Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) ist eine heimische Heilpflanze, die seit Langem für ihre wohltuenden Eigenschaften geschätzt wird. Seine Anwendungsgebiete sind vielfältig und reichen von der Linderung von Hustenreiz bis zur Behandlung von Hautirritationen.
Was ist Spitzwegerich und wie wirkt er?
Spitzwegerich ist eine krautige Pflanze, die weltweit in kühl-gemäßigten Zonen vorkommt. Die Blätter sind lanzettlich geformt und bilden eine Rosette am Boden, aus der ein bis zu 50 cm langer Stängel mit einer kleinen Ähre wächst. Hauptsächliche Inhaltsstoffe sind Schleimstoffe, Aucubin (ein Bitterstoff) und Gerbstoffe. Verwendet werden Extrakte, Tinkturen, Sirup und Presssaft aus Blättern, Blüten, Stängel und Kraut.
Die Inhaltsstoffe des Spitzwegerichs entfalten sowohl innerlich als auch äußerlich ihre Wirkung. Sie wirken reizmildernd, die (Schleim-)Haut zusammenziehend (adstringierend) und keimtötend. Diese Effekte werden insbesondere den Gerb- und Bitterstoffen zugeschrieben. Darüber hinaus ist Spitzwegerich auswurffördernd (expektorierend) und wirkt krampflösend in den Bronchien.
Aufgrund seiner positiven Wirkung auf die Atemwege wird das Kraut im Volksmund auch Lungenblattl genannt. Die Widerstandskraft des Wegerichs, der oft an Wegen wächst, soll sich auf die damit behandelten Menschen übertragen.

Anwendungsgebiete und Anwendungshinweise
Spitzwegerich wird traditionell als pflanzliches Arzneimittel zur Reizlinderung bei Husten eingesetzt. Er lindert Reizungen in Hals und Rachen, die oft infolge eines Infekts auftreten. Auch bei Halsschmerzen und Heiserkeit kann er Linderung verschaffen.
Darüber hinaus findet Spitzwegerich Anwendung bei:
- Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut
- Entzündungen der Haut
- Förderung der Wundheilung
- Linderung von Juckreiz, beispielsweise bei Mückenstichen
Zubereitung und Dosierung von Spitzwegerich-Tee
Für die Zubereitung eines Teeaufgusses zum Trinken werden in der Regel 1,4 g (entspricht etwa 2 Teelöffeln) Spitzwegerichkraut mit siedendem Wasser (ca. 150 ml) übergossen und nach etwa 10 Minuten durch ein Sieb gegeben. Dieser Tee kann dreimal täglich, unabhängig von den Mahlzeiten, eingenommen werden.
Für Spülungen, Gurgeln oder Umschläge wird der Tee oft mit kaltem Wasser zubereitet und zieht etwa 1-2 Stunden unter gelegentlichem Umrühren.
Wichtige Hinweise zur Anwendung:
- Ohne ärztlichen Rat sollte das Arzneimittel nicht länger als 1 Woche angewendet werden.
- Bei länger anhaltenden oder regelmäßig wiederkehrenden Beschwerden ist ein Arzt aufzusuchen.
- Bei Kindern unter 12 Jahren wird die Anwendung von einigen Präparaten nicht generell empfohlen; hier ist Vorsicht geboten und gegebenenfalls ärztlicher Rat einzuholen. Bei Kindern unter 2 Jahren wird die Anwendung aufgrund fehlender Daten oft nicht empfohlen.
- Die Gesamtdosis sollte nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker überschritten werden.

Spitzwegerich in Schwangerschaft und Stillzeit
Die Anwendung von Spitzwegerich während der Schwangerschaft wird unterschiedlich bewertet. Nach derzeitigem Erkenntnisstand gibt es keine Hinweise auf schädigende Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes oder die Geburt. Dennoch liegen keine umfassenden Untersuchungen zur Sicherheit vor, weshalb im Zweifelsfall eine ärztliche Beratung empfohlen wird.
Während der Stillzeit gibt es nach derzeitigem Erkenntnisstand keine Hinweise darauf, dass Spitzwegerich nicht angewendet werden darf. Dennoch ist auch hier Vorsicht geboten, und eine Rücksprache mit Arzt oder Apotheker ist ratsam, insbesondere bei Präparaten, die Alkohol enthalten könnten. Für Spitzwegerich-Hustensaft mit einem Alkoholgehalt von 7 Vol.-% liegen keine systematischen Untersuchungen zur Sicherheit in der Stillzeit vor, jedoch ist die Menge an Ethanol in einer Dosis vergleichbar mit der einer Viertel Banane. Alternativen ohne Alkohol sind verfügbar.
Es ist wichtig, bei Unsicherheiten immer ärztlichen Rat einzuholen, da die individuelle Situation und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten berücksichtigt werden müssen.
Spitzwegerich-Inhaltsstoffe und ihre Wirkung
Die vielfältige Wirkung des Spitzwegerichs beruht auf seiner komplexen Zusammensetzung:
- Schleimstoffe: Diese wirken reizlindernd, beruhigen die Schleimhäute und können Schmerzen lindern, die durch starken Husten entstehen.
- Gerbstoffe: Sie sorgen für eine Zusammenziehung der Haut und fördern so die Regeneration. Sie sind maßgeblich für die schmerzlindernde und blutstillende Wirkung verantwortlich.
- Aucubin (Bitterstoff): Dieser Inhaltsstoff wirkt antibiotisch, entzündungshemmend und kann den Blutdruck senken. Er hilft auch gegen Juckreiz und Schwellungen bei Insektenstichen.
- Kieselerde / Siliciumdioxid: Es wird vermutet, dass dieser Wirkstoff das Bindegewebe stärken kann, auch wenn ein wissenschaftlicher Nachweis hierfür noch aussteht.
Spitzwegerich gilt aufgrund dieser Inhaltsstoffe als pflanzliches Antibiotikum.
Äußerliche Anwendung von Spitzwegerich
Äußerlich angewendet zeigt Spitzwegerich eine entzündungshemmende Wirkung und kann bei verschiedenen Hautproblemen helfen:
- Wundheilung: Frische, gesäuberte Blätter können auf kleine Wunden wie Kratzer gelegt werden, um die Heilung zu fördern, Schmerzen zu betäuben und Blutungen zu stoppen.
- Insektenstiche: Der Saft frischer Spitzwegerichblätter kann auf Mückenstiche aufgetragen werden, um Juckreiz zu lindern und die Schwellung zu reduzieren.
- Hautentzündungen: Umschläge oder Waschungen mit Spitzwegerich-Tee können bei entzündeten Hautstellen wohltuend wirken.
- Blasenprophylaxe: Vor langen Fußmärschen kann das Einreiben der Füße mit Spitzwegerich oder das Auflegen von Blättern auf beanspruchte Stellen versucht werden, um Blasen vorzubeugen. Dies kann Schmerzen und Juckreiz lindern, jedoch sollte die betäubende Wirkung bedacht werden.
Bei der äußerlichen Anwendung ist es wichtig, auf Sauberkeit der Hände und der Blätter zu achten, um eine zusätzliche Infektion der Wunde zu vermeiden.
Salbe gegen Juckreiz bei Mückenstichen und von anderen Insekten
Spitzwegerich-Zubereitungen und Kombinationspräparate
Auf dem Markt sind verschiedene Zubereitungen mit Spitzwegerich erhältlich:
- Geschnittene Spitzwegerichblätter zur Teebereitung
- Tinkturen
- Trockenextrakte in Saftform
- Fluidextrakte als Saft oder Tropfen
- Frischpflanzenpresssaft
- Salben und Tinkturen für die äußerliche Anwendung
Darüber hinaus gibt es Kombinationspräparate, die Spitzwegerich mit anderen hustenreizstillenden und schleimlösenden Stoffen vereinen, wie beispielsweise Apotheker Gall's Hustentropfen. Bei der Anwendung von Fertigpräparaten ist stets die jeweilige Packungsbeilage zu beachten oder der Rat von Arzt oder Apotheker einzuholen.
Mögliche Nebenwirkungen
Obwohl Spitzwegerich als gut verträglich gilt, können gelegentlich Nebenwirkungen auftreten:
- Innerliche Anwendung: In seltenen Fällen kann es zu Durchfall kommen.
- Äußerliche Anwendung: In seltenen Fällen können allergische Reaktionen der Haut auftreten.
- Allergische Reaktionen: Manche Menschen können allergisch auf Spitzwegerich-Pollen reagieren, was sich wie Heuschnupfen äußert.
Bei Auftreten von Nebenwirkungen sollte die Anwendung beendet und gegebenenfalls ein Arzt konsultiert werden.

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