Fenoterol ist ein β-Sympathomimetikum mit vorwiegender β2-Selektivität. Seine Wirkung beruht primär auf der Stimulation von β2-Rezeptoren, die sich in der glatten Muskulatur der Bronchien befinden. Dies führt zu einer Relaxation dieser Muskulatur, was eine Bronchodilatation und Bronchospasmolyse zur Folge hat. Fenoterol gehört zur Gruppe der „short acting beta agonists“ (SABA), was einen schnellen Wirkungseintritt und eine kurze Wirkdauer charakterisiert.
Der überwiegende Anteil der inhalativ verabreichten Dosis wird verschluckt. Im Gastrointestinaltrakt erfolgt eine Resorption von etwa 60%, die einem relevanten First-Pass-Metabolismus unterliegt. Die Bioverfügbarkeit nach Inhalation beträgt circa 18%.
Anwendung in der Geburtshilfe
Bei höheren Dosierungen kann Fenoterol auch die β2-Rezeptoren in der Gebärmutter stimulieren. Dies führt zur Erschlaffung der Uterusmuskulatur und hemmt somit die Wehentätigkeit, was als Tokolyse bezeichnet wird. In dieser Funktion wird Fenoterol auch unter dem Handelsnamen Partusisten® zur Notfalltokolyse eingesetzt.
Die Indikation zur Tokolyse mit Fenoterol ist jedoch sowohl klinisch als auch präklinisch umstritten und wird in aktuellen Leitlinien kritisch hinterfragt. Die Stimulation von Beta-Rezeptoren hat eine relaxierende Wirkung auf die Uterusmuskulatur. Kurzwirksame Agonisten wie Fenoterol können deshalb die Wehentätigkeit hemmen. Die Wirkung ist allerdings begrenzt und in der oralen und rektalen Anwendung umstritten.
Laut aktueller S2-Leitlinie „Prävention und Therapie der Frühgeburt“ soll bei drohender Frühgeburt eine Tokolyse mit dem Ziel durchgeführt werden, „die Schwangerschaft um mindestens 48 Stunden zu verlängern". Eine medikamentöse Tokolyse wird unter Nutzen-Risiko-Abwägung von der 24+0 Schwangerschaftswoche (SSW) bis 34+0 SSW empfohlen. Vor 24+0 SSW haben die Kinder meist keine Überlebenschancen, nach 34+0 SSW sind die Überlebenschancen der Kinder so gut, dass eine Schwangerschaftsverlängerung durch Tokolyse, da sie risikobehaftet ist, dem Kind keinen Vorteil mehr bringt und für die Mutter problematisch sein kann.
In Deutschland sind aktuell nur zwei Tokolytika zur Therapie zugelassen: Das Betamimetikum Fenoterol und der Oxytocin-Antagonist Atosiban. Nach derzeitigem Wissensstand gibt es kein Tokolytikum (Wehenhemmer) der ersten Wahl. Indometacin und Nifedipin gelten als die wirksamsten Tokolytika hinsichtlich der Schwangerschaftsverlängerung um 48 Stunden, mit den geringsten Nebenwirkungen und einem guten neonatalen Outcome.
Risiken und Nebenwirkungen
Bei Anwendung sehr hoher Dosen kurzwirksamer β2-Sympathomimetika, wie Fenoterol, kann es als unerwünschte Nebenwirkung bei Mutter und Kind zu Tachykardien kommen. Zum Teil schwerwiegende maternale Nebenwirkungen sind auch bei hochdosierter, systemischer Therapie im Rahmen der Tokolyse möglich.
Beta-Agonisten können außerdem den Blutdruck steigern, die Herzrate erhöhen und Herzrhythmusstörungen auslösen. Die US-Arzneibehörde FDA hatte bereits 2011 vor dem Einsatz des Beta-Agonisten Terbutalin gewarnt. Die UAW-Datenbank AERS verzeichnet für den Zeitraum 1976 bis 2009 insgesamt 16 Todesfälle bei Schwangeren im Zusammenhang mit der Anwendung von Beta-Agonisten.
Der Pharmakovigilanzausschuss für Risikobewertung (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) rät dazu, Beta-Agonisten mit kurzer Wirkdauer in der Geburtshilfe nur noch in der intravenösen Applikationsform und dann auch nur kurzfristig als Tokolytikum einzusetzen. Die Empfehlung gilt für alle in der EU eingesetzten beta-agonistischen Tokolytika, einschließlich Fenoterol, Hexoprenalin, Isoxsuprin, Ritodrin, Salbutamol und Terbutalin. Sie sollen künftig nicht mehr in Tablettenform oder als Suppositorium eingesetzt werden.
Die intravenöse Anwendung wird auf eine Dauer von maximal 48 Stunden und auf den Zeitraum zwischen der 22. und 37. Gestationswoche begrenzt. Die Gabe sollte unter Aufsicht eines Facharztes erfolgen und von der kontinuierlichen Überwachung von Mutter und ungeborenem Kind begleitet sein.

Fenoterol in der Schwangerschaft: Sicherheitsprofil
Die Gruppe der β2-Sympathomimetika ist mit über 40.000 im 1. Trimenon exponierten Schwangerschaften gut untersucht. Für Fenoterol ergab sich in den meisten Studien kein Hinweis auf ein erhöhtes Gesamtfehlbildungsrisiko. Zwar wurden für die Gruppe der β2-Sympathomimetika in mehreren Fall-Kontroll-Studien zwar erhöhte Risiken für spezifische Fehlbildungen gefunden, diese wurden jedoch in anderen Studien nicht bestätigt und es zeigte sich auch kein spezifisches Fehlbildungsmuster.
In mehreren Studien zeigte sich keine Assoziation mit einem geringen Geburtsgewicht, Frühgeburtlichkeit oder weiteren negativen Auswirkungen auf den Feten oder das Neugeborene. Verschiedene Studien befassen sich auch mit einer möglichen Assoziation von β2-Sympathomimetika und Autismus-Spektrum-Störungen bzw. ADHS, wobei neben der Grunderkrankung auch weitere Risikofaktoren diskutiert werden.
Alternative und ergänzende Therapien
Um Asthma-assoziierte Schwangerschaftsrisiken zu minimieren, ist eine optimale Krankheitskontrolle in der Schwangerschaft notwendig. Prinzipiell können inhalative β2-Sympathomimetika nach dem Asthma-Stufenschema verwendet werden. Wenn klinisch vertretbar, sollten besser untersuchte Substanzen aus der Gruppe der kurzwirksamen β2-Sympathomimetika bevorzugt werden. Inhalative β2-Sympathomimetika gehören auch in der Stillzeit zur Asthma-Standardtherapie.
Bei einer drohenden Frühgeburt ab der 22. Gestationswoche ist die pränatale Applikation von Glucocorticoiden (antenatale Kortikosteroidtherapie, ACT) zwischen 24+0 SSW und 33+6 SSW die effektivste Therapie zur Prophylaxe eines kindlichen Atemnotsyndroms. Sie reduziert auch intraventrikuläre Hirnblutungen, die Inzidenz nekrotisierender Enterokolitiden und damit die perinatale Mortalität. Eine Lungenreifeinduktion mit Glucocorticoiden selbst bei einer Geburt zwischen der 22. und 23. Gestationswoche hat die Überlebenschancen verbessert.
Vaginale Infektionen sind wichtige Ursachen für vorzeitige Wehentätigkeit und vorzeitigen Blasensprung. Die Gabe von Antibiotika wird als primäre Therapie diskutiert und bestätigt, dass die Applikation bei vorzeitigem Blasensprung sinnvoll zur Verhinderung von Frühgeburten und zur Reduktion der kindlichen Morbidität und Mortalität ist. Bei drohender Frühgeburt ohne vorzeitigem Blasensprung lässt sich zwar die mütterliche Infektionsrate mindern, nicht jedoch die Schwangerschaft verlängern und die kindliche Morbidität und Mortalität verringern.
Prostaglandinsynthesehemmer (nichtsteroidale Entzündungshemmer) sind ebenfalls wirksame Tokolytika.
Welche Auswirkungen hat eine "Frühgeborenen-Lunge"?
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