Plazentavorlage nach künstlicher Befruchtung: Ursachen und Risiken

Die Diagnose Placenta praevia, auch bekannt als Plazentavorlage oder Fehllage des Mutterkuchens, kann bei Schwangeren Verunsicherung auslösen. Diese Komplikation birgt das Risiko schwerwiegender Komplikationen, darunter Blutungen, die Notwendigkeit einer vorzeitigen Geburtseinleitung oder der Ausschluss einer vaginalen Entbindung.

Früherkennung und Entwicklung der Plazenta

Der Sitz der Plazenta wird bereits zwischen der neunten und zwölften Schwangerschaftswoche mittels Ultraschall untersucht. Diese frühe Diagnostik ermöglicht es, Fehllagen zeitnah zu erkennen und die Schwangere aufzuklären. Hebammen wie Manuela Rauer beobachten jedoch, dass die anfängliche Beunruhigung bei Eltern oft unbegründet ist.

Viele zunächst festgestellte Plazentavorlagen lösen sich im weiteren Verlauf der Schwangerschaft auf. Während etwa fünf bis sechs Prozent der Schwangeren die Diagnose Placenta praevia erhalten, sinkt diese Zahl zum Entbindungstermin auf nur noch 0,4 Prozent. Dies erklärt sich durch das Wachstum der Gebärmutter, die die Plazenta im Zuge ihrer Ausdehnung vom Muttermund wegziehen kann.

Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, ergänzt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Auflösung besonders groß ist, wenn die Plazenta anfangs nur teilweise über dem inneren Muttermund oder an dessen Rand liegt. Um die 16. Schwangerschaftswoche kann sich das befruchtete Ei, das sich ursprünglich nahe am Muttermund eingenistet hat, durch das Wachstum der Gebärmutter nach oben verschieben.

Darstellung des Wachstums der Gebärmutter und der Plazenta während der Schwangerschaft

Ursachen der Placenta praevia

Die Ursache für die tiefe Einnistung der Plazenta liegt in der Stelle, an der sich das befruchtete Ei in die Gebärmutterwand eingenistet hat. Bestimmte Faktoren können das Risiko einer Einnistung in der Nähe des Gebärmutterausgangs erhöhen:

  • Mehrere vorausgegangene Geburten oder Fehlgeburten.
  • Probleme mit der Plazentaablösung bei früheren Geburten.
  • Ausschabungen der Gebärmutter.
  • Einnistung des Eis in der Nähe bestehender Narben, beispielsweise nach früheren Operationen oder Kaiserschnitten.

Zusätzlich gelten ein höheres Alter der Schwangeren, Rauchen und künstliche Befruchtung als Risikofaktoren. Dennoch kann eine Placenta praevia auch ohne diese Faktoren auftreten.

Einfluss der Plazentalage auf Schwangerschaft und Geburt

Die Auswirkungen einer Plazentavorlage auf den weiteren Schwangerschaftsverlauf und die Geburt hängen von der genauen Position der Plazenta ab:

  • Normallage: Die Plazenta befindet sich im oberen Bereich der Gebärmutter, an der Vorder- oder Rückwand.
  • Placenta praevia marginalis: Die Plazenta reicht bis zum Rand des inneren Muttermunds.
  • Placenta praevia totalis: Die Plazenta liegt direkt vor der Muttermundöffnung und schließt den Geburtskanal vollständig. In diesem Fall ist eine vaginale Entbindung nicht möglich, und das Kind muss per Kaiserschnitt geboren werden.

Je tiefer die Plazenta liegt, desto wahrscheinlicher wird ein Kaiserschnitt. Die Lage des Mutterkuchens beeinflusst somit maßgeblich die Art der Entbindung.

Management bei Placenta praevia

Bei einer Plazentavorlage, bei der die Plazenta weniger als zwei Zentimeter vom inneren Muttermund entfernt liegt, handelt es sich um eine Risikoschwangerschaft. Die werdende Mutter wird engmaschig überwacht.

Blutungen als Warnsignal

Solange die Placenta praevia keine Symptome, insbesondere Blutungen, verursacht, beeinträchtigt sie die Entwicklung des Babys nicht. Treten jedoch frische Blutungen auf, ist sofortiges Handeln erforderlich. In solchen Fällen sollte umgehend der Notarzt gerufen und die Schwangere ins Krankenhaus gebracht werden. Dort werden Mutter und Kind engmaschig überwacht. Gegebenenfalls erhält die Frau Flüssigkeit per Infusion und Blutkonserven zur Kreislaufstabilisierung. Manchmal kann ein Notkaiserschnitt notwendig sein.

Symbolbild für eine Notaufnahme im Krankenhaus mit Fokus auf Schwangerschaftskomplikationen

Vorbereitung auf eine Frühgeburt

Aufgrund des erhöhten Risikos für eine Frühgeburt können Ärzte der Mutter wehenunterdrückende Mittel verabreichen und, je nach Schwangerschaftswoche, Medikamente zur Förderung der Lungenreifung des Babys. Gegen Ende der Schwangerschaft, etwa zwischen der 30. und 32. Woche, ist bei fortbestehender tiefer Plazentalage eine deutliche Verhaltensänderung im Alltag der Schwangeren notwendig. Anstrengende Tätigkeiten wie das Tragen von Einkäufen oder Geschwisterkindern, schwere Hausarbeit, Sport und Geschlechtsverkehr sind tabu. Jegliche mechanische Belastung und Risse in den Blutgefäßen der Plazenta müssen vermieden werden, um eine Frühgeburt zu verhindern. Bei Auftreten von Blutungen wird der Arzt ein Beschäftigungsverbot aussprechen und die Schwangere muss möglicherweise länger liegen.

Natürliche Geburt trotz Placenta praevia?

Selbst wenn die Plazenta den inneren Muttermund nur teilweise bedeckt, besteht ein hohes Risiko für schwere Blutungen vor Beginn der Wehen. In solchen Fällen wird in der Regel ein Kaiserschnitt geplant, da eine natürliche Geburt als zu gefährlich eingestuft wird.

Bei einer Placenta praevia totalis und partialis ist eine Spontangeburt ausgeschlossen. Bei einer natürlichen Geburt würde sich die Plazenta zuerst lösen, was den Sauerstoffversorgung des Kindes unterbrechen würde. Zudem bestünde für die Mutter die Gefahr unstillbarer Blutungen, die möglicherweise nur durch eine Notoperation, inklusive der Entfernung der Gebärmutter, gestillt werden könnten.

Nur wenn die Plazenta den Rand des Muttermunds lediglich berührt, ihn aber nicht einnimmt, kann unter bestimmten Bedingungen eine natürliche Geburt möglich sein. Der Arzt muss hierbei per Ultraschall sicherstellen, dass die Plazenta weit genug vom Muttermund entfernt liegt, um bei der Dehnung der Gebärmutter während der Geburt nicht zu reißen.

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Künstliche Befruchtung und erhöhte Risiken

Studien deuten darauf hin, dass Schwangerschaften, die durch künstliche Befruchtung (ART - Assisted Reproductive Technology) entstanden sind, mit einem erhöhten Risiko für Geburtskomplikationen einhergehen können. Eine umfassende Analyse von fast 79 Millionen Krankenhausgeburten in den USA über zwei Jahrzehnte hinweg ergab, dass Frauen, die durch ART schwanger wurden, ein um 42 Prozent höheres Risiko für Plazentaablösung (Abruptio placentae) und eine um 46 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für Frühgeburten aufwiesen als Frauen, die auf natürlichem Wege schwanger wurden.

Es wurden auch ethnische Unterschiede festgestellt: Frauen weißer Hautfarbe, die durch ART schwanger wurden, hatten ein um 42 Prozent höheres Risiko einer Plazentaablösung, während Frauen hispanischer Herkunft ein noch höheres Risiko von 66 Prozent aufwiesen.

Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer sorgfältigen Überwachung von Schwangerschaften, die durch ART erzielt wurden, insbesondere wenn Komplikationen auftreten. Die Forscher betonen das komplexe Zusammenspiel zwischen Fruchtbarkeitsbehandlungen und Schwangerschaftsergebnissen.

Weitere Komplikationen nach künstlicher Befruchtung

Neben Plazentavorlagen und -ablösungen werden nach künstlicher Befruchtung auch andere Komplikationen häufiger beobachtet:

  • Erhöhtes Risiko für Fehlbildungen: Nach ICSI-Behandlung zeigen Kinder häufiger Chromosomen-Abweichungen.
  • Mehrlingsschwangerschaften: Die Übertragung mehrerer Embryonen erhöht die Wahrscheinlichkeit von Zwillingen oder Drillingen, was wiederum das Risiko für Frühgeburten und damit verbundene Komplikationen steigert.
  • Eileiterschwangerschaften (Extrauteringravidität).
  • Fehlgeburten: Das Risiko ist höher, was teilweise auf das höhere Durchschnittsalter der Frauen zurückzuführen ist, die sich für Fruchtbarkeitsbehandlungen entscheiden.
  • Ovarielles Hyperstimulationssyndrom (OHSS).
  • Infektionen: Nach der Eizellentnahme ist eine sorgfältige Hygiene entscheidend.

Es gibt Hinweise darauf, dass Subfertilität ohne ART das Risiko postpartaler Hämorrhagien nicht erhöht, was darauf hindeutet, dass ART ein unabhängiger Risikofaktor sein könnte. Möglicherweise beeinflussen ART-Verfahren die frühe Plazentabildung und die Ausbildung der maternal-fetalen Übergangszone. Strukturelle Anomalien, die zu einer größeren und dickeren Plazenta führen, sowie epigenetische Veränderungen in der Plazenta wurden bei ART-Schwangerschaften nachgewiesen.

Die Autoren empfehlen daher einen Single-Embryo-Transfer, um das Risiko von Mehrlingen zu minimieren, und raten, Kinderwunschpaare vor Beginn einer ART-Behandlung über das erhöhte Blutungsrisiko aufzuklären.

Infografik, die die verschiedenen Risiken nach künstlicher Befruchtung aufzeigt

Trotz dieser potenziellen Risiken verlaufen die meisten Schwangerschaften und Geburten nach künstlicher Befruchtung normal. Kinder, die auf natürlichem Wege oder mittels IVF/ICSI gezeugt wurden, zeigen bei Einlingsschwangerschaften keine signifikanten Unterschiede in ihrer körperlichen und psychischen Entwicklung.

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