Eizellproduktion bei Frauen: Von der Reifung bis zur Menopause

Die Eizellproduktion bei Frauen ist ein komplexer und faszinierender Prozess, der mit der Geschlechtsreife beginnt und bis zur Menopause andauert. Nach dem Eintritt der ersten Monatsblutung reifen im Eierstock der Frau etwa alle 4 Wochen mehrere Eizellen heran.

Der weibliche Zyklus und die Eizellreifung

Der weibliche Zyklus, der in der Regel zwischen 25 und 32 Tagen dauert, beginnt am ersten Tag der Monatsblutung und endet am Tag vor der nächsten. Dieser Zyklus lässt sich in zwei Hauptphasen unterteilen:

Phase Eins: Follikelphase (Vor dem Eisprung)

In der ersten Phase, der sogenannten Follikelphase, reift die Eizelle heran. Schon im Vorzyklus beginnen sich mehrere Eibläschen (Follikel) für den Eisprung im folgenden Monat zu entwickeln. Im Durchschnitt entwickeln sich 10-12 Follikel. Unter dem Einfluss des follikelstimulierenden Hormons (FSH), das in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildet wird, wächst in der Gebärmutter eine gut durchblutete, nährstoffreiche Schleimhautschicht heran. Das sich entwickelnde Eibläschen produziert das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Je größer das Bläschen wird, desto höher steigt der Östrogenwert an. Die Drüsen des Gebärmutterhalses bilden einen Schleim, der an den meisten Tagen im Monatszyklus als zäher Pfropf den Muttermund verschließt und für Spermien undurchdringlich ist. An den Tagen vor dem Eisprung verflüssigt sich dieser Schleimpfropf und wird für die Spermien durchlässig. Dieser meist durchsichtige, dünnflüssige Schleim bietet den Samenzellen zudem eine günstige Umgebung, in der sie einige Tage lang lebensfähig sind. Der Muttermund öffnet sich zudem ein wenig, sodass Spermien durch den Gebärmutterhals und die Gebärmutterhöhle in die Eileiter gelangen können, wo sie zwei bis fünf Tage überleben können.

Schema des weiblichen Menstruationszyklus mit den Phasen und Hormonveränderungen

Eizelle und Eisprung (Ovulation)

Etwa in der Mitte des Zyklus, um den 14. Tag herum, erreicht das sprungbereite Eibläschen eine Größe von etwa 2 cm und ist gefüllt mit Follikelflüssigkeit. Die Eizelle befindet sich in der Wand dieses Follikels. Das luteinisierende Hormon (LH), ebenfalls von der Hypophyse freigesetzt, löst bei der Frau den Eisprung aus: Das Eibläschen platzt auf und gibt die Eizelle frei. Der Eileiter legt sein trichterförmiges Ende über die Eizelle und sorgt dafür, dass sie in den Eileiter aufgenommen wird. Im Eileiter kann die Eizelle dann von einer Samenzelle befruchtet werden. Die maximale Größe des Follikels wird in der Zyklusmitte erreicht.

Phase Zwei: Lutealphase (Nach dem Eisprung)

Nach dem Eisprung wandelt sich das Eibläschen in den sogenannten Gelbkörper um. Dies geschieht durch die Granulosa-Zellen, welche die Bläschenhöhle auskleiden und nach dem Eisprung zum Gelbkörper werden. Der Gelbkörper beginnt mit der Bildung des Hormons Progesteron (auch Gelbkörperhormon genannt), das die Einnistung der befruchteten Eizelle unterstützt und die Gebärmutterschleimhaut erhält. Die Schleimhautschicht in der Gebärmutter lockert sich auf und bereitet sich auf die Einnistung des Embryos vor. Ist der Blutspiegel hoch genug, wird von der Hypophyse der Eisprung ausgelöst.

Darstellung des Eisprungs: Freisetzung der Eizelle aus dem Eierstock

Befruchtung und Schwangerschaft

Wenn nach dem Geschlechtsverkehr Samenzellen (=Spermien) im Eileiter vorhanden sind und eine befruchtungsfähige Eizelle freigesetzt wird, kann es zur Befruchtung kommen. Die Befruchtung findet möglicherweise im Eileiter statt. Kommt es zum Eintritt einer Schwangerschaft, beginnt diese schon auf der Wanderung im Eileiter, Signalstoffe (=Hormone) abzusondern, die die Eierstöcke zur weiteren Hormonproduktion anregen. Der bekannteste Signalstoff ist das sogenannte hCG (Schwangerschaftshormon), das im Körper der Frau normalerweise nur während einer Schwangerschaft gebildet wird. Die Hormonbildung in den Eierstöcken bleibt während einer Schwangerschaft bestehen, bis der Mutterkuchen (=Plazenta) selbst in der Lage ist, diese Aufgabe zu übernehmen (etwa ab der 10. - 12. Schwangerschaftswoche). Der Embryo ist in den ersten 10-12 Tagen nach der Einnistung noch so klein, dass das hCG noch nicht messbar ist. Für den Gelbkörper sind die Signale stark genug, sodass er zu wachsen beginnt und immer mehr Progesteron bildet.

Kommt es nicht zum Eintritt einer Schwangerschaft, geht nach etwa 14 Tagen die Produktion der Eierstockhormone zurück und die Monatsblutung tritt ein. Eine unzureichende Produktion von Progesteron ist ganz normal, wenn sich kein Embryo einnistet, denn in diesem Falle fehlen seine Signale. Das Einsetzen der Regelblutung kann wie das Start-Signal für einen neuen Zyklus gesehen werden.

Die weibliche Fruchtbarkeit im Laufe des Lebens

Die Fruchtbarkeit einer Frau ist zwischen dem 20. Lebensjahr und dem Beginn der 30er Jahre am höchsten und lässt bis zur Menopause nach. Das Maximum der natürlichen Fruchtbarkeit der Frau wird im Alter von ca. 25 bis 35 Jahren erreicht. Nach dem 38. Lebensjahr sinkt die Fruchtbarkeit. Ab dem 43. Lebensjahr sind die Aussichten auf eine natürliche Schwangerschaft leider deutlich reduziert.

Die ovarielle Reserve: Eizellen von der Geburt bis zur Menopause

Die Eierstöcke des menschlichen Embryos beginnen ihren Reifeprozess etwa in der 6. Schwangerschaftswoche, was sie ab der 12. Schwangerschaftswoche zur Produktion der Eizellen veranlasst. In diesen frühen Wochen ist deren Aktivität sehr hoch: Innerhalb von 11 bis 12 Wochen steigt die Anzahl ihrer Eizellen von null auf 5 bis 6 Millionen, die sie rund um die 20. Schwangerschaftswoche besitzt. Ab diesem Zeitpunkt endet die Produktion von neuen Eizellen für immer. Daher ist die ovarielle Reserve, d.h. die Anzahl der verfügbaren Eizellen, begrenzt. Rund um die Geburt geht ihre Zahl auf 2 Millionen zurück, und während der Kindheit sinkt sie weiter auf 400.000 bis 500.000 Eizellen in der Pubertät, wenn sie mit der Ovulation erstmals freigesetzt werden.

Es muss angemerkt werden, dass an allen Tagen des reproduktiven Lebens der Frau Eizellen verloren gehen - unabhängig davon, ob sie orale Kontrazeptiva, Vaginalringe oder Intrauterinpessare verwendet, wie ihr Menstruationszyklus schwankt oder wie lange sie schon schwanger ist. Von den insgesamt 500.000 Eizellen zu Beginn der Pubertät reifen nur 0,005% vollständig und ovulieren. Im Laufe Ihres Lebens setzen Ihre Eierstöcke ungefähr 500 ausgereifte Eizellen frei. Ab dem 35. Lebensjahr deckt sich die reproduktive biologische Uhr nicht mehr mit der optimalen Lebensqualität, die unser übriger Organismus besitzt. Der Rückgang der Fruchtbarkeit wird von einem allmählichen Anstieg der Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt begleitet. Mit 40 Jahren liegt diese bei 40% aller Schwangerschaften, begleitet von einem ständigen Anstieg des Risikos der Geburt eines Kindes mit Chromosomopathie.

Grafik, die den Rückgang der Eizellreserve und der Fruchtbarkeit mit zunehmendem Alter zeigt

Hormonelle Steuerung der Fruchtbarkeit

Der weibliche Zyklus wird in einem fein abgestimmten Regelkreis gesteuert, an dem Hormone des Zwischenhirns (Hypothalamus), der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und der Eierstöcke (Ovarien) beteiligt sind. Hormone sind Botenstoffe, die in Körperdrüsen gebildet und ins Blut ausgeschüttet werden. Über die Blutbahn gelangen sie an ihre jeweiligen Wirkungsorte.

  • GnRH (Gonadoliberin): Wird im Hypothalamus gebildet und führt zur Ausschüttung von FSH und LH in der Hypophyse.
  • FSH (Follikel-stimulierendes Hormon): Wird in der Hypophyse gebildet und regt das Wachstum der Follikel an, durch die die Eizellen heranreifen.
  • LH (Luteinisierendes Hormon): Wird in der Hypophyse gebildet und löst bei der Frau den Eisprung aus.
  • Östrogen: Wird in den Eierstöcken gebildet. Während eines Menstruationszyklus regt Östrogen das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut an. Ein hoher Östrogenspiegel in der Mitte des Zyklus führt zu einem Anstieg an LH, was wiederum den Eisprung auslöst.
  • Progesteron: Wird in der zweiten Zyklusphase vom Gelbkörper gebildet. Progesteron erhält die Gebärmutterschleimhaut und bereitet sie auf die Aufnahme der befruchteten Eizelle(n) vor. Während einer Schwangerschaft schränkt Progesteron die Kontraktionen der Gebärmutter ein.
  • Prolactin: Wird in der Hypophyse gebildet und hat Einfluss auf die Brüste und die Eierstöcke. Ein zu hoher Prolactinspiegel kann den Eisprung bremsen.
  • Androgene: Werden in den Eierstöcken gebildet und regen das Haarwachstum sowie den Geschlechtstrieb an. Eine Überproduktion von Androgenen kann den Eisprung beeinträchtigen.
  • HCG (Humanes Choriongonadotropin): Wird in der Plazenta gebildet und verhindert, dass die Follikel während der Schwangerschaft zerstört werden.

Das Zusammenspiel der Hormone muss störungsfrei ablaufen, damit eine Eizelle heranreifen, befruchtet werden und sich in der Gebärmutter einnisten kann. Äußere Reize und auch das seelische Befinden wirken auf den hormonellen Regelkreis ein und können die Reifung der Eizellen positiv oder negativ beeinflussen.

Die Menopause: Das Ende der Fruchtbarkeit

Wenn der Vorrat an Eizellen dem Ende zugeht, stellen die Eierstöcke die Östrogenproduktion ein, und die Menopause wird eingeleitet. Dies geschieht meist zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr. Nach der Geschlechtsreife, d.h. nach dem Eintreten der ersten Monatsblutung, reifen im Eierstock der Frau alle 4 Wochen mehrere Eizellen heran. Etwa in der Mitte des Zyklus kommt es zum Eisprung (=Ovulation) und die jetzt befruchtungsfähige Eizelle wird von einem Eileiter (=Tube) aufgenommen. Im Eileiter findet auch eine möglicherweise eintretende Befruchtung statt, wenn nach dem Geschlechtsverkehr dort befruchtungsfähige Samenzellen (=Spermien) vorhanden sind. Bei der Befruchtung, d.h. wenn im Leben einer Frau alle reifungsfähigen Eizellen verbraucht sind, unterbleibt die Hormonbildung in den Eierstöcken.

Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinflussen

Damit es zur Schwangerschaft kommen kann, ist nicht nur das richtige Funktionieren der Hormonbildung und -steuerung bei Frau und Mann wichtig. Es müssen ebenso die Geschlechtsorgane richtig angelegt sein. Auch darf es nicht zur Funktionseinschränkung kommen.

Qualität und Quantität der Eizellen

Den größten Einfluss auf die weibliche Fruchtbarkeit haben Quantität und Qualität der Eizellen, die aber mit zunehmendem Lebensalter abnehmen. Ein weiterer Punkt, der mit zunehmendem Lebensalter der Frau eine große Rolle spielt, ist ein erhöhtes Risiko für Veränderungen der Chromosomenzahl (Aneuploidie - zu viele, oder zu wenige Chromosomen) in der Eizelle. Nach der Befruchtung einer davon betroffenen Eizelle ist die Embryonalentwicklung eingeschränkt und die Einnistung des Embryos in die Gebärmutter findet oftmals nicht statt. Mit zunehmendem Alter steigt für Frauen das Risiko von Fehlgeburten durch Aneuploidien.

Tests zur Beurteilung der ovariellen Reserve

Bei Frauen im Alter von über 35 Jahren, die versuchen, schwanger zu werden, können mehrere Tests durchgeführt werden, um eine Aussage über die ovarielle Reserve (die Anzahl der verbleibenden Eizellen) zu treffen. Zu den Bluttests gehört ein AMH-Test (Anti-Müller-Hormon-Test), der zu einem beliebigen Zeitpunkt während des Menstruationszyklus durchgeführt werden kann. Das Anti-Müller-Hormon wird von den Zellen in den Follikeln der Eierstöcke produziert und kann zur Ermittlung der ovariellen Reserve zu einem frühen Zeitpunkt bestimmt werden. Am dritten Tag des Menstruationszyklus (d. h. zwei Tage nach Beginn der Periode) kann ein Bluttest zur Messung des follikelstimulierenden Hormons (FSH) sowie von Estradiol durchgeführt werden. Anhand dieser beiden Tests kann zu Beginn des Menstruationszyklus eine etwaige Abnahme der Eierstockfunktion festgestellt werden. Ein weiterer Test zur Bestimmung einer verringerten ovariellen Reserve ist die sogenannte Antralfollikelzählung. Bei diesem Test wird mittels eines transvaginalen Ultraschalls die Anzahl der Follikel bestimmt, die am dritten Tag des Zyklus bereit sind.

"POF & ovarielle Reserve" - Prof. Dr. Andreas Obruca | "fertility for future" - Webinar 25.02.2021

Moderne Reproduktionstechnologien

Die Aufbewahrung der eigenen Eizellen durch Einfrieren, solange man noch jung ist, bietet die Chance zur Verlängerung des reproduktiven Lebens über das 40. Lebensjahr hinaus. Denn wenn sie einmal eingefroren sind, können sie jahrelang erhalten werden, ohne ihre reproduktiven Fähigkeiten zu verlieren. In Spanien und seinen Nachbarländern wird der Zeitpunkt der Schwangerschaft konstant verzögert. Eine von drei Spanierinnen beginnt mit der Suche nach der Schwangerschaft ab dem Alter von 35 Jahren. Bei vielen von ihnen haben die Eierstöcke bereits die besten Eizellen freigesetzt. Ab dem 40. Lebensjahr geht die Möglichkeit, mit eigenen Eizellen schwanger zu werden, dramatisch zurück.

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