Die Beziehung zwischen Muttermilch und Neurodermitis ist komplex und Gegenstand fortlaufender Forschung. Während Muttermilch generell als die ideale Ernährung für Säuglinge gilt und das Immunsystem stärkt, gibt es unterschiedliche Erkenntnisse bezüglich ihres Einflusses auf die Entstehung oder Vorbeugung von Neurodermitis.
Neurodermitis: Eine chronische Hauterkrankung im Kindesalter
Neurodermitis, auch bekannt als atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem, ist eine chronische Hauterkrankung, die häufig Babys und Kinder betrifft. Sie ist gekennzeichnet durch trockene, schuppige Haut, Rötungen und starken Juckreiz. In Deutschland sind etwa 8 bis 16 % aller Kinder betroffen, wobei die ersten Anzeichen oft schon in den ersten Lebensmonaten auftreten, meist zwischen dem 3. und 6. Monat.
Ursachen und Auslöser von Neurodermitis
Die genaue Ursache von Neurodermitis ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird von einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren ausgegangen:
- Genetische Veranlagung: Neurodermitis gehört zu den Erkrankungen des atopischen Formenkreises, einer Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems, die familiär gehäuft auftritt. Das Risiko steigt signifikant, wenn nahe Verwandte ebenfalls betroffen sind.
- Fehlgeleitete Immunreaktionen: Bei Betroffenen liegt eine Störung des Immunsystems vor, die zu einer übermäßigen Bildung von entzündungsfördernden Botenstoffen führt. Dies kann eine erhöhte Produktion von Immunglobulin E (IgE) zur Folge haben, was zu Reaktionen auf Allergene wie Pollen, Nahrungsmittel oder Hausstaubmilben führen kann.
- Gestörte Hautschutzfunktion: Die natürliche Barrierefunktion der Haut ist bei Neurodermitis verändert. Eine verminderte Produktion von hauteigenen Fetten wie Ceramiden und ein Mangel an Strukturproteinen wie Filaggrin führen dazu, dass die Haut durchlässiger wird, Feuchtigkeit verliert und anfälliger für äußere Einflüsse wie Keime und Allergene wird.
- Umweltfaktoren: Äußere Einflüsse wie kalte und trockene Luft, aber auch warme und feuchte Luft, Luftverschmutzung, Tabakrauch und übermäßige Hygiene können die Entstehung und Verschlimmerung von Neurodermitis begünstigen. Auch psychischer Stress kann eine Rolle spielen.

Abgrenzung zu anderen Hautveränderungen
Es ist wichtig, Neurodermitis von anderen Hauterkrankungen im Säuglingsalter zu unterscheiden:
- Kopfgneis: Zeigt sich durch gelbliche, ölige Schuppen, meist auf der Kopfhaut. Er ist in der Regel harmlos und nicht juckend.
- Milchschorf: Tritt oft ab dem dritten Lebensmonat auf und ist durch harte, gelblich-bräunliche Schuppen und Krustenbildung auf geröteter, entzündeter und juckender Haut gekennzeichnet. Milchschorf kann ein frühes Anzeichen für Neurodermitis sein.
| Merkmal | Milchschorf | Kopfgneis |
|---|---|---|
| Beginn | Meist ab dem 3. Lebensmonat | Oft schon ab der 2. Lebenswoche |
| Aussehen | Harte, gelblich-bräunliche Schuppen, Krustenbildung; Haut gerötet, entzündet, juckend, neigt zum Nässen | Gelbliche, ölige Schuppen |
| Betroffene Stellen | Kopfhaut, Gesicht, manchmal Rumpf | Vor allem Kopfhaut |
| Zusammenhang mit Neurodermitis | Kann ein erstes Anzeichen sein | Harmlos, nicht juckend |
Muttermilch und Neurodermitis: Widersprüchliche Forschungsergebnisse
Einige Studien deuten darauf hin, dass Muttermilch schützende Eigenschaften im Hinblick auf Neurodermitis haben könnte. Muttermilch überträgt Teile der mütterlichen Infektabwehr aufs Baby und liefert alle notwendigen Nährstoffe. Zudem schützt sie in gewissem Maße auch vor Allergien, Neurodermitis und Asthma. Insbesondere die Aufnahme bestimmter MikroRNAs über die Muttermilch wurde mit einem Schutz des Säuglings vor Atopie in Verbindung gebracht. Eine Studie zeigte, dass Säuglinge, die höhere Mengen der MikroRNAs miR-375-3p und miR-148b-3p aufnahmen, ein reduziertes Atopierisiko aufwiesen. Die Konzentration von miR-375-3p stieg während der Stillzeit an und war umgekehrt proportional zum BMI der Mutter.
Auf der anderen Seite gibt es auch Forschungsergebnisse, die auf ein erhöhtes Risiko für atopische Ekzeme bei gestillten Kindern hindeuten. Eine Studie aus Österreich stellte fest, dass gestillte Kinder ein höheres Risiko für ein atopisches Ekzem aufweisen als nicht gestillte Kinder. Eine finnische Studie mit 100 vollgestillten Kindern mit Neurodermitis zeigte zudem, dass eine strenge Eliminationsdiät der Mütter nur geringen Erfolg hatte. Erst nach dem Abstillen und der Umstellung auf hypoallergene Babynahrung verbesserten sich die Symptome der Kinder signifikant.
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Die Rolle der mütterlichen Ernährung bei Neurodermitis
Die Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft und Stillzeit kann potenziell Einfluss auf die Entwicklung von Allergien und Neurodermitis beim Kind haben. Proteine aus der Nahrung der Mutter können in die Muttermilch übergehen. Wenn ein Kind eine Kuhmilchprotein-Unverträglichkeit hat, können Bestandteile der Kuhmilch in der Muttermilch die Symptome auslösen. In solchen Fällen kann eine Eliminationsdiät der stillenden Mutter sinnvoll sein. Es gibt jedoch keine eindeutigen Beweise dafür, dass der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel in Schwangerschaft oder Stillzeit generell das Risiko für Neurodermitis beim Kind senken kann. Wissenschaftliche Fachgesellschaften sehen derzeit keinen Grund, die Ernährung in der Schwangerschaft oder Stillzeit routinemäßig einzuschränken.
Kuhmilchallergie und Neurodermitis
Eine Kuhmilchallergie ist eine häufige Ursache für Symptome bei Säuglingen, darunter auch Neurodermitis. Sie ist eine unerwünschte Überempfindlichkeit gegen Proteine in der Kuhmilch. Symptome können neben Hautreaktionen wie Neurodermitis auch Verdauungsprobleme wie Blähungen, Bauchkrämpfe und Durchfall sein.
Bei Verdacht auf eine Kuhmilchallergie können verschiedene diagnostische Methoden zum Einsatz kommen:
- Haut-Prick-Test
- Blutuntersuchung zur Bestimmung von Allergie-Antikörpern
- Provokationstest (in der Klinik)
- Auslass-Diät bei der stillenden Mutter (bestätigt in der Klinik)
Bei einer diagnostizierten Kuhmilchallergie können spezielle hypoallergene oder elementare Säuglingsnahrung (z. B. extensiv hydrolysierte Milch oder Aminosäuremischungen) notwendig sein, die vom Arzt verschrieben werden können. Ziegenmilch ist bei Kuhmilchallergie oft ungeeignet, da es zu Kreuzreaktionen kommen kann.

Behandlung und Pflege bei Neurodermitis
Die Behandlung von Neurodermitis bei Babys und Kindern zielt darauf ab, den Juckreiz zu lindern, Entzündungen zu reduzieren und die Hautbarriere zu stärken.
Medizinische Behandlungsoptionen
- Topische Kortikosteroide: Cremes und Salben zur Reduzierung von Entzündungen und Juckreiz.
- Feuchtigkeitscremes: Speziell formulierte Produkte zur Stärkung der Hautbarriere und zur Feuchtigkeitspflege.
- Calcineurin-Inhibitoren: Kortisonfreie entzündungshemmende Mittel.
Natürliche und hausgemachte Mittel
- Natürliche Öle: Kokosöl oder Jojobaöl zur Befeuchtung der Haut.
- Badezusätze: Bäder mit Haferflocken oder Backpulver können beruhigend wirken.
- Reines Nachtkerzenöl: Kann unterstützend wirken und wird von einigen Betroffenen gut vertragen.
Hautpflege als Kernstück der Behandlung
Eine konsequente und an den Hautzustand angepasste Hautpflege ist entscheidend. Dies umfasst eine tägliche Basispflege mit rückfettenden Cremes und Lotionen, um die Hautbarriere zu stärken und Trockenheit vorzubeugen. Während akuter Schübe sind spezielle, beruhigende Cremes und gegebenenfalls medizinische Behandlungen erforderlich.
Eltern können das Eincremen für ihr Kind angenehmer gestalten, indem sie eine feste Pflegeroutine etablieren, die Creme vorwärmen und das Kind aktiv mit einbeziehen.

Alltagsgestaltung und emotionale Unterstützung
Ein Leben mit Neurodermitis erfordert eine angepasste Alltagsgestaltung:
- Kleidung: Bevorzugung von luftdurchlässiger Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle.
- Kratzen verhindern: Kurze Fingernägel und ggf. das Tragen von Baumwollhandschuhen in der Nacht.
- Stress reduzieren: Schaffung einer ruhigen und stressarmen Umgebung.
- Raumklima regulieren: Vermeidung von extremen Temperaturen und trockener Luft.
Die emotionale Unterstützung ist ebenfalls von großer Bedeutung. Offene Kommunikation über Gefühle, Informationsbeschaffung und der Austausch mit anderen betroffenen Familien können helfen, den Alltag zu erleichtern und die Lebensqualität zu verbessern.
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