Herkunft und Geschichte
Der 'Geflammte Kardinal' ist eine traditionsreiche Apfelsorte mit norddeutschem Ursprung, die bereits im 18. Jahrhundert bekannt war. Pomologen wie Adrian Diel beschrieben sie erstmals um 1801, und sie wurde später vom Deutschen Pomologenverein zum Anbau empfohlen. Ihre lange Geschichte und die Vielzahl an regionalen Namen zeugen von ihrer einst weiten Verbreitung und Beliebtheit. Als historische Kultursorte ist sie ein wertvoller Bestandteil alter Streuobstwiesen und ein lebendiges Zeugnis regionaler Obstbaukultur. Der 'Geflammte Kardinal' wurde 1762 zum ersten Mal erwähnt und genau beschrieben im Jahr 1801 von dem Pomologen Diel. Zwischen 1860 und Mitte des 20. Jahrhunderts war die Sorte in Deutschland, Österreich, Ungarn, Kroatien und der Provinz Schlesien weit verbreitet. Die Herkunft dieser Sorte lässt sich heute nicht mehr sicher klären, aber sie wird häufig in den deutschsprachigen Ländern, sowie Ungarn und dem Balkan angebaut.
Wuchs und Standort
Diese Sorte wächst als breitwüchsiger Obstbaum mit einer imposanten Krone, die im Alter bis zu sechs Meter hoch und fünf Meter breit werden kann. Der jährliche Zuwachs liegt zwischen 50 und 100 cm. Als Herzwurzler bevorzugt der 'Geflammte Kardinal' durchlässige Gartenböden ohne Staunässe. Er gedeiht sowohl an sonnigen als auch halbschattigen Standorten und ist gut winterhart. Dank seiner Robustheit eignet er sich hervorragend für Hausgärten, Schrebergärten und Streuobstwiesen - besonders an warmen Standorten mit guter Bodenqualität. Der Baum wächst stark ohne intensive Pflege, aber nicht gerade. Die Herzwurzel erschwert das Umpflanzen der Varietät. Die Krone des Baumes wird schnell breit und tischförmig, später bilden sich hängende Äste. In der Jugend stark wachsend wächst der Apfelbaum in der Baumschule selten gerade, was seine Erziehung erschwert.
Blüte und Befruchtung
Im April und Mai zeigt der Baum eine schalenförmige, einfach ungefüllte Blüte in zarten Rosa- und Weißtönen. Die rosafarbenen Blütenknospen sind nicht nur dekorativ, sondern auch eine wertvolle Bienenweide. Die Sorte blüht mittelfrüh und ist diploid, was sie zu einem guten Partner für andere Apfelsorten macht. Der 'Geflammte Kardinal' ist eine triploide Sorte und kann deshalb nicht als Pollenspender für andere Äpfel dienen. Daher sollten zwei diploide Befruchtersorten in der Nähe stehen, die sich so auch gegenseitig befruchten können. Empfehlenswerte Befruchtersorten sind beispielsweise der Apfel 'Croncels', 'Goldparmäne', 'Landsberger Renette', 'Boikenapfel', 'Gelber Bellefleur' oder 'Baumanns Renette'.
Frucht und Geschmack
Die Früchte des 'Geflammten Kardinals' sind mittelgroß bis groß, rundlich und dekorativ geflammt - strohgelb mit rötlicher Streifung oder Marmorierung. Die glatte Schale umhüllt ein saftiges, grünlich-weißes Fruchtfleisch mit süß-säuerlichem, würzigem Geschmack. Das Fruchtfleisch hat eine lockere Zellstruktur, die sehr saftig ist. Bei Genuss entfaltet sich ein sehr erfrischendes weinsäuerliches Aroma, welches ohne Würze auskommt. Die Genussreife beginnt im September und reicht bis in den November. Direkt vom Baum genossen oder nach kurzer Lagerung entfaltet sich das volle Aroma. Die Früchte sind gut nutzbar zum Frischverzehr, Backen und Mosten. Die Grundfarbe des 'Geflammten Kardinals' ist grünlich bis gelb und wird erst zur Genussreife von blass-hellroten Streifen geziert. Über die ganze Schale verteilt sind einzelne Rostpunkte. Größere Rostflecken können vorkommen. Die Schale ist fein und glatt. Der kurze dicke Stiel sitzt in einer tiefen Stielgrube und ragt nur selten über diese hinaus. Die Schale wird beim Lagern leicht fettig und kann bis zu 3/4 karminrot geflammt sein. Die Lentizellen sind unscheinbar.

Verwendung und Vielseitigkeit
Ob frisch vom Baum, als Tafelapfel, zum Backen, Kochen oder zur Herstellung von Saft, Most und Cidre - der 'Geflammte Kardinal' ist ein echter Alleskönner. Seine aromatische Frucht eignet sich besonders gut für die Verarbeitung und ist auch als Wirtschaftsapfel geschätzt. Die Sorte ist ideal für naturnahe Gärten und Streuobstwiesen, wo sie nicht nur kulinarisch, sondern auch ökologisch überzeugt. Die Früchte eignen sich gut zum Backen, aber auch leckere Fruchtsäfte können aus ihnen bereitet werden.
Pflanzung und Pflege
Die Pflanzung ist ganzjährig möglich, bevorzugt im Frühjahr oder Herbst. Ein Pflanzabstand von mindestens fünf Metern zu anderen Obstbäumen sollte eingehalten werden. Durch regelmäßigen Schnitt lässt sich die Höhe gut kontrollieren - sowohl als Kleinstamm für kleinere Gärten als auch als Halbstamm für größere Flächen. Die Pflege ist unkompliziert, da die Sorte insgesamt robust ist und nur gelegentlich leichte Probleme bei ungünstiger Witterung zeigt. Regelmäßiges Gießen und die Erde zwischenzeitlich abtrocknen lassen sind wichtig. Schnitt- und Sägewunden sowie Astbrüche sollten schnellstmöglich mit einem Wundeverschlussmittel versorgt werden, um das Eindringen von Krankheitserregern in die Pflanze zu verhindern. Im Frühjahr gepflanzte Obstgehölze müssen den ganzen Sommer hindurch reichlich gegossen werden. Gut eingewurzelte Pflanzen benötigen nur bei extremer Trockenheit zusätzliches Wasser. Im Frühling kann ein Langzeitdünger verwendet werden. Ein Rückschnitt, optimal von Februar bis März, ist bei dieser Pflanze ratsam.
Besonderheiten und Naturnähe
Als altbewährte, historische Sorte bringt der 'Geflammte Kardinal' nicht nur geschmackliche Vielfalt, sondern auch einen hohen ökologischen Wert mit sich. Seine Blüten sind eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten, und seine Widerstandsfähigkeit macht ihn zu einem idealen Baum für naturnahe Gärten. Der Apfel 'Geflammter Kardinal' ist wenig anfällig für Schädlinge und typische Apfelleiden. Diese Sorte ist wenig anfällig für Schädlinge und typische Apfelleiden. Die Blätter - als Futterpflanze für ihre Raupen - nutzen 48 Schmetterlinge. Das Herbstlaub von Malus 'Geflammter Kardinal' wird innerhalb von etwa 12 Monaten zu wertvollem Laubkompost, den du zum Düngen deines Nutzgartens verwenden kannst.
Synonyme und Verwechslungsgefahr
Der 'Geflammte Kardinal' ist auch unter zahlreichen anderen Namen bekannt, darunter „Bischofsmütze“, „Rasselapfel“, „Tortenapfel“, „Semmelapfel“, „Gestreifter Pfundapfel“, „Strudelapfel“ und „Falscher Gravensteiner“, sowie „Himbeerapfel“, „Himmelhahn“, „Hohlgacker“, „Hohlhäuschen“, „Kaiserapfel“, „Kontorapfel“, „Meißner Gerstenapfel“, „Pleissener Sommerrambur“ und „Schwerer Gravensteiner“. Nicht zu verwechseln ist die Sorte mit dem Apfel Gravensteiner. Richtiger weise sollte diese Sorte „Geflammter weißer Kardinal“ heißen, da es auch einen "Geflammten roten Kardinal" gibt. Der Apfel ist kugelförmig bis hochgebaut, etwa 60 bis 85 Millimeter hoch und 70 bis 90 Millimeter breit. Starke Kanten lassen einzelne Äpfel nahezu dreieckig erscheinen. Oft sind die beiden Hälften ungleich ausgeprägt. Insgesamt zeigen die einzelnen Äpfel dieser Sorte ungewöhnlich große Unterschiede.
Die Apfel Ernte. Sorte Geflammter Kardinal. August und September 2020
tags: #geflammter #kardinal #befruchter