Die Geburt und Aufzucht von Hamstern

Die Geburt und Aufzucht von Hamstern ist ein anspruchsvoller Prozess, der ein hohes Fachwissen und eine verantwortungsvolle Haltung erfordert. Eine planlose Vermehrung von Hamstern führt zu Leid für die Tiere, da im Tierschutz bereits viele Hamster auf ein neues Zuhause warten.

Vorbereitung auf die Geburt

Bereits während der Trächtigkeit, die bei Mittelhamstern etwa 16 bis 19 Tage dauert, muss das Muttertier gut versorgt werden. Sie benötigt viel Futter mit hoher Energiedichte und vielen Mineralien, wie zum Beispiel Magerquark, Mehlwürmer, Trockenfutter und Grünfutter. Ebenso wichtig ist ausreichend Nistmaterial wie Stroh, Taschentücher, Blätter oder unbedrucktes und nicht parfümiertes Toilettenpapier. Ein großes Wurfnest bietet der Hamsterdame Schutz und Geborgenheit.

Halter können den Zeitpunkt der Geburt oft am Verhalten des Muttertieres erkennen: Instinktiv wird sie ihr Wurfnest verstärkt bauen und den Menschen aus der Nähe vertreiben. Die Umgebung des Geheges sollte während dieser Zeit so ruhig und frei von Stress wie möglich sein. Menschen und andere Haustiere sollten die Aufzucht nicht stören können. Das Hamstergehege darf nicht im Durchzug, neben der Heizung, elektronischen Geräten oder in direkter Sonneneinstrahlung stehen. Es muss zudem ausreichend groß sein, mindestens einen Quadratmeter.

Die Geburt

Die Geburt der jungen Hamster geschieht meistens in der Nacht. Hamster sind Nesthocker, was bedeutet, dass sie nackt und hilflos geboren werden. Die Hamstermutter nimmt jedes einzelne Jungtier in Empfang, nagelt es ab, befreit es von der Eihaut und leckt es trocken. Dieses kräftige Ablecken dient mehreren Zwecken:

  • Reinigung der Jungtiere
  • Anregung der Blutzirkulation und des Kreislaufs
  • Herstellung einer Bindung zwischen Mutter und Kind
  • Aufnahme des Geruchs des Jungen durch die Mutter

Die Eihaut und die Nachgeburt werden von der Mutter gefressen, was den Milchfluss anregt. Jungtiere, die tot geboren werden, stoßen beim Abnabeln einen kurzen Schrei aus. Schreien sie nicht, frisst die Mutter sie auf, um das Nest sauber zu halten und das benötigte Eiweiß wieder aufzunehmen. Bei Mittelhamstern können 4 bis 10 Welpen geboren werden, manchmal auch mehr oder weniger.

Die Aufzuchtphase: Die ersten Wochen

Die ersten 2 Wochen: Ruhe und Unstörbarkeit

Es ist von entscheidender Bedeutung, die junge Mutter während der ersten zwei Wochen nach der Geburt nicht zu stören. Eine Nestkontrolle verursacht bei Hamstermüttern erheblichen Stress. Sie fühlen sich durch den Menschen gestört und reagieren oft mit Aggressionen, auch gegenüber ihrem Nachwuchs. Jegliche Veränderung im Gehege oder Berührung der Hamsterkinder durch den Menschen muss vermieden werden. Junge Hamster dürfen auf keinen Fall angefasst werden, da sie aufgrund des menschlichen Geruchs von ihrer Mutter verstoßen und getötet werden könnten. Auch das Gehege darf während dieser Zeit nicht gereinigt werden.

Für die Ernährung der Mutter und der Babys gelten spezielle Regeln:

  • Für die Mama: 2 große Handvoll ihres gewohnten Körnerfutters in den Käfig legen, damit sie ein Futterlager anlegen kann, was sie beruhigt.
  • Für die Babies: 2 große Handvoll Zwerghamsterfutter anbieten; die Mama wird genug davon einsammeln.
  • Frischfutter: In den ersten 5-6 Tagen täglich nur wenig Frischfutter füttern, gerade so viel, wie die Mama normalerweise in einer Nacht frisst. Reste dürfen keinesfalls aus dem Nest entfernt werden. Ab Tag 5-6 kann mehr Frischfutter gegeben werden, da dann auch die Babys mehr davon fressen werden.
  • Baby-Brei aus Gläschen: In den ersten ca. 10 Tagen frisst nur die Mama davon. Ein großer Teelöffel Brei genügt. Sobald die Babys anfangen, im Käfig herumzulaufen, muss immer genügend Babybrei zur Verfügung stehen, damit auch das kleinste und schwächste Baby genug davon bekommt.

Der Wassernapf sollte sofort auf eine Ebene oder das Hausdach gestellt werden. Das Laufrad darf nicht in der Nähe des Hauseingangs oder des Nestes stehen, sondern möglichst weit entfernt auf einer Ebene.

Schema der Entwicklung eines Hamsterbabys von der Geburt bis zur Selbstständigkeit

Ab der zweiten Woche: Erste Annäherung und Entwicklung

Ab der zweiten Woche beginnen die jungen Hamster, ihre Augen zu öffnen. Der genaue Zeitpunkt ist individuell, manche Welpen öffnen erst am achtzehnten Tag die Augen. Während sie zuvor erste Versuche des Putzens unternommen haben, gelingt dies nun selbstständig. Die kleinen Hamster werden nun sehr aktiv: Sie spielen mit ihren Geschwistern, flitzen durch das Gehege und geben laute Geräusche von sich. Sie laufen selbstständig zu den Futternäpfen, um Nahrung aufzunehmen und in ihre Backentaschen zu stopfen. Frühestens ab einem Alter von zwei Wochen können die jungen Hamster an den Menschen gewöhnt werden. Die Kommunikation sollte dabei stets freundlich, ruhig und stressfrei erfolgen.

Erste Reinigungsarbeiten im Gehege sind frühestens ab dem 17. Tag möglich. Eine kleine Säuberung der Hamstertoiletten und Pinkelecken kann erfolgen, am besten, wenn die jungen Tiere das Nest eigenständig verlassen. Achtung: Tote Hamsterkinder dürfen vom Halter nicht aus dem Nest entfernt werden, da die Mutter diese fressen wird.

Ab der dritten Woche: Selbstständigkeit und Vorbereitung auf die Trennung

Nach drei Wochen sind die Hamsterwelpen komplett selbstständig unterwegs und können alle Bewegungen vollständig koordinieren. Sie fressen feste Nahrung und beginnen, ihr Umfeld zu erkunden. Ab Tag 23 sind die Babys selbstständig und können von der Mutter getrennt und in Geschlechtergruppen untergebracht werden.

Bewegliche Spielsachen wie Wippen und Laufräder sollten aus dem Gehege entfernt werden, da sie für die noch tollpatschigen Jungtiere eine Gefahr darstellen können. Wassernäpfe sollten so angebracht werden, dass die Jungtiere nicht hineinfallen können.

Entwicklung und Trennung nach Geschlechtern

Zwischen dem 32. und 42. Tag werden Hamster geschlechtsreif. Es ist daher unerlässlich, die Tiere nach Geschlechtern zu trennen, um eine ungewollte Vermehrung zu verhindern. Spätestens am 28. Tag müssen die Jungtiere nach Geschlechtern getrennt werden.

Tag 35: Bis mindestens zur 5. Woche sollten die Hamsterkinder in Geschlechtergruppen zusammen bleiben dürfen. Die Abgabe der Jungtiere sollte frühestens mit 5 Wochen erfolgen. Meist zerstreiten sich die Geschlechtergruppen jedoch schon um die 6./7. Woche.

Hamster in Not | ein Film von Volleipps

Gründe für Kannibalismus bei Hamstern

Das Fressen von Nachwuchs durch die Hamstermutter kann verschiedene Ursachen haben:

  • Stress: Störungen durch den Menschen oder andere Tiere, ungünstige Platzierung des Geheges, häufige Geburten oder die Anwesenheit des Männchens können Stress auslösen.
  • Unerfahrenheit und Jugend: Sehr junge oder unerfahrene Mütter sind oft überfordert und können ihre Jungen nicht richtig versorgen.
  • Schwäche oder Krankheit: Wenn die Mutter unter Mangelerscheinungen leidet, krank ist oder geschwächt ist, kann sie ihre Jungen fressen.
  • Zu große Würfe: Bei einer sehr großen Anzahl von Nachkommen kann die Mutter überfordert sein.
  • Kranke oder tote Jungtiere: Tote Jungtiere werden gefressen, um das Nest sauber zu halten und eine Kontamination zu vermeiden. Kranke oder zu schwache Jungtiere werden ebenfalls gefressen, um eine Ansteckung der gesunden Geschwister zu verhindern.
  • Schlechte Haltungsbedingungen: Überbevölkerung, zu kleine Gehege und unzureichende Ernährung können zu Kannibalismus führen. Hamster sind in der Regel Einzelgänger, und eine Gruppenhaltung ist nicht immer artgerecht.
  • Fehlende Duftmarkierung: Bei Überbevölkerung produzieren Hamster keine Duftstoffe mehr über ihre Sternaldrüse, wodurch die Mutter ihre Babys nicht mehr erkennt.

Es ist wichtig, Kannibalismus bei Hamstern nicht moralisch zu werten. Es handelt sich um ein Verhalten, das oft aus instinktiven Gründen oder aufgrund ungünstiger Umstände auftritt, sei es in der Natur oder durch Haltungsfehler.

Infografik zu den häufigsten Gründen für Kannibalismus bei Hamstern

Verantwortungsvolle Zucht und Haltung

Wer Hamster züchten möchte, sollte sich umfangreich mit dem Thema auseinandersetzen und bereits im Vorfeld ein liebevolles Zuhause für den Nachwuchs suchen. Jede Geburt stellt ein Risiko für das Muttertier dar. Um eine kontrollierte Vermehrung zu verhindern, sollten Hamster mit Eintritt ihrer Geschlechtsreife getrennt werden.

Der Beitrag dient nicht dazu, zu einer Vermehrung von Hamstern anzuleiten. Im Tierschutz gibt es genügend Hamster, die ein neues Zuhause suchen.

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