Während der Sommer- und Ferienzeit verbringen Kinder viel Zeit im Freien, oft bei intensiver UV-Strahlung, die selbst an bewölkten Tagen hoch sein kann. Neugeborene und Kleinkinder sind besonders gefährdet, da sie im Gegensatz zu Erwachsenen noch keinen ausgereiften körpereigenen Sonnenschutz besitzen. Die Augen von Babys unter 12 Monaten sind noch transparent, wodurch ein erheblicher Teil der UVA- und UVB-Strahlung die Netzhaut erreicht. Größere Pupillen, klare Augenlinsen und hellere Augen bei Kindern verstärken diesen Effekt und lassen mehr UV-Strahlen ins Augeninnere gelangen. Übermäßige Sonneneinstrahlung kann zu Verbrennungen der Augen, vorzeitigem Altern und schwerwiegenden Augenerkrankungen wie Hornhautentzündung (Keratitis) oder grauem Star (Katarakt) führen.

Hautschutz bei Säuglingen und Kleinkindern
Die Haut von Säuglingen und Kleinkindern ist besonders empfindlich gegenüber UV-Strahlung, da sie dünner ist und der UV-Eigenschutzschutz der Haut sich erst in den ersten Lebensjahren entwickelt. Daher ist es entscheidend, Babys und Kleinkinder vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen.
Schutzmaßnahmen in den ersten Lebensmonaten
- Babys unter einem Jahr, insbesondere in den ersten sechs Lebensmonaten, dürfen niemals direkter Sonne ausgesetzt werden.
- Sorgen Sie stets für einen Schattenplatz, idealerweise unter Bäumen, mit einem Sonnenschirm oder in einem Kinderwagen mit UV-Schutz.
- Vermeiden Sie auch im Schatten die pralle Sonne, um Überhitzung zu verhindern.
- Sonnenschutzmittel sollten im ersten Lebensjahr möglichst vermieden werden, um die empfindliche Babyhaut nicht unnötig zu belasten.
- Babyöl ist kein Sonnenschutzmittel und kann die Lichtempfindlichkeit der Haut sogar erhöhen.
Schutzmaßnahmen nach dem ersten Lebensjahr
Auch nach dem ersten Lebensjahr sollten Kinder möglichst wenig direkter Sonnenbestrahlung ausgesetzt sein und ausreichend geschützt werden. Kinderhaut kann noch nicht schnell genug Pigmente produzieren, die als natürlicher Eigenschutz dienen, und UV-Schäden nur unzureichend reparieren.
UV-Index als Orientierungshilfe
Der UV-Index gibt Auskunft über die aktuelle Stärke der Sonneneinstrahlung und bietet eine gute Orientierung für Sonnenschutzmaßnahmen. Ein UV-Index von 1 oder 2 gilt als unbedenklich, ab 3 sind Schutzmaßnahmen empfehlenswert.
Sonnengerechte Kleidung
Der wirksamste Schutz, neben schattigen Plätzen, ist sonnengerechte Kleidung von Kopf bis Fuß:
- Kopfbedeckung: Ein Hut, eine Kappe oder ein Tuch mit Schirm und Nackenschutz schützt Gesicht, Nacken und Ohren.
- Kleidung: Luftige, nicht zu enge Kleidung, die möglichst viel vom Körper bedeckt, ist ideal. Langärmelige Hemden oder T-Shirts und weit geschnittene, möglichst lange Hosen sind empfehlenswert.
- UV-Schutzkleidung: Bestimmte Stoffe mit speziellen Webtechniken oder Imprägnierungen bieten erhöhten UV-Schutz (UV-Standard 801, UV-Schutzfaktor (UPF) mindestens 30).
- Beim Baden und Schwimmen sollten Schultern und Rücken durch ein T-Shirt oder spezielle UV-Kleidung geschützt werden, da nicht fest gewebte Baumwoll-T-Shirts im nassen Zustand UV-Strahlen durchlassen können.

Sonnenschutzmittel
Ergänzend zur Kleidung sollten alle nicht geschützten Körperteile wie Hände und Gesicht durch Sonnenschutzmittel geschützt werden. Häufiges Eincremen und ein hoher Lichtschutzfaktor dürfen jedoch nicht dazu verleiten, Kinder unbesorgt in der prallen Sonne spielen zu lassen.
- Empfehlung: Ab dem Alter von sechs Monaten können Eltern Sonnenschutzcreme verwenden.
- Lichtschutzfaktor: Mindestens 30, besser 50, insbesondere bei Kindern. Das Mittel sollte wasserfest sein und sowohl UV-A- als auch UV-B-Strahlen blocken.
- Auftragung: Sorgfältig auf alle unbedeckten Körperstellen auftragen, etwa eine halbe Stunde vor dem Aufenthalt im Freien. Eine ausreichende Menge ist wichtig, da sonst der Lichtschutzfaktor nicht wirksam ist.
- Wiederholung: Bei längerem Aufenthalt im Freien oder nach dem Baden wiederholt eincremen, da der Schutz durch Schwitzen und Abrieb nachlässt.
- Haltbarkeit: Achten Sie auf das Haltbarkeitsdatum der Sonnencreme.
- Mineralische vs. Chemische Filter: Mineralische Filter (Zinkoxid, Titandioxid) reflektieren das Licht und sind für Säuglinge oft besser verträglich als chemische Filter, die in die Haut eindringen können.

Augenschutz bei Kindern
Die Augen von Kindern sind besonders empfindlich gegenüber Sonnenlicht und UV-Strahlen. Eine extreme UV-B-Belastung, wie im Hochgebirge oder im Schnee, kann zu schmerzhaften Entzündungen der Horn- und Bindehaut führen.
Sonnenbrillen für Kinder
- Qualität: Vermeiden Sie bunte Billigsonnenbrillen. Eine gute Kindersonnenbrille muss perfekt passen, robust, kratzfest und bruchsicher sein.
- UV-Schutz: Das Wichtigste ist ein 100%iger UV-Schutz. Achten Sie auf das CE-Zeichen und die Norm DIN-EN 1836.
- Tönung: Die Tönung der Gläser gibt den Blendschutz an (Kategorie 1-4), sagt aber nichts über den UV-Schutz aus.
- Passform: Die Fassung sollte an die kindliche Gesichtsform angepasst sein, keine scharfen Metallteile enthalten und die Augen vollständig bedecken. Eine umschließende Form verhindert seitliches Einfallen von Sonnenlicht.
- Sitz: Ein guter und sicherer Sitz ist wichtig, damit die Brille beim Toben nicht herunterfällt.
- Fehlsichtigkeit: Ist das Kind fehlsichtig, muss die Sonnenbrille mit der entsprechenden Sehstärke ausgerüstet sein.
- Kontaktlinsen: Kontaktlinsen mit UV-Schutz sind nicht ausreichend, da sie nicht das gesamte Auge bedecken.
- Babys: Eine CE-geprüfte Babysonnenbrille mit UV 400 kann ab Säuglingsalter sinnvoll sein, besonders bei grellem Licht.

Weitere wichtige Aspekte
Vitamin D und Sonnenlicht
Sonnenlicht ist wichtig für die körpereigene Produktion von Vitamin D, das für die Knochengesundheit unerlässlich ist. Dennoch sollte die Sonnenexposition bei Babys und Kindern minimiert werden. Bereits kurze Aufenthalte im Freien, vor allem in den frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden, können ausreichen, um den Vitamin-D-Bedarf zu decken.
Vorbildfunktion der Eltern
Kinder lernen durch Nachahmung. Wenn Eltern mit gutem Beispiel vorangehen und selbst auf angemessenen Sonnenschutz achten, lernen Kinder eher, sich selbst zu schützen.
Sonnenschutz im Auto
Autoglas filtert nur die aggressive UV-B-Strahlung; UV-A-Strahlung dringt durch die Scheiben. Ein abnehmbarer UV-Schutz für die Fensterscheiben kann zusätzliche Strahlung abhalten.
Bei Sonnenbrand
Sollte es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Sonnenbrand kommen, ist es wichtig, die Haut sofort vor weiterer UV-Strahlung zu schützen. Feuchte, kalte Umschläge und hautberuhigende Lotionen können Linderung verschaffen.
Was hilft bei Sonnenbrand: Erste Hilfe, Hausmittel & Produkte aus der Apotheke | Dr. Johannes Wimmer
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