Der Vaginalring zur Empfängnisverhütung: Informationen und Anwendung

Der Vaginalring, auch bekannt als NuvaRing oder Hormonring, ist eine moderne Methode der Empfängnisverhütung, die auf der Abgabe von Hormonen basiert. Er stellt eine flexible und bequeme Alternative zur täglichen Pilleneinnahme dar und bietet einen zuverlässigen Schutz vor Schwangerschaft.

Was ist ein Vaginalring?

Der Vaginalring ist ein biegsamer, weicher und transparenter Kunststoffring, der selbstständig von der Anwenderin in die Vagina eingeführt wird. Er hat einen äußeren Durchmesser von etwa 5,6 cm und eine Dicke von 4 mm. Im Inneren der Vagina ist er in der Regel nicht spürbar. Der Ring enthält eine Kombination aus den Hormonen Östrogen (Ethinylestradiol) und Gestagen (z.B. Etonogestrel, Norelgestromin, Segesteronacetat), die kontinuierlich in geringen Mengen über die Vaginalschleimhaut in den Blutkreislauf abgegeben werden.

Infografik, die den Aufbau und die Abmessungen eines Vaginalrings zeigt

Wie wirkt der Vaginalring?

Die im Vaginalring enthaltenen Hormone wirken auf dreifache Weise, um eine Schwangerschaft zu verhindern:

  • Unterdrückung des Eisprungs: Die Hormone verhindern, dass im Eierstock eine Eizelle heranreift und freigesetzt wird.
  • Verfestigung des Zervixschleims: Der Schleim am Muttermund wird zähflüssiger, was das Eindringen von Spermien in die Gebärmutter erschwert.
  • Veränderung der Gebärmutterschleimhaut: Die Schleimhaut in der Gebärmutter wird so verändert, dass sich eine befruchtete Eizelle nicht einnisten kann.

Diese Wirkmechanismen machen den Vaginalring zu einer sehr sicheren Verhütungsmethode. Der Pearl-Index, der die Sicherheit von Verhütungsmitteln angibt, liegt bei perfekter Anwendung zwischen 0,3% und 0,65%, was bedeutet, dass weniger als eine von 100 Frauen pro Jahr schwanger wird. Bei typischer Anwendung, die Anwendungsfehler einschließt, liegt die Schwangerschaftsrate bei etwa 9%.

Anwendung des Vaginalrings

Die Anwendung des Vaginalrings ist einfach und unkompliziert. Der Ring wird wie ein Tampon in die Vagina eingeführt und sollte dort nicht spürbar sein. Nach 21 Tagen wird der Ring herausgenommen, gefolgt von einer 7-tägigen ringfreien Pause, während der die Menstruationsblutung (Hormonentzugsblutung) eintritt. Nach dieser Pause wird ein neuer Ring eingesetzt, unabhängig davon, ob die Blutung bereits beendet ist.

Erste Anwendung

Für den optimalen Schutz sollte der Ring am ersten Tag der Menstruation eingesetzt werden. In den ersten 7 Tagen der Anwendung ist es ratsam, zusätzlich eine Kondom-Verhütung zu verwenden, um eine versehentliche Schwangerschaft auszuschließen, bis sich der Hormonspiegel stabilisiert hat.

Während des Geschlechtsverkehrs

Der Vaginalring stört in der Regel weder die Anwenderin noch ihren Partner beim Geschlechtsverkehr. Sollte er dennoch als störend empfunden werden, kann er für maximal drei Stunden aus der Vagina entfernt werden. Nach dem Wiedereinsetzen sollte der Ring mit lauwarmem Wasser (ohne Seife oder Spülmittel) gereinigt werden.

Versehentliches Herausgleiten oder Herausnehmen

Sollte der Ring aus Versehen herausrutschen, kann er innerhalb von drei Stunden wieder eingeführt werden, ohne dass die verhütende Wirkung beeinträchtigt wird. Bei einer Herausnahme von mehr als drei Stunden oder wenn der Ring länger als die vorgeschriebenen 21 Tage in der Vagina verblieben ist, muss zur Sicherheit für die nächsten sieben Tage zusätzlich verhütet werden.

Verhütungsring: Eine gute Alternative zur Pille?| @doktorsex | DAK-Gesundheit

Langzyklusanwendung

Für Frauen, die ihre Menstruationsblutung aus verschiedenen Gründen (z.B. Urlaub, Prüfungen, starke Beschwerden) vermeiden möchten, besteht die Möglichkeit, den Ring im sogenannten Langzyklus anzuwenden. Dabei wird auf die siebentägige Pause verzichtet und direkt nach 21 Tagen ein neuer Ring eingesetzt. Diese Anwendung ist eine sogenannte "Off-Label-Use"-Anwendung, da der Ring nicht speziell für diesen Zweck zugelassen ist. Eine ärztliche Beratung ist hierbei unerlässlich.

Vorteile des Vaginalrings

Der Vaginalring bietet eine Reihe von Vorteilen gegenüber anderen Verhütungsmethoden:

  • Bequemlichkeit: Kein tägliches Denken an die Verhütung.
  • Zuverlässigkeit: Hohe Sicherheit bei korrekter Anwendung.
  • Unabhängigkeit von Verdauungstrakt: Die Wirkung wird nicht durch Erbrechen oder Durchfall beeinträchtigt, was ihn besonders für Frauen mit chronischen Darmerkrankungen oder Essstörungen geeignet macht.
  • Regelmäßige Blutung: Kann Menstruationsbeschwerden und Schmerzen lindern.
  • Potenzielle positive Auswirkungen auf Hautbild: Einige Anwenderinnen berichten von einer Verbesserung von Akne.
  • Einfache Handhabung: Selbstständiges Einführen und Entfernen.

Nachteile und Nebenwirkungen

Wie bei allen hormonellen Verhütungsmethoden können auch beim Vaginalring Nebenwirkungen auftreten:

  • Hormonelle Nebenwirkungen: Gewichtszunahme, Übelkeit, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, sexuelle Unlust, Brustspannen, Schmierblutungen.
  • Lokale Reizungen: Erhöhter Ausfluss, Scheidenentzündungen.
  • Erhöhtes Thromboserisiko: Wie bei anderen kombinierten hormonellen Kontrazeptiva besteht ein leicht erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel, insbesondere bei Raucherinnen über 35 Jahren.
  • Mögliche Beeinträchtigung des Hautbildes: Einige Anwenderinnen berichten von einer Verschlechterung der Akne.
  • Kosten: Die Kosten für den Vaginalring können je nach Hersteller und Packungsgröße variieren.

Frauen mit bestimmten Vorerkrankungen (z.B. Thromboseneigung, Bluthochdruck, Migräne mit Aura) sollten vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen.

Vergleichstabelle: Vaginalring vs. Pille (Anwendung, Sicherheit, Kosten)

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Bestimmte Medikamente können die Wirksamkeit des Vaginalrings beeinträchtigen. Dazu gehören unter anderem:

  • Johanniskraut-Präparate
  • Einige Antibiotika (z.B. Rifampicin)
  • Antiepileptika
  • Medikamente gegen HIV

Bei der Einnahme solcher Medikamente sollte unbedingt ärztlicher Rat eingeholt und gegebenenfalls eine zusätzliche Verhütungsmethode angewendet werden.

Lagerung des Vaginalrings

Der Vaginalring sollte vor dem ersten Gebrauch kühl gelagert werden, idealerweise im Kühlschrank (2-8°C). Nach dem ersten Gebrauch kann er bei Raumtemperatur (bis 30°C) aufbewahrt werden, allerdings reduziert sich seine Haltbarkeit dann auf vier Monate. Nach dem Herausnehmen sollte der Ring mit klarem, lauwarmem Wasser abgewaschen und anschließend im mitgelieferten Etui aufbewahrt werden.

Andere Vaginalringmodelle

Neben dem NuvaRing gibt es weitere Vaginalringmodelle auf dem Markt, wie z.B. Circlet, Ginoring, Cyclelle und Veri Aristo. Diese unterscheiden sich teilweise in der Zusammensetzung und Dosierung der Hormone, aber auch in der Haltbarkeit und den Lagerungsbedingungen. Einige Modelle sind für eine längere Aufbewahrung bei Raumtemperatur geeignet.

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