Die Schwangerschaft ist eine besondere Zeit, in der werdende Mütter oft ihre Pflegeroutinen überdenken. Während die meisten Kosmetikprodukte als harmlos gelten, gibt es einige Inhaltsstoffe, bei denen Vorsicht geboten ist, um das ungeborene Baby zu schützen. Da der Blutkreislauf von Mutter und Kind über die Plazenta und Nabelschnur verbunden ist, können aufgenommene Substanzen auch das Baby erreichen. Studien zeigen, dass nur wenige Frauen ihre Kosmetikroutine in der Schwangerschaft hinterfragen, wobei am ehesten Nagellack, Nagellackentferner oder Haarfarben kritisch betrachtet werden.

Bedenkliche Inhaltsstoffe in Kosmetika
Es gibt eine Reihe von Inhaltsstoffen in Kosmetikprodukten, die während der Schwangerschaft mit Vorsicht zu genießen sind:
- Phthalate: Diese Weichmacher, die in Cremes, Parfüms und Deos vorkommen, stehen im Verdacht, Krebs zu verursachen und Diabetes sowie Bluthochdruck zu fördern. Amerikanische Studien warnen vor einem erhöhten Risiko für Frühgeburten bei Exposition mit Phthalaten während der Schwangerschaft. Zudem gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Asthma-Risiko bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft Phthalaten ausgesetzt waren.
- Formaldehyd: Dieser chemische Stoff steht ebenfalls im Verdacht, Krebs zu erzeugen und Allergien auszulösen. Seine Verwendung in Kosmetika, wie Haarpflegeprodukten oder Wimpernklebern, ist streng geregelt.
- Parabene: Als Konservierungsstoffe machen Parabene Kosmetik haltbar und sind in vielen Produkten enthalten. Es wird vermutet, dass sie das Hormonsystem beeinflussen könnten, da sie chemisch dem Östrogen ähneln.
- Salicylsäure: Diese Säure findet sich in Hautpflegeprodukten gegen Pickel und Unreinheiten sowie in Anti-Schuppen-Shampoos. In hoher Konzentration könnte sie dem Ungeborenen schaden, jedoch sind solche Mengen in EU-zugelassenen Produkten unwahrscheinlich.
- Tetracyclin: Diese Form von Antibiotika wird manchmal in Kosmetika gegen Hautunreinheiten verwendet.
- Retinoide: Verwandt mit Vitamin A-Säure (Retinol), kann eine Überdosierung von Vitamin A die gesunde Entwicklung des Babys stören. Obwohl die Aufnahme über die Haut in Kosmetika gering sein mag, wird generell empfohlen, solche Produkte sicherheitshalber zu meiden.
- Polyethylenglykole (PEG): Diese Inhaltsstoffe machen die Haut durchlässiger für andere Wirkstoffe.
- MOSH und MOAH: Diese erdölbasierten Inhaltsstoffe, die beispielsweise in Lippenpflegeprodukten vorkommen, können leicht oral aufgenommen werden und stehen im Verdacht, gesundheitsschädigend und erbgutverändernd zu wirken.
- Synthetische Duftstoffe: Das Einatmen kann potenziell die Entwicklung der Fortpflanzungsorgane stören.
- Mikroplastik: In einer italienischen Studie wurde Mikroplastik in allen untersuchten Plazentas gefunden. Die langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern sind noch unbekannt, aber Wissenschaftler befürchten ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen.

Spezifische Produktkategorien und ihre Sicherheit
Einige Kosmetikprodukte bedürfen besonderer Aufmerksamkeit:
Haare färben
Die Inhaltsstoffe künstlicher Haarfarben dringen beim Färben in die Kopfhaut ein. Klinische Studien an Schwangeren sind aus ethischen Gründen nicht möglich, und die genauen Auswirkungen auf das Ungeborene sind unklar. Obwohl das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bei in Deutschland zugelassenen Produkten keine Gefahr sieht, können chemische Substanzen wie aromatische Amine ein Allergierisiko bergen. Aus diesem Grund wird geraten, insbesondere in den ersten drei Monaten auf das Haarefärben zu verzichten. Wenn es unbedingt sein muss, wird empfohlen, ab dem zweiten Trimester auf schonendere Alternativen zurückzugreifen.
Nagellack und künstliche Nägel
Herkömmlicher Nagellack enthält zwar bedenkliche Inhaltsstoffe, jedoch in so geringen Mengen, dass er in der Schwangerschaft grundsätzlich verwendet werden kann. Besonderes Augenmerk sollte darauf gelegt werden, die Dämpfe nicht einzuatmen, weshalb beim Lackieren ein Fenster geöffnet werden sollte. Produkte, die als "5-free" oder "10-free" gekennzeichnet sind, enthalten weniger kritische Stoffe. Gellacke sind ebenfalls unbedenklich. Bei der Pediküre sollte auf Verletzungen am Nagelbett geachtet werden, um Entzündungen zu vermeiden. Von künstlichen Gel-Nägeln wird abgeraten, da sie viele Chemikalien enthalten.
Professionelle Haarentfernung
Von Laserbehandlungen oder Haarentfernung per IPL wird während der Schwangerschaft abgeraten. Waxing oder Sugaring sind prinzipiell möglich, jedoch kann die Haut in der Schwangerschaft empfindlicher sein, was die Behandlungen schmerzhafter machen und zu Hautirritationen führen kann.
Gesichtspeeling
Gesichtspeelings sind bei unreiner Haut, die in der Schwangerschaft häufig vorkommt, prinzipiell kein Problem. Es ist jedoch wichtig, auf die Inhaltsstoffe zu achten und zu berücksichtigen, dass die Haut während der Schwangerschaft sensibler ist.
Deodorant
Viele Schwangere schwitzen vermehrt. Antitranspirante, die oft Aluminiumsalze enthalten, stehen in der Kritik, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie in den Körper gelangen und eine Gefahr darstellen könnten. Es wird empfohlen, auf aluminiumfreie Alternativen oder natürliche Deodorants zurückzugreifen. Das Rasieren der Achseln vor dem Auftragen von Deodorant sollte vermieden werden, da dies die Aufnahme durch kleine Hautverletzungen erleichtern könnte.
Sonnencreme und Selbstbräuner
Die Haut ist in der Schwangerschaft besonders empfindlich gegenüber UV-Licht. Sonnenschutzmittel sind daher empfehlenswert, um Sonnenbrände und Pigmentflecken zu vermeiden. Anstelle von chemischen UV-Filtern, die über die Haut in den Körper gelangen können, sollten Schwangere Sonnencremes mit mineralischen UV-Filtern bevorzugen. Diese verbleiben auf der Hautoberfläche. Produkte mit Allergiker-Siegeln wie dem DAAB- oder ECARF-Siegel sind frei von bedenklichen Duft-, Farb- und Konservierungsstoffen. Selbstbräuner und Solariengänge sind nicht zu empfehlen, da Solariumbestrahlung das Hautkrebsrisiko erhöht und den Abbau von Folsäure fördern kann. Selbstbräuner können zudem Formaldehyd abspalten.
Anti-Pickel- und Anti-Age-Produkte
Produkte gegen Pickel enthalten oft Inhaltsstoffe wie Salicylsäure oder Retinol, die sich negativ auf das Baby auswirken können. Milde Peelings mit Glykol- und Milchsäure oder professionelle Ausreinigungen sind sicherere Alternativen. Anti-Age-Produkte enthalten häufig Retinol (eine Form von Vitamin A), dessen Überdosierung zu Fehlbildungen beim Fötus führen kann. Stattdessen werden Produkte mit Vitamin C, E oder Coenzym Q10 empfohlen.
Ätherische Öle
Stark anregende und durchblutungsfördernde ätherische Öle wie Anis, Fenchel, Rosmarin, Zimt oder Eisenkraut sollten in der Schwangerschaft nur mit Vorsicht angewendet werden, da sie hormonell regulierend wirken und vorzeitige Wehen auslösen könnten. Eine Verdünnung mit Basisöl wird empfohlen.
Worauf muss ich bei Kosmetik während der Schwangerschaft achten? Luna mum Beauty-Talk
Natürliche und nachhaltige Alternativen
Grundsätzlich ist es ratsam, Produkte mit chemischen Lichtschutzfaktoren, Nanopartikeln, synthetischen Farbstoffen, Konservierungsstoffen, Emulgatoren, Silikonen oder Weichmachern zu meiden. Vegane Naturkosmetik oder spezielle Schwangerschaftsprodukte sind gute Alternativen. Manche Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure, Kollagen, Glycerin, Sheabutter, Squalan, Vitamin C, E und Niacinamid (Vitamin B3) sind für die Hautpflege in der Schwangerschaft gut geeignet, da sie Feuchtigkeit spenden, die Hautbarriere stärken und entzündungshemmend wirken.
Für diejenigen, die ihre Kosmetikprodukte selbst herstellen möchten, gibt es vielfältige Möglichkeiten:
- Haare färben: Kaffee oder Tee (Schwarztee für dunkle Haare, Kamillentee für helle Haare) können zur natürlichen Färbung verwendet werden.
- Rosen gegen Falten: Eine Mischung aus Allzweckcreme und reinem Rosenöl kann Irritationen und Fältchen mildern.
- DIY-Deo: Eine Mischung aus Natron, Wasser und optional ätherischen Ölen wie Lavendel kann als Deo verwendet werden.
Apps wie ToxFox können dabei helfen, Kosmetik- und Alltagsprodukte auf Schadstoffe zu überprüfen.
Die Dosis macht das Gift, und der alltägliche Gebrauch üblicher Kosmetika hat dem Baby wahrscheinlich nicht geschadet. Dennoch ist es wichtig, über potenzielle Risiken informiert zu sein, um sie bestmöglich zu meiden.
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