Wachstumsschmerzen sind ein häufiges Phänomen bei Kindern im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren. Bis zu einem Drittel aller Kinder leiden laut Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) unter diesen Beschwerden, die oft zu schlaflosen Nächten führen können. Obwohl die genauen Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind und die Wissenschaft hier noch vor einem Rätsel steht, sind sich Experten einig, dass Wachstumsschmerzen keine gefährliche Erkrankung darstellen.
Was sind Wachstumsschmerzen?
Wachstumsschmerzen sind vorwiegend nächtlich auftretende Schmerzen, die Kinder während ihrer Entwicklungsphase plagen. Sie werden oft als ziehend, brennend oder klopfend beschrieben und betreffen in der Regel die Gliedmaßen, insbesondere die Beine.
Typische Symptome von Wachstumsschmerzen
- Schmerzen in den Beinen, meist im Knie oder auf Höhe des Fußknöchels.
- Gelegentlich auch Schmerzen in den Armen.
- Die Beschwerden treten in der Regel beidseitig oder abwechselnd auf.
- Sie treten in Ruhe auf, vor allem abends beim Zubettgehen oder beim Einschlafen - nicht bei körperlicher Anstrengung wie beim Sport.
- Die Schmerzen verstärken sich gelegentlich nach körperlicher Anstrengung am Tag.
- Die Intensität und Häufigkeit der Schmerzen variiert von Tag zu Tag; es gibt auch beschwerdefreie Tage oder Wochen.
- Die schmerzenden Stellen zeigen keine Rötung, Schwellung oder Überwärmung.
- Wachstumsschmerzen gehen nicht mit Fieber einher.
- Das Gangbild ist unauffällig, das Kind humpelt nicht.
- Die Schmerzen sind morgens wieder verschwunden, und das Kind kann sich ohne Beschwerden bewegen.
- Die Schmerzen lassen sich nicht eindeutig einer bestimmten Struktur (etwa einem Gelenk oder Muskel) zuordnen.
- Nur selten berichten Heranwachsende von Wachstumsschmerzen in den Armen, und wenn, dann treten diese begleitend zu Schmerzen in den Beinen auf.
- Andere Körperregionen wie Brustbein, Brustkorb oder Schädel sind keine typischen Orte für Wachstumsschmerzen.
Die Schmerzen können von wenigen Minuten bis zu einer Stunde oder sogar mehreren Stunden andauern. Sie treten unregelmäßig auf, manchmal zwei- bis dreimal die Woche, dann wieder seltener.

Mögliche Ursachen und Theorien
Obwohl die genaue Ursache für Wachstumsschmerzen nicht bekannt ist, gibt es verschiedene Theorien, wie diese entstehen könnten:
- Schnelles Knochenwachstum: Eine verbreitete Theorie besagt, dass bei einem Wachstumsschub die Knochen schneller wachsen, als das umliegende Weichgewebe. Dies führt zu einer vermehrten Spannung auf die Weichteile, die schmerzhaft ist.
- Übermäßige Belastung: Eine übermäßige Belastung von Muskeln und Knochen bei starkem Bewegungsdrang, insbesondere nach intensiven körperlichen Aktivitäten, könnte ebenfalls eine Rolle spielen.
- Niedrigere Schmerzschwelle: Manche Forscher vermuten ein generalisiertes, nicht-entzündliches Schmerzsyndrom der frühen Kindheit, das mit einer generell niedrigeren Schmerzschwelle bei betroffenen Kindern zusammenhängt.
- Genetische Faktoren: In manchen Familien treten Wachstumsschmerzen gehäuft auf, was auf genetische Veranlagung hindeuten könnte.
- Hormonelle Einflüsse: Da Wachstumshormone überwiegend nachts ausgeschüttet werden, wird auch ein Einfluss von Hormonen diskutiert.
- Vitamin-D-Mangel: Bei Kindern mit einem auffällig niedrigen Vitamin-D-Spiegel wurden vermehrt Wachstumsschmerzen festgestellt, die sich nach Gabe von zusätzlichem Vitamin D besserten.
- Psychosoziale Faktoren: Emotionale Belastungen wie Kummer und Stress könnten ebenfalls eine Rolle spielen und über den Schmerz verarbeitet werden.
- Überbewegliche Gelenke: Eine gewisse Steifheit oder Überbeweglichkeit der Gelenke könnte ebenfalls zu den Beschwerden beitragen.
Diagnose: Wachstumsschmerzen als Ausschlussdiagnose
Es gibt keine spezifischen diagnostischen Tests für Wachstumsschmerzen. Die Diagnose wird von einem Kinder- und Jugendarzt oder einer Kinder- und Jugendärztin nach dem Ausschlussprinzip gestellt. Das bedeutet, dass zunächst andere, möglicherweise ernstere Ursachen für die Schmerzen ausgeschlossen werden müssen.
Wann zum Arzt? Warnzeichen beachten
Eltern sollten einen Arzt aufsuchen, wenn:
- die Schmerzen tagsüber auftreten oder anhalten.
- die Schmerzen einseitig oder stark zunehmend sind.
- die betroffenen Gelenke überwärmt, geschwollen oder gerötet sind.
- das Kind die betroffene Stelle nicht mehr richtig belasten kann.
- zusätzliche Symptome wie Fieber, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Übelkeit, Nachtschweiß, Morgensteifigkeit oder Hautveränderungen auftreten.
- die Schmerzen ungewöhnlich stark sind oder länger als zwei Wochen anhalten.
- die Beschwerden nicht nur die Beine, sondern auch andere Körperregionen betreffen.
Zur Abklärung können eine eingehende ärztliche Untersuchung, Befragung zu den Symptomen, eine körperliche Untersuchung, Laboruntersuchungen (z.B. Entzündungswerte im Blut) und gegebenenfalls bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder Röntgenuntersuchungen notwendig sein.

Was hilft bei Wachstumsschmerzen? Linderung für Kinder
Da Wachstumsschmerzen harmlos sind und von allein wieder verschwinden, steht die Linderung der Beschwerden im Vordergrund. Folgende Maßnahmen können helfen:
- Zuwendung und Trost: Liebevolle Zuwendung, Zuspruch, Streicheln und das In-den-Arm-Nehmen können dem Kind helfen, Angst abzubauen und den Schmerz als weniger bedrohlich zu empfinden.
- Wärme: Eine Wärmflasche, warme Umschläge oder ein warmes Bad können die schmerzenden Stellen entspannen und die Durchblutung fördern.
- Kälte: Manche Kinder empfinden auch Kälte als lindernd. Kühlpads können hier Abhilfe schaffen. Es ist ratsam, auszuprobieren, was dem Kind guttut.
- Sanfte Massagen: Massagen der schmerzenden Stellen können die Durchblutung anregen und entspannend wirken.
- Leichte Schmerzmittel: In Absprache mit dem Kinderarzt können bei starken Schmerzen, die den Schlaf stören, leichte Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eingesetzt werden. Die Dosierung richtet sich nach dem Gewicht des Kindes.
- Dehnübungen: Gezielte Dehnübungen für die betroffenen Muskelpartien können helfen, chronischen Beschwerden vorzubeugen.
- Vitamine und Mineralstoffe: Einige Eltern berichten von einer Besserung der Symptome durch die Gabe von Vitamin D, Kalzium oder Magnesium. Die wissenschaftliche Evidenz hierfür ist jedoch nicht eindeutig.
Es ist wichtig, dass Eltern über das Thema informiert sind und die Beschwerden ihres Kindes ernst nehmen. Die Empathie und Zuwendung der Eltern sind oft die wirksamste Medizin.
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Prognose und Ausblick
Wachstumsschmerzen sind ein vorübergehendes Phänomen und verschwinden in der Regel nach einigen Jahren von allein, meist bis zum Jugendalter. Eltern müssen keine Folgeschäden befürchten. Wichtig ist, andere Erkrankungen auszuschließen und dem Kind in der schmerzhaften Phase liebevoll zur Seite zu stehen.
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