Kinderwunsch nach künstlicher Befruchtung: Wann zum Frauenarzt oder ins Kinderwunschzentrum?

Nach einem positiven Schwangerschaftstest, insbesondere nach einer künstlichen Befruchtung wie ICSI oder IVF, stellt sich für viele Paare die Frage, wann die Betreuung von der Kinderwunschklinik an die reguläre Frauenarztpraxis übergeben wird. Die Übergangsphase kann variieren und hängt von den Richtlinien der jeweiligen Kinderwunschklinik sowie vom individuellen Schwangerschaftsverlauf ab.

Die Rolle der Kinderwunschklinik nach positivem Schwangerschaftstest

In vielen Kinderwunschzentren ist es üblich, dass die Betreuung erst nach der Feststellung eines Herzschlags durch Ultraschall an die Frauenarztpraxis übergeben wird. Dies geschieht in der Regel zwischen der 6. und 8. Schwangerschaftswoche.

Einige Kliniken entlassen die Patientinnen jedoch bereits nach einem positiven Bluttest (BT) und führen keine weiteren Ultraschalluntersuchungen oder Blutkontrollen durch. Andere bieten nach dem positiven Bluttest noch weitere Kontrollen an, teilweise auch auf Wunsch der Patientin, wie beispielsweise einen zweiten Bluttest (BT) um den 16. Tag nach dem Transfer.

Beispielsweise berichtet eine Patientin, dass ihre Kinderwunschklinik nach dem positiven Bluttest entlassen hat und auf Nachfrage keinen weiteren Ultraschall durchführte. Eine andere Patientin wurde bis zur 10. Woche von ihrer KiWu-Ärztin betreut und wechselte dann zur Gynäkologin, insbesondere da sie eine künstliche Kryo-Behandlung durchlief und aufgrund von Komplikationen wie Blutungen häufiger zur Ultraschalluntersuchung musste.

Manche Kliniken führen mittlerweile Ultraschalluntersuchungen in der 6.+x Schwangerschaftswoche durch. Wenn hierbei alles unauffällig ist, erfolgt die Entlassung. Bei Komplikationen wie Blutungen kann es jedoch sein, dass die Patientin weiterhin in der KiWu-Klinik betreut wird, auch wenn bereits ein erster Termin bei der Gynäkologin vereinbart wurde.

Ein typischer Ablauf kann sein: Ein positiver Bluttest an ES+16, gefolgt von einer Ultraschalluntersuchung mit Herzschlagfeststellung an 6+2. Nach einer weiteren Kontrolle an 7+6, bei der die offizielle Entlassung erfolgte, fand der erste Termin bei der Gynäkologin an 8+5 statt.

Veranschaulichung des Zeitpunkts der Übergabe von der Kinderwunschklinik zur Frauenarztpraxis nach positivem Schwangerschaftstest.

Der Weg zum Frauenarzt oder zur Frauenärztin

Die Überweisung zur regulären Frauenarztpraxis erfolgt in der Regel, sobald die Schwangerschaft stabil ist und die kritische Frühphase überstanden ist. Dies ist oft nach der Feststellung des Herzschlags der Fall.

Einige Frauenärzte informieren sich bereits im Vorfeld über das Ergebnis der Kinderwunschklinik, um eine nahtlose Weiterbetreuung zu gewährleisten. Die erste Untersuchung beim Gynäkologen findet dann oft im Anschluss an die Entlassung aus der Kinderwunschklinik statt, beispielsweise in der 8. oder 10. Schwangerschaftswoche.

In manchen Fällen, wie bei einer künstlichen Kryo-Behandlung, kann die Betreuung durch die KiWu-Ärztin bis zur 10. Woche fortgesetzt werden, bevor die Übergabe zur Gynäkologin erfolgt. Dies kann auch durch Komplikationen oder die Notwendigkeit regelmäßiger Rezeptanforderungen und Progesteron-Abnahmen bedingt sein.

Manche Frauen entscheiden sich auch auf eigenen Wunsch hin, länger in der Obhut ihrer Kinderwunschklinik zu bleiben, auch wenn die medizinische Notwendigkeit dafür nicht mehr gegeben ist. Die Entscheidung, wann man sich bei seinem regulären Frauenarzt meldet, liegt letztendlich beim Paar. Grundsätzlich ist die Frauenärztin oder der Frauenarzt der erste Ansprechpartner für die weitere Schwangerenvorsorge.

Vorbereitungen und Beratung bei Kinderwunsch

Bevor es zu einem Kinderwunsch kommt, ist es ratsam, sich mit den natürlichen Abläufen der Fruchtbarkeit vertraut zu machen. Für eine Schwangerschaft ist das Zusammentreffen einer befruchtungsfähigen Samenzelle mit einer empfängnisbereiten Eizelle notwendig. Der weibliche Zyklus spielt hierbei eine entscheidende Rolle:

  • Während der Reifungsphase wachsen in den Eierstöcken mehrere Follikel heran.
  • Beim Eisprung wird in der Regel eine Eizelle freigesetzt und gelangt in den Eileiter, wo sie etwa 24 Stunden befruchtungsfähig ist.
  • Spermien können im weiblichen Körper bis zu fünf Tage überleben.
  • Der optimale Zeitpunkt für Geschlechtsverkehr liegt daher etwa zwei Tage vor bis einen Tag nach dem Eisprung.

Bei einem durchschnittlichen 28-Tage-Zyklus findet der Eisprung etwa am 16. Zyklustag statt, was die fruchtbaren Tage auf den Zeitraum zwischen dem 9. und 18. Tag eingrenzt.

Anzeichen des Eisprungs erkennen

Um die fruchtbaren Tage besser zu bestimmen, können Frauen lernen, die Signale ihres Körpers zu deuten:

  • Der Muttermund wird weicher und leicht geöffnet.
  • Der Zervixschleim wird flüssiger, klarer und lässt sich zu langen Fäden ziehen.
  • Die Messung der Basaltemperatur kann ebenfalls Aufschluss geben.

Gesunde Lebensweise bei Kinderwunsch

Bestimmte Verhaltensweisen können die Fruchtbarkeit sowohl bei Männern als auch bei Frauen negativ beeinflussen. Eine gesunde Lebensweise ist daher empfehlenswert:

  • Ausgewogene Ernährung: Die Einnahme von Folsäure bereits während der Kinderplanung wird empfohlen.
  • Verzicht auf Nikotin: Rauchen verringert die Durchblutung der Fortpflanzungsorgane und beeinträchtigt die Chancen auf eine Schwangerschaft.
  • Moderater Alkoholkonsum: Alkohol kann die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen und das Kind während der Schwangerschaft schädigen.
  • Gesundes Körpergewicht: Über- und Untergewicht können Zyklusstörungen verursachen und die Samenqualität beeinträchtigen.
  • Stressmanagement: Stress kann sich negativ auf die sexuelle Lust und Fruchtbarkeit auswirken. Entspannungstechniken sind ratsam.
  • Moderate Bewegung: Regelmäßiger, moderater Sport ist förderlich, während schwere körperliche Arbeit und extremer Sport den Hormonhaushalt beeinflussen können.
Infografik zur Bestimmung der fruchtbaren Tage und zur Bedeutung von Folsäure.

Wann zum Arzt bei unerfülltem Kinderwunsch?

Wenn sich trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs und gesunder Lebensweise keine Schwangerschaft einstellt, ist es ratsam, ärztlichen Rat einzuholen. Die Empfehlungen zur Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe richten sich nach dem Alter der Frau:

  • Unter 28 Jahren: Bis zu 1,5 Jahre Wartezeit sind akzeptabel.
  • Zwischen 28 und 32 Jahren: Nach etwa einem Jahr sollte eine ärztliche Sprechstunde aufgesucht werden.
  • Über 32 Jahren: Eine Konsultation nach einem halben Jahr wird empfohlen.

Bei bekannten medizinischen Problemen oder mehreren Fehlgeburten sollte bereits früher ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Ursachen für ausbleibende Schwangerschaften

Die Gründe für eine ausbleibende Schwangerschaft können vielfältig sein:

  • Häufigste Ursache bei Männern und Frauen: Chlamydien-Infektionen, die die Fortpflanzungsorgane schädigen können.
  • Hormonelle Störungen: Beispielsweise aufgrund von Schilddrüsenerkrankungen.
  • Erkrankungen der Fortpflanzungsorgane: Bei Frauen können Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter betroffen sein; bei Männern Hoden und Nebenhoden.

Bei 10 bis 15 Prozent der ungewollt kinderlosen Paare kann jedoch keine konkrete biologische Ursache festgestellt werden.

Behandlungsmöglichkeiten bei unerfülltem Kinderwunsch

Wenn Einschränkungen der Fruchtbarkeit vorliegen, stehen verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung:

Künstliche Befruchtung

Die künstliche Befruchtung umfasst verschiedene Methoden:

  • Insemination: Samenzellen werden direkt in die Gebärmutter, den Gebärmutterhals oder den Eileiter eingebracht. Dies ist sinnvoll bei leichter Fruchtbarkeitsstörung des Mannes.
  • In-vitro-Fertilisation (IVF): Die Befruchtung findet außerhalb des Körpers statt. Nach hormoneller Stimulation werden Eizellen entnommen, mit Spermien zusammengeführt und die befruchteten Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt. Diese Methode birgt Risiken wie schwere Nebenwirkungen und eine erhöhte Fehlbildungsrate beim Kind.
  • Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): Eine Weiterentwicklung der IVF, bei der ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle injiziert wird. Dies ist besonders bei eingeschränkter Spermienqualität hilfreich. Bei sehr eingeschränkter Spermienqualität kann auch IMSI (intrazytoplasmatische Injektion morphologisch ausgewählter Spermien) angewendet werden.

Voraussetzungen für eine medizinisch assistierte Befruchtung sind in der Regel eine stabile Partnerschaft, ein bestimmtes Alter der Frau, ausreichender Rötelnschutz sowie negative HIV- und Hepatitis-Tests. Grundsätzlich dürfen nur Ei- und Samenzellen der beteiligten Partner verwendet werden.

Kryokonservierung

Überzählige befruchtete Eizellen können im Vorkernstadium eingefroren (kryokonserviert) und für spätere Versuche aufgetaut werden. Etwa ein Drittel aller Behandlungszyklen in Deutschland basiert heute auf dem Transfer von kryokonservierten Zellen.

Samenspende

Bei fehlenden oder wenigen befruchtungsfähigen Spermien, Erbkrankheiten oder für alleinstehende bzw. lesbische Frauen kann eine heterologe (donogene) Insemination mit Spendersamen in Betracht gezogen werden. Dies wirft jedoch psychologische und ethische Fragen auf und erfordert eine umfassende Aufklärung. In Deutschland hat ein Kind ab 16 Jahren das Recht, die Identität seines leiblichen Spenders zu erfahren.

Intrauterine Insemination (IUI) und Intratubare Insemination (ITI)

Bei der IUI werden Spermien mit einem dünnen Schlauch zum optimalen Zeitpunkt während des Eisprungs direkt in die Gebärmutter gebracht. Die ITI ist ein Verfahren, bei dem Eizellen abgesaugt und direkt mit aufbereiteten Samenzellen in den Eileiter gebracht werden, sodass die Befruchtung im Körper der Frau stattfindet. Dies wird bei langjähriger Sterilität der Frau, männlicher Fertilitätsstörung oder speziellen Formen der Endometriose angewendet, setzt jedoch durchgängige Eileiter voraus.

Chirurgische Eingriffe zur Fruchtbarkeitssteigerung

In bestimmten Fällen können operative Eingriffe notwendig sein:

  • Refertilisierung der Frau: Wenn die Eileiter durch Entzündungen oder Endometriose verschlossen sind, können sie operativ wieder durchgängig gemacht werden. Dies kann auch nach einer Sterilisation erfolgen. Die Erfolgschancen hängen von der Methode und der Ursache des Verschlusses ab.
  • Refertilisierung des Mannes: Wenn die Samenleiter verschlossen sind, beispielsweise nach einer Vasektomie, können sie mikrochirurgisch wieder verbunden werden. Die Erfolgsraten sind höher, je kürzer die Sterilisation zurückliegt.
  • TESE (Testicular Sperm Extraction): Bei fehlenden Spermien im Ejakulat können Spermien direkt aus dem Hodengewebe gewonnen werden.

Künstliche Befruchtung: Wie ist der Ablauf und welche Methoden gibt es? | Urologie am Ring

Wo finden ungewollt kinderlose Paare Hilfe?

Neben spezialisierten Praxen und Kliniken für Reproduktionsmedizin gibt es weitere Anlaufstellen:

  • Frauenärzte/Frauenärztinnen: Erste Ansprechpartner für medizinische und menschliche Beratung.
  • Urologen/Andrologen: Zuständig für die Untersuchung der männlichen Fruchtbarkeit.
  • Psychosoziale Beratungsstellen: Bieten Unterstützung bei der Bewältigung der Belastung durch Kinderlosigkeit und informieren über weitere Möglichkeiten wie Adoption oder Aufnahme eines Pflegekindes.
  • Selbsthilfegruppen: Ermöglichen den Austausch mit anderen Betroffenen und die Verarbeitung eigener Gefühle.

Es ist wichtig, offen mit dem Partner oder der Partnerin über die Gefühle zu sprechen, die die Kinderlosigkeit auslöst. Die Entscheidung für eine Behandlung oder weitere Schritte sollte stets gemeinsam getroffen werden.

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