Die Entscheidung für eine vaginale Geburt nach einem oder mehreren Kaiserschnitten, auch als VBAC (Vaginal Birth After Cesarean Section) bekannt, ist eine persönliche und oft von Unsicherheiten begleitete Wahl. Während Kaiserschnitte in vielen Kliniken als Standard nach einer vorangegangenen Schnittentbindung gelten, ist eine spontane Geburt keineswegs ausgeschlossen. Die Erfahrungen von Frauen wie Marleen zeigen, dass auch nach zwei Kaiserschnitten eine natürliche Geburt möglich ist, wenn auch selten.

Marleens Weg zur spontanen Geburt
Marleen, Mutter von drei Kindern, teilte ihre bewegende Geschichte einer natürlichen Geburt nach zwei Kaiserschnitten. Ihre ersten beiden Kinder kamen per Kaiserschnitt zur Welt. Bei der ersten Geburt führte ein Geburtsstillstand nach PDA zu einem Kaiserschnitt, obwohl der Muttermund bereits vollständig eröffnet war. Während der zweiten Schwangerschaft wurde ihr aufgrund von Wassereinlagerungen geraten, keine spontane Geburt zu versuchen, was sie im Nachhinein bedauerte, da ihr die Geburtserlebnisse und das unmittelbare Bonding fehlten.
Nach mehreren Fehlgeburten und einer Eileiterschwangerschaft entschied sich Marleen, schwanger mit ihrem dritten Kind, bewusst für eine spontane Geburt. Trotz anfänglicher Skepsis ihrer Frauenärztin und des Klinikpersonals, die auf die Risiken einer Uterusruptur (Aufreißen der Gebärmutter) hinwiesen, behielt sie ihren Wunsch bei. Sie informierte sich über Studien, die das Rupturrisiko niedriger einstuften, als von einigen Ärzten angegeben.
Eine Zervixinsuffizienz in der 23. Schwangerschaftswoche und die damit verbundenen vaginalen Untersuchungen beunruhigten Marleen zunächst, aber sie erhielt Lungenreifespritzen zur Vorbereitung auf eine mögliche Frühgeburt. Die wiederholten Diskussionen über die Risiken einer spontanen Geburt und die Einschätzung des Chefarztes, dass ihr Kind aufgrund von Adipositas nicht durch den Geburtskanal passe, führten fast zu einem geplanten Kaiserschnitt. Doch ihre Beleghebamme erwirkte die Zustimmung zu einer spontanen Geburt, indem sie den Fall einem Oberarzt schilderte, ohne die anfängliche Ablehnung des Chefarztes zu erwähnen.
Die Geburt begann etwa 20 Tage vor dem errechneten Termin mit leichten Vorwehen und einer Zeichnungsblutung. Nach nächtlichen, veratmeten Wehen, die nicht verschwanden, öffnete sich der Muttermund auf sieben Zentimeter, was eine rasche Fahrt ins Krankenhaus erforderlich machte. Trotz der intensiven Schmerzen und der Angst, es nicht zu schaffen, erlebte Marleen eine schnelle und für sie wunderbare Spontangeburt, bei der sie ihr Kind sofort auf der Brust halten konnte - ein Erlebnis, das ihr bei den Kaiserschnitten gefehlt hatte.
Medizinische und persönliche Perspektiven auf VBAC
Die Entscheidung für eine vaginale Geburt nach Kaiserschnitt (VBAC) hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Grund für den vorherigen Kaiserschnitt: War es eine medizinische Notwendigkeit oder eine elektive Entscheidung? Besteht der ursprüngliche Grund fort?
- Wünsche der Mutter: Viele Frauen wünschen sich ein positives, selbstbestimmtes Geburtserlebnis.
- Risikobewertung: Das Risiko einer Uterusruptur ist bei VBAC erhöht, da die Narbe eine Schwachstelle darstellen kann. Eine sorgfältige Beobachtung der Mutter ist unerlässlich.
- Ärztliche und hebamische Unterstützung: Vertrauen, Sicherheit und eine offene Kommunikation sind entscheidend.
Die Erfahrungen anderer Frauen zeigen eine breite Palette von Perspektiven:
Positive Erfahrungen mit VBAC:
- Einige Frauen berichten von schnellen, unkomplizierten natürlichen Geburten nach Kaiserschnitten, bei denen sie sich schnell erholten und sofort um ihr Kind kümmern konnten.
- Das Gefühl, eine natürliche Geburt gemeistert zu haben, wird oft als sehr erfüllend beschrieben.
- Die Möglichkeit, das Kind direkt nach der Geburt auf die Brust zu nehmen und zu stillen, wird als besonders wertvoll empfunden.
Herausforderungen und Bedenken bei VBAC:
- Die Angst vor einer Uterusruptur ist präsent, auch wenn das Risiko statistisch gesehen gering ist.
- Ärztlicher Druck oder mangelnde Unterstützung durch das Klinikpersonal kann die Entscheidung erschweren.
- Manche Frauen empfinden die Schmerzen einer natürlichen Geburt als sehr intensiv, auch wenn sie mit PDA erträglicher werden können.
- Das Fehlen eines direkten Hautkontakts und die Übergabe des Kindes an das Personal im OP-Saal nach einem Kaiserschnitt wird von vielen als schmerzlich empfunden.
Entscheidungsfindung und Unterstützung:
Viele Frauen betonen die Wichtigkeit, auf das Bauchgefühl zu hören und sich für den Geburtsmodus zu entscheiden, mit dem sie sich am wohlsten fühlen. Eine gute Beratung durch Ärzte und Hebammen, die auf die individuellen Bedürfnisse und Ängste eingeht, ist essenziell. Podcasts, Bücher und Erfahrungsberichte können hilfreich sein, um sich zu informieren, sollten aber nicht zu Verunsicherung führen.
Verantwortung für neues Leben – Ralf als Hebamme | RTL DOKU
Die Entscheidung für eine natürliche Geburt oder einen Kaiserschnitt ist eine zutiefst persönliche. Unabhängig von der gewählten Methode ist es wichtig, dass sich die Frau gut informiert, unterstützt und mit ihrer Entscheidung im Reinen ist, um eine positive Geburtserfahrung zu ermöglichen.
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