Der Schnuller: Ein ständiger Begleiter von der Geburt bis zur Entwöhnung

Als mein Sohn etwa zwei Monate alt war, wollte er die ganze Zeit saugen. Nicht nur an der Brust. Zumindest wenn er satt war, war ihm auch der Oberarm recht. Manchmal saugte er so stark, dass ich dunkelrote Knutschflecke bekam. Ein Schnuller musste her, es war der Beginn einer innigen Beziehung. Mein Sohn liebt seinen Schnuller.

Ein Baby, das einen Schnuller im Mund hat.

Die psychologische Bedeutung des Saugens

"Kinder bauen beim Saugen Spannung ab", erklärt Gudrun Schwarzer, Professorin für Entwicklungspsychologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Schon im Mutterleib nuckeln Babys an ihrem Daumen. Nach der Geburt lernen sie durch den Saugreflex, an der Brust zu trinken.

Das starke Saugbedürfnis bei Babys

Einige Kinder haben darüber hinaus ein starkes Saugbedürfnis. "Der Schnuller ermöglicht ihnen, sich selbst zu regulieren", erklärt Schwarzer. Besonders wenn Babys müde, aufgeregt oder verunsichert sind, tut ihnen der Nuckel gut. Auch wenn sie ihrem Bewegungsdrang nicht nachgeben können, etwa während langer Autofahrten, kann er helfen.

Potenzieller Schutz vor plötzlichem Kindstod

Außerdem scheint es das Risiko für plötzlichen Kindstod zu senken, wenn der Schnuller zum Einschlafen gegeben wird, haben Studien gezeigt. Jedoch ist der genaue Wirkmechanismus unklar. Andererseits erhöht der Nuckel die Wahrscheinlichkeit für Mittelohrentzündungen.

Schnuller als Unterstützung, nicht als Ersatz

"Ein Kind darf seine Bedürfnisse auch durch Schreien äußern", sagt Steffen Büchner, Kinder- und Jugendarzt mit eigener Praxis in Güstrow. Vielleicht möchte es in diesem Moment gar nicht saugen, sondern etwas zu essen, eine warme Decke, hat Schmerzen oder will einfach ein bisschen kuscheln. "Das müssen Eltern lernen einzuschätzen", sagt Steffen Büchner.

Hygiene und Sicherheit beim Schnullergebrauch

Außerdem reinigen Eltern den Schnuller regelmäßig. Der Kinderarzt empfiehlt, ihn mehrmals täglich abzuspülen, insbesondere wenn er auf den Boden gefallen ist, und ihn alle zwei Tage zu sterilisieren oder abzukochen. Je kleiner die Kinder, desto genauer müssen Eltern die Hygiene nehmen. Sobald der Sauger oder das Schild des Schnullers kaputtgehen, gehört ein neuer her.

Die Bedeutung von Größe und Form

Die meisten Saugteile bestehen heute aus transparentem Silikon und aus Latex. Entscheidend sind vor allem Größe und Form. "Je weniger Platz der Schnuller im Mund beansprucht, desto besser", sagt Johanna Kant, die als niedergelassene Kinderzahnärztin in Oldenburg arbeitet. Sie empfiehlt: Lieber bei der kleinen Schnullergröße bleiben, als ihn "mitwachsen" zu lassen.

Kiefergerechte Schnuller und ihre Vorteile

Und: Besser flache als runde Modelle wählen, denn der Schnuller beeinflusst die Lage der Zunge im Mund. "Dadurch kann der Schluckvorgang nicht korrekt stattfinden. Die unnatürliche Zungenlage begünstigt, dass sich der Kiefer nicht richtig ausformt", sagt die Kinderzahnärztin. Eine mögliche Folge: Zahnfehlstellungen wie ein offener Biss.

Der richtige Zeitpunkt für die Schnullerentwöhnung

Um dem vorzubeugen, gewöhnen Eltern den Schnuller möglichst früh wieder ab. Vorteil: "Wenn die Zungenfunktion nicht beeinflusst wurde, kann sich eine Zahnfehlstellung innerhalb weniger Monate spontan zurückbilden", sagt Johanna Kant. Deshalb rät sie, den Nuckel noch im zweiten Lebensjahr loszuwerden.

Expertenmeinungen zur Entwöhnung

Auch Kinderarzt Büchner sagt: "Nach dem ersten Geburtstag sollte das Kind den Schnuller nur noch selten nutzen, etwa zum Einschlafen oder in Ausnahmesituationen. Ab dem zweiten Geburtstag sollte der Nuckel weg."

Strategien zur erfolgreichen Schnullerentwöhnung

Den richtigen Zeitpunkt muss letztlich jede Familie für sich selbst finden. Wichtig ist, dass das Kind bis dahin gelernt hat, sich auch ohne Schnuller selbst zu beruhigen. Hier seien die Eltern gefragt, meint Entwicklungspsychologin Schwarzer. "Bieten Sie Ihrem Kind bei Unwohlsein andere Lösungen an, etwa Kuscheln mit dem Plüschhasen, gemeinsames Singen oder Musikhören."

Kreative Abschiedsrituale

Einige Kinder verlangen ganz von allein immer seltener nach dem Schnuller. Eltern können das unterstützen, indem sie keine Nuckel herumliegen lassen oder häufiger mit dem Kind schmusen. Anderen hilft es, sich mit einem Ritual bewusst vom Schnuller zu verabschieden. Dafür kann das Kind, sobald es dazu bereit ist, abends alle Schnuller auf die Fensterbank legen, wo die Schnullerfee sie über Nacht gegen ein Geschenk eintauscht. Oder es vergräbt die Nuckel in einem Topf mit Erde, und die Eltern legen (heimlich) ein paar Samen dazu. So wächst eine schöne "Schnullerblume" daraus. In vielen Städten gibt es zudem Bäume oder Sträucher, an die man die Schnuller hängen kann.

Der Schnuller als Segen oder Fluch?

Spätestens, wenn es an der Zeit ist, dem Kind den Schnuller abzugewöhnen, stellen viele Eltern fest, dass ihr kleiner Schatz mehr an diesem Objekt hängt, als ihnen vielleicht lieb ist. Der Nuckel hilft deinem Kind, sich zu beruhigen. Er kann jedoch auf Dauer zur Gefahr für seine Zahngesundheit werden.

Die wissenschaftliche Perspektive

Streicht man mit einem Finger über die Lippen eines Neugeborenen, wird es eine Saugbewegung machen. Dieser sogenannte Saugreflex und damit die Fähigkeit an der Brust der Mutter zu trinken, ist in der Anfangszeit überlebenswichtig. Das Saugen oder Schnullern erfüllt nicht nur den Zweck der Nahrungsaufnahme, sondern beruhigt auch dein Baby. Trinkt es an der Brust oder nuckelt an einer Flasche oder dem Schnuller, löst dies ein wohliges Gefühl bei ihm aus. In den ersten Lebensmonaten ist das Saugen eine effektive Selbstberuhigungsmethode für deinen kleinen Schatz. Gegen Ende des ersten Lebensjahres passiert das Saugen nicht mehr reflexartig, sondern ist zu einem mehr oder weniger bewussten Vorgang geworden. Dein Baby hat gelernt, dass ihm der Schnuller oder das Trinken an der Brust guttut. Gerade vor dem Einschlafen helfen das Stillen oder der Schnuller in den ersten Lebensmonaten dabei, dass dein Baby friedlich einschlummert. Wacht es nachts auf, könnte ihm das schöne Gefühl im Mund fehlen und dein Liebling schafft es möglicherweise (noch) nicht, sich selbst wieder zu beruhigen. Diese orale Befriedigung verliert in der Regel mit zunehmendem Alter immer mehr an Bedeutung oder kann durch andere Dinge ersetzt werden. Dennoch vermittelt das Saugen und Nuckeln ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Ferner könnte sich hinter dem Wunsch nach dem Schnuller auch etwas anderes verbergen: Ist dein Baby unzufrieden, traurig oder müde, wird er wahrscheinlich nach dem Nuckel verlangen. Nicht zuletzt ist daher das Abgewöhnen des Schnullers für viele Eltern und Kinder eine echte Herausforderung.

Langfristige Folgen des Schnullergebrauchs

Wenn die ersten Milchzähne herausbrechen, kann der Schnuller bleibende Schäden im Gebiss verursachen. Nun ist es wichtig, den Schnuller behutsam abzugewöhnen und darauf zu achten, dass dein Kind nicht den Daumen als Ersatz verwendet. Das Daumenlutschen schadet dem Gebiss nämlich noch mehr, als das Nuckeln am Schnuller. Jedoch könnte beides auf Dauer Folgendes verursachen: Zahnfehlstellungen (offener Biss), Verformung des Kiefers, beeinträchtigte Sprachentwicklung, leichte Sprachstörungen (Lispeln). In den ersten zwei Lebensjahren verwachsen sich normalerweise Verformungen noch von selbst. Dennoch solltest du das Abgewöhnen des Schnullers nicht zu lange hinauszögern, denn mit der Zeit (ab dem Alter von 3 Jahren) könnten Fehlstellungen sogar behandlungsbedürftig werden.

Empfehlungen zur Schnullerentwöhnung

Der natürliche Drang zu saugen klingt mit der Zeit ab und zwischen dem 9. und 12. Lebensmonat entwickeln die meisten Kinder ein reges Interesse an fester Nahrung. Dies ist auch ein guter Zeitpunkt, um über die Schnullerentwöhnung nachzudenken. Dies sollte langsam und mit viel Verständnis für die Bedürfnisse deines Kindes passieren, denn trotz des Verlustes des Saugreflexes wird sich dein Schatz noch sehr gern mit dem Nuckel oder an der Brust beruhigen wollen.

Entwöhnung im richtigen Alter

Kein Kind gleicht dem anderen. Es wird empfohlen, spätestens mit 3 Jahren den Schnuller abzugewöhnen, da dann dauerhafte Folgeschäden drohen. Abgesehen davon wird es deinem Kind in der Autonomiephase (auch: Trotzphase), die ungefähr mit 2 Jahren einsetzt, nicht unbedingt leichter fallen, diese Gewohnheit hinter sich zu lassen.

Besondere Situationen und ihre Auswirkungen

Auch, wenn sich bei dir wieder Nachwuchs ankündigen, ein Umzug oder andere große Herausforderung anstehen sollten, ist dies keine ideale Zeit für die Schnullerentwöhnung. Ein kleiner Neuankömmling ist eine große Veränderung und einige Kinder tendieren dazu, mit der Ankunft eines Geschwisterkindes plötzlich auch selbst wieder Baby sein zu wollen. Das Abgewöhnen des Schnullers stellt in Zeiten großer Veränderung eine zusätzliche Herausforderung dar und könnte deinen Liebling nur unnötig belasten. Du solltest dann dein Vorhaben auf später verschieben.

Praktische Tipps für Eltern

Bereite dein Kind langsam auf den Abschied vom Schnuller vor und sprich mit ihm darüber. Vor allem solltest du nichts überstürzen. Das Abgewöhnen könnte ein langer Prozess sein, den du liebevoll begleiten solltest. Klare Worte. Je nachdem, wie alt dein Kind ist, kannst du mit einfachen und klaren Worten erklären, welche Nachteile das Benutzen des Schnullers hat. Dabei solltest du allerdings vermeiden, deinem Kind Angst zu machen. Vielleicht wirst du erstaunt sein, wie vernünftig es darauf reagiert. Trösten. Abschiednehmen ist nicht leicht. Weint oder quengelt dein Kind, nimm es in den Arm, tröste es und überlasse ihm den Schnuller, wenn es darauf besteht. Mit der Zeit kannst du die Kuscheleinheit verlängern und die Übergabe des Schnullers etwas hinauszögern. Aus den Augen, aus dem Sinn! Oft sind Kleinkinder tagsüber so beschäftigt, dass sie den Schnuller ganz vergessen. Bewahre ihn daher während der Abgewöhnungsphase außer Sicht- und Reichweite deines Kindes auf. Beißring statt Schnuller. Ab dem 2. Lebensjahr kannst du statt dem Schnuller auch einen Beißring, harte Brotkruste oder etwas Ähnliches anbieten. Möglicherweise lässt sich dein Liebling damit ablenken und hat trotzdem noch etwas im Mund. Ersatzobjekt. Mache deinem Baby ein Ersatzobjekt schmackhaft. Dies kann eine Schmusedecke oder ein weiches Kuscheltier sein. Neue Einschlafrituale. Es könnte besonders schwierig werden, deinem Baby den Schnuller beim Einschlafen vorzuenthalten. Das Abgewöhnen wird einfacher, wenn du statt des Nuckels, andere Einschlafhilfen einführst. Das können ein warmes Wannenbad, Schlaflieder oder ein neues, nur für diesen Zweck reserviertes Plüschtier sein. Nachts ohne Schnuller. Sollte dein Liebling doch einmal mit dem Schnuller einschlummern, achte darauf, ihn aus dem Mund zu nehmen, sobald dein Kind schläft. Schnullerzeit als Übergangslösung. Sollte dein Schatz tagsüber ein starkes Verlangen nach dem Schnuller verspüren, kannst du ihm diesen für eine begrenzte Zeit (etwa 5 Minuten) überlassen. Dein Kind kann nun ganz bewusst nuckeln und sich dann wieder von dem Schnuller verabschieden. Zeitgleich mit der Schnullerentwöhnung, solltest du auch das Fläschchen gegen einen kindgerechten Trinkbecher austauschen. Generell wird es deinem Baby leichter fallen, sich den Schnuller abzugewöhnen, wenn du bei allem, was du tust, konsequent bleibst.

Erfolgreiche Methoden der Schnullerentwöhnung

Wann genau es deinem Kind gelingen wird, sich von seinem heißgeliebten Schnuller zu verabschieden, ist schwer vorherzusagen. Du kannst dir aber sicher sein, dass er mit zunehmendem Alter immer unwichtiger werden wird. Manch einem kleinen Nuckler helfen die folgenden Tipps, um den Abschiedsschmerz besser auszuhalten:

Die Schnullerfee und der Schnullerbaum

Schnullerfee: Die Idee der Schnullerfee ist weitverbreitet und auch bei den Kleinen sehr beliebt. Sie tauscht nachts den Schnuller gegen ein Geschenk aus. Jedoch gilt: Ist er einmal weg, kommt er auch nicht zurück. Schnullerbaum: Manchmal sieht man an öffentlichen Plätzen (z. B. vor Krankenhäusern) oder in Familienparks einen Baum, an dem viele Nuckel hängen. Dabei handelt es sich um einen Schnullerbaum. Hier geben Kinder ihren Schnuller ab und hängen ihn an einen Ast oder Zweig. Dies könnte auch deinen Schatz dazu motivieren, Abschied zu nehmen, wenn es sieht, wie viele Kinder es vor ihm schon geschafft haben.

Symbolische Weitergabe und unterstützende Medien

Weitergabe des Schnullers: Dein Kind könnte den Schnuller an ein Neugeborenes im Bekannten- oder Freundeskreis weitergeben, da ihn der Neuankömmling viel dringender benötigt. Diese symbolische Weitergabe hilft beim Loslassen und stärkt das Selbstbewusstsein: „Ich bin schon groß und brauche keinen Nuckel mehr!“ Bücher zum Thema: Im Handel gibt es viele schöne Kinderbücher zum Thema Schnullerentwöhnung. Lies sie deinem Kind vor und zeige ihm somit, dass sich auch andere Kinder den Nuckel abgewöhnen können und, dass dies zwar nicht immer einfach, aber doch möglich ist.

Belohnungssysteme und Anpassungen

Schnullerkalender: Für viele Kinder und Eltern funktioniert das Belohnungssystem. Hängt einen Kalender auf, in dem ihr die schnullerfreien Tage mit einer Sonne und die Tage, an denen der Nuckel zum Einsatz kam, mit einer Regenwolke markiert. Besprecht gemeinsam, wie viele Sonnen erreicht werden müssen, bis dein Kind ein kleines Geschenk erhält. "Unbequemer" Schnuller: Nuckel gibt es je nach Alter des Kindes in unterschiedlichen Größen. Wenn du deinem Kind den Schnuller abgewöhnen möchtest, wechsle nicht zur nächsten Nuckelgröße. Ein zu kleiner Schnuller wird automatisch unbequem und somit uninteressant.

Wichtige Überlegungen und Unterstützung

Mit dem Abgewöhnen des Schnullers bist du nicht allein. Tausche dich mit anderen Eltern aus und sprich deinen Kinderarzt / deine Kinderärztin bei der nächsten U-Untersuchung auf das Thema an - besonders dann, wenn sich das Abgewöhnen sehr problematisch gestalten sollte.

Fakten im Überblick

Zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr sollte ein Kind ohne Schnuller auskommen können. Ab diesem Zeitpunkt könnte er nämlich Schäden am Kiefer und den Zähnen hinterlassen, die sich nicht mehr von allein verwachsen. Außerdem behindert der Schnuller die natürliche Sprachentwicklung. Von altbewährten Gewohnheiten Abschied zu nehmen, ist weder für Erwachsene noch für Kinder leicht. Begegne deinem kleinen Schatz mit viel Liebe und Verständnis, wenn es an der Zeit ist, ihm den Schnuller abzugewöhnen.

Schnuller: Wann sinnvoll und wann problematisch?

Die Meinungen über Schnuller gehen auseinander. Wann ein Schnuller sinnvoll ist und wann nicht, erfährst du hier. Ebenso, was du beachten solltest, damit das Schnullern später keine oder nur wenige Probleme mit sich bringt. Es gibt keine Schnuller, die perfekt davor schützen. Schnuller, Nuckel, Nuni oder auf Englisch „Pacifier“ - das Objekt kindlicher Begierde hat viele Namen. Abenteuerliche Objekte, an denen Babys herumnuckeln können, gibt es schon seit Jahrtausenden. Von süß gefüllten Tongefäßen, über alkoholgetränkte Nuckelsäckchen bis hin zum bleihaltigen Wonnesauger, hat die Welt schon viel gesehen. Ein Schnuller stillt das Saugbedürfnis des Kindes. Dieses Bedürfnis ist wichtig und angeboren. Denn nur wenn ein Kind saugt, kann es Nahrung über die Brust aufnehmen und überlebt. Das Saugen macht aber nicht nur satt, es beruhigt auch. Die Natur hat eigentlich die mütterliche Brust dazu vorgesehen, beide Bedürfnisse (Sättigung und Beruhigung) zu befriedigen. Dazu müsste die Mutter ihr Baby jedoch immer bei sich tragen und jahrelang nach Bedarf stillen. Beides können oder wollen, zumindest in der westlichen Welt, die wenigsten tun. Als vorübergehenden Brustersatz gibt es den Schnuller.

Vorteile und Nachteile des Schnullerkonsums

Dass Schnuller von Zahnärzten nicht gern gesehen werden, ist wohl jedem bekannt. Es gibt jedoch Fälle, in denen sein Einsatz durchaus okay ist:

  • Frühgeborene durch den Schnuller ihr Saugbedürfnis auch dann stillen können, wenn ihre Eltern im Krankenhaus nicht immer bei ihnen sein können. Zusätzlich wird der Saugreflex gestärkt, der bei extremen Frühchen mitunter noch nicht sehr stark ausgeprägt ist.
  • Die Mutter nicht stillen kann oder will.
  • Der Vater das Kind betreut.
  • Die Mutter nicht so viel (oder nicht so lange) die Brust anbieten kann, wie das Kind sie benötigen würde.
  • Das Kind sehr unruhig ist. Es gibt Babys, die zum Beispiel aufgrund einer verzögerten Reifung des zentralen Nervensystems mehr Hilfe bei der Selbstregulation brauchen als andere (Stichwort: High Need Baby oder hochsensible Kinder).
  • Eine Ausnahmesituation dem Kind Angst macht und es überfordert (z.B. beim Arzt) oder viel Geduld abverlangt (z.B. bei langen Autofahrten).
Übrigens: Es gibt mehrere Studien, die zu belegen scheinen, dass der Schnuller in der Nacht im ersten Lebensjahr vor dem gefürchteten plötzlichem Kindstod schützen kann.

Risiken und Empfehlungen bei der Anwendung

Hebammen und Stillberaterinnen warnen vor einer möglichen Saugverwirrung, wenn der Schnuller zu früh gegeben wird. Denn wenn die Stillbeziehung noch nicht richtig funktioniert, kann es sein, dass das Kind die Brust plötzlich ablehnt oder es nicht schafft, richtig daran zu saugen. Deshalb sollte er in den ersten Wochen besser nicht gegeben werden. Häufiger Schnullereinsatz kann dazu führen, dass die Milchbildung ungewollt zurückgeht. Denn das Kind würde durch das sogenannte Clusterfeeding die Brust zur Milchbildung anregen. Bekommt es stattdessen den Nuckel, fehlt dieser Reiz. Babys, die einen Schnuller bekommen, sind oft infektanfälliger als andere. Sie neigen vor allem zu häufigen Mittelohrentzündungen oder Infekten der oberen Atemwege. Das liegt zum einen am Schnuller selbst, der eine wahre Keimschleuder sein kann. Häufiges Schnullern erhöht das Risiko für Zahnfehlstellungen und Kieferverformungen, weil der Schnuller anders gegen Zunge und Zähne drückt, als die Brustwarze das tut. Fehlentwicklungen im ersten Lebensjahr verwachsen sich meist noch. Ab dem zweiten Lebensjahr und auf jeden Fall nach dem dritten Lebensjahr drohen jedoch ein offener Biss, Kreuzbiss oder Überbiss, die kaum noch zu korrigieren sind. Daraus ergeben sich meist noch andere Probleme (siehe Punkt 5). Es kommt bei Schnullerkindern häufiger zu Zungenfehlfunktionen. Die Zunge liegt dann in der Ruheposition nicht wie nötig am vorderen, oberen Gaumen, sondern wird an oder zwischen die Schneidezähne geschoben. Auch wenn es seltsam klingt: Eine falsche Zungenstellung zieht eine Reihe an anderen Problemen nach sich, wie z.B. spätere Haltungsprobleme, fehlender Lippenschluss, Probleme mit der Lautbildung, Schluckprobleme etc.

Daumenlutschen vs. Schnullern

Wenn das Kind plötzlich beginnt, am Daumen zu lutschen, geben manche Eltern doch den Schnuller. Das ist verständlich. Immerhin übt der Daumen mehr Druck auf Gebiss und Zunge aus, als ein flexibler Schnuller. Trotzdem ist das Daumenlutschen eigentlich die bessere Alternative. Wenn dein Kind aber nach dem dritten Lebensjahr immer noch am Daumen lutscht oder es auch nachts sehr intensiv und lange tut, wird es für die Zähne schnell kritisch. Dann ist der Daumen aber sehr viel schwerer abzugewöhnen, als der Schnuller.

Verantwortungsbewusster Schnullergebrauch

Wenn dein Baby einen Schnuller bekommt, weil es ihn zu brauchen scheint, ist das eben so. Gib ihm den Schnuller nur zum Einschlafen oder wenn es sich nicht anders beruhigen lässt und ziehe ihn sanft aus dem Mund, sobald es geht. Wenn dein Kind älter wird, lass es den Schnuller in einen Beutel oder eine Box am Bett tun, wenn es morgens aufsteht. Versuche neben dem Nuckel noch eine andere Beruhigungsmethode zu etablieren, wenn die Brust keine Option ist. Stopfe ihn dem Baby nie zurück in den Mund, wenn er herausgefallen ist. Ein Nuckel ist kein Stöpsel. Und das Baby darf auch ruhig das Gefühl kennenlernen, mal nichts im Mund zu haben.

Auswahl und Pflege des Schnullers

Kauf einen (oder besser mehrere) kiefergerechte Nuckel ohne Schadstoffe. Kiefergerecht heißt, dass das Saugteil besonders flexibel und dünn ist. Idealerweise hat es eine Stufe, damit sich der Sauger durch die Zähne hindurchschlängeln kann. Bleib beim kleinsten Modell, wenn dein Baby älter wird. Dadurch hat dein Baby keine Nachteile. Im Gegenteil, die Zunge hat mehr Platz im Mund, als bei der größeren Variante. Achte darauf, dass das Schnullerschild luftdurchlässig ist. Es sollte zumindest Luftlöcher haben, damit es sich nicht an der Haut deines Babys festsaugt. Um den Schnuller unterwegs vor unnötigen Keimen zu schützen, sollte er nicht einfach in den Weiten deiner Tasche verschwinden oder herunterfallen. Dabei helfen eine Schnullerbox und eine Schnullerkette. Letzte sollte das Baby aber nie ohne Aufsicht tragen. Es gibt Schnullerdesinfektiontücher* für unterwegs für den Notfall. Ablecken solltest du den Nuckel nie. Weil sich Keime rasant am und im Schnuller vermehren, sollte er täglich desinfiziert werden. Lass dein Kind nicht mit Schnuller im Mund sprechen und sag ihm, dass du es mit Nuckel nicht verstehen kannst.

Der Weg zur Schnullerfreiheit

Starte mit der Entwöhnung so früh wie möglich. Bestenfalls schon im zweiten Lebensjahr. Der Beruhigungssauger, auch Schnuller, Nuckel oder Nulli genannt, ist ein oft eingesetzter Liebling vieler Eltern. In dieser Folge spricht Emmi mit Hebamme Emely Hoppe darüber, wann der Schnuller das erste Mal zum Einsatz kommen kann und welche Hygienemaßnahmen Eltern dabei beachten sollten.

Die Schnullerfee als bewährte Methode

Es ist klar: Die wenigsten Kinder geben ihren geliebten Schnuller freiwillig her. Am besten hat sich bei Kindern um die 2 bis 3 Jahre das Märchen der Schnullerfee bewährt. Diese bringt ein kleines Geschenk im Austausch für den Nuckel. Am besten klappt das, wenn es etwas gibt, das sich das Kind schon länger wünscht und das es dann auch nicht mehr hergeben möchte. Zur Vorbereitung kannst du deinem Kind über Monate ein Buch über die Schnullerfee vorlesen.

Individuelle Entscheidungen für Eltern

Der Schnuller befriedigt das Saugbedürfnis von Kindern, die nicht so oft oder nicht so lange gestillt werden können, wie sie es bräuchten. Wenn dein Kind keinen Schnuller möchte, wäre es ziemlich unklug, ihm einen aufzudrängen. Ob ihr also zum Schnuller greift oder nicht, ist allein eure Sache. Wichtig ist nur, dass ihr wisst, was ihr tut, und es nicht einfach laufen lasst.

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