Gerinnungsstörungen und Kinderwunsch: Ursachen, Risiken und Behandlungsmöglichkeiten

Gerinnungsstörungen können sowohl die Ursache für unerfüllten Kinderwunsch als auch für ein erhöhtes Thromboserisiko und Komplikationen während der Schwangerschaft sein. Dazu zählen Erkrankungen wie Präeklampsie, das HELLP-Syndrom oder Wachstumsretardierungen, die auf eine Fehlfunktion der Plazenta zurückzuführen sind.

Darstellung des Kreislaufsystems mit Fokus auf Blutgefäße und Blutkörperchen

Schwangerschaft und das erhöhte Thromboserisiko

Während der Schwangerschaft steigt die Konzentration von Gerinnungsfaktoren im Blut physiologischerweise an. Dieser natürliche Mechanismus dient dazu, Blutungen während der Geburt zu minimieren. Allerdings erhöht er auch das Thromboserisiko. So ist das Risiko für Thrombosen in der Schwangerschaft etwa um das 5-fache erhöht, im Wochenbett sogar um das 25-fache im Vergleich zur nicht-schwangeren Frau.

Gerinnungsstörungen als Ursache für wiederholte Fehlgeburten

Für viele Frauen ist der Verlust des ungeborenen Kindes ein tiefgreifendes Trauma. Etwa 10 bis 15 Prozent aller Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt, wobei das Risiko in den ersten zwölf Wochen am höchsten ist. Bei 2 bis 5 Prozent der Schwangeren wiederholt sich dieses Ereignis, was von Medizinern als habitueller Abort (wiederholte Fehlgeburten) bezeichnet wird.

Die Ursachen für wiederholte Fehlgeburten sind nicht immer eindeutig zu identifizieren; bei fast der Hälfte aller Fälle bleibt die Ursache unklar. Wenn jedoch zwei oder mehr aufeinanderfolgende Aborte auftreten, kann eine unerkannte Blutgerinnungsstörung eine mögliche Ursache sein. Die veränderte Blutgerinnung bei Schwangeren, kombiniert mit einer Gerinnungsstörung, kann zu kleinen Mikrothrombosen in den Plazentagefäßen führen. Dies kann die Einnistung des Embryos beeinträchtigen oder die Versorgung des Kindes unzureichend machen, was letztlich zur Fehlgeburt führt.

Es ist wichtig zu betonen, dass nicht jede Frau mit einer Gerinnungsstörung zwangsläufig Fehlgeburten erleidet. Umgekehrt zeigen klinische Erfahrungen jedoch, dass etwa 20 bis 25 Prozent der Frauen mit zwei oder mehr Fehlgeburten Auffälligkeiten in der Blutgerinnung aufweisen. Diese werden dann behandelt, unabhängig davon, ob die Schwangerschaft spontan eintritt oder durch künstliche Befruchtung erzielt wird.

Illustration einer Plazenta mit Darstellung von Blutgefäßen

Arten von Thrombophilie und ihre Relevanz für die Schwangerschaft

Thrombophilie ist ein Oberbegriff für verschiedene Blutgerinnungsstörungen, die das Thromboserisiko erhöhen. Diese können angeboren oder erworben sein und müssen nicht immer klinische Auswirkungen haben.

Erbliche Gerinnungsstörungen

  • Faktor-V-Leiden-Mutation (APC-Resistenz): Dies ist der am weitesten verbreitete erbliche Risikofaktor für Thromboseneigung und betrifft etwa 5 Prozent der europäischen Bevölkerung. Frauen mit dieser Mutation haben ein um 28 Prozent höheres Risiko für Thrombosen während der Schwangerschaft.
  • Protein-C- und Protein-S-Mangel: Ein Mangel an diesen Proteinen erhöht das Thromboserisiko während der Schwangerschaft um 10 bis 19 Prozent.
  • Antithrombin-Mangel: Diese seltene Thrombophilie kann das Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft um bis zu 44 Prozent erhöhen.

Erworbene Gerinnungsstörungen

  • Antiphospholipid-Syndrom (APS): Bis zu 5 Prozent der Bevölkerung können APS-Antikörper im Blut haben, die erworbene Hemmstoffe der Gerinnung darstellen. Bei Frauen mit APS treten Schwangerschaftskomplikationen wie wiederholte Fehlgeburten überproportional häufig auf. Das APS ist eine erworbene Gerinnungsstörung, die ein klinisches Ereignis wie eine späte Fehlgeburt, mehrere frühe Fehlgeburten oder eine Thrombose voraussetzt, zusammen mit einem positiven Antikörpernachweis im Abstand von drei Monaten.

Das Vorhandensein mehrerer Thrombophilie-Faktoren erhöht die Wahrscheinlichkeit von Schwangerschaftskomplikationen wie Fehlgeburten.

Diagnostik und Abgrenzung

Professor Dr. Nawroth warnt davor, jede Frau mit Kinderwunsch pauschal auf Thrombophilie zu testen, da dies unnötige Ängste schüren könnte, da diagnostizierte Gerinnungsstörungen nicht immer Auswirkungen haben. Früher wurde ein Test auf Thrombophilie erst ab der dritten Fehlgeburt durchgeführt; heute wird bereits nach dem zweiten Abort eine Untersuchung als medizinisch sinnvoll erachtet. Dies gilt ebenso für Frauen, die sich künstlich befruchten lassen, da die Gruppe der Frauen mit wiederholten Fehlgeburten und die Gruppe der Frauen mit erfolglosen künstlichen Befruchtungen Ähnlichkeiten aufweisen.

Eine einfache, gezielte Blutuntersuchung kann Aufschluss über eine Gerinnungsstörung geben. Während Gentests für zu Hause verfügbar sind, wird die Beratung durch einen Facharzt dringend empfohlen. Veranlasst der Arzt nach einer zweiten Fehlgeburt einen Bluttest, übernehmen die Krankenkassen die Kosten.

Bei Symptomen wie häufigem Nasen- oder Zahnfleischbluten, verstärkten Menstruationsblutungen oder längeren Nachblutungen nach Verletzungen sollte eine Blutgerinnungsstörung unabhängig von einer Schwangerschaft abgeklärt werden. Ein erhöhtes Risiko für Gerinnungsstörungen besteht auch, wenn Elternteile in jungen Jahren bereits eine Thrombose hatten.

Schema einer Blutuntersuchung mit Pipette und Blutprobe

Therapieansätze und die Rolle von Heparin

Lange Zeit galt die Behandlung mit dem Anti-Thrombosemittel Heparin als Standardtherapie bei Frauen mit Gerinnungsstörungen und Kinderwunsch. Neuere Studien, wie die "Ethig II-Studie", legen jedoch nahe, dass Heparin weder die Anzahl anhaltender Schwangerschaften noch der Lebendgeburten bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten signifikant erhöht.

"Wir können nicht mehr von einem positiven Einfluss des Medikaments ausgehen", fasst Professor Ekkehard Schleußner die Ergebnisse zusammen. Der vermeintliche positive Effekt von Heparin auf Schwangerschaftsverläufe in älteren Studien könnte teilweise auf den therapeutischen Effekt des Glaubens der behandelnden Ärzte an das Medikament zurückzuführen sein (Placebo-Effekt).

Heute wird Heparin hauptsächlich zur Thromboseprophylaxe bei Frauen eingesetzt, die bereits vor der Schwangerschaft eine Thrombose hatten oder ein stark erhöhtes Thromboserisiko aufweisen. Bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten, die jedoch kein erhöhtes Thromboserisiko haben, konnte durch den Einsatz von Heparin kein Vorteil nachgewiesen werden.

Sollte eine Thrombophilie diagnostiziert werden, bespricht der Arzt mit der betroffenen Frau die sinnvollsten Behandlungsoptionen, welche auch eine geeignete Form der Kinderwunschtherapie umfassen können. Die medikamentöse Behandlung mit Blutverdünnern kann die Blutgerinnung so beeinflussen, dass sich keine Gerinnsel bilden. Ein Nachteil kann die Notwendigkeit der Selbstinjektion sein.

Humangenetische Beratung und interdisziplinäre Zusammenarbeit

Für Paare mit Kinderwunsch, die Unsicherheiten bezüglich genetischer Risiken haben, kann eine humangenetische Beratung sinnvoll sein. Diese informiert über Risiken für Fehlbildungen und Erbkrankheiten und die Vererbungspfade. Eine solche Beratung ist besonders vor einer geplanten Schwangerschaft oder einer Fertilitätsbehandlung ratsam und kann helfen, belastende Fehlversuche zu vermeiden oder die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen.

Die exakte, zielgerichtete Diagnostik und die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Hämostaseologen, Gynäkologen und Reproduktionsmedizinern sind entscheidend, um die Ursachen von wiederholten Fehlgeburten und unerfülltem Kinderwunsch zu klären. Spezialisierte Zentren bieten ein breites Spektrum an diagnostischen Optionen und Laborkapazitäten, um diesen Ursachen auf den Grund zu gehen und Paaren bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches zu helfen.

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