Baby Led Weaning (BLW) und breifreie Beikost: Ein Leitfaden für Eltern

Was ist Baby Led Weaning (BLW)?

Baby Led Weaning (BLW), auf Deutsch "babygeführte Entwöhnung", ist eine Methode der Beikosteinführung, bei der Babys nicht mit Brei gefüttert werden. Stattdessen werden ihnen verschiedene Lebensmittel in Stücken angeboten, die sie selbstständig greifen, erforschen und zum Mund führen können. Dieser Ansatz ermöglicht es dem Baby, auf eigene Faust seinen Hunger zu stillen, nachdem es sich zunächst mit den neuen und interessanten Nahrungsmitteln vertraut gemacht hat.

Im deutschen Sprachraum ist diese Ernährungsform auch unter dem Begriff "breifreie Beikost" bekannt. Im Gegensatz zur traditionellen Beikost, bei der Milchmahlzeiten schrittweise durch Breimahlzeiten ersetzt werden, stehen beim BLW Lebensmittel in ihrer ursprünglichen Form im Vordergrund.

Der richtige Zeitpunkt für den BLW-Start: Die Beikostreifezeichen

Der Beginn der Beikosteinführung mit BLW erfolgt in der Regel etwa im Alter von 6 Monaten. Das Alter allein ist jedoch nicht das entscheidende Kriterium. Wichtiger ist, dass das Baby alle sogenannten "Beikostreife-Zeichen" erfüllt:

  • Das Baby kann seinen Kopf stabil halten.
  • Es kann aufrecht sitzen, zunächst auf dem Schoß und dann auch im Hochstuhl. Wenn das Baby im Sitzen zur Seite kippt, ist es noch nicht bereit für feste Nahrung.
  • Der Zungenstoßreflex ist weitgehend verschwunden. Solange dieser Reflex vorhanden ist, werden Nahrungsmittel automatisch wieder aus dem Mund geschoben.
  • Die Hand-Mund-Koordination ist so weit ausgereift, dass das Baby selbstständig nach einem Lebensmittel greifen und es zum Mund führen kann.
  • Das Baby macht Kaubewegungen. Hierfür sind noch keine Zähne notwendig, da die Kauleisten und die Zunge bereits zum Zerkleinern der Nahrung eingesetzt werden können.
  • Das Kind interessiert sich für das Geschehen am Esstisch, greift nach Lebensmitteln und zeigt insgesamt Interesse am Essen.
Grafische Darstellung der Beikostreifezeichen für Eltern

Geeignete Lebensmittel und die richtige Zubereitung

Zu Beginn der BLW-Ernährung sollten die Lebensmittel einerseits fest genug sein, um sie gut greifen zu können, andererseits aber auch weich genug, um sie im Mund bearbeiten zu können. Geeignet sind beispielsweise:

  • Nicht zu weich gedämpfte oder im Ofen gebackene Gemüsesticks (Karotten, Kohlrabi, Süßkartoffeln, Kürbis etc.)
  • Gebackene Kartoffelschnitze
  • Gedämpfte Broccoliröschen
  • Gurkensticks
  • Bananen
  • Melonenstücke
  • Weiches, reifes Obst (zähe Schale entfernen)
  • Brot
  • In Streifen geschnittenes, gedämpftes Fleisch

Mit zunehmender Reife des Babys können auch speziell zubereitete Fingerfood-Speisen wie kleine Gemüsewaffeln, Fleischbällchen, Falafel, Pancakes oder Fladenbrot mit Dips angeboten werden. Auch ungesalzene und nicht zu stark gewürzte Speisen vom Familientisch, wie Pasta oder Reis, sind geeignet.

Beispiele für Fingerfood-Gerichte für Babys

Die richtige Portionsgröße und Schnitttechnik

Je jünger das Baby ist, desto größer müssen die Stücke sein. Zu Beginn halten Babys die Lebensmittel oft noch in der geschlossenen Faust (Palmargriff) und können nur das in den Mund stecken, was über die Faust hinausragt.

  • 6 bis 8 Monate: Stücke von ca. 2 cm Breite und ca. 7 cm Länge.
  • 9 bis 11 Monate: Mit der Entwicklung des Pinzettengriffs können nun auch kleinere Stücke angeboten werden, die aber immer noch groß genug sein sollten, um darauf herumkauen zu können, ohne sich in die Finger zu beißen.

BLW-Ratgeber empfehlen oft, Gemüse- und Obststücke mit einem Wellenmesser zu schneiden, damit sie nicht so leicht aus der Hand rutschen.

Die Entwicklung des Essverhaltens und die Rolle der Milchmahlzeiten

Wie schnell ein Baby vom Erkunden der Lebensmittel zum "richtigen" Essen übergeht, ist individuell verschieden. In der ersten Zeit wird das Kind weiterhin hauptsächlich von den Brust- oder Flaschenmahlzeiten satt. Es kann mehrere Monate dauern, bis sich die Milchmenge merklich reduziert.

Solange das Kind das Essen vorwiegend erforscht, sollte ihm dieses nicht angeboten werden, wenn es sehr hungrig ist. Es empfiehlt sich, ihm zunächst eine kleine Milchmahlzeit anzubieten, bevor am Familientisch eine Auswahl von drei bis vier interessanten Lebensmitteln präsentiert wird.

Nährstoffversorgung und Empfehlungen

Die Meinungen darüber, ab wann ein Baby regelmäßig feste Nahrung benötigt, gehen auseinander. Während BLW-Ratgeber betonen, dass Babys dank der Milchmahlzeiten ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden, vertreten andere Fachleute die Ansicht, dass der Energie- und Nährstoffbedarf ab sechs Monaten nicht mehr allein durch Milch gedeckt werden kann.

Viele BLW-Rezepte enthalten Eier, Kuhmilch, Fleisch, Hülsenfrüchte und Käse - also proteinreiche Nahrung. Gemäß den aktuell geltenden Empfehlungen sollten Babys im ersten Lebensjahr noch keine eiweißreichen Milchprodukte wie Käse und Quark essen, da die Nieren eines Babys noch nicht in der Lage sind, große Mengen Harnstoff auszuscheiden.

Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt bei der Einführung von eiweißreichen Lebensmitteln folgende Richtwerte:

  • 7 Monate: 1x täglich 10 g Fleisch oder Fisch (entspricht 2 TL) oder 1/4 Ei; maximal 1x täglich 50 bis 100 g Milch oder Joghurt nature.
  • 8 Monate: 1x täglich 20 g Fleisch oder Fisch oder 1/2 Ei; maximal 1x täglich 100 g Milch oder Joghurt nature.
  • 9-12 Monate: 1x täglich 40 g Fleisch oder Fisch oder 1 Ei; 3 bis 4 Portionen Milchprodukte am Tag (eine Portion entspricht z.B. 100 g Milch oder Joghurt, 15 g Hartkäse oder 30 g Weichkäse). Eine Still- oder Flaschenmahlzeit zählt als eine Portion.

Es ist nicht notwendig, diese Mengen stur einzuhalten, aber die Lebensmittelauswahl sollte über mehrere Tage verteilt weder zu viel noch zu wenig proteinreiche Nahrung liefern.

Sicherheit beim BLW: Grundregeln zur Vermeidung von Verschlucken

Um das Risiko des Verschluckens zu minimieren, sind folgende Grundregeln zentral:

  • Das Baby muss bei den Mahlzeiten aufrecht sitzen. In einer Babywippe, im Buggy oder in der Babyschale besteht eine höhere Gefahr des Verschluckens.
  • Lassen Sie Ihr Baby beim Essen nie alleine.
  • Verhindern Sie Ablenkungen, damit sich das Baby auf das Essen konzentrieren kann.
  • Geben Sie dem Baby keine Lebensmittel direkt in den Mund.
  • Nach der Mahlzeit dürfen keine Essensstücke im Mund verbleiben, die im Schlaf oder beim Spielen verschluckt werden könnten.
  • Vermeiden Sie Lebensmittel mit harten Stückchen wie Obstkerne, Fischgräten, Knorpel, ganze Nüsse oder Nusssplitter.
  • Dämpfen Sie hartes Obst und Gemüse (Äpfel, Nektarinen, Kohlrabi, Karotten etc.) einige Minuten lang, bevor Sie sie anbieten.

Abstillen ohne Brei (BLW Baby-led weaning) - was spricht dafür, was dagegen?

Allergieprävention und die Kombination von BLW und Breikost

Heute wird nicht mehr dazu geraten, mögliche allergieauslösende Lebensmittel im ersten Lebensjahr zu meiden. Achten Sie jedoch darauf, ob bei Ihrem Kind nach dem Essen Reaktionen auftreten, insbesondere wenn in Ihrer Familie Allergien bekannt sind. Da die Lebensmittel einzeln angeboten werden, ist es relativ einfach, die Ursache einer Reaktion zu identifizieren.

Viele Eltern kombinieren BLW mit klassischen Breimahlzeiten. Dabei werden neben den Breimahlzeiten zwischendurch auch Fingerfood-Stücke angeboten, wie ein Stück Banane zum Zvieri oder eine Brotrinde zum Kauen. Eltern, die sich für eine rein breifreie Ernährung entscheiden, verzichten in der Regel vollständig auf Breimahlzeiten.

Das Ziel: Freude am Essen und genussvolle Familienmahlzeiten

Ob Sie das Ziel von Freude am gesunden Essen und genussvollen Familienmahlzeiten mit Babybrei, Fingerfood oder einer Kombination erreichen wollen, ist Ihre persönliche Entscheidung. Druck ist bei diesem Thema fehl am Platz - sei es durch einen starren Beikostplan oder durch eine Ernährungsform, die als die einzig richtige angepriesen wird.

Es gibt kein "richtig" oder "falsch" bei der Beikosteinführung. Das Wichtigste ist, auf die Bedürfnisse des Kindes zu achten und die gemeinsamen Mahlzeiten zu genießen.

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