Die Beschaffenheit des Muttermunds und des Gebärmutterhalses sind wichtige Indikatoren für den Fortschritt einer Schwangerschaft und die bevorstehende Geburt. Wenn der Muttermund als "fingerdurchlässig" beschrieben wird, bedeutet dies, dass ein Finger hindurchpasst, was auf eine beginnende Öffnung hinweist.
Was bedeutet "Muttermund fingerdurchlässig"?
Ist der Muttermund (Zervix) fingerdurchlässig, so ist er leicht geöffnet. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Körper sich auf die Geburt vorbereitet und diese nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt. Die Öffnung wird in der Regel auf 1 bis 2 cm geschätzt.
Im medizinischen Kontext kann diese Beschreibung im Rahmen von Untersuchungen während der Schwangerschaft erfolgen. Der Arzt oder die Hebamme tastet den Muttermund ab, um seinen Zustand zu beurteilen. Die Feststellung "Muttermund fingerdurchlässig, Kopf tastbar" bedeutet zusätzlich, dass das Baby bereits im Becken liegt und der Muttermund 1-2 cm geöffnet ist. Dies deutet auf eine Schädellage des Kindes hin.
Der Gebärmutterhals (Zervix) im Detail
Der Gebärmutterhals, auch Zervix uteri genannt, ist der untere, schmalere Teil der Gebärmutter, der in die Vagina hineinragt. Er verbindet die Gebärmutterhöhle mit der Scheide und spielt eine zentrale Rolle während der Schwangerschaft und Geburt.
Anatomie und Funktionen des Gebärmutterhalses
Die Zervix ist etwa 2,5 bis 3,8 cm lang und verfügt über zwei Öffnungen: den inneren Muttermund, der zur Gebärmutterhöhle führt, und den äußeren Muttermund, der in die Vagina reicht. Der äußere Muttermund ist normalerweise klein und rundlich, bei Frauen, die geboren haben, kann er als quer verlaufender Spalt erkennbar sein.
Die Hauptfunktionen des Gebärmutterhalses umfassen:
- Schutz vor Infektionen: Der Gebärmutterhals wirkt als physische Barriere und schützt die Gebärmutter vor dem Eindringen von Bakterien und anderen Krankheitserregern.
- Rolle bei der Fortpflanzung: Während des Eisprungs verändert sich die Durchlässigkeit des Muttermunds, um Spermien den Weg zur Eizelle zu ermöglichen.
- Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft bleibt der Gebärmutterhals fest verschlossen und schützt das ungeborene Kind. Im Verlauf der Schwangerschaft verkürzt und lockert er sich als Vorbereitung auf die Geburt.
- Geburt: Zur Geburt hin öffnet sich der Gebärmutterhals schrittweise auf etwa 10 cm, um das Baby passieren zu lassen.

Zervixschleim: Mehr als nur Sekret
Der Zervixschleim wird in den Drüsen des Gebärmutterhalses produziert und unterstützt dessen Funktionen. Er dient als zusätzliche Barriere gegen Krankheitserreger und hilft bei der Ausscheidung abgestorbener Zellen. Während des Menstruationszyklus verändert sich die Konsistenz des Zervixschleims:
- Unfruchtbare Tage: Der Schleim ist zäh und dient als natürliche Barriere.
- Fruchtbare Tage (um den Eisprung): Der Schleim wird klar, dünnflüssig und fadenziehend, um Spermien den Weg zu erleichtern. Dieses Phänomen kann durch das sogenannte Farnkrautphänomen unter dem Mikroskop sichtbar gemacht werden.
Veränderungen im Zervixschleim können auch auf eine Schwangerschaft hindeuten. Vor der Periode ist der Schleim oft dickflüssig, während eine Zunahme der Menge in der frühen Schwangerschaft auf einen erhöhten Östrogenspiegel hinweisen kann.
Was bedeutet ein früher fingerdurchlässiger Muttermund?
Normalerweise beginnt die Zervixreifung, die zur Öffnung des Muttermunds führt, etwa ab der 32. Schwangerschaftswoche und intensiviert sich in den letzten vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Wenn sich der Muttermund jedoch bereits vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche öffnet, können vorzeitige Wehen oder eine Zervixinsuffizienz (Muttermundschwäche) vorliegen, was das Risiko einer Frühgeburt birgt.
In solchen Fällen ist es wichtig, umgehend die Frauenärztin zu kontaktieren, insbesondere wenn Flüssigkeit aus dem Muttermund austritt oder Schmerzen auftreten.
Mögliche Ursachen und Folgen von Muttermundveränderungen
Neben den natürlichen Veränderungen im Rahmen einer Schwangerschaft können auch andere Faktoren zu Problemen mit dem Gebärmutterhals führen:
Gebärmuttersenkung (Uterusprolaps)
Eine Gebärmuttersenkung kann durch einen geschwächten oder überlasteten Beckenboden verursacht werden. Dies kann dazu führen, dass sich die Gebärmutter und der Gebärmutterhals in Richtung Vagina verschieben.
Risikofaktoren für Gebärmuttersenkung:
- Angeborene Bindegewebsschwäche
- Schwangerschaften und vaginale Geburten (Überdehnung und Verletzung des Beckenbodens)
- Übergewicht
- Zunehmendes Alter
- Starke körperliche Arbeit, chronische Verstopfung oder starker Husten
Symptome einer Gebärmuttersenkung:
Leichte Senkungen verlaufen oft symptomlos. Bei stärkeren Senkungen können folgende Beschwerden auftreten:
- Gefühl des Drucks nach unten oder "Herausfallens"
- Rückenschmerzen
- Harninkontinenz (Belastungsinkontinenz)
- Fremdkörpergefühl in der Scheide
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Bei einer Gebärmuttersenkung kann sich auch die vordere oder hintere Scheidenwand senken, was zu Problemen beim Wasserlassen (Zystozele) oder Stuhlgang (Rektozele) führen kann.
Der Menstruationszyklus | Animation
Asherman-Syndrom (Verwachsungen in der Gebärmutter)
Das Asherman-Syndrom bezeichnet Verwachsungen und Verklebungen im Inneren der Gebärmutter, die die Gebärmutterschleimhaut beeinträchtigen und zu Unfruchtbarkeit führen können. Ursachen hierfür sind oft:
- Ausschabungen (Curettage) nach Fehlgeburten oder Schwangerschaftsabbrüchen
- Entfernung von Plazentaresten nach der Geburt
- Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut
- Operationen an der Gebärmutter
Ein wichtiges Symptom ist eine gestörte oder schmerzhafte Menstruationsblutung. Wenn eine Schwangerschaft trotz Asherman-Syndrom eintritt, können Risiken wie Frühgeburt oder Plazentakomplikationen bestehen.
Was tun bei einem fingerdurchlässigen Muttermund?
Wenn der Muttermund fingerdurchlässig ist, sind dies Zeichen, dass die Geburt näher rückt. Die genaue Zeitspanne bis zur Geburt ist jedoch individuell sehr unterschiedlich und kann von wenigen Stunden bis zu mehreren Wochen reichen.
Aktivitäten und Einschränkungen
Generell ist bei einem fingerdurchlässigen Muttermund Baden in der Badewanne weiterhin möglich, auch nach einem Blasensprung bei komplikationsloser Schwangerschaft. Von Whirlpools und Dampfbädern sollte jedoch Abstand genommen werden, um Infektionen zu vermeiden.
Bei bestimmten Befunden, wie einem verkürzten Gebärmutterhals (z.B. 18 mm bei 33+2 SSW) oder einer Zervixinsuffizienz, kann ärztliche Schonung verordnet werden. Regelmäßige gynäkologische Untersuchungen helfen, den Zustand des Muttermunds und Gebärmutterhalses zu überwachen.
Geburtseinleitende Maßnahmen
Wenn der Muttermund bereits leicht geöffnet ist, aber die Geburt nicht von selbst einsetzt, können Methoden wie die Eipollösung (Zervix-Stripping) zur Geburtseinleitung angewendet werden. Dabei wird die Eihaut sanft vom Gebärmutterhals gelöst, was die Ausschüttung von Prostaglandinen anregt und die Wehen fördern soll.
Diese Methode wird in der Regel erst nach dem errechneten Geburtstermin durchgeführt und erfordert, dass der Muttermund bereits weicher und leicht geöffnet ist.
Wann ist ärztliche Hilfe notwendig?
Es ist ratsam, sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn:
- Flüssigkeit aus dem Muttermund austritt, insbesondere vor der 37. SSW.
- Schmerzen auftreten, die auf vorzeitige Wehen hindeuten.
- Es sich um eine Risikoschwangerschaft handelt oder frühere Komplikationen auftraten.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt oder der Hebamme sind entscheidend, um den Zustand des Gebärmutterhalses und Muttermunds zu überwachen und bei Bedarf rechtzeitig intervenieren zu können.
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