Nach der Geburt erleben Mütter eine Zeit des Umbruchs, die von Freude über das Baby und dem körperlichen Heilungsprozess geprägt ist. Manchmal können jedoch unangenehme Beschwerden auftreten, wie zum Beispiel Hämorrhoiden. Dieses Thema wird oft aus Scham verschwiegen, obwohl es viele Frauen betrifft. Es ist wichtig zu wissen, dass Sie damit nicht allein sind.
Viele Frauen entwickeln während der Schwangerschaft oder im Wochenbett Hämorrhoiden. Typische Anzeichen hierfür sind:
- Juckreiz oder Brennen am After
- Ein Gefühl von Druck oder als ob etwas im Weg wäre
- Kleine Knötchen oder Schwellungen beim Abtasten
- Schmerzen beim oder nach dem Stuhlgang
- Gelegentlich etwas Blut auf dem Toilettenpapier
Wenn Sie sich unsicher sind, sprechen Sie dieses Thema am besten an. Glücklicherweise gibt es viele sanfte Möglichkeiten, Linderung zu verschaffen.

Was sind Hämorrhoiden?
Hämorrhoiden sind im Grunde gut durchblutete Gefäßpolster am Ende des Darms, rund um den Darmausgang. Jeder Mensch hat sie, und sie erfüllen eine wichtige Funktion: Sie sorgen zusammen mit den Schließmuskeln dafür, dass wir nicht permanent Stuhl verlieren und den Stuhlgang kontrollieren können. Probleme entstehen erst, wenn sich diese Polster vergrößern, entzünden oder hervortreten. Umgangssprachlich bezieht sich der Begriff "Hämorrhoiden" meist auf ein Hämorrhoidalleiden, also eine Entzündung und Vergrößerung dieses Gewebes.
Die verschiedenen Stadien von Hämorrhoiden
Hämorrhoiden werden in verschiedene Stadien eingeteilt, die sich nach der Ausprägung und dem Verhalten der Gefäßpolster richten:
- Stadium 1: Leichte Vergrößerung der inneren Hämorrhoiden, die weder sichtbar noch tastbar sind. Gelegentliche Blutungen können auftreten.
- Stadium 2: Die Hämorrhoiden treten beim Stuhlgang nach außen, ziehen sich aber von selbst wieder zurück. Blutungen und Schleimabsonderungen sind möglich.
- Stadium 3: Die Hämorrhoiden treten beim Stuhlgang oder bei körperlicher Anstrengung hervor und ziehen sich nicht von allein zurück. Sie können manuell zurückgeschoben werden. Schmerzen, Blutungen und Schleimabsonderungen sind häufig.
- Stadium 4: Die Hämorrhoiden liegen dauerhaft außerhalb des Afters und lassen sich nicht mehr zurückschieben. Dieses Stadium ist oft mit starken Schmerzen und anhaltenden Blutungen verbunden.

Ursachen von Hämorrhoiden nach der Geburt
Die Entstehung von Hämorrhoiden nach der Geburt hat mehrere Gründe, die oft miteinander zusammenhängen:
Körperliche Veränderungen während der Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft finden im Körper der Frau tiefgreifende Veränderungen statt:
- Druck des wachsenden Uterus: Die wachsende Gebärmutter übt Druck auf den Beckenbereich aus, was die Blutgefäße im Enddarm anschwellen lassen kann.
- Hormonelle Umstellungen: Hormone wie Progesteron und Östrogen lockern das Bindegewebe und die Gefäßwände. Dies führt dazu, dass die Blutgefäße elastischer werden und sich dehnen können. Gleichzeitig verlangsamt sich der Blutfluss, was den Druck auf die Venen erhöht.
- Zunahme des Blutvolumens: Während der Schwangerschaft erhöht sich die Blutmenge im Körper, was ebenfalls zu einer Dehnung der Blutgefäße beitragen kann.
Vorgänge während der Geburt
Der Geburtsvorgang selbst kann Hämorrhoiden begünstigen:
- Pressen während der Entbindung: Das starke Pressen während der Wehen und der Geburt erhöht den Druck auf die Blutgefäße im Beckenbereich erheblich und kann bestehende Hämorrhoiden verschlimmern oder neue auslösen.
- Geburtsposition: Obwohl nicht immer vermeidbar, kann die Geburtsposition den Druck auf die Beckenvenen beeinflussen. Aufrechte Positionen, bei denen die Schwerkraft mithilft, könnten die Rate an Hämorrhoiden etwas reduzieren.
Weitere Faktoren im Wochenbett
Auch nach der Geburt können Faktoren zur Entstehung oder Verschlimmerung von Hämorrhoiden beitragen:
- Verstopfung: Verstopfung ist im Wochenbett häufig, teils hormonell bedingt. Starkes Pressen beim Stuhlgang erhöht den Druck auf die Gefäße im Enddarm.
- Bewegungsmangel: Die Schonung im Wochenbett kann zu einem trägen Darm führen.
- Belastung des Beckenbodens: Der noch geschwächte Beckenboden kann den Druck auf den Analbereich erhöhen.
- Anhaltender Druck: Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft mit Hämorrhoiden zu kämpfen hatten, haben ein höheres Risiko, dass sich diese nach der Geburt verschlimmern.
Hämorrhoiden – das kannst du gegen vergrößerte Hämorrhoiden tun | AOK
Symptome von Hämorrhoiden nach der Geburt
Die Symptome von Hämorrhoiden können je nach Stadium und individueller Ausprägung variieren. Häufige Anzeichen sind:
- Juckreiz und Brennen: Entzündete Hämorrhoiden können ein Sekret absondern, das die Haut am After reizt und zu Juckreiz und Brennen führt.
- Schmerzen: Ein stechender oder brennender Schmerz, besonders während oder nach dem Stuhlgang und beim Sitzen, kann auf Hämorrhoiden hinweisen. Äußere Hämorrhoiden sind oft schmerzhafter.
- Blutungen: Hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier oder im Stuhl ist ein häufiges Symptom, das meist bei inneren Hämorrhoiden auftritt.
- Schwellungen: Spürbare oder sichtbare Schwellungen und Knoten um den After herum deuten auf äußere Hämorrhoiden hin.
- Gefühl der unvollständigen Darmentleerung: Ein Druckgefühl oder das Gefühl, den Darm nicht vollständig entleert zu haben, kann ebenfalls ein Hinweis sein.
Diagnose und Arztbesuch
Wenn Sie eines oder mehrere dieser Symptome bemerken, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Der Arzt wird zunächst Ihre Krankengeschichte aufnehmen und nach Ihren Symptomen fragen. Eine körperliche Untersuchung, bei der der Analbereich inspiziert wird, reicht bei äußeren Hämorrhoiden oft aus. Bei Verdacht auf innere Hämorrhoiden kann eine rektale Untersuchung oder eine Enddarmspiegelung (Anoskopie, Proktoskopie) notwendig sein.
Ein Arztbesuch ist besonders wichtig bei:
- Anhaltenden oder starken Blutungen
- Starken Schmerzen
- Schmerzhaften Schwellungen oder Knoten
- Plötzlichen Veränderungen im Stuhlgang
- Anhaltendem Juckreiz oder Reizung
Besonders nach der Geburt sollten Hämorrhoiden-Symptome ärztlich abgeklärt werden, um eine gezielte Behandlung zu erhalten und andere Ursachen auszuschließen.
Vorbeugende Maßnahmen gegen Hämorrhoiden
Auch wenn Hämorrhoiden nicht immer vermeidbar sind, können Sie durch bestimmte Maßnahmen das Risiko reduzieren und die Beschwerden lindern:
Ernährung und Flüssigkeitszufuhr
- Ballaststoffreiche Ernährung: Integrieren Sie viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte in Ihre Mahlzeiten. Ballaststoffe quellen im Darm auf, machen den Stuhl weicher und erleichtern die Darmentleerung.
- Ausreichend trinken: Trinken Sie mindestens zwei Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag. Dies hilft, den Stuhl weich zu halten und die Verdauung zu fördern. Auch Birnen- oder Pflaumensaft können unterstützend wirken.
Bewegung und Körperhaltung
- Regelmäßige Bewegung: Leichte Bewegung wie Spaziergänge kann die Darmtätigkeit anregen. Vermeiden Sie jedoch Überanstrengung im Wochenbett.
- Richtige Sitzhaltung auf der Toilette: Nutzen Sie einen kleinen Hocker, um die Füße anzuwinkeln. Diese Hockposition erleichtert den Stuhlgang und reduziert den Druck auf den Enddarm.
- Vermeiden Sie langes Sitzen oder Stehen: Dies kann den Druck auf die Beckengefäße erhöhen.
Hygiene und Pflege
- Sanfte Reinigung: Reinigen Sie den Analbereich nach dem Stuhlgang sanft mit lauwarmem Wasser. Vermeiden Sie stark parfümierte Seifen oder aggressive Feuchttücher. Tupfen Sie den Bereich vorsichtig trocken, anstatt zu reiben.
- Spezielle Produkte: Feuchte Toilettentücher für empfindliche Haut oder Reinigungsschaum mit pflegenden Inhaltsstoffen können hilfreich sein.

Was tun bei Hämorrhoiden nach der Geburt? Lindernde Maßnahmen
Wenn Hämorrhoiden bereits aufgetreten sind, gibt es verschiedene Methoden zur Linderung der Beschwerden:
Hausmittel und natürliche Verfahren
- Sitzbäder: Lauwarme Sitzbäder (ca. 37°C) mit Zusätzen wie Kamille, Eichenrinde oder Hamamelis können Schmerzen, Juckreiz und Entzündungen lindern. Sie können mehrmals täglich für 10-30 Minuten durchgeführt werden.
- Kälteanwendungen: Kalte Kompressen oder Eispackungen (in ein Tuch gewickelt) können Schwellungen reduzieren und Schmerzen lindern. Mehrmals täglich für 10-15 Minuten auflegen.
- Natürliche Salben und Öle: Salben mit Wirkstoffen wie Ringelblume, Hamamelis oder Aloe Vera können entzündungshemmend und wundheilend wirken. Achten Sie auf Produkte ohne reizende Zusatzstoffe.
- Kräuterzäpfchen: Selbstgemachte Zäpfchen aus Kakaobutter mit Extrakten von Eichenrinde, Beinwell, Schafgarbe oder Ringelblume können zur Linderung beitragen.

Medizinische Behandlung
Es gibt verschiedene rezeptfreie und verschreibungspflichtige Medikamente, die die Symptome von Hämorrhoiden lindern. Da viele davon nicht für die Stillzeit geeignet sind, ist eine Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker unerlässlich. Sie können Ihnen passende Salben, Zäpfchen oder Cremes empfehlen, die auch in der Stillzeit unbedenklich sind.
Bei stärkeren Beschwerden oder fortgeschrittenen Stadien können ärztliche Behandlungen wie eine Verödungstherapie (Spritzen zur Reduzierung der Durchblutung) oder eine Gummibandligatur (Abklemmen des Gewebes) infrage kommen. In schweren Fällen (Stadium 3 und 4) kann eine Operation notwendig sein.
Wann gehen Hämorrhoiden nach der Geburt weg?
In den meisten Fällen bilden sich Hämorrhoiden nach der Geburt von selbst zurück. Dies kann jedoch einige Zeit dauern - oft bis zu 6-8 Wochen (das sogenannte 4. Trimester). Geduld ist hier wichtig. Wenn die Beschwerden nach dieser Zeit weiterhin stark sind oder sich verschlimmern, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.
Wichtig ist, dass Sie sich nach der Geburt Zeit für die Heilung gönnen und auf Ihren Körper hören. Mit den richtigen Maßnahmen können Sie die Beschwerden lindern und die Heilung beschleunigen, um sich unbeschwert Ihrem Baby widmen zu können.