Während der Schwangerschaft und der Entwicklung des Kindes kommt es zu zahlreichen physiologischen Veränderungen sowohl bei der Schwangeren als auch beim Kind. Beim Fötus muss die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff sichergestellt sein, damit die Organentwicklung ohne Störungen ablaufen kann. Beim Neugeborenen steht die Umstellung des Kreislaufes nach Einsetzen der Lungenatmung im Vordergrund. Auch bei der Mutter finden während der Schwangerschaft physiologische Veränderungen statt, damit der mütterliche Organismus optimal auf die Versorgung des Kindes und die Geburt eingestellt wird. Nach der Geburt ändert sich der mütterliche Hormonspiegel erneut, um die Rückbildung der Gebärmutter zu gewährleisten und das Stillen des Kindes zu ermöglichen.
Physiologische Aspekte beim Fötus
Die Fetalperiode erstreckt sich von der 9. Entwicklungswoche bis zur Geburt des Kindes. Nachdem zuvor in der Embryonalperiode (1.-8. Entwicklungswoche) alle Organe angelegt wurden, erfolgen in dieser Zeit vor allem das Wachstum und die Differenzierung der Organanlagen. Der Feinbau und die Funktion der einzelnen Organe entwickeln sich in vielen Fällen erst langsam, teils hält die Entwicklung bis nach der Geburt an. Der fetale Kreislauf sowie auch die fetale Organfunktion unterscheiden sich wesentlich von der eines Kindes oder Erwachsenen. Die intrauterinen Bedingungen gewährleisten, dass Nährstoff- sowie Gasaustausch über die fetoplazentare Einheit erfolgt. Auch der Stoffwechsel bzw. die hormonelle Versorgung wird insbesondere zu Beginn der Entwicklung zum großen Teil von der Mutter sichergestellt.

Wachstum und Entwicklung in der Fetalperiode
Die Fetalzeit ist zu Beginn durch einen starken Größenzuwachs, ab dem sechsten Monat vor allem durch starke Gewichtszunahme des Föten gekennzeichnet. Die Körperpartien wachsen jedoch nicht gleichzeitig und nicht im selben Tempo, sondern heterochron. Insbesondere das Kopfwachstum bleibt im Vergleich zum übrigen Körperwachstum zurück.
Wichtige Meilensteine der fetalen Entwicklung:
- 9.-12. Woche: Rückverlagerung der Darmschlingen aus der Nabelschnur (10. Woche), Leber als Hauptort der Erythropoese wird von der Milz abgelöst (12. Woche), fetale Abfallprodukte werden über die Plazenta an den mütterlichen Kreislauf abgegeben, Geschlechtserkennung wird möglich (12. Woche). Trotz Rückgang des Kopfwachstums und Verdopplung der Scheitel-Steiß-Länge bis zum Ende der 12. Woche.
- 13.-16. Woche: Koordinierte Bewegungen von Armen und Beinen beginnen (14. Woche), Knochen des Fötus aufgrund reger Verknöcherung deutlich im Ultraschall zu erkennen (16. Woche).
- 21.-25. Woche: Ab der 22. Woche sind Lungenbläschen vorhanden.
- 26.-29. Woche: Blutbildung im Knochenmark (28. Woche).
- 35.-38. Woche: Nach der 37. Woche ist der Fötus in der Regel lebensfähig.

Fetaler Kreislauf und Organfunktion
Der fetale Kreislauf und die fetale Organfunktion unterscheiden sich wesentlich von denen eines Kindes oder Erwachsenen. Die intrauterinen Bedingungen gewährleisten, dass der Nährstoff- sowie Gasaustausch über die fetoplazentare Einheit erfolgt.
Physiologische Aspekte beim Neugeborenen
Nach der Geburt wird durch das Einsetzen der Lungenatmung und die Abnabelung von der Plazenta eine Umstellung des Kreislaufs erforderlich. Die Kurzschlüsse des Fetalkreislaufs schließen sich, und das Kind passt sich an die Gegebenheiten außerhalb der Gebärmutter an. Diesen Prozess nennt man postnatale Anpassung oder Adaptation.
Postnatale Anpassung des Neugeborenen
Kreislauf, Atmung, Stoffwechsel und Thermoregulation müssen nun selbstständig bewältigt werden, was eine Reihe von Anpassungsreaktionen erforderlich macht. Bei etwa 95% der Neugeborenen verläuft dieser Vorgang problemlos. Da es jedoch bei etwa 5% der reifen Neugeborenen zu Regulationsstörungen kommt, sollten die Vitalzeichen des Kindes mithilfe der APGAR-Scores sowie über Blutzucker- und Temperaturkontrollen im Auge behalten werden.
Schlüsselereignisse der postnatalen Anpassung:
- Verschluss des Ductus arteriosus Botalli: Der erhöhte Sauerstoffpartialdruck (pO2) in den Pulmonalarterien führt zu einem verringerten pulmonalen Gefäßwiderstand und erhöhter Lungendurchblutung. Dies bewirkt eine Strömungsumkehr im Ductus arteriosus Botalli und dessen funktionellen Verschluss durch Kontraktion glatter Muskelzellen. Später erfolgt die Obliteration zum Ligamentum arteriosum.
- Verschluss des Foramen ovale: Die vermehrte Lungendurchblutung führt zu einem erhöhten Druck in den Pulmonalvenen und im linken Vorhof. Gleichzeitig sinkt der Widerstand in den Aa.
- Verschluss der Aa. umbilicales und V. umbilicalis: Der proximale Anteil der A. umbilicalis (Pars patens) bleibt offen und bildet den proximalen Anteil der A. Der distale Anteil der A.
Nach einer Geburt: Das passiert im Körper | #trivialgenial | DAK-Gesundheit
Normale Körpertemperatur und Apgar-Score
Die normale Körpertemperatur des Neugeborenen liegt zwischen 36,5-37,5°C. Aufgrund der großen Körperoberfläche und des Wegfalls der intrauterinen Wärme kommt es zu einem Wärmeverlust. Insbesondere Neugeborene mit Regulationsstörungen sind auf exogenen Schutz vor Auskühlung angewiesen.
Mithilfe des Apgar-Scores werden 1, 5 und 10 Minuten nach der Geburt die Vitalparameter und somit die Anpassung des Kindes an die Außenwelt beurteilt. Dabei werden Hautfarbe (Appearance), Herzaktion (Pulse), die Reaktion auf das Absaugen (Grimace), der Muskeltonus (Activity) und die Atmung (Respiration) mit je 0-2 Punkten bewertet.
Lungenreife und Reifezeichen
Bei Komplikationen in der Schwangerschaft mit der Gefahr einer Frühgeburt kann die Lungenreife des Kindes induziert werden. Hierzu wird der Mutter intramuskulär ein Glucocorticoid gespritzt, das die Reifung der Surfactant-produzierenden Pneumozyten beschleunigt. Dies ist indiziert zwischen der Erreichung der Lebensfähigkeit (23.-24. SSW) und dem Abschluss der Lungenreife (33.-34. SSW).
Ein Neugeborenes wird als reif bezeichnet, wenn es zwischen der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche und dem Ende der 42. Schwangerschaftswoche geboren wird. Vorher handelt es sich um eine Frühgeburt, später um eine Übertragung.
- Körpergröße: ca. 50 cm
- Körpergewicht: ca. 3-3,5 kg
- Kopfumfang: ca. 35 cm
- Atemfrequenz: ca. 40-60/min
Physiologische Aspekte bei der Mutter
Die Schwangerschaft erstreckt sich über einen Zeitraum von ca. 40 Schwangerschaftswochen und geht mit zahlreichen Veränderungen des weiblichen Organismus einher. Im Zeitraum von der Befruchtung bis zur Geburt kommt es zu einer Umstellung des Hormonhaushaltes und zu zahlreichen physiologischen Anpassungsvorgängen. Nur so wird der mütterliche Organismus optimal auf die Versorgung des Kindes und die Geburt eingestellt. Nach der Geburt ändert sich der mütterliche Hormonspiegel erneut, um die Rückbildung der Gebärmutter zu gewährleisten und das Stillen des Kindes zu ermöglichen.
Physiologische Anpassungen der Mutter in der Schwangerschaft
Durch die hormonellen Veränderungen, insbesondere durch die Hormonproduktion der fetoplazentaren Einheit, kommt es zu einer Reihe von Anpassungsvorgängen im weiblichen Organismus. Während der Schwangerschaft verändert sich die Gebärmutter und passt sich den Anforderungen für das Wachstum und den Schutz der Frucht an. Im Zuge des Wachstums des Kindes verändert die Gebärmutter zunehmend ihre Lage und Form. Sie wächst dabei auf ein Vielfaches ihrer ursprünglichen Größe heran und nimmt am Ende der Schwangerschaft einen Großteil der Bauchhöhle ein. Die Größenzunahme der Gebärmutter lässt sich direkt an der Lage des Fundus uteri ablesen; in der 24. SSW steht der Fundus etwa auf Höhe des Nabels.
Stoffwechselveränderungen bei der Mutter:
Der Bedarf an anabolem Insulin steigt erst im 2./3. Trimenon an, wenn das Wachstum des Kindes deutlich zunimmt. Im 1. Trimenon kann der Bedarf sogar etwas erniedrigt sein.

Hormonelle Umstellung der Mutter nach der Geburt
Als Wochenbett wird die sechs- bis achtwöchige Zeitspanne von der Geburt bis zur Rückbildung der schwangerschafts- und geburtsbedingten Veränderungen bezeichnet. Mit dem Wochenbett beginnt auch die Lactation (Milchbildung). Voraussetzung dafür ist das komplexe Zusammenspiel mehrerer Hormone (z.B. Prolactin, Oxytocin) und die mechanische Stimulation durch das Saugen an der Brust.
Nach der Schwangerschaft kommt es durch den Wegfall der Plazenta zu einer Hormonumstellung, die förderlich für die Rückbildung des Uterus sowie für die Ernährung des Kindes ist.
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