Unerfüllter Kinderwunsch und die Schilddrüse: Ein wichtiger Zusammenhang

Erkrankungen der Schilddrüse verlaufen häufig unbemerkt, obwohl feststeht, dass Schilddrüsenfunktionsstörungen die zweithäufigste endokrinologische Erkrankung bei Frauen im reproduktiven Alter sind. Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse können eine häufige Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch sein. Diese Schilddrüsenfunktionsstörungen können Einfluss auf den weiblichen Zyklus nehmen, mit einem Fehlen der Ovulation einhergehen und somit auf die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit Einfluss nehmen.

Die Schilddrüse, ein nicht zu unterschätzendes Organ bei unerfülltem Kinderwunsch: Bei eingeschränkter Funktion kann das schmetterlingsförmige Organ sowohl für das Ausbleiben einer Schwangerschaft verantwortlich sein als auch gefährliche Risiken wie Fehlgeburten oder Entwicklungsstörungen beim Kind zur Folge haben. Die Schilddrüse ist eine der wichtigsten Schaltstellen des menschlichen Körpers. Sie produziert die lebensnotwendigen Hormone Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin bzw. Thyroxin (T4). Diese Hormone steuern den Stoffwechsel, regulieren den Sauerstoffverbrauch der Zellen und sorgen für eine gesunde Funktion von Herz, Kreislauf und Verdauung. Eine gesunde Schilddrüse gibt entsprechend dem individuellen Bedarf eine ausreichende Menge an T3 und T4 ins Blut ab. Organische Krankheiten, immunologische Einflüsse oder ein gestörter Jodhaushalt können dazu führen, dass die Produktion der Schilddrüsenhormone eingeschränkt wird. Wird zu wenig T3 oder T4 produziert, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Bei gesteigerter Produktion der Schilddrüsenhormone ist hingegen die Rede von einer Überfunktion (Hyperthyreose).

Im Zusammenhang mit der Schilddrüse wird oftmals von einer Volkskrankheit gesprochen, da Schilddrüsenprobleme sehr häufig vorkommen. In Österreich und Deutschland ist beinahe jeder dritte Erwachsene davon betroffen. Diagnostiziert werden Schilddrüsenerkrankungen in der Regel über Hormonbestimmungen im Blut und einer anschließenden Sonografie. Ersteres gibt Aufschluss über die Schilddrüsenwerte TSH (Thyroidea stimulierendes Hormon), FT3 und FT4 oder über Antikörper (im Falle der Autoimmunkrankheit Hashimoto). Bis die Diagnose einer Unter- oder Überfunktion vorliegt, kann es oft lange dauern. Betroffene leiden unter unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Erschöpfung und Stoffwechselstörungen, was sehr oft auf die aktuelle Lebensphase, den Arbeitsstress, Lebensstil oder Jahreszeitenwechsel geschoben wird, wodurch ein Gang zum Arzt hinausgezögert wird. Sind innerhalb der Familie schon Schilddrüsenerkrankungen bekannt, sollte regelmäßig eine ärztliche Kontrolle stattfinden.

Schilddrüsenfunktionsstörungen als Ursache für unerfüllten Kinderwunsch

Wer von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen ist, denkt meist sofort an Ursachen im Unterleib. Dabei kann der unerfüllter Kinderwunsch auch mit der Schilddrüse zusammenhängen. Die Hormone der Schilddrüse haben eine entscheidende Rolle für die Fruchtbarkeit und damit für die Möglichkeit, schwanger zu werden. Sie beeinflussen die Eizellreifung und den Ablauf des weiblichen Zyklus. Liegt ein Ungleichgewicht der Hormone durch eine Schilddrüsenunter- oder überfunktion (Hypothyreose, bzw Hyperthyreose) vor, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft. Der TSH-Wert (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) zeigt an, wie gut die Schilddrüse arbeitet. Sowohl eine Schilddrüsenunterfunktion (zu hoher TSH-Wert) als auch eine Schilddrüsenüberfunktion (zu niedriger TSH-Wert) können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Ein zu hoher TSH-Wert weist meist auf eine Unterfunktion der Schilddrüse hin. Ein zu niedriger TSH-Wert deutet auf eine Überfunktion der Schilddrüse hin.

Die Schilddrüsenhormone steuern alle wichtigen Vorgänge im Körper, auch die Fruchtbarkeit und Fortpflanzung. Schilddrüsen- und Sexualhormone wie das Östrogen stehen miteinander in einem engen Zusammenhang und beeinflussen sich gegenseitig. Geraten die Schilddrüsenhormone aus dem Gleichgewicht, hat dies Auswirkungen auf die Eizellreifung und den Zyklus. Die betroffenen Frauen werden seltener schwanger. Insgesamt sind etwa zehn Prozent der ungewollt kinderlosen Frauen von einer Schilddrüsenstörung betroffen. Meist handelt es sich dabei um eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose). Auch schon diskrete oder schlafende Unterfunktionen (latente Hypothyreose) können sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken.

Bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch sollte die Schilddrüsenfunktion optimal mit Schilddrüsenhormonen eingestellt werden. So scheint eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen bei Hashimoto Thyreoiditis z.B. auch den AMH-Wert zu verbessern.

Schema der Schilddrüse und ihrer Funktion im Hormonsystem

Hashimoto-Thyreoiditis und Kinderwunsch

Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift. Bei Morbus Hashimoto greift das Immunsystem die Schilddrüse an, weil es das Organ fälschlicherweise als Fremdkörper wahrnimmt. Frauen mit Hashimoto haben ein erhöhtes Risiko für unerfüllten Kinderwunsch und Fehlgeburten. Die Bestimmung von Schilddrüsenantikörpern (z. B. TPO-Antikörper) ist hierbei relevant. Die Schilddrüse beeinflusst nicht nur die Fruchtbarkeit, sondern auch die Entwicklung des Embryos während der Schwangerschaft. Ein gut eingestellter TSH-Wert ist entscheidend für die Fruchtbarkeit und einen gesunden Schwangerschaftsverlauf. Schon leichte Störungen der Schilddrüsenfunktion können die Chancen auf eine Schwangerschaft verringern.

Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die eigene Schilddrüse angreift. Die Folge: Eine schleichende Entzündung, die langfristig zu einer Unterfunktion der Schilddrüse führen kann. Besonders häufig betroffen sind Frauen - und das oft genau in der Lebensphase, in der ein Kinderwunsch besteht. Typische Symptome wie Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit oder Zyklusstörungen werden leicht übersehen oder anderen Ursachen zugeschrieben. Dabei ist Hashimoto eine der häufigsten Schilddrüsenerkrankungen und tritt oft unbemerkt auf.

Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse - häufig die Folge einer Hashimoto-Erkrankung - werden zu wenige Schilddrüsenhormone produziert. Diese Hormone sind jedoch wichtig für einen regelmäßigen Eisprung, eine stabile Gebärmutterschleimhaut und eine erfolgreiche Einnistung der Eizelle. Gerät dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht, kann eine Schwangerschaft ausbleiben oder in Fehlgeburten enden.

Bei Frauen mit Hashimoto Thyreoiditis ist unerfüllter Kinderwunsch signifikant häufiger als in der restlichen Bevölkerung. Bei Kinderwunsch sollte die Schilddrüsenfunktion optimal mit Schilddrüsenhormonen eingestellt werden.

Diagnostik und Behandlung von Schilddrüsenfunktionsstörungen

Die Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen erfolgt in der Regel über Hormonbestimmungen im Blut und einer anschließenden Sonografie. Ersteres gibt Aufschluss über die Schilddrüsenwerte TSH, FT3 und FT4 oder über Antikörper. Bei Frauen im gebärfähigen Alter soll der TSH-Wert unter 2.5 uU/ml liegen. Beim unerfüllten Kinderwunsch kann es aber sinnvoll sein, diesen Schilddrüsen-Zielwert niedriger anzusetzen. Oft finden sich bei Patientinnen mit Kinderwunsch nämlich nur ganz diskret ausgeprägte Schilddrüsenfunktionsstörungen. Das bedeutet: Manche Menschen haben eine leichte Schilddrüsenfunktionsstörung, die man normalerweise nicht behandeln müsste und bei der sogar das TSH im Normalbereich liegt. Bei einzelnen Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch jedoch kann diese leichte Schilddrüsenfunktionsstörung der Grund für die herabgesetzte Fruchtbarkeit sein.

Bei einem Kinderwunsch ist zudem die Analyse der Schilddrüsenantikörper wichtig. Hierbei ist die Bestimmung der TPO-Antikörper bei jungen Frauen mit Kinderwunsch am relevantesten. Die TPO-Antikörper sind hauptsächlich bei der vergleichsweise häufigen Hashimoto-Thyreoiditis erhöht. 5 % der Bevölkerung haben eine Hashimoto Thyreoiditis, hierbei sind Frauen ca. 10 x häufiger betroffen. Die Erkrankung beginnt meistens zwischen dem 30. - 50. Lebensjahr.

Nach den neuesten Empfehlungen wird folgendes Vorgehen bezüglich TSH bei Kinderwunsch empfohlen: Bei einem TSH Wert von über 4,2 µlU/ml wird zu einer Behandlung mit Schilddrüsenhormonen geraten. Bei einem TSH-Wert von > 2,5 - 4,2 µlU/ml wird eine Behandlung eigentlich nur empfohlen, wenn Schilddrüsenantikörper (TPO-Antikörper) vorliegen. Wenn keine Antikörper vorliegen und der TSH-Wert unter 4,2 µlU/ml ist, kann auf eine Schilddrüsenhormongabe auch verzichtet werden.

Die Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen erfolgt in der Regel durch die Einnahme von Hormontabletten, meist L-Thyroxin. Die Schwierigkeit besteht darin, die richtige Dosis zu finden, weshalb besonders bei Kinderwunsch und Schwangerschaft eine engmaschige, fachkompetente Betreuung vonnöten ist. Denn häufig tritt eine Schilddrüsenerkrankung - oder eine Veränderung derselben - während einer Phase der hormonellen Umstellung auf, wie zum Beispiel der Pubertät, Menopause, Schwangerschaft oder nach der Geburt. In diesen Phasen kann eine Dosisanpassung vonnöten sein.

Schilddrüsenfunktion während der Schwangerschaft

Ohne ausreichende Schilddrüsenhormone ist eine normale kindliche Entwicklung nicht möglich. In den ersten Schwangerschaftswochen ist das Kind sogar ganz auf die Hormone der Mutter angewiesen. Ihre Schilddrüse muss bis zu 50 Prozent mehr Hormone bilden, wofür sie ausreichend mit Jod versorgt werden muss. Dennoch ist eine Unterversorgung des Kindes im Bauch der Mutter möglich.

Werdende Mütter haben einen grundsätzlich erhöhten Bedarf an Schilddrüsenhormonen. Das liegt zum einen daran, dass T3 und T4 in Wechselwirkung mit den Schwangerschaftshormonen stehen. Zum anderen muss die Mutter im ersten Drittel der Schwangerschaft auch das Kind mit Schilddrüsenhormonen versorgen. Erst ab der 12. Woche entwickelt das Kind eine eigene Schilddrüsenfunktion. Das bedeutet, dass zu Beginn der Schwangerschaft mehrere Kontrollen für eine Dosisanpassung vonnöten sind, damit Mutter und Kind ausreichend versorgt werden. Liegt eine unerkannte Schilddrüsenerkrankung vor, besteht ein großes Risiko, dass der Fötus unter- oder überversorgt wird. Bei einer unerkannten und unbehandelten Unterfunktion kommt es häufiger zu Fehl-, Tod- und Frühgeburten. Da T3 und T4 maßgeblich an der Steuerung von Stoffwechselvorgängen und am Wachstum beteiligt sind, können geistige und körperliche Entwicklungsstörungen des Kindes die Folge sein. Eine unbehandelte Überfunktion während der Schwangerschaft birgt ebenso ein hohes Risiko für Früh- und Fehlgeburten, Präeklampsie sowie für eine Plazenta-Ablösung. Oft führt die Hyperthyreose bei der Schwangeren zu einer Herzinsuffizienz.

Die Schilddrüsenhormontherapie ist weder vor, während, noch nach einer Schwangerschaft für das Kind gefährlich. Ganz im Gegenteil - diese Behandlung kann helfen, dass eine Schwangerschaft eintritt.

Infografik: Hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft und der Einfluss der Schilddrüse

Postpartum-Thyreoiditis

Bis zu acht Prozent der Frauen können nach der Geburt eine sog. Postpartum-Thyreoiditis erleiden. Die Entzündung der Schilddrüse führt entweder zu einer Überproduktion oder zu einem Hormonmangel - oder zu einem Wechsel beider Funktionsstörungen. Zwischen vier und sieben Prozent der Mütter weisen nach der Entbindung eine Postpartum-Thyreoiditis auf. Dabei liegt direkt nach der Geburt meist eine Schilddrüsenüberfunktion vor, die sich allmählich in Richtung Unterfunktion wandelt. Antriebsschwäche, Lustlosigkeit, starke Ängste und zuweilen auch Depressionen sind typische Symptome. Leider wird eine Post-Partum-Thyreoiditis nach wie vor häufig mit einer Wochenbettdepression oder dem "Baby-Blues" verwechselt. Die Postpartale Thyreoiditis ähnelt der Hashimoto-Thyreoiditis. Vereinzelt finden sich im Blut der Frau Schilddrüsen-Antikörper, wie sie typischerweise bei der Autoimmunerkrankung vorliegen.

Zusammenfassung und Ausblick

Eine Schilddrüsenerkrankung ist eine häufige Ursache für unerfüllten Kinderwunsch, weswegen eine Kontrolle der Schilddrüsenwerte einer der ersten Untersuchungen für Patientinnen und Patienten darstellt. Tritt trotz der Behandlung der Schilddrüsenerkrankung keine Schwangerschaft ein, liegt die Ursache womöglich woanders. Trotzdem schließt weder eine Über- noch eine Unterfunktion eine Schwangerschaft aus. Eine Frau kann trotz Schilddrüsenerkrankung schwanger werden. Bleibt diese aber unerkannt und unbehandelt, kann das schwere gesundheitliche Folgen für Mutter und Kind haben. Ist eine Schilddrüsenerkrankung der werdenden Mutter bekannt, ist eine engmaschige ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft vonnöten. Da eine Schilddrüsenerkrankung während einer Schwangerschaft auftreten kann, werden im Rahmen der Schwangerschaftsuntersuchungen die Schilddrüsenwerte regelmäßig kontrolliert.

Auch beim Partner sollte an die Schilddrüse gedacht werden. Eine Schilddrüsenuntersuchung ist daher unerlässlich für die Diagnose bei unerfülltem Kinderwunsch. Allerdings garantiert eine Schilddrüsenerkrankung nicht das Ausbleiben der Schwangerschaft - Frauen können trotzdem schwanger werden.

Die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) wird durch die medikamentöse Gabe von Schilddrüsenhormonen behandelt. Die anzustrebenden Grenzwerte für die genaue Dosierung der Medikamente sind in der Fachwelt zum Teil umstritten. Normalerweise wird für das TSH ein Grenzwert zwischen etwa 1.0 bis 2,5 mU/l empfohlen. Die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) wird zunächst durch Thyreostatika behandelt. Diese Medikamente können bei einer Schwangerschaft sehr schädlich für Mutter und Kind sein.

Auch wenn der Weg manchmal länger oder herausfordernder sein mag - mit medizinischer Unterstützung und dem richtigen Wissen stehen die Chancen gut, Ihren Kinderwunsch auch mit Schilddrüsenerkrankungen zu erfüllen. Gehen Sie den ersten Schritt zu Ihrem Wunschkind und vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch.

tags: #unerfullter #kinderwunsch #schilddruse