Die Bestimmung von Laborparametern bei Neugeborenen spielt eine entscheidende Rolle für die klinische Interpretation von Gesundheitszuständen. Die Europäische Gemeinschaft hat mit der Direktive 98/79 CE die Hersteller von Diagnostika verpflichtet, in den Packungsbeilagen die Grenzen zwischen normal und pathologisch sowie Referenzbereiche für Laborparameter anzugeben. Diese Empfehlung wurde von internationalen Fachgesellschaften angenommen.
Die Festlegung von Referenzbereichen, die die 2,5% und 97,5% Perzentile gesunder Personen von der Geburt bis ins hohe Alter abdecken, ist für viele Laboruntersuchungen, insbesondere bei Kindern, eine Herausforderung. Die Gewinnung alters- und geschlechtsspezifischer Blutproben von gesunden Kindern ist ethisch und praktisch eingeschränkt. Zudem erschwert die Vielzahl unterschiedlicher Reagenzien und Analysensysteme die Etablierung einheitlicher Referenzbereiche.
Studien wie der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KIGGS) in Deutschland und das Canadian Laboratory Initiative on Pediatric Reference Intervals (CALIPER) haben sich der Bestimmung kontinuierlicher Referenzintervalle bei Kindern und Jugendlichen gewidmet. Die CALIPER-Studie untersuchte Blutproben von etwa 9700 Kindern und Jugendlichen, um alters- und geschlechtsspezifische Referenzbereiche für klinisch-chemische Laborparameter zu ermitteln. Diese Referenzbereiche, die von vielen Laboratorien in Kanada, den USA und Europa angewendet werden, basieren auf kanadischen Populationen und können sich aufgrund von Unterschieden in Lebensweise und Ernährung von europäischen Werten unterscheiden. CALIPER liefert zudem nur begrenzte Informationen zu Referenzbereichen für Feten, Frühgeborene und Neugeborene.
Die in den Tabellen genannten Bereiche wurden teilweise direkt bestimmt und sind, mit Ausnahme der KIGGS-Untersuchung, keine offiziellen Referenzbereiche. Aufgrund geringer Probandenzahlen und abweichender Verfahren handelt es sich oft um orientierende Bereiche. Es ist wichtig zu beachten, dass Referenzintervalle und Ergebnisse verschiedener Hersteller nicht immer direkt vergleichbar sind.
Was ist C-reaktives Protein (CRP)?
Das C-reaktive Protein (CRP) ist ein Eiweißstoff, der zu den Akute-Phase-Proteinen des Immunsystems gehört. Es wird in der Leber gebildet und seine Konzentration im Blut steigt bei Entzündungen oder Infektionen an. CRP spielt eine Rolle bei der Unterstützung des Immunsystems, indem es an tote Abwehrzellen oder körperfremde Substanzen bindet und diese für Fresszellen (Makrophagen) markiert.
Die CRP-Werte können bei einer akuten Entzündung innerhalb weniger Stunden stark ansteigen, sich aber auch ebenso schnell wieder absenken, sobald die Entzündung abklingt. Der CRP-Wert gibt jedoch keinen Hinweis auf den genauen Ort der Entzündung im Körper.

Wann wird der CRP-Wert bestimmt?
Die Bestimmung des CRP-Wertes erfolgt in erster Linie, um folgende Fragen zu klären:
- Besteht eine Entzündung oder ein Infekt im Körper?
- Wie schwer verläuft die Entzündung und hält sie an?
- Handelt es sich um eine virale oder bakterielle Entzündung? (Bakterielle Infekte führen in der Regel zu deutlich höheren CRP-Werten als virale Infekte.)
- Wirkt die antibiotische oder antientzündliche Therapie?
CRP wird häufig bei Fieber oder diffusen Schmerzen bestimmt, um eine Entzündung als Ursache zu identifizieren.
CRP-Referenzwerte bei Neugeborenen und Kindern
Generell liegt der normale CRP-Wert im Blut bei Erwachsenen unter 5 mg/l (0,5 mg/dl). Dieser Grenzwert gilt in der Regel für alle Altersgruppen. Allerdings können die Referenzbereiche je nach Labor leicht variieren.
Bei Neugeborenen und Kindern sind die Interpretation von CRP-Werten und die Festlegung von Referenzbereichen komplexer. Studien deuten darauf hin, dass Werte bis etwa 25 bis 30 mg/L im ersten und zweiten Trimester der Schwangerschaft im normalen Bereich liegen können. In Studien lag der Medianwert schwangerer Frauen bei etwa 17 mg/L, was deutlich über dem Bereich nicht-schwangerer Frauen liegt. Ein Wert über 20 mg/L ist in der Schwangerschaft nicht automatisch ein Warnsignal; erst Werte über 30 mg/L sollten kritisch betrachtet werden, und Werte über 50 mg/L deuten oft auf eine Infektion hin.
In klinischen Leitlinien wird CRP als wichtiger Marker zur Unterstützung von Therapieentscheidungen herangezogen. Beispielsweise empfehlen NICE-Leitlinien in Großbritannien, bei Atemwegsinfektionen unter 20 mg/L keine Antibiotika zu verordnen. Ähnliche Empfehlungen finden sich in niederländischen Leitlinien. In Deutschland werden CRP-Werte als ergänzender Marker eingesetzt, wobei die Entscheidung über Antibiotika im klinischen Gesamtkontext getroffen wird.
Es ist wichtig zu betonen, dass es keinen einzelnen "gefährlichen" oder "tödlichen" CRP-Wert gibt. Ein erhöhter CRP-Wert allein ist keine Diagnose, sondern zeigt lediglich eine Entzündungsaktivität im Körper an. Die Ursachen können vielfältig sein und reichen von bakteriellen und viralen Infektionen bis hin zu Tumoren. CRP ist kein spezifischer Tumormarker, obwohl einige Krebserkrankungen eine systemische Entzündungsreaktion auslösen können.
Infektionen bei Neugeborenen und die Rolle von CRP
Fetale und neonatale Infektionen können auf verschiedenen Wegen erworben werden: pränatal (transplazentar oder aufsteigend), intrapartal (während der Geburt durch Kontakt mit mütterlichen Flüssigkeiten oder aufsteigende Infektion) und postpartal (nach der Entbindung durch Kontakt mit mütterlichem Gewebe, Stillen oder Umfeld). Häufige Erreger sind Viren wie Herpes-simplex-Viren, HIV, CMV, Hepatitis B, sowie Bakterien wie Streptokokken der Gruppe B, Escherichia coli, Listeria monocytogenes.
Risikofaktoren für Infektionen bei Neugeborenen umfassen die Frühgeburtlichkeit, da Neugeborene immunologisch unreif sind. Mütterliche IgG-Antikörper, die die Plazenta passieren, sind nicht immer ausreichend vorhanden, und die eigene Antikörperproduktion sowie die Komplementaktivierung sind bei Frühgeborenen reduziert.
Symptome und Anzeichen von Infektionen bei Neugeborenen sind oft unspezifisch und können Erbrechen, Lethargie, Fieber oder Hypothermie, Tachypnoe, Hautausschläge oder Durchfall umfassen. Infektionen, die vor der Geburt erworben wurden, können auch Wachstums- oder Entwicklungsstörungen verursachen.
Die Diagnose von Infektionen stützt sich auf Anamnese, körperliche Untersuchung, Mikrobiologie, Blutbild und Entzündungsmarker wie CRP oder Procalcitonin. Spezifische mikrobiologische Tests können den Erreger identifizieren.
Die Behandlung von Infektionen umfasst antimikrobielle und unterstützende Therapien. Bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion wird empirisch eine antibiotische Therapie eingeleitet, deren Auswahl sich nach den Ergebnissen der Kulturen richtet. Bei Verdacht auf eine Virusinfektion kann eine antivirale Therapie notwendig sein.
Was sind Infektionskrankheiten?
In klinischen Diskussionen wird die Bedeutung des CRP-Wertes bei Neugeborenen hervorgehoben. Ein leicht erhöhter CRP-Wert bei einem Neugeborenen ohne Symptome kann auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein, darunter die Art der Geburt (z. B. Kaiserschnitt) oder das Gestationsalter. Die Entscheidung zur Entlassung eines Neugeborenen aus dem Krankenhaus wird unter Berücksichtigung des CRP-Wertes und des klinischen Zustandes des Kindes getroffen. Bei Unsicherheiten oder anhaltenden Sorgen ist es ratsam, den Kinderarzt zu konsultieren.
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