Viele Eltern kennen die Situation: Nach der Geburt eines Kindes ändern sich die Gewohnheiten. Was früher zur Entspannung diente, wie das abendliche Fernsehen oder "Kinoabende" am Wochenende, stellt nun eine Herausforderung dar. Die Frage, wie man mit dem Fernsehkonsum umgeht, wenn ein Baby im Haus ist, beschäftigt viele Familien. Während einige den Fernseher auch mit Baby laufen lassen, um beispielsweise eine Geräuschkulisse zu schaffen oder um sich selbst vor Langeweile zu schützen, gibt es auch Bedenken hinsichtlich möglicher schädlicher Auswirkungen auf das Kind.
Die Entwicklung des Babys und die Reizüberflutung
Grundsätzlich raten Experten dringend davon ab, Kinder unter zwei Jahren im selben Raum wie ein laufender Fernseher aufwachsen zu lassen. Babys sind hochsensible Wesen, deren Wahrnehmung noch nicht bewusst verarbeitet werden kann. Sie sind den Reizen eines Fernsehbildschirms schutzlos ausgeliefert. Das zuckende Licht, die schnellen Bildwechsel und die lauten Geräusche können zu einer erheblichen Reizüberflutung führen, die den Stresspegel des Kindes ansteigen lässt.
Die schnellen Bildfolgen und Geräusche eines Fernsehers können von einem Baby nicht verarbeitet werden. Im Gegensatz zur direkten Interaktion mit Bezugspersonen, die sprachliche und soziale Fähigkeiten fördert, bietet das Fernsehen keine solche Förderung. Studien deuten darauf hin, dass eine hohe Bildschirmzeit bei Kleinkindern zu Verhaltensauffälligkeiten führen kann. So kann Bildschirmzeit bei einjährigen Kindern die Wahrscheinlichkeit für starke sensorische Reaktionen erhöhen, was bedeutet, dass sie empfindlicher auf Reize reagieren und Probleme bei der Informationsverarbeitung haben.

Bei zweijährigen Kindern kann jede zusätzliche Stunde Fernsehen die Wahrscheinlichkeit für eine hohe Sensationslust oder eine ausgeprägte Sinnesvermeidung erhöhen. Dies bedeutet, dass diese Kinder entweder nach intensiver Stimulation suchen oder von Reizen wie lauten Geräuschen oder hellem Licht stark überwältigt werden. Wissenschaftler vermuten hier auch einen Zusammenhang mit Entwicklungsstörungen wie Schlaf- und Aufmerksamkeitsstörungen.
Die Bedeutung der Mutter-Kind-Beziehung
Die ersten Lebenswochen und -monate sind entscheidend für den Aufbau einer vertrauensvollen Mutter-Kind-Beziehung. Diese Beziehung bildet die Grundlage für die gesamte weitere Entwicklung des Kindes. Alles, was die Mutter von der Zuwendung zu ihrem Kind ablenkt, kann sich negativ auf das sich entwickelnde Gehirn und die Beziehung auswirken. Ein eingeschalteter Fernseher zieht die Aufmerksamkeit unwillkürlich auf sich und kann die Mutter von der vollen Präsenz für ihr Baby abhalten, insbesondere während des Stillens oder der Pflege.
Die Wissenschaft betont, dass Babys für ihre Entwicklung Nähe, Interaktion und direkte Kommunikation benötigen. Sie lernen durch das Beobachten und Nachahmen von Mimik und Körpersprache. Wenn Eltern sich intensiv ihrem Baby zuwenden, wird dessen Bedürfnis nach Beziehung und Sicherheit gesättigt. Dies fördert nicht nur die emotionale Entwicklung, sondern auch die Konzentration und Fantasie des Kindes.
Warum vermeiden Kinder den Blickkontakt?
Verschiedene Ansichten und Praktiken von Eltern
Die Meinungen und Praktiken von Eltern zum Thema Fernsehen mit Baby gehen auseinander. Einige berichten, dass sie den Fernseher auch mit Baby laufen lassen, solange das Kind nicht überreizt wird oder es sich dabei um leise Programme handelt. Andere legen Wert darauf, den Fernseher auszuschalten, wenn das Baby wach ist, und schauen nur, wenn das Kind schläft. Manche Eltern drehen das Baby vom Fernseher weg oder bauen einen Sichtschutz auf, um die Reizung zu minimieren.
Einige Eltern gestehen, dass sie den Fernseher auch zur eigenen Unterhaltung oder zur Beruhigung nutzen, um sich die Zeit zu vertreiben, insbesondere in den ersten Wochen nach der Geburt. Sie betonen jedoch, dass dies in Maßen geschehen sollte und das Baby nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher "geparkt" wird. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die heutigen Fernseher weniger strahlen als ältere Röhrenfernseher, wobei die psychische und visuelle Reizung weiterhin ein Thema bleibt.
Es gibt auch die Ansicht, dass die heutige Technik, wie Smartphones und Tablets, ebenfalls Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Beziehung haben kann. Die ständige Erreichbarkeit und der Blick auf das Gerät können zu einem gefühlten Beziehungsverlust führen, wenn die Eltern körperlich anwesend, aber emotional abwesend sind. Daher wird empfohlen, bewusste Zeiten für die Zuwendung zum Kind einzuplanen, beispielsweise während des Stillens oder der Pflege.
Expertenmeinungen und Empfehlungen
Experten wie der Neurobiologe Gerald Hüther und Kinderärzte raten generell davon ab, Babys und Kleinkindern bis zu einem bestimmten Alter dem Fernsehen auszusetzen. Die Empfehlung "Bildschirmfrei bis drei" wird oft genannt. Wenn ältere Geschwisterkinder fernsehen, wird empfohlen, jüngere Kinder abzulenken oder ihnen alternative Beschäftigungen anzubieten.
Es wird darauf hingewiesen, dass Kinder unter drei Jahren gar kein Fernsehen schauen sollten. Bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren werden maximal 30 Minuten Bildschirmzeit pro Tag empfohlen, und im Alter von sechs bis zehn Jahren höchstens 45 bis 60 Minuten. Als Alternative werden gemeinsame Aktivitäten wie gemeinsames Kochen, Vorlesen oder Spaziergänge vorgeschlagen.
Einige Studien legen nahe, dass die Strahlung von Fernsehern, insbesondere von älteren Röhrenfernsehern, theoretisch eine Rolle spielen könnte, wobei der Fokus heute eher auf der visuellen und akustischen Reizung liegt. Die Hertzzahl (Hz) eines Fernsehers gibt die Flimmerfrequenz an und hat nichts mit elektromagnetischer Strahlung zu tun. Bei Kindern mit Epilepsie wird generell geraten, sie von Fernsehern fernzuhalten.
Die Frage nach der Entfernung zum Fernseher wird ebenfalls diskutiert. Während einige meinen, dass heutige Fernseher nicht mehr schaden und ein Abstand von etwa 3 Metern ausreichend sei, betonen andere die anhaltende Reizwirkung von Bildern und Geräuschen. Die Auswirkungen können individuell sehr unterschiedlich sein, und manche Kinder reagieren empfindlicher als andere.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine bewusste Entscheidung bezüglich des Fernsehkonsums im Beisein von Babys und Kleinkindern getroffen werden sollte. Die Priorität sollte auf der Förderung der direkten Interaktion und der Schaffung einer reizarmen Umgebung liegen, um die gesunde Entwicklung des Kindes bestmöglich zu unterstützen.
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