Schließung der Geburtshilfe in Tettnang und neue Modelle in der Hebammenversorgung

Ende der Geburtshilfe in Tettnang nach Insolvenz

Wie Anfang März angekündigt, hat die Geburtshilfe der Klinik Tettnang im Bodenseekreis zum Ende des Monats ihre Türen geschlossen. Das Aus hängt eng mit der Insolvenz des zuständigen Klinikverbundes Medizin Campus Bodensee (MCB) zusammen. Zum 1. April verlassen auch die zwölf dort tätigen Beleghebammen die Klinik Tettnang. Sie hatten zuvor um die Auflösung ihrer Verträge gebeten, weil eine Fortführung des Betriebs unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht mehr möglich sei. Der Abschied fällt nicht leicht, denn die Hebammen hätten gerne weitergemacht, und der Abschied ist mit vielen Tränen verbunden.

Um die jahrzehntelange Arbeit der Hebammen zu würdigen, versammelten sich am Dienstagnachmittag rund 300 Menschen vor der Klinik. Sie hielten Schilder mit herzlichen Botschaften, brachten Blumen mit und applaudierten, um so gemeinsam ihre Dankbarkeit auszudrücken. Es flossen auch Tränen der Dankbarkeit.

Menschenmenge vor Klinik mit Schildern und Blumen als Zeichen der Dankbarkeit für die Hebammen

Nach dem Aus der Geburtshilfe wechseln viele Hebammen von der Klinik Tettnang in andere Krankenhäuser der Region. Auch werdende Eltern müssen künftig in andere Kliniken ausweichen. Der Medizin Campus Bodensee verweist in einer Pressemitteilung auf die Krankenhäuser in Wangen (Kreis Ravensburg), Ravensburg, Lindau und Friedrichshafen.

Zukunft der Klinik Tettnang und Angebote

Nachdem schon Anfang des Jahres die Innere Medizin im Krankenhaus Tettnang geschlossen wurde, folgt jetzt das Aus der Geburtsklinik. Trotz des Abbaus betont der Betreiber, der Medizin Campus Bodensee, dass viele weitere Angebote in Tettnang vorerst erhalten blieben, darunter etwa die Klinik für Gynäkologie und das Beckenbodenzentrum. Auch für die unfallchirurgische Notaufnahme, die Allgemein- sowie Unfallchirurgie und die HNO-Abteilung gehe es unverändert weiter.

Neue Modelle der Hebammenversorgung: Hebammengeleiteter Kreißsaal

Die Kreiskliniken Reutlingen haben ein neues Angebot: einen Kreißsaal, der nur von Hebammen betreut wird. Gibt es bei einer Geburt aber Probleme, sind die Ärzte schnell zur Stelle. Viele werdende Eltern machen sich vor der Geburt viele Gedanken: Will ich mein Kind in einer Klinik zur Welt bringen oder lieber Zuhause? Oder wie wäre es im Geburtshaus? Für viele ist es ein Abwägen zwischen medizinischer Sicherheit und Natürlichkeit.

So auch für Nadine Reusch aus Reutlingen. Sie möchte, dass der natürliche Verlauf bei der Geburt so wenig wie möglich unterbrochen wird, denn "der Körper ist ja dafür gemacht", so Reusch. Viele werdende Eltern sind der Einladung der Kreiskliniken gefolgt und haben sich das neue Konzept mal angeschaut.

Die Hebammen der Reutlinger Kreiskliniken wollen Eltern mit dem neuen hebammengeleiteten Kreißsaal eine Möglichkeit anbieten, bei der sie weder auf Sicherheit noch auf Natürlichkeit verzichten müssen. Hier haben die Hebammen das Sagen. Ziel ist es, die Geburt für Frau und Kind so angenehm, selbstbestimmt und natürlich wie möglich zu machen. Kein vorgeplanter Kaiserschnitt, keine künstlich eingeleiteten Wehen, keine PDA. Das Angebot richtet sich an Schwangere, bei denen keine Risiken während der Geburt zu erwarten sind.

Während der Geburt wird die Mutter von zwei Hebammen begleitet, statt von einem Arzt und einer Hebamme. Laut Hebamme Tabea Bischof bringt der hebammengeleitete Kreißsaal nur Vorteile. Und zwar für alle, also für die Schwangeren, die Hebammen und auch die Ärztinnen und Ärzte. "Wir Hebammen können eigenständig arbeiten, aber haben durch die Ärztinnen und Ärzte trotzdem die Sicherheit im Hintergrund", so Bischof.

Schema eines hebammengeleiteten Kreißsaals mit Fokus auf Natürlichkeit und Sicherheit

Hintergründe der Schließung in Tettnang und Umstrukturierung des MCB

Schon Ende März schließt die Geburtshilfe Tettnang im Bodenseekreis. Das hat der Medizin Campus Bodensee (MCB) als zuständiger Klinikverbund am Montag mitgeteilt. Grund für das Aus ist die anstehende Umstrukturierung des insolventen Klinikverbunds. Die zwölf Beleghebammen hätten deshalb um die Auflösung ihrer Verträge zum 1. April gebeten. Sie erklärten, dass es ihnen unter diesen Rahmenbedingungen nicht möglich sei, den Betrieb als Beleghebammen weiterzuführen. In Tettnang endet damit eine lange Tradition. "Es ist bedauerlich und erfüllt mich mit sehr großer Sorge", so ein Zitat.

Das Amtsgericht Ravensburg hatte Anfang Februar das Insolvenzverfahren für den finanziell angeschlagenen MCB-Klinikverbund mit den Standorten Friedrichshafen und Tettnang formell eröffnet. Der Medizin Campus Bodensee verweist werdende Eltern auf die Krankenhäuser in Wangen (Kreis Ravensburg), Ravensburg, Lindau und Friedrichshafen.

Schon Anfang des Jahres war in Tettnang die Innere Medizin im Krankenhaus geschlossen worden. Freie Stellen konnten nicht mehr nachbesetzt werden. Mit Blick auf die Neuausrichtung des MCB-Klinikverbunds hatte der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) Anfang des Jahres gegenüber dem SWR den Standort Tettnang in seiner jetzigen Aufstellung in Frage gestellt. Man könne nicht überall alles vorhalten, weder das Geld noch das Personal sei dafür da, so Lucha damals.

Vorerst nicht betroffen von der Schließung der Geburtshilfe seien die Klinik für Gynäkologie und das Beckenbodenzentrum in Tettnang, heißt es vom MCB. Für werdende Eltern war sie jahrzehntelang eine der wichtigsten Anlaufstellen der Region - die Geburtshilfe in der Klinik Tettnang im Bodenseekreis. Heute (Dienstag) ist der Kreißsaal das letzte Mal geöffnet. Die Schließung der Geburtshilfe Tettnang steht im Zusammenhang mit der Insolvenz des zuständigen Klinikverbundes Medizin Campus Bodensee. Laut Klinikverbund wollen alle potenziellen Käufer die Klinik Tettnang künftig ohne Geburtshilfe fortführen. Zum ersten April verlassen auch die bislang beschäftigen Hebammen die Klinik. Mit Auflösung ihrer Verträge wechseln viele von ihnen in andere Krankenhäuser der Region - darunter Ravensburg, Lindau und Friedrichshafen.

Übernahme von Hebammen in Öhringen und Schwäbisch Hall

Das Hohenloher Krankenhaus in Öhringen (Hohenlohekreis) hat das gesamte Team der ehemals freiberuflichen Hebammen als feste Angestellte übernommen. Der Wechsel kam aufgrund von Änderungen am Hebammenhilfevertrag im November zustande. Für die freiberuflichen Hebammen in Öhringen hätte das zu Umsatzverlusten von bis zu 30 Prozent führen können. Das Haus sei den zwölf Frauen sehr entgegengekommen, bestätigt Hebamme Rita Müller im SWR-Interview. Sie ist seit 30 Jahren in dem Beruf tätig. Die Selbstständigkeit aufzugeben, sei kein leichter Schritt gewesen. Ohne den finanziellen Druck durch die neue gesetzliche Regelung hätte sie diese auch nie aufgegeben. Freiberufliche Hebammen bekommen in Zukunft weniger Geld, trotz selber Arbeit. Dennoch habe man eine gute Lösung für beide Seiten gefunden, so Müller weiter. Mit der Übernahme sei jetzt auch die Geburtshilfe gesichert, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung der Klinik. Rund um die Uhr sei gewährleistet, dass immer mindestens zwei Hebammen vor Ort sind. Das war auch den angestellten Frauen selbst wichtig: "Wir sind so ein gutes Team, dass wir das nicht kaputt gehen lassen wollten. Somit scheint man in Öhringen eine gute Lösung gefunden zu haben.

Die Änderungen am Hebammenhilfevertrag stoßen aber auch weiterhin auf Kritik. Denn freiberuflich arbeitende Hebammen sind oft ein wichtiger Bestandteil der Geburtshilfe an verschiedenen Kliniken in Baden-Württemberg. Am Dienstagabend gab es dann auch eine Mitteilung des Diak Klinikums in Schwäbisch Hall. Auch dort seien demnach alle Beleghebammen in ein Angestelltenverhältnis übernommen worden.

Orthopädisch-Unfallchirurgisches Zentrum (OUZ)

Das Orthopädisch-Unfallchirurgische Zentrum, kurz OUZ, ist auf die operative und konservative Versorgung von Verletzungen und Verschleißerkrankungen des gesamten Bewegungsapparates spezialisiert. Mehr als 30 hochqualifizierte Ärzte mit langjähriger Berufserfahrung decken das gesamte Spektrum der Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates ab. Neben der fachlichen Expertise verfügt das OUZ über viele technische Innovationen, unter anderem intraoperative Navigation, 3D Röntgengeräte und Neuromonitoring.

Hebamme Maike Jansen: Unendliche Möglichkeiten der Hilfe in der Geburtshilfe

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