Ängste werdender Väter: Zwischen traditioneller Rolle und moderner Elternschaft

Die traditionelle Vaterrolle, einst klar definiert und patriarchalisch geprägt, hat sich im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen stark gewandelt. Die Auflösung gesellschaftlich bindender Traditionen hat die klassische Vaterrolle in den Hintergrund gedrängt. Dies führt dazu, dass Männer heute vor unterschiedlichen Entscheidungen bezüglich ihrer Vaterrolle stehen: Einige suchen eine intensivere Bindung zu ihren Kindern und wollen ihre Rolle aktiv gestalten, während andere sich gänzlich von der Vaterrolle distanzieren.

Die zunehmend freie Entscheidung zur Elternschaft hat auch zum sogenannten „Zeugungsstreik“ geführt. Während früher die Entscheidung für Kinder eine transgenerationale Selbstverständlichkeit war, muss der Kinderwunsch heute oft gegen Wünsche nach unabhängiger Selbstverwirklichung durchgesetzt werden. Das Vaterwerden ergibt sich somit nicht mehr aus kulturell tradierten Normen, sondern ist zu einem individuellen Entscheidungsprozess geworden. Diese persönliche Entscheidung prägt maßgeblich die Einstellung und die dahinter verborgenen Ängste eines Mannes, was wiederum sein Handeln bestimmt.

Infografik: Entwicklung der Vaterrolle im Wandel der Zeit

Die Vielfalt der väterlichen Ängste

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 26% aller jungen Männer angeben, keine Kinder haben zu wollen. Ein pointierter Leserbrief verdeutlicht diese Haltung: „Die Vorstellung, ein Leben lang für jemanden sorgen zu müssen, hat bei mir die reine Panik ausgelöst. Warum sollte ich als Mann einer Frau, die ihren Kinderwunsch erfüllt sehen will, ein Leben lang das Kind alimentieren?“ Dieser Mann scheint keinen eigenen Kinderwunsch zu haben und sieht sich primär in einem Ausbeutungs- und Abhängigkeitsverhältnis. Seine Abwehr geht so weit, dass er eine wichtige persönliche Erfahrung ausschließt - er will nicht Vater werden, da Ängste offenbar jeden Wunsch nach einem Kind überschatten.

Andere Männer sind offener, auch wenn der Kinderwunsch von großen Ängsten begleitet wird. Ein Patient berichtete, dass er sich während der Schwangerschaft seiner Partnerin heftig gegen seine neue Rolle als Vater wehrte und sich auf eine südliche Insel wünschte, bis das Kind alt genug sei, um vernünftig mit ihm sprechen zu können. Diese Angst vor dem Zusammensein mit einem kleinen Baby und der präverbalen Zeit zeigt, dass neue Erfahrungen oft nur durch das Aufgeben alter Sicherheiten möglich sind.

Illustration: Mann mit Sorgenfalten, der auf ein Baby schaut

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Kindheit und Rolle

Ein Vater, der sich aktiv an der Versorgung und am Spiel seines Kindes beteiligt, begibt sich in eine regressiven Bewegung, die mit der alltäglichen Realitätsbewältigung ausbalanciert werden muss. In der Begegnung mit dem Kind kommt er mit seiner eigenen inneren Welt in Kontakt. Erinnerungen, Gefühle und Bilder der eigenen Kindheit, oft lange verdrängt, können hier zu einer bereichernden Erfahrung werden. Altes wird aktualisiert und Neues kann erprobt werden.

Durch die Teilhabe am Erleben des Kindes, an seiner Freude, die Welt zu erfahren und sich spielerisch anzueignen, finden Väter auch Kontakt zu verdrängten eigenen frühkindlichen Anteilen. Im Zusammensein mit dem Kind begegnen sie sich selbst, ihrer eigenen Geschichte und ihrer Erfahrung mit den eigenen Eltern. Diese Selbsterfahrung wird in der Regel als Bereicherung empfunden.

Wer sich auf ein Kind in den ersten Lebensjahren einlässt, muss oft eine Position aufgeben, die er erst im Laufe seiner eigenen Kindheit erworben hat. Vom Boden aus gesehen sieht die Welt anders aus. Ein Vater, der beispielsweise den ganzen Tag zu Hause bleibt, um sich um das Kind zu kümmern, wickelt, füttert, spielt und rudimentäre sprachliche Kommunikation aufbaut, bewegt sich weitgehend außerhalb des gesellschaftlich anerkannten Alltags. Dies kann zu einem Gefühl der Unproduktivität im Vergleich zu Freunden im Berufsleben führen, obwohl die emotionale Verbindung zum Kind immens wertvoll ist.

Konfliktpotenziale und Spannungen

Diese unterschiedlichen Lebenswelten können zu Konfliktbereichen führen. Der Vater hat keinen festen Termin, verzichtet auf die Anerkennung durch berufliche Tätigkeit und lässt sich auf die Zeitvorstellungen des Kindes ein, die auf dem unmittelbaren Augenblick basieren. Diskursive und abstrahierende Prozesse sind hierbei oft außer Kraft gesetzt. Die Verständigung findet rudimentär statt, wobei die vorsprachliche Kommunikation überwiegt. Der Über-Ich-Bereich mit seinen Kontrollen und Normen ist noch nicht in voller Kraft, was die Vorstellungen der Erwachsenen herausfordern und eigene kindliche Anteile wecken könnte. Insgesamt treten spielerische, lustbetonte Prozesse und archaische Affekte in den Vordergrund. Der Vater - wie natürlich auch die Mutter - muss sich einer partiellen Regression hingeben und gleichzeitig eine erwachsene Identität bewahren können. Dies erzeugt eine Spannung zwischen äußerer Realität und infantiler Welt, die zu Konflikten und Abwehrprozessen führen kann.

Die Erfahrungen mit einem Kind verändern das Leben der Eltern grundlegend. Ein Kind bringt die innere Ordnung des Erwachsenen durcheinander. Das Gleichgewicht der Befriedigungen, die der Vater für sich und mit seiner Partnerin gefunden hat, wird partiell außer Kraft gesetzt. Die eigene Toleranz und die Belastbarkeit des Paares werden auf die Probe gestellt. „Dinosaurier, Vulkane, Legoburgen, Märchen und Riesen wurden mir zur lustvollen Beschäftigung, so als sei es das erste Mal in meinem Leben“, schreibt ein Vater. Der Erwachsene kommt in Situationen, in die er ohne ein Kind vermutlich kaum kommen würde und in denen er sich selbst anders erlebt.

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Unerfüllte Wünsche und innere Konflikte

Die Begegnung mit dem Kind gelingt, wenn eine situative Identifikation mit dem kindlichen Erleben möglich ist. Dabei kommen Väter (und Mütter) nicht nur mit beglückenden Momenten der eigenen Kindheit in Kontakt, sondern auch mit ungelösten Konflikten. Diese können bisher kompensiert gewesen sein, werden aber in der Begegnung mit dem Kind aktualisiert und führen dadurch zu einer inneren Belastung. Bei Vätern werden beispielsweise unerfüllte Wünsche an den eigenen Vater wach. Schmerzliche Enttäuschungen oder ungelöste Beziehungskonflikte mit der Mutter tauchen auf, die zu Unsicherheiten über die Fähigkeit zur eigenen Vaterschaft führen können. Die ungelösten Beziehungskonflikte aus der eigenen Herkunftsfamilie und ihre inneren Repräsentanzen beeinflussen nicht nur die Interaktion mit dem Kind, sondern können auch unerkannt die elterliche Beziehung belasten.

Durch Eheschließung und Vaterschaft engen sich die Fluchtmöglichkeiten ein. Man wird mit sich und seinen inneren Beziehungsmustern konfrontiert. Die mit Kindern zwangsläufig entstehenden neuen Beziehungserfahrungen provozieren die eingefahrenen Muster der Lebensbewältigung. In Belastungssituationen werden oft unreife, kindliche Reaktionen aktiviert. Väter (und Mütter) verstricken sich dabei oft selbst in infantil anmutende Machtkämpfe, die weniger durch das Kind als durch die eigenen unbewussten Grenzen der Beziehungsgestaltung ausgelöst werden.

Ein Beispiel aus der psychoanalytischen Praxis

Ein Vater, der beruflich sehr angespannt und wenig erfolgreich war, hatte an einem Freitagmorgen keine Lust aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Als er aufgestanden war, versuchte er, seinen kleinen Sohn dazu zu bewegen, sich für den Kindergarten anzuziehen und zum Frühstück zu kommen. Der Sohn saß in seinem Zimmer und spielte mit einer Eisenbahn und reagierte nicht auf die Ermahnungen. Die Ermahnungen wurden schärfer und drohender, woraufhin der Sohn mit einem Wutausbruch reagierte und eine Schiene durch das Zimmer schleuderte. Schließlich schaltete sich die Mutter ein, drohte mit Konsequenzen und brachte den Sohn zum Frühstück. Von dem familiären Ablauf her wäre es dem Vater möglich gewesen, sich kurz zu dem Kind zu setzen, mit ihm zu spielen und ihn dann zum Frühstück zu bewegen. Es gab weder für den Vater noch für den Sohn einen unmittelbaren Zeitdruck. Der Vater konnte es jedoch aus inneren Gründen nicht. Er musste den Sohn heftig und uneinfühlsam ermahnen, weil er sich selbst so zur Disziplin zwingen musste, obwohl er sich an diesem Tag lieber der Arbeit entzogen hätte. So, wie er den Sohn zwingen will, ist er auch früher von seinen eigenen Eltern gezwungen worden. Unter dem Druck der Widerständigkeit des Sohnes wurde sein eigenes kindliches Beziehungserleben aktiviert, und er gab den einst selbst erlebten Druck unreflektiert weiter. Die eigentlich harmlose Situation mit einem altersentsprechenden Autonomiewunsch des Sohnes eskalierte dadurch zum zähen Machtkampf.

Fluchtstrategien im Angesicht der Vaterschaft

Das Zusammensein mit einem Kind ist oft weniger eine Belastung durch die äußere Versorgungs- und Erziehungssituation als vielmehr eine innere Auseinandersetzung mit der eigenen Elternrolle, die eigene kindliche Beziehungserfahrungen aktiviert. Beim Übergang zur Vaterschaft bestehen die inneren Anforderungen zum einen in der Fortentwicklung einer Paarbeziehung zu einer elterlichen Dreiecksbeziehung und zum anderen im Durcharbeiten des eigenen kindlichen Anteils, um die Elternerfahrung zum Wohle des Kindes erweitern zu können.

Flucht in die Regression

Aus psychoanalytischer Erfahrung lassen sich zwei Fluchtbewegungen beschreiben, mit denen sich Väter der Spannung und dem Konflikt zwischen erwachsener Identität und infantiler Welt zu entziehen versuchen. Manche Väter regredieren in eine Überidentifikation mit dem Baby und verlieren dadurch vorübergehend den Kontakt zu ihrem Erwachsenen-Ich, während andere Väter in einer betont männlichen Überkompensation den Kontakt zur kindlich-spielerischen Welt zu meiden suchen.

Väter, die einseitig in die kindliche Welt regredieren, werden oft als sogenannte „Mappies“ bezeichnet, eine Kopie der Mutter. Kinderanalytiker berichten von Vätern, die ihre Rolle nicht einnehmen können und in Elterngesprächen in eine Rivalität um die Versorgung durch die Mutter mit dem Baby geraten. Sie werden eifersüchtig auf das Baby, weil sie im Zusammenleben mit ihrer Partnerin offenbar nicht nur reife Anteile, sondern auch Versorgungswünsche an ein mütterliches Objekt untergebracht haben, die jetzt nicht mehr wie bisher erfüllt werden.

Manche Männer wehren sich zunächst heftig gegen die Vorstellung, Vater zu werden. Nach der Geburt aber sind sie dann besonders unabgegrenzt und regredieren in frühkindliche Welten. In ihrer ursprünglichen Abwehr scheinen sie unbewusst um ihre Probleme mit der Vaterrolle gewusst zu haben. So sind manche Männer unbewusst an eine klammernde Beziehung zur eigenen Mutter gebunden und konnten aus unterschiedlichen Gründen den Vater nicht ausreichend besetzen. Der Wunsch, sein Baby zu meiden, „bis man halbwegs vernünftig mit ihm sprechen kann“, bedeutet für den erwähnten Vater der frühen Kindheit, der frühen Kindheit aus dem Weg zu gehen. Auf der Insel suchte er einen Platz für seine eigene regressive Seite, da er fürchtete, sie nicht mehr wie bisher ausleben zu können, wenn ein Baby mit seinen Bedürfnissen ihm diesen Platz streitig machen würde. Es ist ihm nicht gelungen, sich mit dem Vater zu identifizieren, weil er sich nicht von der präödipalen Mutter lösen konnte. Dadurch bleibt die Repräsentanz des Dritten schwach ausgeprägt, und er bleibt an eine defensiv-vermeidende Haltung gebunden.

Flucht in die Aktivität

Der zweite Fluchtweg neben der einseitigen Identifikation mit dem Baby ist die betont phallische Haltung und das aktive Vermeiden des prägenitalen Erlebens. Durch die Flucht in die äußere Realität, in den beruflichen Alltag und in eine narzisstische Haltung muss offenbar ein großer Sicherheitsabstand zum kindlichen Erleben hergestellt werden. Die Erfahrungen eines Kindes werden als „Kinderkram“ abgetan und belächelt. Nur der betont männliche Auftritt und die damit verbundene Vorstellung von Unabhängigkeit zählt. Diese Fluchttendenz ist die sozial häufiger gewählte Haltung, wie sozialwissenschaftliche Studien belegen. In dieser Haltung muss die Nähe zur frühen, versorgenden Mutter abgewehrt und die Abgrenzung betont werden, weil die Gefahr der Inbesitznahme als zu groß erscheint. Diese Angst kann sich auch im Umgang mit einem Baby zeigen, indem der Vater seine Vermeidung durch betont gesellschaftliche Aktivitäten ausagiert.

Manche Väter sind in problematischer Weise an ihre Mutter gebunden. Dadurch fehlt ihnen die Identifikation mit dem Vater, auf die sie im Umgang mit ihrer Partnerin und dem Baby zurückgreifen könnten. Manche Patienten vermeiden den Vater; andere sind mit einem beruflich engagierten, häufig abwesenden Vater identifiziert, der sie zu oft mit der Mutter alleine gelassen hat. Solchen Patienten fehlt oft das innere Bild eines Paares, einer libidinösen Verbindung von Mutter und Vater, von mütterlichen und väterlichen Anteilen. Sie können sich zwar über das Baby freuen, ein väterliches Selbstverständnis aber gelingt nur schwer. Der Vater ist eben nicht nur der Andere, der Kontrast zur Mutter, sondern er kann auch gemeinsam mit der Mutter eine Paarbeziehung repräsentieren, die dem Kind den Schritt von der mütterlichen Geborgenheit ins Leben erleichtert. Die beschriebene Abwehrhaltung findet man nicht nur bei psychotherapeutischen Patienten, sondern sie ist, wie auch die sozialwissenschaftlichen Befunde zeigen, als eine soziale Haltung weit verbreitet.

Veränderte Erwartungen und Ängste während der Schwangerschaft

Früher war die Rollenverteilung klar: Der Vater ging arbeiten und verdiente das Geld, während die Mutter zu Hause blieb und die Kinder erzog. Inzwischen hat sich die Erwartungshaltung an beide Partner geändert. Frauen arbeiten, obwohl sie Kinder zu Hause haben, und Männer sollen sich in die Erziehung einbringen und nicht nur „draußen in der Welt“ arbeiten. Durch diese geänderte Rollenerwartung sehen Männer ihrer Vaterschaft oft mit gemischten Gefühlen entgegen. Obwohl sie das Kind gemeinsam mit ihrer Partnerin geplant haben, mischt sich in die Freude eine unerklärliche Angst.

Die Angst vor dem Endgültigen und der Verantwortung

Während das Paar bisher viel Spaß miteinander hatte, hinterlässt der Gedanke an Verantwortung nun einen gewissen bitteren Nachgeschmack. Ein Baby hat sich angekündigt und plötzlich wird dem werdenden Vater bewusst, dass es ernst wird. Selbst wenn er sich von seiner Partnerin trennen würde, von seinem Kind kann er sich nicht trennen. Damit hat er eine lebenslange Verantwortung übernommen. Diese Verantwortung hängt plötzlich wie Blei an den Füßen. Die Frage, ob die Entscheidung fürs Baby richtig war, brennt auf einmal unter den Nägeln. Der werdende Vater sieht seine Freiheit endgültig davonschwimmen und fühlt sich eingeengt und unwohl. Ab sofort muss er für ein Kind sorgen und sein ganzes Leben lang dafür finanziell aufkommen.

Die Angst vor der Veränderung der Partnerschaft

Manche Männer haben Angst, dass sich die Beziehung zu ihrer Partnerin durch das Baby verändert. Sie befürchten, das Baby könnte für die Frau eine größere Rolle spielen als sie selbst. Eifersucht sollte für werdende Väter jedoch kein Thema sein. Natürlich wird sich die Beziehung verändern, doch das Baby bereichert die Beziehung, indem es einen weiteren Menschen gibt, der gemeinsame Sorge braucht. Wenn man es nicht zulässt, wird das Baby die Beziehung nicht belasten, sondern im Gegenteil zusätzliche Impulse verleihen.

Die Angst vor dem Versagen als Versorger

Natürlich wollen werdende Väter ihrer Familie etwas bieten. Obwohl der Vater als klassischer Versorger ein Auslaufmodell ist, sehen sich viele Väter trotzdem noch immer in der Rolle, dass sie sich ums Geld kümmern müssen. Darum haben viele Väter Angst, zu wenig zu verdienen und sich ein Kind eigentlich gar nicht leisten zu können. Sie haben auch Angst davor, dass das Geld nicht mehr reicht, wenn das Einkommen der Frau zeitweise wegfällt. Wie wird es künftig mit Urlauben aussehen? Oder mit anderen Extras? Wie wird sich die Betreuung des Kindes auf die eigene Leistungsfähigkeit auswirken? Wenn die Partnerin erwartet, dass man nachts auch mal aufsteht und das Baby versorgt, könnte das nicht immer leicht werden. Doch vielleicht kann man sich hier so abwechseln, dass der Vater nachts während der Woche durchschlafen kann und dafür am Wochenende auch mal eine Nachtschicht übernimmt.

Die Angst vor der eigenen Rolle als männliches Vorbild

Junge Menschen wissen heute mehr als noch ihre eigenen Eltern über die Bedeutung der Psychologie. Darum ist den Vätern auch klar, dass sich ihr Kind mit ihm identifizieren wird, insbesondere wenn das Baby ein Junge wird. Überall kann der junge Vater nachlesen, dass Jungen männliche Vorbilder brauchen. Darum haben manche Väter Angst davor, dass sie diese Rolle nicht ausüben können, dass sie den Erwartungen nicht gerecht werden. Letztlich mündet die Angst davor in der Vorstellung, als Vater Schuld daran zu sein, wenn ein Kind auf Grund einer falschen Rollenvermittlung auf die schiefe Bahn gerät oder anders als „normal“ wird.

Illustration: Vater, der unsicher auf eine Kinderbuchseite blickt

Ängste besiegen und neue Perspektiven gewinnen

Egal wie viele Ängste ein werdender Vater auch haben mag: Es ist durchaus normal, Angst zu haben. Nur Menschen, die sich keine Gedanken machen, sind völlig furchtlos. Wer Angst oder ein mulmiges Gefühl hat, denkt über seine Rolle als werdender Vater nach und ist auch offen für mögliche Lösungsideen.

So kann es schon helfen, wenn der werdende Vater die junge Mutter zum Frauenarzt begleitet. Wenn er selbst die Herztöne hören kann und mit den Händen auf dem Bauch der Partnerin spürt, dass das kleine Wesen zu strampeln beginnt, kann das ein wärmendes Gefühl erzeugen, das Ängste schmelzen lässt. Es ist ratsam, Anteil an den Gedanken der Partnerin zu nehmen, die Zukunft der kleinen Familie gemeinsam zu planen, das Kinderzimmer einzurichten und zu Geburtsvorbereitungskursen zu gehen. Über mulmige Gefühle zu sprechen ist wichtig, da die Partnerin selbst möglicherweise auch einige Ängste hat.

Ein Tipp für werdende Väter ist, mit anderen werdenden Vätern über ihre Ängste zu sprechen oder den eigenen Vater zu fragen, wie er sich auf die Geburt seiner Kinder vorbereitet hat und welche Gefühle er dabei hatte. Auch solche Gespräche können helfen.

Fotografie: Ein Vater hält sein Neugeborenes im Arm

Umgang mit wiederholten Verlusten und die Entscheidung für eine erneute Schwangerschaft

Nach dem frühen Verlust ihres Kindes sehnen sich manche Frauen danach, möglichst bald wieder schwanger zu werden. Andere brauchen Zeit, bis sie sich eine erneute Schwangerschaft wieder vorstellen können. Das erschütterte Vertrauen in das Schicksal und in die Möglichkeit, Eltern zu werden, erschwert es manchmal zunächst, wieder „guter Hoffnung“ zu sein.

Geduld mit sich und dem Partner

Von der Sehnsucht eines der Partner bis zum gemeinsamen Wunsch, wieder Eltern zu werden, vergeht manchmal viel Zeit. Vater und Mutter verarbeiten den Verlust oft in einem unterschiedlichen Rhythmus und mit unterschiedlichen Zukunftsvorstellungen. Um im Austausch zu bleiben und wieder gemeinsame Pläne zu entwickeln, braucht es Geduld und Respekt. Vielleicht steht die Partnerin oder der Partner gerade woanders als man selbst. Manchmal stellt sich in der Zeit der Krise nach dem Verlust des Kindes auch die Frage nach der Tragfähigkeit der Beziehung.

Für die Frau sind die seelischen Auswirkungen des Verlustes oft auch körperlich spürbar. Wenn sie sich wünscht, wieder schwanger zu werden, kann sie in jedem Zyklus mit dem Einsetzen der Periode erneut das Gefühl der Leere durchleben. Der Mann reagiert vielleicht mit Schuldgefühlen, wenn die Frau nicht schwanger wird. Doch die Fruchtbarkeit lässt sich nicht erzwingen. Vielleicht braucht das Paar doch noch mehr Zeit, das verlorene Kind zu verabschieden.

Das Wiederholungsrisiko von Fehlgeburten

Nach einer Fehlgeburt machen sich viele Paare Sorgen, dass sich ein solches Erlebnis wiederholen könnte. Das Risiko einer erneuten Fehlgeburt ist jedoch abhängig von den Ursachen der vergangenen Fehlgeburt. Bei bestimmten erblichen und körperlichen Ursachen oder chronischen Erkrankungen ist das Risiko erhöht. Wenn Fehlgeburten dreimal oder noch häufiger hintereinander auftreten, sprechen Ärztinnen und Ärzte von „habituellen Aborten“. Dies kommt bei etwa 1 % aller Paare mit Kinderwunsch vor. Die Ursache kann zum Beispiel eine Stoffwechsel- oder Immunerkrankung oder eine Anomalie der Gebärmutter sein. Sehr selten ist auch eine genetische Anomalie eines Elternteils der Grund. Bei etwa der Hälfte aller wiederholten Fehlgeburten bleibt die Ursache unklar.

War der Tod des Kindes mit einer Schwangerschaftserkrankung der Mutter verbunden, wie beispielsweise einer Präeklampsie, können sich Eltern mit Kinderwunsch von erfahrenen Frauenärztinnen oder -ärzten - nach Möglichkeit in einem Perinatalzentrum - beraten lassen. Waren erbliche Krankheiten die Ursache für den Tod des Kindes, ist es sinnvoll, vor einer erneuten Schwangerschaft eine humangenetische Beratung in Anspruch zu nehmen. Wenn starke Ängste vor einem wiederholten Verlust den neuen Kinderwunsch überschatten, kann eine psychologische oder seelsorgerische Beratung hilfreich sein.

Stärkende fachliche Unterstützung suchen

Kündigt sich schließlich ein weiteres Kind an, löst das bei vielen Paaren widersprüchliche Gefühle aus: Übergroße Freude und Erfüllung mischen sich manchmal mit erheblichen Ängsten. In einer solchen Situation kann es sehr hilfreich sein, sich schon zu Beginn dieser Schwangerschaft professionelle Begleiter zu suchen, wie eine Hebamme, eine Frauen- und Kinderärztin oder -arzt, bei denen sich die werdenden Eltern medizinisch und menschlich gut aufgehoben fühlen. Die Hebammenhilfe kann - wie auch sonst - neben der ärztlichen Schwangerenvorsorge und auch nach der Geburt in Anspruch genommen werden. Sie wird von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Sich nicht von der Angst leiten lassen und Kraftquellen erschließen

Die Sorge vor einem erneuten Verlust kann den Blick der Eltern unter Umständen stark auf die rein medizinischen Aspekte und die möglichen Risiken richten. Oft entsteht der Impuls, alle infrage kommenden Untersuchungen und Maßnahmen zu veranlassen - aus Angst, etwas zu versäumen, was diese Schwangerschaft schützen könnte. Es ist jedoch ratsam, mit der Hebamme, der Ärztin oder dem Arzt zu klären, was medizinisch wirklich notwendig und sinnvoll ist. Ein Gespräch über die persönliche Situation, die Unsicherheiten und Zweifel eines Paares kann manchmal mehr Zuversicht geben als eine Vielzahl von Untersuchungen.

Alles, was einer Frau hilft, im Kontakt mit sich selbst und ihrem Baby zu sein, wird sie dabei unterstützen, ihr Kind gesund durch die Schwangerschaft zu tragen und glücklich zur Welt zu bringen. Sie kann viel für sich selbst tun und eigene Kraftquellen erschließen. Sie kann zum Beispiel sehr bewusst die Freude auskosten, den eigenen Körper mit seinen Veränderungen und ihr neues Baby zu spüren. Massagen, Entspannungstechniken, meditative Körperarbeit wie Yoga, Spaziergänge oder sportliche Bewegung können dabei helfen. Manche Frauen sind in der Schwangerschaft besonders kreativ und schöpfen Energie beim Musizieren, Malen oder Schreiben. Die Zärtlichkeit und Nähe, der Schutz und die Zuversicht in der Partnerschaft bedeuten jetzt einen besonders wichtigen Rückhalt. Auch Freundinnen, Freunde oder Angehörige, die das Paar durch die zurückliegende Krise begleitet haben und ihm nun Zuversicht vermitteln, sind eine wertvolle Unterstützung. Wenn es ältere Geschwisterkinder gibt, kann es eine schöne und heilsame Erfahrung für die Familie sein, wieder nach vorne zu schauen und die Vorfreude auf das Baby miteinander zu teilen.

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