Der Puls eines Neugeborenen ist ein entscheidender Indikator für seine Gesundheit und sein Wohlbefinden. Während der Schwangerschaft und nach der Geburt wird die Herzfrequenz des Babys sorgfältig überwacht, um sicherzustellen, dass es sich normal entwickelt und keine Anzeichen von Stress oder Komplikationen aufweist.
Die Entwicklung des Herzschlags während der Schwangerschaft
Das Herz ist das erste Organ, das sich im sich entwickelnden Fötus bildet. Bereits in der 5. Schwangerschaftswoche beginnt es zu schlagen. Etwa ab der 6. bis 7. Schwangerschaftswoche ist der Herzschlag des Babys im Ultraschall sichtbar. Mit einem speziellen Ultraschallgerät, dem Fetal-Doppler, können die Herztöne oft schon ab der 12. Schwangerschaftswoche wahrgenommen werden. Mit einem Höhrrohr sind die Herztöne etwa ab der 18. bis 20. Schwangerschaftswoche hörbar, und mit einem Stethoskop lassen sie sich später, ungefähr ab der 24. Schwangerschaftswoche, abhören. Bei jeder Vorsorgeuntersuchung wird der Herzschlag des Babys kontrolliert.
Methoden zur Überprüfung des Herzschlags
Es gibt verschiedene Methoden, um die kindlichen Herztöne festzustellen:
- Ultraschall: Bei jeder Ultraschalluntersuchung wird die Herzaktion des Babys überprüft. Spezielle Untersuchungen wie der Doppler-Ultraschall kontrollieren den Blutfluss und können helfen, Fehlbildungen des Herzens zu erkennen. Die Echokardiografie ist eine detaillierte Untersuchung des kindlichen Herzens.
- Fetal-Doppler: Dieses handliche Ultraschallgerät nimmt die kindliche Herzfrequenz auf und gibt sie als akustisches Signal wieder. Es ersetzt jedoch nicht andere Überwachungssysteme.
- Auskultation (Abhören): Das Abhören mit einem Höhrrohr oder Stethoskop ermöglicht es, die kindliche Herzfrequenz zu überwachen. Hebammen nutzen dafür häufig ein Stethoskop.
- Kardiotokografie (CTG): Dieses Verfahren zeichnet die Herzfrequenz des Babys und die Wehentätigkeit der Mutter auf. Es wird oft zur Kontrolle des fetalen Wohlbefindens am Ende der Schwangerschaft und während der Geburt eingesetzt.

Der normale Herzschlag bei Neugeborenen und Kindern
Der Herzschlag eines Embryos ist in der Regel doppelt so schnell wie der eines Erwachsenen. In den ersten Schwangerschaftswochen liegt die Herzfrequenz typischerweise zwischen 120 und 160 Schlägen pro Minute. Bei Neugeborenen liegt der Ruhepuls bei etwa 130 Schlägen pro Minute. Mit zunehmendem Alter verringert sich die Herzfrequenz allmählich:
| Alter (Jahre) | Herzfrequenz (Schläge pro Minute) |
|---|---|
| <1 | 110-160 |
| 1-2 | 100-150 |
| 2-5 | 95-140 |
| 5-12 | 80-120 |
| >12 | 60-100 |
Es ist wichtig zu verstehen, dass die Herzfrequenz von Kindern und Jugendlichen anders bewertet werden muss als die von Erwachsenen. Das kleinere Herz von Kindern muss schneller schlagen, um den Körper mit ausreichend Blut und Nährstoffen zu versorgen. Die Ruheherzfrequenz bei Heranwachsenden ist aufgrund einer dominant sympathikotonen Regulation höher.
Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen
Kinder weisen im Vergleich zu Jugendlichen und Erwachsenen eine höhere Herzschlagfrequenz auf. Dies liegt am kleineren Herzen und dem daraus resultierenden geringeren Schlagvolumen. Je kleiner das Kind, desto höher ist die Frequenz. Morphologische und somatische Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern sowie eine höhere Ruheherzfrequenz bei Heranwachsenden sind die Gründe dafür. Die kontinuierliche Verminderung der Pulsfrequenz erfolgt mit zunehmendem Alter.
Wichtige Vorsorgeuntersuchungen nach der Geburt
Direkt nach der Geburt sind die U1 und U2 wichtige Vorsorgeuntersuchungen, bei denen Herz- und Pulsschlag von Neugeborenen überprüft werden. Zusätzlich findet das Pulsoxymetrie-Screening statt. Seit Januar 2017 wird dieses Screening Eltern im Rahmen der U1/U2 kostenlos angeboten. Die U1 erfolgt 24 bis 48 Stunden nach der Geburt, und in Sonderfällen kann die Pulsoxymetrie bereits vier Stunden nach der Geburt durchgeführt werden. Dieses Screening dient dazu, mögliche Herzfehler, die pränatal nicht erkannt wurden, schneller und verlässlicher aufzudecken.

Pulsmessung bei Kindern
Die Pulsmessung bei Kindern ist ebenso einfach wie bei Erwachsenen. Eine gängige Methode ist die Messung an der Speichenarterie am Handgelenk: Zwei Finger werden auf die Innenseite des Handgelenkes unterhalb des Daumens gelegt, und die Schläge in der Arterie werden für 30 Sekunden gezählt. Alternativ kann ein Pulsoximeter verwendet werden, um den Puls bequem an der Fingerspitze zu messen.
Das Kardiotokogramm (CTG)
Das CTG, auch als Kardiotokografie bezeichnet, ist eine nicht-invasive Untersuchungsmethode, die die Herztöne des Fötus und die Wehentätigkeit der Mutter aufzeichnet. Moderne Geräte können auch Kindsbewegungen erfassen. Zwei Sensoren werden auf die Bauchdecke der Mutter gelegt, die über einen Gurt fixiert werden. Diese Sensoren senden Ultraschallwellen aus und leiten die empfangenen Signale an einen Rechner weiter, der die Kontraktionen der Gebärmutter und die Herztöne des Kindes in Kurven umwandelt.
Wann wird ein CTG eingesetzt?
Früher wurde das CTG routinemäßig ab der 30. Schwangerschaftswoche bei Vorsorgeuntersuchungen eingesetzt. Nach aktuellen Leitlinien wird dies bei einer komplikationslosen Schwangerschaft ohne Risiken nicht mehr empfohlen, da keine eindeutigen Vorteile für Mutter und Kind nachgewiesen wurden. Das CTG kommt bei unauffälligen Schwangerschaften in der Regel erst während der Geburt zum Einsatz. In bestimmten Fällen, wie bei drohender Frühgeburt (ab der 27. SSW), vorzeitigen Wehen oder auffälligen Herztönen (ab der 28. SSW), kann ein CTG auch während der Schwangerschaft notwendig sein. Bei der Geburt wird es zur Beurteilung der kindlichen Reaktion auf Wehen und der Wehentätigkeit eingesetzt. Bei einer vaginalen Geburt nach Kaiserschnitt (VBAC) wird eine kontinuierliche CTG-Untersuchung empfohlen.
Interpretation der CTG-Werte
Die auf dem CTG-Ausdruck dargestellten Kurven können zunächst verunsichernd wirken. Die obere Kurve zeigt die kindliche Herzfrequenz, die untere die Wehentätigkeit der Mutter. Moderne Geräte können auch Kindsbewegungen aufzeichnen. Ein unauffälliger Befund liegt bei einer durchschnittlichen Herzfrequenz des Babys zwischen 110 und 160 Schlägen pro Minute, wobei Schwankungen normal sind. Akzelerationen (Ausschläge nach oben) können durch Bewegung des Kindes verursacht werden, während Dezelerationen (kurzzeitige Abfälle) während einer Wehe auftreten können, wenn vorübergehend weniger Blut von der Plazenta zum Kind gelangt. Die Wehen werden hinsichtlich ihrer Frequenz und Dauer bewertet.
Besorgniserregende CTG-Befunde
- Suspektes CTG: Grundfrequenz zwischen 100 und 109 Schlägen pro Minute oder über 160 Schläge pro Minute. Hier besteht nicht sofort Handlungsbedarf, manchmal können Maßnahmen wie eine andere Gebärhaltung oder Flüssigkeitszufuhr stabilisierend wirken.
- Pathologisches CTG: Grundfrequenz unter 100 Herzschläge pro Minute. Dies birgt ein hohes Risiko für eine Sauerstoffunterversorgung, weshalb umgehend Maßnahmen ergriffen und Ursachen ausgeschlossen werden müssen.
Bei einem pathologischen CTG werden sofortige Maßnahmen ergriffen, wie die Lagerung der Gebärenden auf die linke Seite, die Gabe von Wehenhemmern oder das Abstellen des Wehentropfes. Wenn diese Maßnahmen nicht greifen, ist eine sofortige Entbindung notwendig, gegebenenfalls per Zange, Saugglocke oder Notkaiserschnitt.
Was ist ein CTG? - Medizin ABC | Asklepios
Besonderheiten bei Neugeborenen und Säuglingen
Die Gesundheit von Neugeborenen und Säuglingen kann sich schnell verändern. Drei Indikatoren geben Aufschluss über krankhafte Veränderungen: Haut, Puls und Atmung.
- Haut: Eine gräuliche Haut kann auf eine Infektion hindeuten, eine bläuliche Farbe auf Sauerstoffmangel.
- Puls: Bei einem Neugeborenen liegt der Puls bei etwa 100-120 Schlägen pro Minute, bei einem Säugling bei etwa 80 Schlägen pro Minute. Ein schnellerer Puls kann ein Warnsignal sein.
- Atmung: Bei Neugeborenen sind 40-60 Atemzüge pro Minute normal, bei Säuglingen 30-40. Abweichungen von dieser Norm sollten Eltern aufhorchen lassen.
Bei Bewusstlosigkeit ist es wichtig, die Vitalzeichen des Kindes zu prüfen, ohne es zu schütteln. Ein kräftiges Zwicken in den Fuß kann eine Reaktion hervorrufen.
Erste Hilfe bei Kindern
Im Falle einer Wiederbelebung bei Neugeborenen oder Säuglingen wird folgende Reihenfolge empfohlen:
- Kind auf eine harte Unterlage legen, Köpfchen leicht überstrecken.
- Fünfmal beatmen (Mund über Mund und Nase des Kindes).
- Eine Minute lang reanimieren, dann den Notruf wählen (112).
- Weiter beatmen und mit der Herzmassage beginnen (30 Mal Herzmassage, 2 Mal Beatmung).
Der ideale Druckpunkt für die Herzmassage liegt zwei Fingerbreit unter der Linie, die die Brustwarzen verbindet. Die Drucktiefe sollte etwa ein Drittel der Brustkorbtiefe betragen.

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