Die Dammmassage zur Geburtsvorbereitung

Die Geburt ist ein einschneidendes Ereignis im Leben einer Frau. Um das Risiko von Geburtsverletzungen wie Dammrissen oder Dammschnitten zu minimieren, empfehlen viele Hebammen eine Dammmassage in den letzten Schwangerschaftswochen. Diese Praxis zielt darauf ab, das Gewebe flexibler und widerstandsfähiger für die Geburt zu machen.

Was ist der Damm und warum ist er wichtig?

Der Damm, auch bekannt als Perineum, ist der Bereich zwischen dem Scheideneingang und dem After. Er ist Teil der Beckenbodenmuskulatur und beherbergt zahlreiche Nerven, was ihn sehr empfindlich macht. Während der Geburt steht der Damm unter erheblichem Druck, wenn das Baby durch den Geburtskanal tritt. Dies kann zu Rissen im Gewebe führen.

Ein Dammschnitt (Episiotomie) war früher ein gängiger Eingriff, um Rissverletzungen vorzubeugen. Heutzutage wird er seltener durchgeführt, da er mitunter langfristigere Folgen haben kann als ein spontaner Riss und schlechter verheilt.

Schema des weiblichen Beckens mit Hervorhebung des Damms

Ist eine Dammmassage sinnvoll?

Ja, eine Dammmassage kann das Risiko von Geburtsverletzungen reduzieren. Studien, die die Daten von fast 2.500 Schwangeren auswerteten, zeigten, dass eine vorbereitende Dammmassage in den letzten Schwangerschaftswochen die Häufigkeit von Dammrissen verringerte und die Notwendigkeit eines Dammschnitts reduzierte, insbesondere bei der ersten vaginalen Geburt.

Neben den physischen Vorteilen trägt die Dammmassage auch zur mentalen Vorbereitung auf die Geburt bei. Frauen lernen, diesen oft vernachlässigten Körperbereich besser kennen und setzen sich aktiv mit dem bevorstehenden Ereignis auseinander.

Ab wann und wie oft sollte die Dammmassage durchgeführt werden?

Der empfohlene Zeitpunkt für den Beginn der Dammmassage ist in der Regel die 34. bis 36. Schwangerschaftswoche. In dieser Phase der Schwangerschaft produzieren die Hormone, die das Gewebe weicher und nachgiebiger machen, sind sie besonders wirksam.

Die Häufigkeit der Massagen kann variieren. Viele Expertinnen und Experten raten zu einer täglichen Durchführung für etwa fünf Minuten. Einige Studien deuten jedoch darauf hin, dass eine wöchentliche Durchführung ebenfalls einen schützenden Effekt haben kann.

Grafik mit Zeitstrahl der Schwangerschaft, die den optimalen Zeitraum für die Dammmassage hervorhebt

Anleitung für eine Dammmassage

Für die Dammmassage ist eine entspannte Atmosphäre wichtig. Nehmen Sie sich Zeit für sich und sorgen Sie für eine angenehme Umgebung.

Vorbereitung:

  • Hände waschen: Gründliche Hygiene ist unerlässlich. Waschen Sie Ihre Hände sorgfältig mit milder Seife und stellen Sie sicher, dass Ihre Fingernägel kurz sind, um Verletzungen zu vermeiden.
  • Bequeme Position: Eine halbsitzende Position mit einem Kissen im Rücken oder das Aufstellen eines Beines auf einem Hocker oder dem Badewannenrand sind oft gut geeignet. Manche Frauen bevorzugen die Massage im Stehen.
  • Öl auswählen: Verwenden Sie ein gynäkologisch getestetes, parfümfreies Öl, das für den Intimbereich geeignet ist. Spezielle Dammmassageöle aus der Drogerie oder Apotheke sind ideal. Beispiele sind Öle auf Basis von Weizenkeimöl, Mandelöl oder Jojobaöl. Auch pflanzliche Öle natürlichen Ursprungs sind geeignet. Vermeiden Sie synthetische Öle oder solche mit starken Duftstoffen, die Hautreizungen verursachen könnten.
  • Optional: Wärme: Ein warmer Teebeutel (schwarzer Tee, ca. 5 Minuten auflegen) oder eine warme Kompresse kann vor der Massage angewendet werden, um das Gewebe aufzuwärmen und die Durchblutung zu fördern.

Durchführung der Massage:

  1. Geben Sie zwei bis drei Tropfen Öl auf Daumen, Zeige- und Mittelfinger.
  2. Führen Sie den Daumen etwa zwei Zentimeter in die Vagina ein.
  3. Legen Sie den Zeigefinger außen an den Damm, zwischen Scheideneingang und After.
  4. Dehnen Sie den Damm mit dem Daumen von der Innenseite der Vagina aus in Richtung After, bis Sie eine leichte Spannung spüren.
  5. Halten Sie diese Spannung für einige Sekunden. Sie können dabei ein leichtes Kribbeln oder Brennen spüren, aber es sollte nicht schmerzen.
  6. Streichen Sie mit beiden Fingern (Daumen von innen, Zeigefinger von außen) mit sanftem Druck hin und her und massieren Sie den Bereich in einer U-förmigen Bewegung.
  7. Erhöhen Sie allmählich den Druck und die Dehnung, um das Gewebe an die Dehnung während der Geburt zu gewöhnen.
  8. Achten Sie auf tiefe Atemzüge und versuchen Sie, die Muskeln zu entspannen.
  9. Die Massage sollte insgesamt nicht länger als 10 Minuten dauern.
Illustration, die die korrekte Position der Finger bei der Dammmassage zeigt

Die Dammmassage kann auch vom Partner oder der Partnerin durchgeführt werden, wenn dies für beide angenehm ist. Die Technik bleibt dabei ähnlich.

Welches Öl eignet sich für die Dammmassage?

Die Wahl des richtigen Öls ist entscheidend. Es sollte:

  • Gynäkologisch getestet sein.
  • Parfümfrei sein.
  • Für den Intimbereich geeignet sein.

Spezielle Dammmassageöle aus der Apotheke oder Drogerie sind empfehlenswert. Beispiele sind Produkte von Weleda, Lansinoh oder Motherlove. Auch reine Pflanzenöle wie Mandelöl, Weizenkeimöl oder Jojobaöl können verwendet werden. Als Alternative zu Öl kann auch eine Salbe auf Aminosäurenbasis, wie die Feminex-Salbe, verwendet werden, insbesondere wenn Narbengewebe vorhanden ist.

Vermeiden Sie:

  • Synthetische Öle oder Gleitmittel
  • Produkte mit starken Duftstoffen
  • Öle, die nicht für den Intimbereich getestet wurden

Ist eine Dammmassage für alle Schwangeren empfehlenswert?

Grundsätzlich ist die Dammmassage eine sinnvolle Ergänzung zur Geburtsvorbereitung. Es gibt jedoch Situationen, in denen Vorsicht geboten ist oder auf die Massage verzichtet werden sollte:

  • Vorzeitige Wehen: Wenn Sie zu vorzeitigen Wehen neigen, sollten Sie vorab Ihre Hebamme oder Ihren Frauenarzt/Ihre Frauenärztin konsultieren.
  • Krampfadern: Bei Krampfadern im unteren Scheiden- und Analbereich sollte auf die Dammmassage verzichtet werden.
  • Pilzinfektionen oder Entzündungen: Liegt eine Infektion im Intimbereich vor, muss diese zuerst behandelt werden, bevor mit der Massage begonnen wird.

Bei Unsicherheiten ist es immer ratsam, ärztlichen Rat einzuholen.

Hilfsmittel zur Dammmassage

Spezielle Instrumente wie aufblasbare Silikon-Ballons sind nicht notwendig. Die Massage mit den Fingern ist ausreichend und ermöglicht ein besseres Gefühl für das Gewebe.

Dammmassage, eine Anleitung aus der Hebammenpraxis. Geburtsvorbereitende Maßnahmen

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