zufolge werden etwa 1 bis 3 Prozent aller Babys mit einer Nierenbeckenerweiterung geboren.
Diagnose und Klassifizierung
Eine Nierenbeckenerweiterung wird oft bereits während der Schwangerschaft mittels Ultraschall diagnostiziert. Die Ausprägung wird in der Regel wie folgt klassifiziert:
- Milde Nierenbeckenerweiterung: bis zu 7 mm im 2. Trimester und/oder bis zu 9 mm im 3. Trimester.
- Moderate Nierenbeckenerweiterung: 7-10 mm im 2. Trimester und/oder 9-15 mm im 3. Trimester.
- Schwere Nierenbeckenerweiterung: über 10 mm im 2. Trimester und/oder über 15 mm im 3. Trimester.
In einigen Fällen können Auffälligkeiten auch erst nach der Geburt sichtbar werden.
Symptome und Auswirkungen
Während der Schwangerschaft verursacht eine Nierenbeckenerweiterung beim Baby in der Regel keine Symptome und beeinträchtigt das Kind nicht. Auch nach der Geburt zeigen Säuglinge mit dieser Diagnose meist keine Beschwerden.
Nierenbeckenerweiterung als Softmarker
Es ist wichtig zu wissen, dass eine Nierenbeckenerweiterung als sogenannter Softmarker für chromosomale Störungen, wie z.B. Trisomie 21 (Down-Syndrom), gelten kann. Diese Information kann bei Eltern Verunsicherung auslösen. Tritt die Nierenbeckenerweiterung jedoch isoliert auf, also ohne weitere Auffälligkeiten im Ultraschall, besteht bezüglich einer chromosomalen Störung in der Regel kein Grund zur Sorge.

Behandlung und Prognose
Die Behandlung einer Nierenbeckenerweiterung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und wird in der Regel erst nach der Geburt eingeleitet, falls erforderlich.
Diagnostische Verfahren
Um die Ursache der Nierenbeckenerweiterung abzuklären, können verschiedene Untersuchungen eingesetzt werden:
- Röntgenkontrastuntersuchung
- Computertomographie (CT)
- Magnetresonanztomographie (MRT)
- Nierenszintigrafie (bei Verdacht auf Harnabflussfehlbildung)
Therapiestrategien
Die gute Nachricht ist, dass die allermeisten Hydronephrosen zwar beobachtet, aber nicht behandelt werden müssen. Eine Nierenbeckenerweiterung kann sich spontan zurückbilden, sobald das Kind größer wird.
In schwereren Fällen, in denen eine Abflussbehinderung besteht, kann eine Operation notwendig sein. Diese Eingriffe erfolgen in der Regel als offene Operation bei Säuglingen oder laparoskopisch (Schlüsselloch-Chirurgie) bei älteren Kindern. Die Prognose für Kinder mit einer Nierenbeckenerweiterung ist auch dann gut, wenn eine Operation erforderlich ist.
Unbehandelte hochgradige Nierenbeckenerweiterungen können das Risiko für wiederkehrende fieberhafte Harnwegsinfekte und Nierenbeckenentzündungen erhöhen. In seltenen Fällen kann es zu einer dauerhaften Schädigung des Nierengewebes bis hin zum Nierenversagen (Niereninsuffizienz) kommen.
Bei erfolgreicher Behandlung normalisiert sich die Nierenfunktion meist innerhalb weniger Tage oder Wochen. Selbst hochgradige Hydrosen verursachen bei Säuglingen normalerweise keine Schmerzen.
Nebennieren und ihre Funktionen
Obwohl die Nierenbeckenerweiterung ein Problem des Harnsystems darstellt, ist es wichtig, auch die Funktion der Nebennieren zu verstehen, da diese eine zentrale Rolle im Hormonsystem spielen und verschiedene Erkrankungen, die mit Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen einhergehen, verursachen können.
Die Nebenniere ist ein wichtiges Stressorgan und das am stärksten durchblutete Organ des Menschen. Sie besteht aus zwei Hauptteilen: dem Nebennierenmark, das vor allem Adrenalin produziert, und der Nebennierenrinde, die hauptsächlich Cortisol herstellt.
Unterfunktion der Nebennierenrinde
Eine Unterfunktion der Nebennierenrinde, wie sie bei Morbus Addison auftritt, führt zu einer unzureichenden Produktion von Cortisol und oft auch von Mineralocorticoiden wie Aldosteron. Symptome können Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kreislaufprobleme und Hautveränderungen sein. Die Diagnose erfolgt mittels Blut- und Urinuntersuchungen sowie Stimulationstests, um die Cortisolproduktion zu beurteilen. Die Behandlung umfasst die tägliche Einnahme von Kortisontabletten und gegebenenfalls Mineralokortikoiden.
Überfunktion der Nebennierenrinde
Eine Überfunktion der Nebennierenrinde resultiert in einer vermehrten Produktion von Steroid-Hormonen, insbesondere Cortisol und Aldosteron. Dies kann zu Bluthochdruck führen.
Zeichen einer Cortisol-Überproduktion (Cushing-Syndrom) sind Muskelschwäche, Osteoporose, schlecht heilende Wunden, ein rotes Gesicht, Stammfettsucht und ein sogenanntes Vollmondgesicht. Das Cushing-Syndrom kann durch Tumore der Nebennierenrinde oder der Hirnanhangsdrüse verursacht werden, seltener auch durch Tumore anderer Organe, die die Nebennieren stimulieren. Häufig wird es auch durch die ärztliche Verordnung von Kortison-Präparaten ausgelöst.
Die Diagnose eines Cushing-Syndroms erfolgt durch Messung des Cortisolspiegels im Blut und spezielle Hormontests wie den Dexamethason-Suppressionstest. Die Behandlung hängt von der Ursache ab.
Nebennierenerkrankungen und Bluthochdruck
Nebennierenerkrankungen sind eine häufige Ursache für hormonell bedingten Bluthochdruck. Eine übermäßige Produktion von Aldosteron (Hyperaldosteronismus) kann etwa 10% der Hypertoniefälle erklären. Auch eine Überproduktion von Adrenalin und Noradrenalin durch einen Tumor des Nebennierenmarks, ein Phäochromozytom, kann zu krisenhaften Blutdruckanstiegen führen. Phäochromozytome sind potenziell lebensbedrohlich und erfordern eine frühzeitige Diagnose und Behandlung in spezialisierten Zentren.
Knoten der Nebenniere
Knoten in der Nebenniere werden oft zufällig bei bildgebenden Verfahren entdeckt. Während die meisten harmlos sind, können sie auch hormonproduzierende oder bösartige Tumore sein, die einer spezialisierten Abklärung bedürfen. Die Endokrinologen prüfen, ob eine vermehrte Hormonproduktion vorliegt. Sehr große Knoten (> 6 cm Durchmesser) können auf ein Nebennierenkarzinom hindeuten.

Aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven
Das Nebennierenzentrum am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden bietet modernste diagnostische Tests an und forscht an neuen Bluttests zur schnelleren und sichereren Diagnose von Nebennierenerkrankungen. Zukünftige Entwicklungen zielen auf noch genauere und schnellere Diagnoseverfahren ab.
Physiologie der Nebennieren einfach erklärt! - Funktionen | Hormone | Stärken | Symptome | Tumor
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