Wenn der errechnete Entbindungstermin (ET) überschritten ist und die Geburt noch nicht eingesetzt hat, sind viele Schwangere ungeduldig. Während die Klinik oder Hebamme eventuell zur Geburtseinleitung raten, gibt es eine Reihe von natürlichen Methoden, die zu Hause ausprobiert werden können, um den Körper zu unterstützen und die Geburt auf sanfte Weise anzustoßen.
Bestimmung des Entbindungstermins
Der voraussichtliche Entbindungstermin (ET) kann auf verschiedene Weisen berechnet werden:
- Auf Grundlage des ersten Tages der letzten Periode bei der Frauenärztin.
- Mittels Ultraschallbestimmung.
- Nach der Naegele-Regel: 1. Tag der letzten Regelblutung + 7 Tage - 3 Monate + 1 Jahr.
Was tun, wenn der ET überschritten ist?
Ab der 42+0 Schwangerschaftswoche spricht man von einer Übertragung der Schwangerschaft. Bevor medizinische Maßnahmen zur Einleitung ergriffen werden, können verschiedene Hausmittel und unterstützende Maßnahmen zur Wehenanregung eingesetzt werden:
1. Bewegung und körperliche Aktivität
- Treppensteigen: Aktiviert die Muskulatur und fördert die Beweglichkeit des Beckens. Durch die schräge Beckenstellung wird die kindliche Position optimiert, und der Kopf des Babys wird unterstützt, sich ins Becken zu senken. Dies erhöht den Druck auf den Muttermund und kann die Freisetzung von Oxytocin (dem "Kuschelhormon", das auch Wehen auslöst) fördern. Wichtig ist, Pausen einzulegen und sich zwischendurch auszuruhen, um Erschöpfung zu vermeiden.
- Spaziergänge: Regelmäßige Spaziergänge, insbesondere bergab (Treppab), können durch die Schwerkraft die Darmbewegung anregen und somit indirekt Wehen fördern.

2. Entspannungsbäder
Ein Vollbad bei einer Wassertemperatur von nicht mehr als 37 Grad Celsius kann zur Entspannung beitragen und die Wehen intensivieren. Es ist ratsam, Getränke griffbereit zu stellen, um den Kreislauf zu unterstützen.
Zur Intensivierung der Wirkung kann man vier Tropfen Nelkenblätteröl, aufgelöst in 250 ml Kaffeesahne oder Milch, dem Badewasser hinzufügen. Das im Nelkenblätteröl enthaltene Eugenol wirkt muskelentspannend und gleichzeitig muskelstimulierend.
3. Nelkenblätteröl-Tampon (Vorsicht geboten)
Eine Mischung aus 50 Tropfen Nelkenblätteröl und 30 ml Mandelöl kann verwendet werden. Fünf Tropfen dieser Mischung auf einen Tampon aufgetragen und vaginal für eine Stunde eingeführt, sollen wehenfördernd wirken.
Kontraindikationen und Risiken:
- Ein vorzeitiger Blasensprung ohne Wehen ist eine Kontraindikation.
- Das vaginale Einführen des Tampons kann Keime in die Gebärmutter einschleppen und Infektionen begünstigen.
- Es besteht die Möglichkeit einer Unverträglichkeit gegen Nelkenblätteröl.
4. Senfmehl-Fußbad
Ein Fußbad mit einem Liter warmem Wasser und zwei Esslöffeln Senfmehl kann helfen, die Wehen zu fördern. Die Füße sollten etwa 15-20 Minuten darin gebadet, anschließend gründlich abgespült, getrocknet und eingecremt werden.
5. Sex und weiblicher Orgasmus
Während Sperma Prostaglandine enthält, die den Muttermund erweichen können, ist der weibliche Orgasmus ebenfalls von Bedeutung. Er setzt Oxytocin und Endorphine frei. Die Muskelkontraktionen während des Orgasmus fördern die Durchblutung von Beckenboden und Gebärmutter. Endorphine wirken schmerzlindernd, fördern Wohlbefinden und Entspannung und können Stress und Ängste abbauen.
6. Akupunktur
Eine sanfte Methode zur Geburtseinleitung nach dem errechneten ET ist die Akupunktur. Die Möglichkeit sollte bei der Hebamme oder in der Geburtsklinik erfragt werden.
7. Scharfes Essen
Es gibt keine wissenschaftlich fundierten Beweise dafür, dass scharfes Essen Wehen auslöst. Allerdings kann Capsaicin (in Chilis) den Kreislauf anregen, den Stoffwechsel ankurbeln und die Durchblutung im Beckenbereich steigern. Dies kann den Verdauungstrakt aktivieren und potenziell leichte Wehen auslösen.
8. Bauchmassage
Eine sanfte Bauchmassage mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn kann Stresshormone senken und das Nervensystem beruhigen. Unterstützend können Öle mit nachgesagter wehenfördernder Wirkung wie Nelkenblätteröl, Eisenkraut oder Zimt verwendet werden.
9. Brustwarzenstimulation
Durch sanftes Streicheln, Reiben der Brustwarzen oder die Verwendung einer Milchpumpe wird Oxytocin freigesetzt. Die Stimulation sollte nicht länger als 20 Minuten pro Sitzung dauern und als angenehm empfunden werden.

Pflaumensaft und Verdauungsprobleme
Verstopfung ist ein häufiges Problem während der Schwangerschaft. Der Druck der wachsenden Gebärmutter, hormonelle Umstellungen und die Einnahme von Eisenpräparaten können dazu beitragen. Pflaumensaft und Trockenpflaumen gelten als sanfte Abführmittel.
Pflaumensaft bei Verstopfung
Pflaumensaft, insbesondere in natürlicher Form ohne Zuckerzusatz, kann die Verdauung anregen. Ein kleines Glas am Morgen auf nüchternen Magen kann helfen. Größere Mengen (ab einem halben Liter) können abführend wirken und möglicherweise Durchfall und somit Wehen auslösen. Während der Stillzeit sollte die Wirkung auf das Baby beachtet werden.
Weitere Mittel bei Verstopfung
- Trockenfrüchte: Feigen, Datteln und Aprikosen sind ebenfalls reich an Ballaststoffen und wirken sanft abführend.
- Sauerkraut und Sauerkrautsaft: Enthaltene Milchsäurebakterien und Ballaststoffe regen die Verdauung an.
- Ballaststoffreiche Ernährung: Vollkornprodukte, Gemüse und Obst sind essenziell zur Vorbeugung und Linderung von Verstopfung.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Mindestens 2-3 Liter Wasser, verdünnte Säfte oder ungesüßte Tees pro Tag sind wichtig, um den Stuhl weich zu halten.
- Quellmittel: Leinsamen oder Flohsamen (Psyllium) quellen im Darm auf, erhöhen das Stuhlvolumen und regen die Darmtätigkeit an. Wichtig ist dabei, viel zu trinken.
- Sanfte Abführmittel: Produkte wie MICROLAX® oder Anulind® Mikroklistier können in der Schwangerschaft angewendet werden, da sie lokal wirken und den Körper kaum belasten. Lactulose und Macrogol sind ebenfalls osmotisch wirkende Abführmittel, die nach ärztlicher Absprache in Frage kommen.

Was sollte vermieden werden?
- Stark reizende Abführmittel wie Rizinusöl.
- Glaubersalz.
- Einläufe oder Klistiere ohne ärztliche Verordnung.
- Alkohol: Ein absolutes Tabu zur Entspannung und Wehenförderung.
Wichtige Hinweise
Jede Schwangerschaft ist individuell. Es gibt kein Patentrezept, das die Geburt sofort beginnen lässt. Geduld und das Vertrauen in den natürlichen Prozess des Körpers sind wichtig. Ein zu frühes Eingreifen ohne medizinische Indikation kann den natürlichen Geburtsprozess stören.
Es ist ratsam, sich bei Unsicherheiten oder anhaltenden Beschwerden stets an die Hebamme oder den Frauenarzt zu wenden.
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