Die Pflanzenwelt Korsikas: Vielfalt, Besonderheiten und die Bedeutung der Kastanie

Einleitung: Korsika - Eine Insel der Artenvielfalt

Die Pflanzenwelt auf Korsika zählt über 2000 Arten, von denen 78 endemisch sind, also nur auf Korsika vorkommen. Selbst das hiesige Gänseblümchen, bellis bernardii, ist ein Insel-Gänseblümchen. Der Reichtum und die Artenvielfalt an Pflanzen auf Korsika ist durch das Klima begünstigt und so brachten schon die Griechen vor 2500 Jahren den Wein mit. Er ist bis heute geblieben.

Panorama der korsischen Landschaft mit Macchia und Bergen

Die Duftende Macchia: Das grüne Herz Korsikas

Der wohl berühmteste Name, wenn man von der Pflanzenwelt Korsikas spricht, ist die duftende Macchia. Ein grüner Teppich, der sich über die gesamte Insel legt und im Frühjahr in voller Pracht erblüht. Die dominierende Pflanze in der Macchia, vor allem in Küstennähe, ist im Mai die Zistrose. Sie blüht weiß und rosa, bringt das Buschwerk zum Leuchten und ist auch noch Namensgeber der Macchia. Denn Zistrose heißt auf korsisch mucchiu.

Der Stechginster sticht mit seinen hellgelben Blüten im Frühling aus der Macchia hervor. Zur gleichen Zeit ist auch der lilafarbene Schopflavendel, die weißfarbenen Blüten des Erdbeerbaumes und die weiße, zitronengelbe oder pinke Mittagsblume in Küstennähe in Höchstform.

Die Baumheide/Erika (weiße Blüten) ist schon etwas eher Ende April in Blüte. Auf Französisch wird sie Bruyère genannt und aus ihrem harten, langlebigen Holz werden nach wie vor Pfeifen hergestellt.

Die Myrte mit den filigranen weißen Blüten blüht sogar zweimal im Jahr: Im Juni und Ende September. Sie wächst in unseren Breitengraden nicht im Garten und doch kennen alle den Brauch des Myrtenkranzes bei der Hochzeit. Sie soll Ewige Liebe und Fruchtbarkeit versprechen und wird in der Medizin vor allem bei Atemwegserkrankungen eingesetzt.

Der Rosmarin kann schon im Dezember blühen und sein sanftes Lila und der betörende Duft machen Lust auf mehr. Im April lenkt der Affodill mit seinen langen Stängeln und weißen Blumen, die meist vereinzelt vorkommen, den Blick auf sich. In niedrigen Mengen dosiert wird er als Heilmittel verwendet.

Auch der Mastix, bei den Griechen früher als Zahnputzmittel und Gummiersatz verwendet, blüht im April.

Die wohl prägendste Pflanze für den Geruch der Macchia ist die Immortelle. Durch das Trocknen dieser Pflanze behält sie ihre Farbe, duftet auch nach 10 Jahren noch und erhielt deshalb ihren Namen: „Die Unsterbliche“. Auch Mittelmeerstrohblume genannt, schmückt sie als goldene Sonne die Macchia. Bis Mitte Juni leuchten ihre gelben Köpfe und verströmen einen ganz besonderen Duft. Gerne wird sie als „Currykraut“ beschrieben, denn tatsächlich können die kleinen silbrig schimmernden Blättchen als Würzmittel benutzt werden. Ätherische Öle fangen den warmen Duft der Sonnenstrahlen ein, sie helfen bei Blutergüssen und verstärken die Entgiftungsfunktion. Auf die Seele wirkt sie ausgeglichen und hilft, Verspannungen zu lösen. Auch große Kosmetikfirmen sind schon auf den Geschmack gekommen.

Nahaufnahme der blühenden Immortelle in der Macchia

Ganzjahresbunt: Korsikas Fruchtbarkeit und Vegetationswechsel

Die Insel der Schönheit ist eigentlich das ganze Jahr über bunt. Zumindest grün, denn die Macchia-Pflanzen speichern Feuchtigkeit in ihren mit ätherischen Ölen angereicherten Blättern. Aprikosen, Kirschen und andere Früchte hängen Anfang des Sommers saftig vom Baum und geben gerade am Cap Corse der Landschaft einen saftigen Ton. Auch im Hochsommer, wenn die meisten Gewächse bei über 40 Grad im Schatten eingehen, ist die Insel noch fruchtig. In Küstennähe ist es vielleicht etwas braun-grün, aber je höher man kommt, desto saftiger und bunter wird es wieder. Man kann also jede Saison an einem Tag auf Korsika erleben! Was unten schon verblüht ist und wo nur die Samen der Pflanzen die Hitze überleben, steht im Gebirge vielleicht noch in voller Blüte. Der Herbst ist auch die Zeit der reifen Früchte. Feigen, Kaktusfeigen, Datteln, Mandeln, Kaki, Maulbeeren und Co. warten nur darauf vom Baum in den Mund zu gelangen.

Auf Korsika gedeihen auch Erdbeeren - und zwar nicht so wie wir sie aus unseren Breitengraden in Österreich oder Deutschland kennen. Der Erdbeerbaum („arbousier“) gehört ebenfalls zu den Macchia-Gewächsen und blüht im Frühling. Im September sind die reifen Erdbeeren kugelrund und orange. Sie haben zwar keinen besonderen Geschmack, sind aber trotzdem eine Kostprobe wert. Jedoch sollte man nicht zu viele von ihnen essen, da sie sehr verdauungsfördernd wirken. Aus ihnen wird vor allem Konfitüre und Likör hergestellt.

Reife Früchte des Erdbeerbaumes

Die Vegetation der Höhenlagen: Von der Macchia bis zu den Nadelwäldern

Olivenbäume, Aleppokiefern, Korkeichen und Erdbeerbäume werden noch zu den Macchia Gewächsen gezählt, die zwischen 0-900 m Höhe vorkommen. Doch auch in höher gelegenen Regionen bietet Korsika eine Vielfalt von Pflanzen und Bäumen. Ab ca. 400 m Höhe begegnen uns Steineichen und Edelkastanien auf fast jeder Wanderung. Lariccio-Kiefern (Schwarzkiefern) bilden ab ca. 800 m wunderschöne Wälder. Ab ca. 1000 m Höhe gibt es auch Mischwälder mit Buchen und Birken und nur Ginster, Wachholder und Heide sind in noch höheren Lagen zu finden.

Die Lariccio-Kiefern erkennt man an den langen, geraden Stämmen und den geraden Ästen in der Krone und sind vor allem aus dem Bavella-Massiv bekannt. Sie können bis zu 50 m hoch werden bei einem Durchmesser von 2m und einem Wurzelwerk von gerade mal 20 cm Tiefe. Ihre Nährstoffe bekommen sie aus dem grobkristallinen Granit, der auch als Wasserspeicher dient. Zudem können die Kiefern auch lange Frostperioden überstehen. Nach wie vor wird die Schwarzkiefer zu den wichtigsten forstlichen Ertragswaldbäumen gezählt, noch vor Korkeiche und Buche.

Lariccio-Kiefernwald im Bavella-Massiv

Feuer und Widerstandsfähigkeit: Die Macchia im Sommer

Jedes Jahr gibt es über 200 Feuer in der Macchia im Hochsommer. Deshalb hält die Feuerwehr („Pompiers“) auch Wachdienst, um schnell eingreifen zu können. Auch die kanadischen Wasserbomber mit einem Fassungsvermögen von 3000l sind im Dauereinsatz. Ausgelöst werden die Brände vor allem durch Brandstiftung, aber manchmal können auch kleine Feuer wie ein Grill oder ein Zigarettenstummel verheerend sein, wenn der Wind die Glut fortbläst.

Die Pflanzen der Macchia sind sehr feueranfällig. Um in den Sommermonaten in der großen Hitze fortbestehen zu können, haben sie eine Art ätherisches Öl entwickelt, mit dem sie Feuchtigkeit in den Blättern speichern können. Das ist auch der Grund, warum die Macchia und somit die Insel immergrün ist. Wenn man die Pflanzen anfasst, sind sie klebrig. Doch des einen Freud‘ ist des anderen Leid. Dieses Öl ist eben auch leicht entflammbar und so genügt schon ein Windstoß, um riesige Flächen in Brand zu setzen. Die großen Lariccio-Kiefern sind die einzigen Pflanzen, die einem Brand in der Macchia standhalten können, denn ihre Rinde ist dick und geschichtet und macht sie so hitzebeständig, während andere Gewächse dem Feuer zum Opfer fallen. Doch die Macchia erholt sich schnell.

Der Eukalyptusbaum auf Korsika

Wer vom Eukalyptusbaum hört, denkt wahrscheinlich sofort an Australien und Koalas. Doch das ist nicht ganz richtig - auch auf der Insel Korsika findet man diese Baumart. Sie wurde Anfang der 1950er Jahre dort aufgrund der Annahme kultiviert, der spezielle Duft des Baumes könne Malaria-Mücken vertreiben. Doch diese Vermutung wurde später zu Nichte gemacht.

Die Kastanie: Ein Grundnahrungsmittel und Symbol Korsikas

Die Korsen sind zudem berühmt für die Verarbeitung von Kastanien in Lebensmitteln und Getränken. Die Liste ist lang: angefangen von Süßspeisen und Kuchen bis hin zu Brot und Bier. Ein Gläschen Pietra, dem korsischen Bier aus Kastanienmehl, lässt Sie auf jeder Korsikareise das typisch Korsische spüren. Einst als „Brotbaum“ für die Korsen kultiviert, konnte er auf der weizenarmen Insel besonders im hochgelegenen Landesinneren gleich mehrere Familien ernähren.

Es ist der Herrschaft der Genuesen zu verdanken, dass das Gebiet der Castagniccia („Kastanienhain“) zu seinem Namen gekommen ist. Als „Steuerabgabe“ wurde das Gesetz festgelegt, jede Familie müsse jedes Jahr fünf Pflanzen anbauen sonst droht eine Strafe. Dabei konnten sie auswählen zwischen Maulbeerbaum, Weinstock, Olivenbaum oder Kastanie. Der Kastanienbaum ist mitunter der ertragreichste und wächst hervorragend in den flachen Hängen der Castagniccia, so dass dort schon bald ganze Plantagen entstanden - und immerhin auf 300 ha Land heutzutage immer noch kultiviert werden. Auf der ganzen Insel gibt es noch 34 Kastanienmühlen und neben Kastanienkuchen und Co. ist vor allem der Kastanienhonig für Korsika so wichtig.

Kastanienmühle in der Castagniccia

Herausforderungen und Regeneration der Kastanienbäume

Seit einem Jahrzehnt gibt es aber leider einen Befall durch den Kastanienrindenkrebs sowie durch den Parasiten Kastanien-Gallwespe. Die Baumkrone stirbt durch den Befall der Parasiten ab und der Ertrag geht katastrophal zurück. Ein Düngemittel gibt es nicht. Doch seit kurzer Zeit scheinen sich die Kastanien immunisiert zu haben und zu regenerieren.

Die Esskastanie: Fruchtbarkeit und Bestäubung

Ein besonderer Ausflugsort für Natur- und Weinliebhaber ist das Gebiet um Calvi. Die Balagne ist bekannt für seine guten Weine und in den Hanglagen dominierenden Weinberge. Da die Esskastanie erst im Juni zu blühen anfängt, können ihr Spätfröste nicht viel schaden. Das Besondere an Ihren Blütenständen ist aber, das sie zwei verschiedene Blütenarten entwickelt: Einmal reine männliche Blüten, mit ca. Die Esskastanie ist dadurch aber kein Selbstbefruchter, da die männlichen und weiblichen Blütenstände zu unterschiedlichen Zeiten (im Abstand von ca. 2 Wochen) blühen. Die Bestäubung erfolgt nur durch die Übertragung von Wind oder Insekten. Esskastanien als Einzelbäume an einem Standort können deshalb nicht tragen oder bringen höchstens unbefruchtete Nüsse ohne Fruchtkern. Auch sortenreine Pflanzungen sind meist unfruchtbar. Hier wäre es sinnvoll auch noch einen zweiten oder mehrere Bäume zusammen zu pflanzen, um diesen unterschiedlichen Blütezeiten entgegenzuwirken, bzw.

Die Esskastanie BELLE EPINE: Eine Sorte für den Garten

Aus der Dordogne, dem Südwesten Frankreichs stammt die Esskastanie BELLE EPINE (Castanea sativa). Der Baum weist einen mittelstarken Wuchs auf und ist hinsichtlich des Bodens unempfindlich und stellt hier keine Anforderungen an den Gärtner. Er schätzt aber lehmig-sandigen, wasserdurchlässigen Boden an einem sonnigen bis halbschattigen Standort. Der Esskastanienbaum ist spät reifend ab Ende Oktober und sein Wasserbedarf ist normal. Im ersten Standjahr sollten Sie aber auch hier bei Sommertrockenheit Wasser zugeben. Der sowohl hitzeverträgliche wie auch frostharte Baum ist also im gereiften Alter anspruchslos und bedarf nur in seiner Jugend etwas mehr Zuwendung.

Unter optimalen Bedingungen wächst die Castanea sativa BELLE EPINE ausladend. Wer über ausreichend Platz verfügt, schenkt seinem Garten mit diesem Laubbaum einen wunderschönen Solitär. Diese zauberhafte Esskastanie ist ein faszinierender, sommergrüner Prachtbaum. Sein majestätisches Blattwerk präsentiert er in einem tiefen Grün. Jedes einzelne Blatt erstrahlt in lanzenförmiger Pracht, umgeben von einem kunstvoll gesäumten Rand. Ihre sehr hochwertigen großen, dunkel mahagoni-farbenen, glänzenden Früchte sind ausgesprochen attraktiv und für eine gewisse Zeit lagerfähig. Die Maronen sind elliptisch-lang und zeichnen sich zusätzlich durch ihre gute Schälbarkeit aus. Ob als frische Marone, in konservierter Form oder als Konditorware, diese Esskastanie ist auch für die industrielle Verarbeitung geeignet. Der Maronenbaum liefert sehr hohe Erntemengen wegen der sehr guten Fruchtbarkeit der weiblichen Blüte. Diese Esskastanie benötigt jedoch wie alle Maronenbäume eine Bestäubersorte, wie bspw. Marigoule, Maraval oder Doree de Lyon die als gute Bestäuber gelten.

Trailer 360°-GEO Reportage: Kastanien, das Brot Korsikas

tags: #kann #ein #kastanienbaum #alleine #fruchtbar #werden