Die Epoche der Aufklärung stellt einen bedeutenden Abschnitt in der deutschen Literatur- und Geistesgeschichte dar und hatte tiefgreifende Auswirkungen auf das Denken und die Gesellschaft. Sie wird grob auf den Zeitraum von 1720 bis 1800 datiert und markiert den Beginn der modernen Zeit, in der die Vernunft als oberste Instanz des Denkens und Handelns galt.

Grundlegende Ideen und Ziele der Aufklärung
Im Kern der Aufklärung stand die Überzeugung, dass durch rationales Denken alle den Fortschritt behindernden Strukturen überwunden werden können. Es galt, Akzeptanz für neu gewonnenes Wissen zu schaffen, insbesondere für die Erkenntnisse der naturwissenschaftlichen Revolution des 16. und 17. Jahrhunderts. Die Aufklärer forderten die Befreiung von althergebrachten, starren und überholten Vorstellungen und Ideologien, oft im Widerstand gegen Tradition und Gewohnheitsrecht.
Wichtige Kennzeichen der Aufklärung sind:
- Die Berufung auf die Vernunft als universelle Urteilsinstanz.
- Der Kampf gegen Vorurteile.
- Die Hinwendung zu den Naturwissenschaften.
- Das Plädoyer für religiöse Toleranz.
- Die Orientierung am Naturrecht.
Gesellschaftspolitisch zielte die Aufklärung auf mehr persönliche Handlungsfreiheit (Emanzipation), Bildung, Bürgerrechte, allgemeine Menschenrechte und das Gemeinwohl als Staatspflicht. Viele Vordenker der Aufklärung waren fortschrittsoptimistisch und glaubten, dass eine vernunftorientierte Gesellschaft die Probleme des menschlichen Zusammenlebens schrittweise lösen würde.

Der Begriff "Aufklärung" und seine Herkunft
Der deutsche Ausdruck "Aufklärung" wurde um 1770 gebräuchlich. Er leitet sich vom Verb "aufklären" im Sinne von "sich über einen Sachverhalt Klarheit verschaffen" ab. Dies spiegelt sich auch in den fremdsprachigen Bezeichnungen wider: Auf Französisch heißt die Epoche Siècle des Lumières (Jahrhundert der Lichter), auf Englisch Enlightenment (Erleuchtung). Die Lichtmetaphorik betont die Überwindung der Dunkelheit des Mittelalters durch das Licht der Erkenntnis.
Die Denkannahmen der Aufklärung stehen im Zentrum der Kritik der Theoretiker der Postmoderne, während viele Geistes- und Sozialwissenschaftler sich weiterhin positiv auf die Gedanken der Aufklärung beziehen und sich in der Moderne verwurzelt sehen. Die europäische Aufklärung wird angesichts ihrer Spätfolgen auch als unabgeschlossenes und ambivalentes Projekt gedeutet.
Historischer und gesellschaftlicher Kontext
Die Epoche der Aufklärung ereignete sich in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher und politischer Umwälzungen. Nach den Religionskriegen und Pestepidemien des Barock, die das Heilige Römische Reich deutscher Nation in über 300 Kleinstaaten zersplittert hatten, entwickelte sich eine neue Grundstimmung. Mit der verbesserten wirtschaftlichen Entwicklung und dem Einfluss der Wissenschaften entstand ein optimistischerer Blick auf die menschliche Position im Kosmos.
Das Bürgertum gewann an Bildung und Wohlstand und begann, die traditionellen Machtverhältnisse und die angeblich gottgegebenen Hierarchien in der Gesellschaft zu hinterfragen. Die Aufklärung legte den Grundstein für einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel und entwickelte ein neues Verständnis für Bürger- und Menschenrechte. Die Ideen der Aufklärung fanden Anfang des 19. Jahrhunderts unter dem Bürgertum in allen deutschen Fürstentümern großen Anklang.
Die Französische Revolution von 1789, deren Anhänger "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" forderten, ist eine direkte Folge der aufklärerischen Impulse. In dieser Revolution wurden die Privilegien des Klerus und Adels abgeschafft und die Leibeigenschaft beendet.

Philosophische Strömungen: Rationalismus und Empirismus
In der Epoche der Aufklärung dominierten zwei zentrale philosophische Strömungen:
Rationalismus
Der Rationalismus, begründet von René Descartes (1596-1650) mit dem berühmten Zitat "Ich denke, also bin ich", betont, dass Wissen primär durch Vernunft entsteht. Die Rationalisten forderten, überliefertes Wissen kritisch zu hinterfragen und nicht blind anzunehmen.
Empirismus
Der Empirismus, dessen wichtigster Vertreter John Locke war, geht davon aus, dass Wissen hauptsächlich aus Erfahrung und Sinneswahrnehmung stammt. Locke postulierte, dass der Mensch als unbeschriebenes Blatt geboren wird und seine Erkenntnis sich durch Beobachtung und Wahrnehmung zusammensetzt.
Die Metaphorik des Lichts spielt eine zentrale Rolle bei der Definition der Aufklärung und betont die Überwindung von Dunkelheit und Aberglauben durch Erkenntnis und Vernunft.
Aufklärung in der Literatur
Die Literatur der Aufklärung diente als Brücke zwischen der philosophischen Ideenwelt und dem breiteren Bürgertum. Autoren verfolgten das Ziel, die Öffentlichkeit zu erreichen und durch ihre Werke zu erziehen. Sie wandten sich von der höfischen Gesellschaft ab und schrieben nun auch für das Bürgertum, was zu neuen literarischen Formen und Themen führte.
Literarische Gattungen
Die Literatur der Aufklärung zeichnet sich durch eine Vielfalt an Gattungen aus, die oft eine didaktische und erzieherische Funktion hatten:
- Lehrgedichte: Reflektierten über Gegenstände oder Themen und vermittelten Wissen oder moralische Lehren.
- Gedankenlyrik: Thematisierte philosophische oder religiöse Reflexionen und Gedankenprozesse.
- Das Drama: War die beliebteste Gattung, da man sich von ihr die größte Wirkung auf die Erziehung und Veränderung des Publikums versprach. Das aufkommende bürgerliche Trauerspiel bot Identifikationsmöglichkeiten und ließ Lesende moralische Konflikte durchleben.
- Der Roman: Erlebte eine Blütezeit, wobei der Fokus vom adeligen Helden auf den bürgerlichen Protagonisten wechselte. Die Erzählweise wurde klarer und sachlicher. Wichtige Formen waren der bürgerliche Roman, autobiografische Romane und satirische Formen.
- Die Fabel: Erreichte im 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt und diente sowohl der Unterhaltung als auch der Belehrung, indem menschliches Handeln auf Tiere übertragen wurde.
- Parabeln: Dienten ebenfalls der Veranschaulichung moralischer oder philosophischer Lehren.
- Satirische Formen: Wurden genutzt, um Missstände und Torheiten der Zeit aufzudecken.
- Aphorismen: Kurze, prägnante Sinn- oder Lebenssprüche, wie sie Georg Christoph Lichtenberg in seinen Sudelbüchern sammelte.
Das Zeitalter der Aufklärung - Geschichte einfach erklärt
Wichtige Autoren und Werke
Zentrale Figuren der Aufklärung prägten die Literatur entscheidend:
- Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781): Gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller der Epoche. Seine Werke wie Nathan der Weise (1779), Emilia Galotti und Minna von Barnhelm gehören bis heute zum Standardrepertoire. Lessing setzte sich für ein deutsches Nationaltheater ein und entwickelte das bürgerliche Drama weiter.
- Christoph Martin Wieland (1733-1818): Bekannt für seinen Roman Die Geschichte des Agathon (1766-1767), gilt er als erster Epiker der Zeit.
- Johann Christoph Gottsched (1700-1766): Versuchte, die deutsche Literatur durch Regelwerke und eine strenge Poetik zu reformieren und verurteilte die Barockdichtung aus aufklärerischer Sicht. Seine Dramentheorie, die die Ständeklausel vertrat, wurde später von Lessing kritisiert.
- Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799): Bekannt für seine scharfsinnigen Aphorismen in den Sudelbüchern.
- Voltaire (1694-1778): Französischer Aufklärer, bekannt für Candide, ou l'optimisme.
- Jean-Jacques Rousseau (1712-1778): Philosoph und Schriftsteller, dessen Werk Émile oder über die Erziehung großen Einfluss hatte.
Die Rolle Friedrichs des Großen
Friedrich II. von Preußen, auch bekannt als Friedrich der Große, war eine Schlüsselfigur des aufgeklärten Absolutismus. Ab 1740 regierte er als preußischer König und führte wichtige wirtschaftliche Neuerungen sowie innenpolitische Reformen ein, die Preußen stabilisierten. Er erweiterte zudem das Territorium seines Reiches durch Kriege. Als aufgeklärter Monarch war er ein Verfechter religiöser Toleranz und trug zur Stärkung Preußens als europäische Großmacht bei.
Pädagogik der Aufklärung
Die Pädagogik der Aufklärung spielt eine herausragende Rolle in der Geschichte der abendländischen Erziehung. Sie war das Ziel der Reformpädagogik im ausgehenden 19. Jahrhundert und wird bis heute in Teilen als "schwarze Pädagogik" geschmäht. Im Zentrum stand die Idee, dass Bildung und Wissen die Voraussetzung für eine gerechte und fortschrittliche Gesellschaft sind. Bildung sollte allen Menschen die Möglichkeit geben, sich durch Vernunft aus eigener Unfreiheit zu befreien, sowohl geistig als auch materiell.
Zitat von Immanuel Kant: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen." Dies wurde zum Leitmotiv des 18. Jahrhunderts.
Gegenbewegungen und Weiterentwicklung
Kritik an der reinen Vernunftorientierung der Aufklärung entstand bereits seit etwa 1750 unter den Aufklärern selbst. Spätere Gegenbewegungen wie der Sturm und Drang und die Romantik, aber auch der Skeptizismus und der politische Konservatismus des frühen 19. Jahrhunderts, setzten sich mit den Ideen der Aufklärung auseinander. Die Epoche der Aufklärung kann fließende Übergänge zu angrenzenden Epochen wie der Empfindsamkeit, dem Sturm und Drang und teilweise der Weimarer Klassik und Romantik aufweisen.

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