Die Buchreihe Die Abenteuer von Fafhrd und dem Grauen Mausling wurde vor über 55 Jahren von Fritz Leiber erdacht. Entstanden sind bis heute sieben Bände, von denen manche sogar Schlag auf Schlag unterhalb eines Jahres erschienen. Ergänzt wird die Reihenfolge durch eine Vorgeschichte und ein Begleitbuch. Ihren Ursprung feierte die Buchreihe im Jahr 1968, und im Jahr 1988 kam der vorerst letzte Teil auf den Markt.

Ursprung und Schöpfer
Fritz Reuter Leiber jr. kam am Weihnachtsabend des Jahres 1910 zur Welt. Seine Eltern waren beide Shakespeare-Darsteller, die mit der Robert Mantell’s Shakespearean Repertory Company tourten. Fritz Leiber Senior spielte in über 60 Hollywood-Filmen mit. Die frühe Berührung mit der Theaterbühne prägte Leibers Umgang mit Sprache. Später studierte Leiber Philosophie und Psychologie an der Universität von Chicago, wo er summa cum laude in Psychologie graduierte. Ab 1934 war er Darsteller in der Company seiner Eltern, verließ aber die Show, nachdem er im Januar 1936 die walisische Dichterin Jonquil Stephens geheiratet hatte.
Die Leibers zogen nach Hollywood, wo Fritz Leiber hoffte, Arbeit beim Film zu finden und Horrorstories zu schreiben begann. Seine Frau machte Leiber auf den Weird-Tales-Autor H. P. Lovecraft aufmerksam, mit dem er daraufhin acht Monate lang intensiv bis zu dessen Tod im März 1937 korrespondierte. Lovecraft ermutigte ihn und „... hämmerte mir ein, dass man beim Schreiben auf Ehrlichkeit, Überzeugung, Sorgfalt, Vollkommenheit und Wissenschaftlichkeit achten muss“.
1938 wurde der Sohn Justin geboren, der in den 1980er Jahren auch einige SF- und Fantasy-Romane verfassen sollte, und die Leibers kehrten nach Chicago zurück. Zwischen 1937 und 1956 arbeitete Leiber unter anderem bei Consolidated Book Publishers in Chicago als Redakteur für die Standard American Encyclopedia, als Sprachlehrer am Occidental College in Los Angeles, als Qualitätsprüfer bei den Douglas Flugzeugwerken sowie ab 1944 als Redakteur beim Science Digest Magazine, ehe er 1956 freier Schriftsteller wurde.
Leiber genoss seit ungefähr Mitte der 1950er Jahre einen guten Ruf als Autor von eigenwilliger, detailliert ausgearbeiteter Weird Fiction. 1967 führte Leibers allgemeine Wertschätzung in SF-Kreisen dazu, dass seine Kurzgeschichte "Gonna Roll the Bones" in Harlan Ellisons einflussreiche SF-Anthologie "Dangerous Visions" aufgenommen wurde.
Seit den späten 1950er Jahren wurde Leiber zunehmend durch das Werk des Psychologen Carl Gustav Jung beeinflusst, insbesondere von dessen Konzepten der Anima und des Schattens. Speziell das Konzept der Anima nutzte Leiber in mehreren Geschichten, um die Faszination, aber auch die Verunsicherung zu erforschen, die von Frauen und allgemein vom Weiblichen auf ihn ausgingen. Vielleicht kann man hier den Grund für die vielen ambivalenten Katzengestalten sehen, die Leiber in seinen Romanen und Stories so liebevoll geschildert hat.
Im September 1969 starb Leibers Frau Jonquil an einer Mischung aus Schlaftabletten und Alkohol. Leiber litt in der Folge sehr unter dem Tod seiner Frau, mit der er viele Interessen geteilt hatte, schrieb jahrelang nur wenig und hatte bis etwa 1972 wieder vermehrt mit einem Alkoholproblem zu kämpfen. In dieser Zeit zog er nach San Francisco, das auch sein letzter Wohnort werden sollte. Mitte der 1970er Jahre hatte er seine Alkoholsucht endgültig überwunden. Sein letzter großer Roman "Our Lady of Darkness" entstand, in dem er zum Teil seine eigene Situation als verwitweter und nicht mehr ganz junger Schriftsteller verarbeitete. Am 15. Mai 1992, vier Monate vor seinem Tod, heiratete Leiber seine langjährige Freundin Margo Skinner. Leiber starb am 5. September 1992.
Das Universum Nehwon und seine Helden
Nehwon ist eine Welt, die „durch Zeit und fremdere Dimensionen“ von uns getrennt ist. Sie ist die Heimat von Fafhrd und dem Grauen Mausling, den beiden größten Schwertkämpfern dieses und aller anderen Universen. Gemeinsam streifen sie durch die Welt, wo ihnen ihr legendärer Ruf stets vorauseilt, und bestehen mannigfache unerhörte Gefahren, von denen erboste Schneefrauen, mordlüsterne Pygmäenpriester, von bösen Architekten ersonnene lebende Häuser und grimmige Kurtisanen noch die geringsten sind.
Nehwon ist ein Tummelplatz für Piraten, wilde Reiter, freche Diebe und ränkeschmiedende Zauberer. Hier leben der nordling Fafhrd, sieben Fuß groß und ganz in Leder gehüllt, und der Graue Mausling, von kindlicher Statur und ein Adept Weißer Magie. Das unzertrennliche Freundespaar durchstreift das Land; ihre Taten sind Legion, ihre List gilt als sprichwörtlich. Gerüchte und Sagen ranken sich um ihr Leben. Furcht ist ihnen fremd, wenn es gilt, gegen Ungeheuer, Magier, Despoten, Diebesgesindel - oder gegen schöne Frauen anzutreten.

Die Chronologische Reihenfolge der Bände
Den Anfang der Reihenfolge macht "Schwerter und Teufelei". Zu diesem Buch sollte zuerst gegriffen werden, wenn man alle Bände in ihrer Chronologie lesen möchte. Anschließend folgten noch sechs zusätzliche Teile. "Ritter und Knappe des Schwerts" lautet das letzte bzw. Die Buchreihe entstand zuerst in einer anderen Sprache. Die Originalausgabe des ersten Teils lautet zum Beispiel "Swords and Deviltry".
Die Abenteuer von Fafhrd und dem Grauen Mausling (Originalreihe)
- Schwerter und Teufelei (Original: Swords and Deviltry, 1968)
- Schwerter im Nebel (Original: Swords Against Death, 1970)
- Schwerter und Eis (Original: Swords in the Mist, 1968)
- Schwerter und Dunkelheit (Original: Swords and Darkness, 1968)
- Schwerter und Bosheit (Original: Swords and Malice, 1970)
- Schwerter und Treue (Original: Swords and Loyalty, 1971)
- Ritter und Knappe des Schwerts (Original: The Knight and Knave of Swords, 1988)
Zusätzliche Werke
- Der Unheilige Gral (Original: The Grail, 1975 - eine Erzählung, die oft als Vorgeschichte betrachtet wird)
- Die Herren von Quarmall (Original: The Lords of Quarmall, 1980 - ein Roman, der oft als Begleitbuch zur Serie gesehen wird)
Manche der Bände erschienen sogar Schlag auf Schlag unterhalb eines Jahres. Ergänzt wird die Reihenfolge durch eine Vorgeschichte und ein Begleitbuch. Ihren Ursprung feierte die Buchreihe schon im Jahr 1968 und im Jahr 1988 kam dann der vorerst letzte Teil auf den Markt.
Fritz Leiber reads his story "Gonna Roll the Bones"
Fritz Leibers Werk und Stil
Leibers Werk zeichnet Vielfalt aus. Er verstand, sich mit gleicher künstlerischer Energie und Qualität in verschiedenen Genres auszudrücken oder die Genres - etwa Horror mit Science-Fiction in der Geschichte "The Oldest Soldier" (1960) - scheinbar mühelos zu vermischen. Leiber sah Science-Fiction, Horror und Fantasy nicht als eigenständige Genres, sondern eher als frei kombinierbare Erzählmöglichkeiten an.
Leibers größte Leistungen erbrachte er als Autor von über 200 Kurzgeschichten, obwohl auch mehrere gelungene - und mit Preisen ausgezeichnete - Romane von ihm stammen. Den Grund, warum seine Kurzgeschichten mehr Anklang fanden als seine Romane, sah er selbst unter anderem darin, dass es sehr schwierig sei, „... die Stimmung von übernatürlichem Horror über die Länge eines Romans aufrechtzuerhalten. [...] Und seit die SF sich für Ideen, Meinungen und Spekulationen interessiert (und das, was unmöglich scheint, möglich macht), ist sie ebenfalls mehr für Kurzgeschichten geeignet - wahrscheinlich aber nicht in dem Maße wie das Horror-Genre“.
Speziell die Fantasy- und Horror-Texte Leibers strahlen heute zumeist eine (im guten Sinne) altmodische Gediegenheit aus und verraten, wie ernsthaft und sorgfältig er die Konstruktion von Plot, Details und Charakteren betrieb. Aber auch stilistisch wegweisende Texte, die etwa die New Wave in der Science-Fiction der 1960er Jahre vorwegnehmen, stammen von ihm.
Leiber hat sowohl erfolgreich bereits vorhandene Themen aus dem Fundus der Science-Fiction übernommen (etwa das Motiv der Zeitreise als Grundlage einer Serie von Geschichten um den „Change War“, zu der auch der Roman "The Big Time" gehört), als auch selbst als Erneuerer von Genres gewirkt. So kann er heute als einer der Begründer des modernen urbanen Horrors und der urbanen Fantasy gelten, die nicht mehr auf viktorianische Spukhäuser, Spinnweben und flatternde Gewänder angewiesen ist, und man kann ihm die Mitentwicklung des Genres der Sword and Sorcery zuschreiben, mit dem er unter anderem zum Vorbild für mehrere jüngere Schriftsteller wurde.
Ausgewählte Romane und ihre Themen
- The Wanderer (1964): Ein Katastrophenroman, der Melancholie, rassenübergreifenden Sex zwischen Mensch und außerirdischem Katzenwesen und eine Schilderung der Swinging Sixties in Kalifornien verbindet.
- The Big Time (1958): Ein Zeitreise-Roman, dessen Handlung auf einen einzigen kleinen Raum mit nur einer Handvoll Figuren konzentriert ist, die innerhalb einer kurzen Zeitspanne agieren, was den Text wie ein Bühnenstück wirken lässt.
- The Silver Eggheads (1962): Eine bissige SF-Satire.
- A Specter is Haunting Texas (1969): Eine weitere bissige SF-Satire.
- Our Lady of Darkness (1977): Ein Horror-Roman, der als eines der gelungensten und eindringlichsten Werke des Autors gilt und vom Tod von Leibers Frau geprägt ist.
- Conjure Wife (1953): Ein früher Horror-Roman, der dreimal verfilmt wurde.
- The Green Millennium (1953): In diesem Roman spielen erstmals Aliens in Gestalt von Katzen eine zentrale Rolle.
Leiber verstand es, die Elemente von Science-Fiction, Horror und Fantasy geschickt zu verbinden und schuf damit Werke, die bis heute Leser begeistern.
Wichtige Hinweise zur Edition Phantasia
Die Edition Phantasia bringt die Werke Fritz Leibers ungekürzt und in neuer Übersetzung heraus. Die Ausgaben werden als sehr hochwertig beschrieben, auch wenn die Bindung bei manchen dickeren Bänden wie "Der unheilige Gral" anfänglich problematisch sein kann. Die Qualität der Ausstattung und Verarbeitung wird jedoch insgesamt gelobt, und die Reihe wird als eine Möglichkeit empfohlen, die Klassiker in prächtiger Ausstattung zu genießen.
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