Dili: Hauptstadt und wirtschaftliches Zentrum Osttimors

Dili (Tetum Dili, portugiesisch Díli) ist die Hauptstadt und das wirtschaftliche Zentrum Osttimors.

Etymologie und historische Namensherkunft

Einer Legende nach soll sich der Ortsname „Dili“ vom Tetum-Wort „ai-dila“ für die Papaya ableiten. Den Namen dieser Frucht hörten die Portugiesen demnach als erstes, als sie 1520 die Bucht von Dili erreichten. Allerdings kann dies nicht stimmen, da zu dieser Zeit in der Region Mambai gesprochen wurde. „Motaél“, das Mambai-Wort für „Flussmündung“, von dem sich der Name des heutigen Stadtteils Motael und des ehemaligen, lokalen Reiches ableiten, ist ein Beleg dafür. Tetum breitete sich erst in Dili aus, als der Ort koloniale Hauptstadt wurde. Außerdem ist die Papaya eine amerikanische Frucht, die erst durch die Europäer nach Südostasien kam.

Der Ursprung des Namens „Dili“ scheint vielmehr im Bunak-Wort „zili“ (deutsch „Klippe“) zu liegen, das die Klippen hinter der Stadt bezeichnet.

Geographie und Verwaltungsgliederung

Dili liegt an der Nordküste der Insel Timor. Die Stadt Dili verteilt sich über mehrere Verwaltungsämter: Cristo Rei (Ost-Dili), Dom Aleixo (West-Dili), Nain Feto (Ost-Dili) und Vera Cruz (Zentral-Dili). Das Verwaltungsamt Metinaro liegt außerhalb der Stadt Dili.

Ursprünglich gehörte auch die 23,5 km vor Dili gelegene Insel Atauro noch zu den ländlichen Gebieten der Gemeinde, bildet aber seit dem 1. Januar 2015 eine eigene Gemeinde. Von den 31 Sucos (Unterbezirken) haben 25 als „urban“ klassifizierte Gebiete, wobei sieben von ihnen auch ländlich geprägte Gebiete aufweisen. Neben den drei Sucos Metinaro gelten Gricenfor, Dare und Balibar als rein ländliche Sucos.

Die historischen Stadtteile (bairos), deren Namen oft in Adressen angegeben werden, finden sich nicht immer in den Namen der Verwaltungseinheiten wieder. Immer wieder werden die alten Stadtteile durch die neuen Verwaltungsgrenzen zerschnitten, wie etwa bei Balide oder Ailele Hun.

Seit November 2015 werden Straßen der Landeshauptstadt kontinuierlich umbenannt, um sie der „nationalen Prägung“ anzugleichen. Begonnen wurde mit 89 Straßen im Stadtzentrum. So wurde aus der Avenida de Portugal ab dem Leuchtturm in Motael die Avenida de Motael und aus der Avenida dos Direitos Humanos (ehemals Avenida Alm.) die Avenida de Motael.

Luftbild der Bucht von Dili mit der Stadt und dem Regierungspalast

Verwaltung

Es gibt keine städtische Verwaltung allein für die Stadt Dili. Die Funktion übernimmt die Administration der Gemeinde Dili, die ebenso für die benachbarten, kleineren Orte zuständig ist. Die Umbenennung des Distrikts Dili in eine Gemeinde erfolgte 2015. Die Administration wird, ebenso wie jene der Verwaltungsämter, von der Landesregierung ernannt. Bürgermeister Dilis, die unterhalb des Distriktchefs (Bupati) standen, gab es in der portugiesischen Kolonialzeit und in der indonesischen Besatzungszeit.

Bevölkerung und Demographie

In den als urban definierten Sucos der Stadt Dili leben 95,8 % der Einwohner (etwa 310.600) der Gemeinde Dili. Dili ist ein Schmelztiegel der verschiedenen Volksgruppen Osttimors. Aus dem ganzen Land kommen vor allem junge Männer nach Dili auf der Suche nach Arbeit. Daher ist der Männeranteil deutlich höher als der Frauenanteil.

In der gesamten Gemeinde Dili nahm die Bevölkerung zwischen 2001 und 2004 um 12,58 % zu. Fast 80.000 der Einwohner waren 2004 außerhalb Dilis geboren worden. Nur 54 % der Einwohner wurden hier geboren. Die unterschiedliche Herkunft ist nicht unproblematisch. Vor allem Straßenbanden aus den verschiedenen Landesteilen (Loro Munu und Loro Sae) geraten immer wieder aneinander. Höhepunkt waren die Unruhen in Osttimor 2006. Grund sind verschiedene Ressentiments zwischen den Gruppen, aber auch wirtschaftliche Interessen.

Foto von Dona Joana, Frau des Capitão-Mor von Dili

Geschichte

Kolonialzeit und portugiesische Besiedlung

Erstmals erreichten die Portugiesen 1520 die Bucht von Dili und errichteten dort kurz darauf einen kleinen Posten. Die kleine Ansiedlung wurde zur Hauptstadt ihrer Besitzungen auf den Kleinen Sundainseln gemacht, nachdem die Portugiesen von den Topasses am 11. August 1769 aus Lifau im Westen der Insel vertrieben worden waren.

Zweiter Weltkrieg und japanische Besatzung

Portugal war während des Zweiten Weltkrieges neutral. Allerdings befürchteten die Alliierten, dass das militärisch schwache Portugiesisch-Timor von den Japanern als Brücke nach Australien verwendet werden könnte, weswegen Niederländer und Australier 1941 die Kolonie kurzzeitig besetzten. In der Nacht vom 19. auf den 20. Februar 1942 griffen die Japaner mit 20.000 Mann an und besetzten Dili und nach und nach den Rest Timors.

Unabhängigkeitskampf und indonesische Besatzung

Nach der Nelkenrevolution 1974 sollte die Kolonie auf die Unabhängigkeit vorbereitet werden, doch als sich eine Dominanz der linksgerichteten FRETILIN abzeichnete, kam es 1975 in Dili zu Straßenkämpfen zwischen ihr und der konservativen UDT. Portugals letzter Gouverneur Mário Lemos Pires floh auf die Dili vorgelagerte Insel Atauro, von wo aus er erfolglos versuchte, zwischen den Parteien zu vermitteln.

Die FRETILIN ging aus den Kämpfen als Sieger hervor. Angesichts der Bedrohung durch Indonesien, das begann, mit als UDT-Anhängern getarnten Truppen das Grenzland zu besetzen, erklärte die FRETILIN am 28. November 1975 Osttimor für unabhängig von Portugal.

Unter dem FALINTIL-Chef Xanana Gusmão begann der timoresische Widerstand, mit Guerillataktiken gegen die Besatzer vorzugehen. Am 10. Juni 1980 griffen FALINTIL-Einheiten einen Fernsehsender am Rande der Hauptstadt Dili an.

1999 kam es im Umfeld des Unabhängigkeitsreferendums am 30. August zu einer letzten Gewaltwelle unter der indonesischen Besatzungsmacht. Pro-indonesische Milizen zerstörten die Infrastruktur, brannten Häuser nieder und vertrieben Menschen. Am 17. April starben 14 Menschen bei einem Massaker im Haus des Politikers Manuel Carrascalão, in dem zahlreiche Flüchtlinge Schutz gesucht hatten.

Nach dem Referendum am 30. August eskalierte die Gewalt nochmals. Als am 4. September das Ergebnis veröffentlicht wurde, das sich für die Unabhängigkeit aussprach, zogen die Milizen plündernd und mordend durch die Stadt. Mehr als 50 % der Häuser wurden beschädigt oder zerstört.

Internationale Intervention und Friedensmissionen

Am 20. September 1999 landeten die ersten Einheiten der internationalen Friedenstruppe INTERFET auf dem Flughafen bei Dili. Die Vereinten Nationen übernahmen die Verwaltung des Landes.

Unruhen und politische Instabilität nach der Unabhängigkeit

Am 4. Dezember 2002 wurden bei Unruhen in Dili und anderen Orten Osttimors das Haus von Premierminister Marí Alkatiri, Regierungsfahrzeuge und Geschäfte chinesischer Händler angezündet. Ende April bis Oktober 2006 erschütterten die schwersten Unruhen seit der Unabhängigkeit die Hauptstadt und das Land, nachdem 600 Soldaten der Streitkräfte aufgrund von Missständen desertiert waren. Zusätzlich bekämpften sich Jugendbanden aus dem West- und dem Ostteil des Landes. Tausende Häuser wurden niedergebrannt, mindestens 45 Menschen starben. Schließlich musste Premierminister Alkatiri zurücktreten. Auch der Einsatz einer internationalen Interventionstruppe konnte zuerst nicht für Ruhe sorgen. Seit dem 13. September ist eine neue Polizeimission der Vereinten Nationen im Einsatz.

Am 11. Februar 2008 führte der Chef der Rebellen Alfredo Reinado einige seiner Männer nach Dili. Es kam zu einem Feuergefecht im Wohnhaus von Staatspräsident José Ramos-Horta, bei dem Reinado und ein weiterer Rebell ums Leben kamen und der Staatspräsident und einer seiner Leibwächter schwer verletzt wurden. Kurz darauf überfielen Rebellen auch das Wohnhaus und die Wagenkolonne von Premierminister Xanana Gusmão, der aber unverletzt entkommen konnte.

Das Archiv & Museum des timoresischen Widerstands

Architektur und Sehenswürdigkeiten

Regierungspalast

Der 1960 fertiggestellte Regierungspalast ist der Sitz des Premierministers von Osttimor und der Regierung. Er orientiert sich in seinem Aussehen an den Gebäuden des Praça do Comércio, dem Hauptplatz in Lissabon. Der Regierungspalast steht nicht weit vom Ufer der Bucht entfernt. Die Straße, die am Palast vorbeiführt, ist das Handelszentrum Dilis.

Präsidentenpalast (Palast der Hoffnung)

Am 2. Juli 2007 wurde der Grundstein für den neuen Präsidentenpalast Osttimors im Westen Dilis gelegt. Das Gebäude wurde von der Volksrepublik China finanziert. Zuvor befand sich hier ein Hubschrauberlandeplatz der Internationalen Stabilisierungskräfte. Das Gebäude trägt den Namen Palast der Hoffnung und wurde im April 2009 fertiggestellt. Die Einweihung erfolgte am 27. August 2009. Der zentrale Bereich des Palastes trägt ein steil ansteigendes, blaues Dach, das dem timoresischen Stil nachempfunden ist. In der Eingangshalle des Palastes findet sich eine Dinosaurierausstellung mit dem Skelett eines Tarbosaurus bataar, eines Verwandten des Tyrannosaurus. Das Skelett wurde in der Mongolei ausgegraben und ist eine Leihgabe der Monash University, als Unterstützung für die Bildung von Schulkindern.

Casa Europa

Das Gebäude ist die ehemalige Tranqueira (Lagerhaus) der alten portugiesischen Festung Dili aus dem Jahr 1769. Das Lagerhaus selbst wurde im 19. Jahrhundert errichtet. Es diente ab 1895 als Baracke der portugiesischen Infanterie, nach dem Zweiten Weltkrieg der Artillerie und in den 1960er Jahren gehörte es der Companhia de Intendência, dem Quartiermeister. Nach der Invasion übernahm das indonesische Militär das Gebäude. Zwischen 2000 und 2002 wurde das Gebäude renoviert und 2007 der Europäischen Kommission übergeben. Das bis dahin Uma Fukun genannte Gebäude erhielt seinen neuen Namen: Casa Europa („Europahaus“). In der Vertretung der Europäischen Union finden regelmäßig Veranstaltungen statt, wie Ausstellungen und Filmvorführungen.

Palácio de Lahane

Der Palácio de Lahane war ab 1860 die Residenz des Gouverneurs von Portugiesisch-Timor, anderthalb Kilometer südlich des Stadtzentrums, in den Bergen. Das Gebäude wurde 1999 schwer beschädigt, ist aber inzwischen wieder aufgebaut.

Koloniale Architektur und moderne Bauten

Das ehemalige Gebäude der Associação Comercial da Comunidade Chinesa Timorense ACCCTO in Bidau Lecidere ist eines der letzten Kolonialgebäude aus der Zeit von vor dem Zweiten Weltkrieg. Der Mercado Municipal (Stadtmarkt) ist ein weiteres Gebäude aus der portugiesischen Kolonialzeit. Die Liceu Dr. Francisco Machado ist eine Sekundärschule nahe dem Nationalparlament.

Das Gebäude des Finanzministeriums ist mit elf Stockwerken das bisher höchste Gebäude Osttimors. Es wurde 2014 von einer indonesischen Firma fertiggestellt und hat 20.000 Quadratmeter Fläche. Die Baukosten betrugen 22 Millionen US-Dollar. Bis 2020 sollte der 17-stöckige Wohn- und Geschäftskomplex Timor Fortuna Central Plaza mit 60.000 Quadratmeter im Westen Dilis entstehen.

Das Finanzministerium, das höchste Gebäude Osttimors

Religion

Dili ist Sitz des Erzbistums Dili. Die wichtigste Kirche Dilis ist die Catedral da Imaculada Conceição (Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis) in Vila Verde, die größte Kirche Südostasiens. Der moderne Bau wurde 1988 vom indonesischen Präsidenten Suharto eröffnet und ein Jahr später von Papst Johannes Paul II. geweiht. 2009 wurde sie renoviert.

Die Kirche Santo António de Motael im portugiesischen Stil ist die älteste, bestehende Kirche in Osttimor, auch wenn sie im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und 1955 wieder aufgebaut werden musste.

Neben den zahlreichen römisch-katholischen Kirchen gibt es auch einige Gotteshäuser anderer christlicher Konfessionen. Der chinesische Guandi-Tempel liegt in direkter Nachbarschaft zum Regierungspalast im Suco Gricenfor. Die etwa 30 cm hohe Buddhastatue im Tempel wurde 1926 aus China nach Dili gebracht und zunächst in einer Garage verehrt. Der Pura Girinatha, der bekannteste hinduistische Tempel des Landes liegt nahe dem Markt von Taibesi.

Kultur und Kunst

Cristo Rei

Wahrzeichen Dilis ist Cristo Rei (Christus König), die große Jesusstatue, die vom östlichen Ende der Bucht die Stadt überblickt.

Archiv & Museum des timoresischen Widerstands

Das Archiv & Museum des timoresischen Widerstands befindet sich im Gebäude des ehemaligen portugiesischen Kolonialgerichts. Erste Teile wurden bereits am 7. Dezember 2005 eröffnet. Es zeigt Fotos, einige Gegenstände, wie Waffen und Ausrüstungsgegenstände und Artikel aus der Zeit der indonesischen Besatzung. Dabei werden sowohl der Kampf der FALINTIL-Guerilla gegen Indonesien als auch die Massaker der Besatzungsmacht dargestellt.

Arte Moris

Mit Arte Moris hat Osttimors erste Künstlervereinigung und Kunstschule für Theater und bildende Kunst ihren Sitz in Dili (Stadtteil Madohi). Sie wurde im Februar 2003 gegründet. Ihr Hauptziel ist es, Kunst als Baustein im psychologischen und sozialen Wiederaufbau eines Landes, das von Gewalttätigkeit verwüstet worden ist, zu nutzen, mit besonderer Betonung auf die Hilfe seiner jungen Bürger. Die Idee zu diesem Projekt hatten die Schweizer Luca und Gabriela Gansser. Die bei Arte Moris entstehende Kunst, Gemälde und Skulpturen, ist vom Stil her sehr breit gefächert, oft aber surrealistisch und zeigt kulturelle Aspekte aus den unterschiedlichen Regionen des Landes. Kunstwerke können hier auch erworben werden.

Xanana Reading Room

Der Xanana Reading Room ist eine Mischung aus Museum, Bibliothek und Kulturzentrum. Ursprünglich wurde das Gebäude in den 1960er-Jahren als indonesisches Konsulat gebaut.

Ehemaliges Gefängnis Comarca

Das ehemalige Gefängnis Comarca in Balide stammt noch aus der portugiesischen Kolonialzeit. Während der indonesischen Besetzung wurden hier tausende politische Gefangene gefoltert. Die letzten Insassen wurden im September 1999 befreit. Unter der Verwaltung durch die UN wurde das verlassene Gebäude ab Januar 2002 renoviert und ab dem 17. Februar 2003 zum Sitz der Empfangs-, Wahrheits- und Versöhnungskommission (CAVR). 65 Graffiti von osttimoresischen Künstlern erzählen von der Zeit der Besatzung. Die acht Einzelhaftzellen wurden im Originalzustand belassen. Außerdem gibt es eine Bibliothek und ein Dokumentationszentrum.

Graffiti im ehemaligen Gefängnis Comarca

Klima

Dilis Klima ist typisch für die Nordküste Osttimors. In der Trockenzeit werden Temperaturen bis über 35 °C erreicht, nachts sinkt das Thermometer auf 20 °C. In der Regenzeit liegt die Temperatur bei etwa 27 °C. Der Jahresdurchschnitt liegt bei 26,7 °C. Regen fällt fast nur in der Regenzeit von Ende November bis April. Dann können die Straßen Dilis durch die Regenmengen schon mal unter Wasser stehen. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 1000 mm.

Flash Flooding in Dili

Wirtschaft und Infrastruktur

Hafen- und Luftverkehr

Dili ist die wichtigste Hafenstadt Osttimors. Der Hafen liegt im Stadtteil Motael. Fähren verbinden Dili mit der vorgelagerten Insel Atauro und der osttimoresischen Exklave Oe-Cusse Ambeno. Der neue Frachthafen von Dili in der Bucht von Tibar soll um den 30. [Datum nicht spezifiziert] fertiggestellt sein.

Der Flughafen Presidente Nicolau Lobato International Airport wird sowohl zivil als auch militärisch genutzt. Er ist nach dem osttimoresischen Premierminister vor der indonesischen Besetzung, späteren Präsidenten und Freiheitskämpfer Nicolau dos Reis Lobato benannt.

Landwirtschaft und Fischerei

26,2 % der Haushalte in der Gemeinde Dili (mit der Insel Atauro und den ländlichen Gebieten im Osten und Süden) betreiben Ackerbau, 50,1 % Viehzucht (Stand: 2010). An den Küsten wird gefischt. In Metinaro wird etwas Reis angebaut (1 % aller Haushalte in der Gemeinde Dili), in den Bergen gibt es Obst.

tags: #fruhte #dili #dili