Beikost für Babys: Ein Leitfaden zur Einführung fester Nahrung

Die Einführung von Beikost markiert einen wichtigen Meilenstein im Leben eines Babys und seiner Eltern. Sie ergänzt die ausschließliche Milchernährung und versorgt das wachsende Kind mit zusätzlichen Nährstoffen, die für seine Entwicklung unerlässlich sind. Dieser Prozess erfordert Geduld und Aufmerksamkeit für die individuellen Bedürfnisse des Kindes.

Der richtige Zeitpunkt für den Beikoststart

Der Organismus von Babys benötigt ab dem zweiten Lebenshalbjahr eine erhöhte Menge an bestimmten Nährstoffen wie Eisen, Calcium, Zink und Vitamin B6. Diese Mengen können durch alleiniges Stillen nicht mehr sicher gedeckt werden. Daher wird empfohlen, Säuglingen zusätzlich zur Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung Beikost zu füttern.

Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt für alle Kinder, auch für allergiegefährdete, die Einführung der Beikost frühestens mit Beginn des 5. und spätestens mit Beginn des 7. Lebensmonats.

Der genaue Zeitpunkt ist jedoch von Kind zu Kind verschieden. Es ist wichtig, auf die sogenannten Beikost-Reifezeichen zu achten, die anzeigen, wann Ihr Baby bereit für den ersten Brei ist. Diese Zeichen können sein:

  • Ihr Baby greift nach dem Essen.
  • Es verfolgt den Löffel vom Teller zum Mund.
  • Es schmatzt interessiert und kaut.
  • Der Brei wird nicht mehr reflexartig mit der Zunge herausgeschoben.
  • Es sitzt (mit leichter Unterstützung) eine kurze Zeit aufrecht.
  • Es öffnet den Mund, wenn der Löffel kommt.

Die Baby & Essen-App bietet zusätzliche Orientierung und Informationen rund um die Stillzeit und Babynahrung für die ersten 12 Monate.

Infografik mit den Beikost-Reifezeichen für Babys

Schrittweise Einführung der Breimahlzeiten

Beim Start mit der Beikost stillen Sie parallel weiter oder geben die Flasche. Der Brei sollte Schritt für Schritt eingeführt werden, damit sich Säuglinge an das neue Essen gewöhnen können.

Der erste Brei: Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei

Der erste Brei für den Säugling besteht klassischerweise aus Gemüse, Kartoffeln sowie Fleisch oder Fisch. Ein guter Anfang ist, vor der Milchmahlzeit am Mittag zunächst ein Gemüsepüree zu füttern. Dazu werden nach und nach Kartoffeln, Rapsöl, Fleisch oder Fisch sowie etwas Fruchtsaft hinzugegeben, um schrittweise die vollständige Breimahlzeit zu etablieren.

Beispiel für die Einführung (1. Monat):

  • 1. Woche: Beginn mit 2-3 Teelöffeln purem Gemüsebrei, Steigerung auf bis zu 100 g.
  • 2. Woche: Zugabe von etwa 50 g Kartoffeln und 1 Esslöffel Beikost-Öl zum Gemüse.
  • 3. Woche: Ergänzung mit 20-30 g magerem Fleisch.

Als Nachtisch kann etwas Obstmus oder Obstsaft unter den Brei gerührt werden. Abwechslung bei den Gemüsesorten (z. B. Karotten, Pastinaken, Kürbis, Zucchini, Blumenkohl, Brokkoli, Kohlrabi) und den Beikostzutaten (Kartoffeln können durch Nudeln, Reis oder andere Getreidesorten ersetzt werden) ist erwünscht.

Eine vegetarische Alternative für den ersten Brei besteht aus Gemüse, Kartoffeln und Vollkornhaferflocken, ergänzt mit Rapsöl und Fruchtsaft.

Am Ende des ersten Monats der Breieinführung sollte eine ganze Milchmahlzeit mittags durch diesen Brei ersetzt sein. Wenn das Baby die volle Breimenge schafft, benötigt es danach keine zusätzliche Milch mehr.

Bilder von verschiedenen Gemüsesorten und Kartoffeln für Babybrei

Der zweite Brei: Milch-Getreide-Brei

Wenn Babys den ersten Brei gut annehmen, kann etwa einen Monat später der zweite Brei eingeführt werden. Der Milch-Getreide-Brei, bestehend aus Milch und Getreide, eignet sich sehr gut für den Abend.

Für eine gute Nährstoffzufuhr ist die Verwendung von Vollkorngetreide wichtig. Milchbrei kann leicht selbst hergestellt werden. Dabei können pasteurisierte und ultrahocherhitzte Vollmilch, länger frische (ESL), H-Milch mit 3,5 Prozent Fett oder eine Säuglingsmilch verwendet werden. Von Roh- oder Vorzugsmilch wird abgeraten.

Fertige Milchbreie aus dem Handel sollten bevorzugt werden, deren Zusammensetzung dem selbst zubereiteten Brei ähnlich ist und die wenige Zutaten sowie keine unnötigen Zusätze wie Kakao, Schokolade, Aromen und größere Mengen Süßungsmittel enthalten. Der Zusatz von Vitaminen, Mineralstoffen und Milchsäurebakterien ist nicht nötig, ein Zusatz von Jod ist jedoch von Vorteil.

Wichtig: Über den Milch-Getreide-Brei hinaus sollte es im ersten Lebensjahr keine Kuhmilch als Getränk geben. Erst gegen Ende des ersten Lebensjahres und nur im Rahmen von Brotmahlzeiten wird Kuhmilch zum Trinken aus einem Glas oder einer Tasse empfohlen. Von weiteren milchhaltigen Zwischenmahlzeiten wie Quark, Joghurt oder Pudding raten Expert:innen aufgrund des hohen Proteingehalts ab.

Der dritte Brei: Getreide-Obst-Brei

Ungefähr einen Monat nach Einführung des zweiten Breis kommt ein milchfreier Getreide-Obst-Brei hinzu, der die Stillmahlzeit oder Säuglingsnahrung am Nachmittag ersetzen kann. Morgens und nach Bedarf sollte weiterhin gestillt oder Säuglingsmilchnahrung gegeben werden.

Dafür werden Vollkorngetreideflocken (z. B. Hafer-, Dinkel-, Weizen- oder Hirseflocken) mit etwas Wasser verrührt, aufgekocht und quellen gelassen. Dem warmen Brei werden Obst der Saison wie Apfel, Birne, Pfirsich, Aprikose, Nektarine, Banane und Rapsöl beigemischt.

Auch hier sind im Handel fertige milchfreie Vollkorn-Obst-Breie erhältlich. Achten Sie bei diesen darauf, dass die Zusammensetzung dem selbstzubereiteten Brei ähnlich ist und die Breie keine Milchprodukte enthalten. Sollte kein Fett in den Gläschen enthalten sein, fügen Sie dieses hinzu.

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Fingerfood als Ergänzung zum Brei

Ergänzend zu den Breimahlzeiten können Sie Ihrem Baby auch Fingerfood anbieten. So kann es Lebensmittel in verschiedenen Texturen mit allen Sinnen entdecken. Geeignet sind beispielsweise Stücke von weichem Gemüse, gekochte Nudeln, Brot, gekochtes Fleisch, durchgegarte Eier oder auch reifes, weiches Obst.

Da beim Essen von stückigen Lebensmitteln mehr motorische Fertigkeiten beim Greifen, Kauen und Schlucken gefragt sind, ist es empfehlenswert, mit der Einführung ein wenig später zu beginnen. Lebensmittel mit Verschluckungsgefahr wie ganze Nüsse, Beeren, Trauben, Cracker oder Stücke von rohem hartem Gemüse oder Obst sollten unbedingt vermieden werden. Ihr Kind sollte bei jedem Essen immer aufrecht sitzen und dabei beaufsichtigt werden.

Besonders für Babys, die die Breimahlzeiten nicht so gut annehmen, kann Fingerfood eine sinnvolle Ergänzung sein. Bei einer ausschließlichen Ernährung mit Fingerfood (wie beim sogenannten "Baby-led weaning") ist eine ausreichende Nährstoffversorgung jedoch nicht immer gesichert. In solchen Fällen empfiehlt es sich, dies mit der Kinder- und Jugendärztin oder dem Kinder- und Jugendarzt zu besprechen und eine qualifizierte Ernährungsberatung aufzusuchen.

Der Familientisch

Bereits ab dem 10. Monat können die Kleinkinder langsam an den Familientisch herangeführt werden. Ihre Portion sollte dabei möglichst nicht gesalzen und gewürzt sein; stattdessen können Kräuter zur Verfeinerung verwendet werden. Leberwurst ist für kleine Kinder nicht geeignet, da sie als Filterorgan Schadstoffe speichert.

Wichtige Tipps für die Beikosteinführung

Die Einführung von Beikost kann für Eltern eine Herausforderung sein, aber mit einigen Grundregeln wird der Prozess erleichtert:

  • Gelassen bleiben: Jedes Kind lernt essen in seinem eigenen Tempo. Vergleichen Sie Ihr Baby nicht mit anderen.
  • Kein Zwang: Eltern wählen aus, was das Kind essen darf - das Kind bestimmt, wie viel es davon isst. Motivieren Sie Ihr Kind zum Probieren, aber zwingen Sie es niemals zum Essen.
  • Sinnliches Erkunden: Spielen mit dem Essen ist erlaubt und erwünscht, um neue Lebensmittel zu entdecken.
  • Rituale helfen: Kleine Rituale vor dem Essen (z. B. Händewaschen, Tischspruch) geben Orientierung.
  • Positive Stimmung: Schaffen Sie eine angenehme Atmosphäre beim Essen und vermeiden Sie Streit und Ablenkung.
  • Regeln festlegen: Altersgerechte und konsequent umgesetzte Regeln am Esstisch sind wichtig.
  • Keine Snacker: Halten Sie zwischen den Mahlzeiten Esspausen von 2-3 Stunden ein und vermeiden Sie Dauerknabbern.
  • Selbst regulieren: Lassen Sie Ihr Kind selbst erfahren, wann es hungrig und satt ist. Drängen Sie es nicht, weiter zu essen.
  • Keine Machtspiele: Essen ist keine Leistung. Vermeiden Sie Essen als Belohnung oder Bestrafung.

Wenn Ihr Baby den ersten Brei bekommt, ist Geduld gefragt. Anfangs wird ein Teil des Essens wieder aus dem Mund laufen, was normal ist, da das Kind das Schlucken fester Nahrung erst üben muss.

Abwechslung ist Trumpf? Babys mögen nicht zu viel Neues auf einmal. Führen Sie nicht zu schnell zu viele neue Nahrungsmittel ein. Ihr Kind kann ruhig ein paar Tage lang dasselbe essen. Kommt etwas nicht gut an, pausieren Sie und geben Sie Ihrem Kind den Brei, den es mag.

Mit dem Umstieg auf festere Nahrung braucht Ihr Kind mehr Flüssigkeit. Bieten Sie über den Tag verteilt immer wieder etwas (stilles) Wasser an. Wasser ist ein ideales Kindergetränk.

Selbst kochen oder kaufen? Brei selbst zu kochen ist einfach, meist preiswerter und ermöglicht die Verwendung saisonaler und regionaler Produkte. Industriell hergestellte Babykost erfüllt hohe gesetzliche Anforderungen und spart Zeit. Beide Optionen sind gleichwertig und die Entscheidung liegt bei den Eltern, je nach Tagesablauf und persönlichen Präferenzen.

Bilder von frisch zubereitetem Babybrei und industriell hergestellten Babykostgläschen

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