Der Sturm auf die Bastille: Symbolischer Beginn der Französischen Revolution

Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 gilt als eines der bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte Frankreichs und als erster Höhepunkt der Französischen Revolution. Dieses Ereignis, bei dem die Pariser Bevölkerung die Bastille, ein ehemaliges Stadtgefängnis, einnahm, hat bis heute eine große symbolische Bedeutung.

Historische Darstellung des Sturms auf die Bastille

Historischer Hintergrund und Ursachen

Um den Sturm auf die Bastille zu verstehen, ist es notwendig, den historischen Kontext und die Vorgeschichte der Französischen Revolution zu betrachten. Frankreich befand sich in den 1780er Jahren am Rande des Staatsbankrotts, bedingt durch hohe Militärausgaben und die Kosten für einen aufwendigen Hofstaat. Das Land wurde von König Ludwig XVI. in einer absolutistischen Monarchie regiert, in der der König als Alleinherrscher agierte.

Das Drei-Stände-System und soziale Ungleichheit

Die französische Gesellschaft war in das Drei-Stände-System unterteilt. Der erste Stand, der Klerus (Geistliche), und der zweite Stand, der Adel, machten nur etwa 2 % der Bevölkerung aus. Sie genossen zahlreiche Privilegien und entschieden über die Geschicke des Landes, während sie kaum Abgaben leisteten.

Der dritte Stand, der die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ausmachte - bestehend aus Bürgern, Kaufleuten, Bauern und Handwerkern -, war mit der wirtschaftlichen und sozialen Situation äußerst unzufrieden. Sie mussten harte Arbeit leisten, hohe Steuern und Abgaben tragen und hatten kaum Rechte oder Eigentum. Diese Ungleichheit schuf eine angespannte Atmosphäre im Land.

Grafische Darstellung der drei Stände im Frankreich vor der Revolution

Die Einberufung der Generalstände und die Nationalversammlung

Angesichts der drohenden Finanzkrise rief König Ludwig XVI. im Mai 1789 die Generalstände zusammen, um über die Finanzprobleme zu beraten. Die Generalstände waren eine Vertretung der drei Stände. Da der erste und zweite Stand jedoch über eine Stimmenmehrheit verfügten, konnten sie den dritten Stand regelmäßig überstimmen. Als die Verhandlungen in den Generalständen scheiterten, erklärten sich die Vertreter des dritten Standes am 17. Juni 1789 eigenständig zur Nationalversammlung. Sie forderten das Recht, nach Mehrheiten und nicht mehr nach Ständen abzustimmen, was eine Abkehr von der absoluten Monarchie und den Beginn der Forderung nach einer neuen Verfassung markierte.

Kurz darauf, am 20. Juni, leisteten die Mitglieder der Nationalversammlung den berühmten Ballhausschwur, mit dem sie schworen, nicht auseinanderzugehen, bis sie eine neue Verfassung für Frankreich erarbeitet hätten.

Um die erhitzten Gemüter zu beruhigen, kündigte König Ludwig XVI. die Einführung einer verfassungsgebenden Versammlung an. Doch die Situation spitzte sich weiter zu.

Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789

Nach einer Missernte im Vorjahr und der daraus resultierenden Hungersnot stiegen die Brotpreise im Land dramatisch an. Große Teile der Bevölkerung konnten sich kein Brot mehr leisten und litten Hunger. Dies führte zu einer aufgeheizten Stimmung und wachsendem Unmut gegen die Monarchie.

Am 11. Juli entließ König Ludwig XVI. seinen Finanzminister Jacques Necker und stellte Militär gegen die Nationalversammlung auf. Dies verschärfte die Krise zusätzlich und führte zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen dem französischen Militär und den Demonstranten des dritten Standes.

Am 14. Juli 1789 versammelten sich über hunderttausend Pariserinnen und Pariser vor der Bastille. Dieses berüchtigte Pariser Stadtgefängnis, das in einer ehemaligen Bastion untergebracht war, galt als Symbol für das Ancien Régime - die Herrschaft eines absoluten Königs und die Unterdrückung durch die Monarchie. Die Aufständischen vermuteten in der Bastille weitere Waffen und Munition und griffen das Gefängnis an, um sich zu bewaffnen und gegen die Tyrannei der französischen Monarchie zu protestieren.

Die königliche Armee reagierte zunächst mit Schüssen auf die Demonstranten, denen etwa 90 Menschen zum Opfer fielen. Wenig später näherten sich die Demonstranten, nun verstärkt durch weitere Soldaten und Munition, erneut der Bastille. Nach einer Belagerung stürmten sie schließlich das Gefängnis und befreiten die darin inhaftierten Menschen.

Sturm auf die Bastille - Eskalation der Generalstände

Bedeutung und Folgen des Sturms auf die Bastille

Der Sturm auf die Bastille war nicht nur ein militärischer Erfolg, sondern hatte vor allem eine immense symbolische Bedeutung. In der Einnahme des Gefängnisses sahen die Menschen den Beginn eines Umbruchs und das Ende der absolutistischen Herrschaft. Die Bastille wurde nur wenige Tage später abgerissen, was die endgültige Abschaffung der königlichen Macht symbolisierte.

Als unmittelbare Folge des Sturms begann sich die Pariser Bevölkerung zu bewaffnen. Es kam zur Bildung einer Nationalgarde unter der Führung von Marquis de La Fayette. Der königliche Gouverneur von Paris wurde durch den Generalrat der Commune ersetzt, was eine weitere strukturelle Veränderung darstellte.

Der Sturm auf die Bastille wird als die Initialzündung für die weitere Französische Revolution angesehen. Er bestärkte die Nationalversammlung in ihren Bemühungen, eine neue Verfassung auszuarbeiten.

Von der Revolution zur Republik

Wenige Wochen nach dem Sturm auf die Bastille, am 26. August 1789, verabschiedete die Nationalversammlung die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. Diese Erklärung legte den Grundstein für die französische Verfassung von 1791 und führte wichtige Prinzipien wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ein. Das Feudalsystem und die Ständegesellschaft wurden abgeschafft.

Im Jahr 1792 wurde schließlich die erste Französische Republik ausgerufen, deren Flagge und Hymne bis heute bestehen. Frankreich führte allgemeine Menschen- und Bürgerrechte ein, die, obwohl zunächst nur für Männer geltend, wegweisend für ganz Europa waren und das Verständnis von demokratischen Werten nachhaltig prägten.

Die Französische Revolution war jedoch auch von Terror und Gewalt geprägt. Sie endete mit der Krönung Napoleons Bonapartes zum Kaiser im Jahr 1804. Doch die Ideen von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten waren unaufhaltsam und verbreiteten sich fortan in der ganzen Welt.

Der Sturm auf die Bastille: Mythos oder historische Tatsache?

Obwohl der Sturm auf die Bastille oft romantisiert dargestellt wird, handelt es sich nicht um einen Mythos der Neuzeit. Es gibt klare historische Hintergründe und zahlreiche belegbare Ereignisse, die tatsächlich stattgefunden haben. Ob jedoch alles genau so abgelaufen ist, wie es in der Geschichtsschreibung dargestellt wird, kann angezweifelt werden. Die Einnahme des Gefängnisses verlief möglicherweise unspektakulärer, als es die nachfolgende Geschichtsschreibung und Symbolik nahelegen.

Dennoch hatte dieses Ereignis einen enormen dynamischen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Revolution. Die gewaltsamen Taten, bei denen es zu zahlreichen Toten kam, sind zwar zu verurteilen, doch die Auseinandersetzung kann als Beginn wichtiger Veränderungen betrachtet werden, die das Leben der Menschen auf lange Sicht deutlich verbesserten.

Mit dem Datum 14. Juli verbindet man in Frankreich nicht nur den Sturm auf die Bastille, sondern auch den darauf begründeten französischen Nationalfeiertag, der bis heute gefeiert wird.

Darstellung der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte

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