Das Einfrieren von Eizellen, auch bekannt als "Social Freezing", ermöglicht es Frauen, die Familiengründung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Diese Option gewinnt zunehmend an Bedeutung, da Frauen heute im Durchschnitt später Mütter werden als noch vor einigen Jahrzehnten. Die Entscheidung, Eizellen einzufrieren, ist eine persönliche, die gut überlegt sein sollte, um die bestmöglichen Chancen auf eine zukünftige Schwangerschaft zu gewährleisten.
Warum Eizellen einfrieren? Die Gründe für Social Freezing
Im angloamerikanischen Sprachraum wird das Einfrieren von Eizellen aus nicht-medizinischen Gründen als „social freezing“ bezeichnet. Immer häufiger entscheiden sich gesunde Frauen dafür, ihre Eizellen einfrieren zu lassen. Die Gründe dafür sind vielfältig:
- Fehlender Partner: Viele Frauen möchten zum jetzigen Zeitpunkt keine Kinder bekommen, da sie noch keinen passenden Partner gefunden haben.
- Karrierepläne: Konkurrierende Karriereziele können dazu führen, dass Frauen die Mutterschaft aufschieben.
- Wirtschaftliche Engpässe: Finanzielle Unsicherheiten können ebenfalls eine Rolle bei der Entscheidung spielen, die Familienplanung zu verschieben.
- Persönliche Reife: Einige Frauen möchten erst noch persönliche oder andere Lebensziele erreichen, bevor sie sich der Mutterschaft widmen.
Für junge Krebspatientinnen ist das Einfrieren von Eizellen eine wichtige Möglichkeit, nach Abschluss der Therapie eine Schwangerschaft zu ermöglichen. Vor Behandlungen wie Bestrahlung und Chemotherapie werden ihnen häufig Eizellen entnommen und tiefgefroren. Nach der erfolgreichen Krebstherapie können diese Eizellen aufgetaut, befruchtet und in die Gebärmutter eingesetzt werden.

Das ideale Alter für das Einfrieren von Eizellen
Die Qualität und Anzahl der Eizellen nimmt mit dem Alter ab. Daher ist das Alter der Frau zum Zeitpunkt des Einfrierens ein entscheidender Faktor für den späteren Erfolg einer Schwangerschaft.
Biologisches Optimum versus wirtschaftliche Betrachtung
Rein biologisch gesehen ist die beste Zeit für das Einfrieren von Eizellen vor dem 32. Lebensjahr. In diesem Alter weisen die Eizellen die höchste Qualität auf und haben die größte Chance, sich nach einer Befruchtung zu einem lebensfähigen Embryo zu entwickeln. Die Erfolgschancen für eine spätere Schwangerschaft sind dann am höchsten, und es werden in der Regel weniger Eizellen benötigt.
Wirtschaftliche Studien legen jedoch nahe, dass sich das Einfrieren von Eizellen ab Mitte 30 bis zum Alter von 37 Jahren mehr lohnen kann. Dies liegt daran, dass die Wahrscheinlichkeit, die eingelagerten Eizellen auch tatsächlich zu nutzen, in diesem Alter höher ist. Frauen, die ihre Eizellen später einfrieren lassen, sind eher bereit, den Prozess der künstlichen Befruchtung anzugehen, falls eine natürliche Empfängnis ausbleibt.
Die Rolle des Alters nach 35 und 40
Ab dem 35. Lebensjahr beginnt die Kurve der Fruchtbarkeit steil abzufallen. Bei Frauen über 35 Jahren sinken die Erfolgschancen für eine Schwangerschaft deutlich. Statistisch müssen oft zehn bis 15 Eizellen entnommen, gefroren, aufgetaut, befruchtet und eingesetzt werden, bis eine erfolgreiche Schwangerschaft eintritt. Zudem übersteht nur etwa jede dritte Eizelle einer 38-jährigen Frau den Auftauprozess unbeschadet.
Die Wahrscheinlichkeit für auffälliges Erbmaterial in den Eizellen steigt mit dem Alter ebenfalls. Dies bedeutet, dass von Frauen über 35 Jahren noch mehr Eizellen entnommen werden müssten, um eine realistische Chance auf eine Schwangerschaft zu haben. Dies ist eine sehr anstrengende und belastende Prozedur.
Wenn Eizellen erst jenseits des 40. Lebensjahres befruchtet und eingesetzt werden, sinkt die Chance auf eine komplikationslose Geburt eines gesunden Kindes erheblich. Das Risiko für Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht, Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruck der Mutter nimmt mit steigendem Alter deutlich zu.

Der Einfrierprozess und die Erfolgschancen
Das Einfrieren von Eizellen erfolgt durch Kryokonservierung, ein kontrolliertes Einfrieren bei extrem niedrigen Temperaturen. Die neuere Technik der Vitrifikation (Schnellgefrieren) hat die Erfolgsraten in den letzten Jahren erheblich verbessert.
Qualität der Eizellen und Lagerung
Die Qualität der Eizellen nimmt mit dem Alter ab. Während Eizellen von 25-jährigen Frauen nach dem Auftauen fast zu 100% intakt sind, sinkt dieser Wert bei älteren Frauen. Eizellen können theoretisch über viele Jahre hinweg gelagert werden, ohne an Qualität zu verlieren. Es gibt keine gesetzlich festgelegte Altersgrenze für die Lagerung.
Erfolgsraten und die Notwendigkeit mehrerer Zyklen
Das Einfrieren von Eizellen erhöht die Chancen auf eine spätere Schwangerschaft, stellt jedoch keine Garantie dar. Die Erfolgschancen hängen maßgeblich vom Alter der Frau zum Zeitpunkt des Einfrierens ab. Wenn Eizellen im Alter von 30 Jahren eingefroren und mit 40 Jahren für eine IVF-Behandlung verwendet werden, sind die Erfolgschancen vergleichbar mit denen einer 30-Jährigen.
Die Forschung zeigt, dass je älter eine Frau beim Einfrieren ihrer Eizellen ist, desto mehr Eizellen sollten eingefroren werden, um gute Chancen auf eine erfolgreiche IVF-Behandlung zu haben. Eine Studie empfiehlt Frauen unter 38 Jahren, 15-20 Eizellen einzufrieren, um eine etwa 70-80%ige Chance auf mindestens eine Lebendgeburt zu haben. Dies hängt auch von der individuellen Eizellreserve ab, die durch den Anti-Müller-Hormon (AMH)-Spiegel bestimmt wird.
In einigen Fällen können mehrere Zyklen des Einfrierens von Eizellen notwendig sein, um die gewünschte Anzahl zu erreichen. Dies bedeutet mehr hormonelle Stimulationen, Kosten und Belastung für die Frau.
Medizinische Beratung und individuelle Entscheidung
Das Tiefgefrieren und Auftauen von Eizellen ist in der Fortpflanzungsmedizin kein Routineverfahren. Es sollte nur an Zentren mit hoher Erfahrung und wissenschaftlichem Know-how durchgeführt werden. Das „Fertiprotekt“-Netzwerk in Deutschland bündelt solche Zentren, um die Behandlungen wissenschaftlich zu dokumentieren und auszuwerten.
Wann ist Social Freezing sinnvoll?
Medizinische Experten empfehlen das Social Freezing insbesondere für Frauen zwischen 25 und 35 Jahren. In Einzelfällen kann es auch bei Frauen über 40 Jahren sinnvoll sein, wenn die Umstände dies erfordern und die Eizellreserve noch ausreichend ist.
Folgende Kriterien können für die Entscheidung relevant sein:
- Alter: Idealerweise vor dem 35. Lebensjahr.
- Kinderwunsch: Wenn der Wunsch nach Kindern besteht, aber aktuell nicht erfüllt werden kann.
- Bewusstes Verschieben: Wenn Frauen die Schwangerschaft bewusst aufschieben möchten.
- Medizinische Absicherung: Um sich frühzeitig medizinisch abzusichern.
- Fruchtbarkeitsprobleme: Bei bekannten Fruchtbarkeitsproblemen wie Endometriose.
Es ist wichtig zu wissen, dass ein Großteil der Frauen, die ihre Eizellen einfrieren lassen, diese niemals verwendet. Gründe dafür sind unter anderem der Wunsch nach einer natürlichen Schwangerschaft, das Nicht-Alleinerziehend-Sein-Wollen oder die Ablehnung eines Samenspenders für eine IVF-Behandlung.
Eine individuelle Beratung durch einen Reproduktionsmediziner ist unerlässlich. Dabei werden die persönliche Situation, die Eizellreserve (mittels Ultraschall und Hormontests wie AMH) und die individuellen Chancen und Risiken besprochen. Warnzeichen für eine geringe ovarielle Reserve sind ein AMH-Wert unter 1,5 ng/ml und eine antrale Follikelzählung unter 10.
10 Dinge, die Sie wissen müssen, wenn Sie Ihre Eizellen einfrieren möchten
Die Entscheidung für oder gegen das Einfrieren von Eizellen ist eine sehr persönliche und sollte gut informiert und mit Verantwortung getroffen werden. Es ist eine Möglichkeit, die Chancen auf eine spätere Mutterschaft zu erhöhen, aber keine Garantie für ein Baby.
tags: #in #welchem #alter #eizellen #einfrieren