Kolostrum: Wichtige Informationen für Schwangere und Neugeborene

Das Kolostrum, auch als Vormilch oder Erstmilch bekannt, ist die erste Milch, die der Körper einer Frau im letzten Drittel der Schwangerschaft und während der ersten Tage nach der Geburt bildet. Es handelt sich um eine dickflüssige, gelbliche bis orangefarbene Substanz, von der täglich etwa 30 ml produziert werden. Für Neugeborene, deren Magen noch sehr klein ist, reichen die in den ersten Lebenstagen pro Mahlzeit aufgenommenen 5-7 ml Kolostrum vollkommen aus.

Kolostrum ist ein wahres Kraftpaket für das Neugeborene und enthält eine Vielzahl wichtiger Bestandteile:

  • Immunglobuline: Diese Zellen schützen vor Infektionen und unterstützen die Reifung des Immunsystems des Babys.
  • Oligosaccharide: Diese Zuckermoleküle bilden eine Schutzschicht auf der Darmwand des Babys und verhindern so, dass krankmachende Bakterien aus dem Darm ins Blut gelangen.
  • Lactoferrin: Dieses Eiweiß wirkt entzündungshemmend und fördert den Aufbau einer natürlichen Darmflora.
  • Verdauungsenzyme: Diese regen die Darmtätigkeit an und unterstützen den Abgang des ersten Stuhlgangs (Mekonium).
  • Enzyme und Stoffe zur Stabilisierung des Blutzuckerspiegels: Diese helfen, den Blutzuckerspiegel des Babys optimal zu regulieren.
Infografik mit den Hauptbestandteilen von Kolostrum und deren Funktionen.

Kolostrum während der Schwangerschaft: Wann tritt es auf?

Die Milchbildung beginnt bereits in der Schwangerschaft. Schon ab der 6. Schwangerschaftswoche werden Milchgänge und Milchbläschen in der Brust ausgebildet. Ab dem 4. bis 5. Monat sorgt ein erhöhter Spiegel des Hormons Prolaktin dafür, dass die Brust auf die Vormilchproduktion eingestellt ist. Etwa 12 Wochen vor der Geburt können bereits winzige Mengen Kolostrum gebildet werden. In vereinzelten Fällen können daher schon während der Schwangerschaft einige Tröpfchen aus der Brustwarze austreten. Dies ist jedoch nicht bei allen Frauen der Fall, und das Ausbleiben sichtbarer Kolostrumtropfen hat keinen Einfluss auf den späteren Stillerfolg.

Viele Frauen berichten, dass sie während der Schwangerschaft kein Kolostrum bemerken. Dies ist vollkommen normal. Die Brust bildet ab etwa der 16. Schwangerschaftswoche Kolostrum, aber es tritt nicht immer aus. Wenn das Baby an der Brust trinkt, ist Kolostrum vorhanden, auch wenn es äußerlich nicht sichtbar war.

Präpartale Kolostrumgewinnung: Wann und warum?

In bestimmten Fällen kann es sinnvoll sein, Kolostrum bereits vor der Geburt manuell zu gewinnen. Dies wird insbesondere empfohlen für Frauen mit Diabetes, da deren Neugeborene ein höheres Risiko für Unterzuckerung (Hypoglykämie) nach der Geburt haben. Studien zeigen, dass Frauen mit Diabetes ein höheres Risiko für einen verspäteten Milcheinschuss haben können. Um dies zu vermeiden und das Baby direkt nach der Geburt versorgen zu können, kann das Sammeln, Einfrieren und Mitbringen des eigenen Kolostrums zur Entbindungsklinik eine wertvolle Unterstützung sein.

Auch bei bestimmten Erkrankungen des Babys, wie z.B. neurologischen Erkrankungen, Herzerkrankungen, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder einem verminderten Wachstum des Babys, kann die präpartale Kolostrumgewinnung ratsam sein.

Der richtige Zeitpunkt für die Kolostrumgewinnung vor der Geburt

Der empfohlene Zeitpunkt für die manuelle Kolostrumgewinnung hängt von den individuellen Umständen ab:

  • Unkomplizierte Schwangerschaft: Beginnen Sie frühestens um die 37. Schwangerschaftswoche. Die Stimulation der Brust setzt Oxytocin frei, ein Hormon, das auch Gebärmutterkontraktionen auslösen kann und somit potenziell zu einer Frühgeburt führen könnte.
  • Bei drohender Frühgeburt, Mehrlingsgeburt oder geplanter Kaiserschnitt: Beginnen Sie erst mit Geburtsbeginn oder frühestens zwei Tage vor dem Kaiserschnitt.

Es ist wichtig, sich vor Beginn der Kolostrumgewinnung von geschultem Personal wie einer Hebamme oder Stillberaterin beraten und anleiten zu lassen.

Anleitung zur manuellen Kolostrumgewinnung

Die manuelle Gewinnung von Kolostrum erfordert etwas Übung und Geduld. Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Hände waschen: Waschen Sie sich vor Beginn gründlich die Hände mit Seife.
  2. Brustmassage: Legen Sie Ihre Hände flach auf die Brust und verschieben Sie sanft das Brustdrüsengewebe hin und her sowie auf und ab, ohne die Hände auf der Haut gleiten zu lassen. Führen Sie die Massage für etwa 5 Minuten durch.
  3. Stimulation der Brustwarze: Führen Sie Zeige- und Mittelfinger in kleinen kreisenden Bewegungen spiralförmig in Richtung der Brustwarze.
  4. Streichen: Streichen Sie mit den Fingerspitzen rund um die Brust vom Brustansatz bis zur Brustwarze.
  5. „Milkshake“: Schütteln Sie die komplette Brust leicht.
  6. Ausstreichen: Platzieren Sie Daumen und Zeige-/Mittelfinger jeweils 2-3 cm von der Brustwarze entfernt. Heben Sie die Brust leicht an und führen Sie sie waagerecht Richtung Brustkorb, wobei Sie das Gewebe mit den Fingern leicht auseinander dehnen.
  7. Rollen: Rollen Sie nun die Finger den Abstand zueinander verringernd nach vorne ab. Achten Sie darauf, nicht auf der Haut zu "rutschen". Entspannen Sie Ihre Finger anschließend, bevor Sie den Vorgang erneut beginnen.
  8. Position ändern: Nach einigen Wiederholungen können Sie die Position der Finger rund um die Brust verändern, wobei der Abstand zur Brustwarze gleich bleiben sollte.
Illustrationen oder schematische Darstellungen der einzelnen Schritte der manuellen Kolostrumgewinnung.

Brustmassage und Handentleerung von Kolostrum – Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Auffangen und Aufbewahren des Kolostrums

Die gewonnenen Kolostrumtropfen können direkt nach dem Austreten an der Brustwarze mit einer sterilen Einwegspritze (1 ml, 2 ml oder 5 ml) aufgezogen werden. Verschließen Sie die Spritze anschließend mit einer Verschlusskappe und beschriften Sie sie mit Ihrem Namen und dem Gewinnungsdatum. Das gewonnene Kolostrum sollte sofort eingefroren werden. Für den Transport zur Klinik sollte das Kolostrum zwischen zwei Tiefkühl-Akkus in einer kleinen Kühltasche gelagert werden.

Die Kolostrumgewinnung sollte ab der 37. Schwangerschaftswoche ein- bis zweimal täglich für 5-10 Minuten pro Brust erfolgen. Sollten Sie zu Beginn kein Kolostrum gewinnen können, heißt das nicht, dass Sie später nicht erfolgreich stillen können.

Kolostrum ausstreichen nach der Geburt

Auch nach der Geburt kann das manuelle Ausstreichen von Kolostrum sinnvoll sein. Mögliche Gründe hierfür sind:

  • Das Baby ist noch saugschwach und kann noch nicht ausdauernd an der Brust trinken.
  • Ein krankes Baby muss mit Kolostrum versorgt werden.
  • Mutter und Kind mussten aufgrund medizinischer Indikationen nach der Geburt getrennt werden.

Selbst wenn eine Mutter sich gegen das Stillen entschieden hat, kann sie sich dafür entscheiden, Kolostrum auszustreichen, um die gesundheitlichen Vorteile für ihr Baby zu nutzen. Eine Hebamme oder Stillberaterin kann hierbei unterstützen.

tags: #kolostrum #schon #in #der #schwangerschaft