Fehlgeburt: Ursachen, Symptome und Unterstützung für Betroffene

Eine Schwangerschaft ist für viele Frauen eine Zeit großer Aufregung und gleichzeitig auch Besorgnis. Insbesondere in den ersten drei Monaten können Unsicherheiten auftreten, wenn Anzeichen wie Blutungen, Schmierblutungen, brauner Ausfluss, Krämpfe oder das Ausbleiben typischer Schwangerschaftssymptome auftreten. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass diese Symptome nicht zwangsläufig auf eine Fehlgeburt hindeuten müssen.

Was ist eine Fehlgeburt?

Als Fehlgeburt (Abort) wird aus medizinischer Sicht das vorzeitige Ende einer Schwangerschaft bis zur 24. Schwangerschaftswoche bezeichnet, bei der der Fötus außerhalb des Mutterleibes noch nicht lebensfähig ist. Tritt eine Fehlgeburt innerhalb der ersten 12 Schwangerschaftswochen ein, handelt es sich um einen Frühabort. Nach der 16. und vor Beginn der 24. Schwangerschaftswoche spricht man von einem Spätabort. Spätere Fehlgeburten oder wenn das Kind mehr als 500 Gramm wiegt, gelten als Totgeburt (Stille Geburt).

Zu Fehlgeburten kommt es größtenteils innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate. Fachleute gehen davon aus, dass etwa ein Fünftel aller bestätigten Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt endet. Häufige Aborte (drei oder mehr aufeinanderfolgende Fehlgeburten) sind hingegen sehr selten und treten bei 0,5 bis 0,8 Prozent der Frauen auf.

Schematische Darstellung der Schwangerschaftswochen und Trimester

Anzeichen und Symptome einer Fehlgeburt

Es gibt verschiedene Anzeichen, die auf eine Fehlgeburt hindeuten können, wobei nicht jedes Anzeichen zwangsläufig eine Fehlgeburt bedeutet:

Blutungen und Schmierblutungen

Einmalige Blutungen während der Schwangerschaft sind nicht ungewöhnlich und können verschiedene Ursachen haben. Sie sollten dennoch als Warnsignal ernst genommen werden. Eine Fehlgeburt kann sich zunächst mit einer Schmierblutung oder leichten Blutungen ankündigen. Solange noch Herztöne feststellbar sind und der Muttermund (Cervix) fest verschlossen ist, spricht man von einem drohenden Abort. Als häufigste Symptome einer beginnenden und nicht mehr aufhaltbaren Fehlgeburt gelten ungewöhnlich starke oder verfrüht einsetzende Blutungen und krampfähnliche Unterbauchschmerzen. Die Art und Stärke der Beschwerden hängen vom Stadium der Schwangerschaft ab.

Spotting während der Schwangerschaft kann einen Schreckmoment auslösen, muss aber nicht zwangsläufig auf eine Fehlgeburt hindeuten, selbst wenn die Blutung stark ist und Gerinnsel beinhaltet. Spotting kommt relativ häufig vor und ist normalerweise gutartig. Ursachen können eine Reizung des Gebärmutterhalses, eine Infektion oder ein Bluterguss um das Chorion (subchorionisches Hämatom) sein. Manchmal wird die Ursache für das Spotting gar nicht gefunden.

Krämpfe und Schmerzen

Die meisten Frauen spüren leichte Krämpfe zu Beginn der Schwangerschaft. Diese können auch durch Blähungen verursacht werden. Ein hoher Progesteronspiegel verlangsamt die Verdauung, was die Verarbeitung größerer Mahlzeiten erschweren kann. Krämpfe an sich sind daher normalerweise kein eindeutiges Anzeichen einer Fehlgeburt.

Veränderung oder Verschwinden von Schwangerschaftssymptomen

Symptome wie Übelkeit, Erschöpfung und Brustspannen können im Laufe der Schwangerschaft variieren oder nachlassen. Dies ist nicht zwangsläufig ein Zeichen für eine Fehlgeburt. Fakt ist, dass es so viele verschiedene Arten von Schwangerschaftssymptomen gibt, dass eine Veränderung Ihrer Symptome nicht als Fehlgeburts-Zeichen gedeutet werden sollte. Zwar beobachten einige Frauen bei einer Fehlgeburt Veränderungen ihrer Symptome oder fühlen sich einfach nicht mehr "schwanger", aber bei anderen Frauen verschwinden die Symptome, obwohl alles nach Plan verläuft. Normalerweise lassen Schwangerschaftssymptome gegen Ende des ersten Trimesters nach, aber bei vielen Frauen geschieht dies schon früher. Manchmal verschwinden die Symptome auch und kommen dann wieder. Eine gesunde Schwangerschaft bedeutet nicht, dass Ihnen jeden Tag übel sein muss oder Sie sich aufgebläht und müde fühlen müssen. Wenn Ihre Symptome allmählich nachlassen, können Sie sich eher glücklich schätzen. Es ist ratsam, nicht zu viel in die täglichen Veränderungen der Schwangerschaftssymptome hineinzuinterpretieren.

Bei einer Fehlgeburt bis zur vollendeten 12. Schwangerschaftswoche sind typische zusätzliche Symptome, dass schwangerschaftsbedingte Beschwerden wie Übelkeit oder Spannung in den Brüsten nachlassen oder verschwunden sind, da das Schwangerschaftshormon HCG nicht mehr produziert wird und im Blut zurückgeht. Gewebeteile werden ausgeblutet, weil der Muttermund bereits geöffnet ist.

Verhaltene Fehlgeburt (Missed Abortion)

Manchmal gehen Embryo und Fruchthöhle bei einer Fehlgeburt nicht von selbst ab. Eine Fehlgeburt ohne Beschwerden oder Blutungen nennt man eine verhaltene Fehlgeburt (Missed Abortion). Dies wird in der Regel bei einer ärztlichen Kontrolluntersuchung festgestellt.

Frühe Fehlgeburt vs. Spätfehlgeburt

Frühe Fehlgeburt

Besonders Fehlgeburten innerhalb der ersten vier Wochen, also zu Beginn der Frühschwangerschaft, finden häufig unbemerkt statt. In diesem Zeitraum wissen viele Frauen noch nicht, dass sie schwanger sind. Anzeichen einer Fehlgeburt können deshalb mit den Vorboten der Menstruation verwechselt werden. Auch der Abgang selbst unterscheidet sich praktisch nicht von einer normalen Periodenblutung: Wenn sich das befruchtete Ei nicht einnistet oder weiterentwickelt, wird es mit einer Blutung ausgestoßen.

Fehlgeburt in der fortgeschrittenen Schwangerschaft

Fehlgeburten in der späten Schwangerschaft sind sehr selten. Typische Merkmale für eine beginnende oder bereits fortschreitende Fehlgeburt in der späteren Schwangerschaft sind:

  • Nachlassende oder ausbleibende Kindsbewegungen
  • Vorzeitige Wehen mit oder ohne Abgang von Fruchtwasser (Blasensprung)
  • Heftige Blutungen mit oder ohne Abgang von Blutklumpen und Gewebe
Infografik: Zeitlicher Verlauf einer Schwangerschaft mit Hervorhebung der Risikophasen für Fehlgeburten

Ursachen und Risikofaktoren einer Fehlgeburt

Innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate finden viele wichtige Entwicklungen statt: Die befruchtete Eizelle nistet sich in der Gebärmutter ein, die Organe entwickeln sich, das Herz fängt an zu schlagen. Während dieser Wochen ist der Embryo sehr empfänglich für Störungen. Selbst kleine Fehlentwicklungen können dazu führen, dass der Embryo nicht überlebensfähig ist.

Häufigste Ursachen

  • Chromosomenanomalien: Bei 50 bis 70 Prozent der Frühaborte sind schwerwiegende Fehler im Chromosomensatz dafür verantwortlich, dass der Embryo nicht überlebt.
  • Infektionen: Infektionen mit sexuell übertragbaren Viren (z.B. Herpes), Streptokokken oder Chlamydien können ebenfalls eine Ursache sein.
  • Stress: Starker Stress kann das Risiko erhöhen.

Risikofaktoren, die das Risiko erhöhen

Bestimmte Faktoren können das Risiko für eine Fehlgeburt, insbesondere in der Spätschwangerschaft, erhöhen:

  • Alter der Schwangeren: Frauen über 35 Jahren haben ein erhöhtes Risiko (Risikoschwangerschaft).
  • Chronische Erkrankungen: Diabetes mellitus, Übergewicht, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder Bluthochdruck.
  • Infektionen in der Schwangerschaft: Können zu vorzeitigem Blasensprung und Wehen führen.
  • Anomalien der Gebärmutter: Myome oder Polypen können das Wachstum des Fötus stören.
  • Muttermundschwäche (Zervixinsuffizienz) oder Vernarbungen: Beeinträchtigen die Schließfunktion des Muttermundes.
  • Beeinträchtigungen der Plazenta oder Nabelschnur: Führen zu unzureichender Nährstoffversorgung des Fötus.
  • Konsum von Alkohol oder Drogen.
  • Vorherige Schwangerschaften mit Fehl- oder Totgeburten.
  • Überdurchschnittlicher Stress.

Blutung in der Frühschwangerschaft l Fehlgeburt oder Einnistungsblutung I was ist zu tun?

Schwangerschaftstests und hCG

Schwangerschaftstests suchen nach dem humanen Choriongonadotropin (hCG). In den ersten Wochen einer Schwangerschaft steigt dieses Hormon sehr schnell an, meist verdoppelt sich die Menge alle 48 Stunden. Wenn Sie den Test wenige Tage vor Ihrer ausbleibenden Periode machen, kann die zweite Linie relativ hell sein. Sie sollte aber immer dunkler werden, je weiter der hCG-Spiegel ansteigt.

Nur weil der Test nicht dunkler wird, heißt das nicht, dass Ihre Schwangerschaft verloren ist. Außerdem sind Schwangerschaftstests ab der siebten Woche (drei Wochen nach dem Ausbleiben Ihrer Periode) aufgrund des sogenannten "Hook-Effekts" nicht mehr zuverlässig. Zu diesem Zeitpunkt hat sich das hochkonzentrierte hCG leicht verändert, sodass die Tests es nicht mehr richtig erkennen können. Somit können Schwangerschaftstests nach den ersten Wochen heller oder sogar negativ ausfallen.

Vorgehen nach einer Fehlgeburt

Medizinische Behandlung

In den ersten Wochen stößt der Körper den Embryo zusammen mit der Plazenta in Form einer Blutung aus. Verbleiben Reste der Schwangerschaft im Körper zurück, kann eine sogenannte Kürettage (Absaugung oder Ausschabung) notwendig sein, um eine Infektion zu verhindern. Bei Fehlgeburten nehmen Ärztinnen und Ärzte meist eine Saugkürettage vor, um auch Gewebereste aus der Gebärmutter zu entfernen. Eine Kürettage findet unter Vollnarkose statt, wird ambulant durchgeführt und dauert in der Regel zwischen 10 und 15 Minuten.

Bei Spätaborten ist der Fötus zu groß für eine Ausschabung. In diesen Fällen muss das Kind vaginal, also auf natürlichem Weg geboren werden.

Mutterschutz nach einer Fehlgeburt

Seit dem 1. Juni 2025 gilt eine Gesetzesänderung, die Frauen, die ab der 13. Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt erleiden, Mutterschutzfristen gewährt. Dies schließt eine Lücke im bisherigen Mutterschutz und berücksichtigt die besondere körperliche und seelische Belastung, die eine Fehlgeburt mit sich bringt. Der besondere Kündigungsschutz für Frauen nach einer Fehlgeburt bleibt weiterhin bestehen.

Psychische Unterstützung und Trauerbewältigung

Eine erlittene Fehlgeburt ist ein einschneidendes Erlebnis, das oft Zeit zur Verarbeitung benötigt. Es gibt kein allgemein gültiges Rezept für die Trauerbewältigung. Manchen Frauen und Paaren hilft es, mit Freundinnen, Freunden oder Verwandten über das Erlebte zu sprechen. Andere schließen sich Selbsthilfegruppen an oder nehmen professionelle Angebote wahr.

Verschiedene Beratungsstellen bieten psychologische Unterstützung an. Auch Entbindungspflegerinnen und -pfleger oder Hebammen können zur Nachbetreuung zur Seite stehen. Im Wochenbett nach einer Fehl- oder Totgeburt haben Frauen einen Anspruch auf Hebammenhilfe.

Anlaufstellen wie der pro familia Bundesverband (mit Beratungsstellen vor Ort und Online-Beratung) und die Initiative Regenbogen „Glücklose Schwangerschaft“ e.V. bieten Informationsmaterial, vermitteln Kontaktadressen und ermöglichen den Austausch mit Betroffenen.

Symbolische Darstellung von Unterstützung und Gemeinschaft für Frauen nach einer Fehlgeburt

Erneute Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt

Einer erneuten Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt steht in der Regel nichts im Wege. Es gibt keine medizinische Empfehlung dafür, wie lange Betroffene damit warten sollten. Wichtig ist, dass sich die Betroffene sowohl psychisch als auch körperlich von der Fehlgeburt erholt hat. Ärztinnen und Ärzte können zusätzlich helfen, die gesundheitliche Situation einzuschätzen. Möglicherweise kam es während der Schwangerschaft auch zu Entzündungen oder Infektionen, die zunächst hätten ausheilen müssen.

Bei wiederholten Fehlgeburten sollte der möglichen Ursache auf den Grund gegangen werden. In der Regel führen Ärztinnen und Ärzte ab drei oder mehr Fehlgeburten in Folge umfangreiche Untersuchungen durch.

Frühgeburt: Eine Abgrenzung

Es ist wichtig, eine Fehlgeburt von einer Frühgeburt abzugrenzen. Von einer Frühgeburt spricht man, wenn das Kind vor Vollendung von 37 Schwangerschaftswochen geboren wurde (37+0) oder bei der Geburt weniger als 2500 Gramm wog. Die Behandlungsmöglichkeiten für Frühgeborene haben sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert, was zu einer rückläufigen Sterblichkeit führt. Die Prävention von Frühgeburten umfasst Aufklärung und Beratung der Schwangeren sowie die Anpassung der Verhaltensweise an den Zustand der Schwangerschaft. Am Arbeitsplatz gelten für Schwangere besondere arbeitsschutzrechtliche Vorgaben.

Eine Frühgeburt kann sich durch vorzeitige Wehen oder einen vorzeitigen Blasensprung ankündigen, kann aber auch krankheitsbedingt ausgelöst werden. Aufsteigende Infektionen und der Zustand der Plazenta spielen oft eine wesentliche Rolle.

tags: #brustwarzen #wieder #heller #fehlgeburt