Ein Zyklus kann manchmal komplexer sein, als zunächst angenommen. Insbesondere die Frage nach einem zweiten Eisprung-Anlauf innerhalb desselben Zyklus beschäftigt viele Frauen, die versuchen, schwanger zu werden. Während ein standardmäßiger Zyklus nur einen Eisprung vorsieht, gibt es Situationen, in denen der Körper scheinbar mehrere Versuche unternimmt, eine Eizelle freizusetzen.
Was ist ein Eisprung-Anlauf?
Der Eisprung, auch Ovulation genannt, ist der Prozess, bei dem eine reife Eizelle aus dem Eierstock freigesetzt wird. Dieser Vorgang wird durch einen komplexen hormonellen Regelkreis gesteuert. Manchmal kann es vorkommen, dass ein Follikel heranreift, der Östradiolwert absinkt und der Follikel wieder kleiner wird, um dann nach einigen Tagen erneut heranzureifen und schließlich zu springen. Dies wird als "Anlauf" zum Eisprung bezeichnet.
Ein Beispiel hierfür ist die Erfahrung einer Nutzerin im BabyForum: Sie hatte einen starken Ovulationstest (Ovu) am 7. Februar, gefolgt von einem weiteren sehr starken Ovu am 14. Februar. Dies deutet auf einen möglichen zweiten Anlauf hin, da sie zu diesem Zeitpunkt bereits 15 bis 16 Tage nach dem ersten positiven Test war.
Eine andere Frau berichtete von einem starken Ovu und einem Höhepunkt des Zervixschleims bereits am 10. Zyklustag, gefolgt von einer Flaute und einem Temperaturanstieg, der dann wieder abfiel. Sie vermutete ebenfalls, dass es sich um einen "berühmten Anlauf" gehandelt haben könnte.
Warum kann es zu einem zweiten Anlauf kommen?
Es gibt verschiedene Gründe, warum der Körper einen zweiten Eisprung-Anlauf unternehmen kann:
- Hormonelle Schwankungen: Der weibliche Zyklus ist von vielen Hormonen abhängig, deren Spiegel schwanken können. Ungleichgewichte oder Schwankungen, insbesondere im Bereich von FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon), können dazu führen, dass mehrere Follikel heranreifen oder ein Follikel nicht zum gewünschten Zeitpunkt springt.
- Medikamenteneinnahme: Unter Hormonstimulation, beispielsweise durch die Einnahme von Clomifen, kann es vorkommen, dass in einem Zyklus mehrere Follikel heranreifen oder erst im zweiten Anlauf springen. Dies kann zu einem erneuten Wachstum eines Follikels führen, nachdem ein erster Versuch möglicherweise nicht erfolgreich war.
- Krankheit oder Stress: Obwohl die betroffene Person angab, nicht krank gewesen zu sein und keinen starken Stress erlebt zu haben, können solche Faktoren den Eisprung beeinflussen und zu Verzögerungen oder wiederholten Anläufen führen.
- Individuelle Zyklusvariabilität: Jeder Körper ist anders. Zykluslängen und der Zeitpunkt des Eisprungs können von Frau zu Frau und von Zyklus zu Zyklus variieren. Was für die eine Frau ungewöhnlich ist, kann für eine andere durchaus im Bereich des Möglichen liegen.
Wissenschaftlich gesehen ist es nicht möglich, zwei Eisprünge mit einem größeren zeitlichen Abstand im selben Zyklus zu haben. Sobald ein Eisprung stattgefunden hat, produziert der Gelbkörper Hormone, die einen weiteren Eisprung verhindern. Wenn jedoch zwei oder mehr Eizellen gleichzeitig freigesetzt werden, können diese befruchtet werden und zu zweieiigen (nicht-identischen) Zwillingen führen. Dies geschieht jedoch innerhalb eines sehr kurzen Zeitfensters.

Was passiert mit der Eizelle beim Anlauf?
Wenn ein Follikel heranreift, aber nicht zum Eisprung kommt, bildet sich die Eizelle darin in der Regel zurück. Der Körper resorbiert die unreife Eizelle, und der Prozess beginnt von neuem, falls die hormonellen Bedingungen dies zulassen. Dies erklärt, warum ein wiederholter LH-Anstieg (der durch Ovulationstests nachgewiesen wird) nicht zwangsläufig bedeutet, dass ein Eisprung stattgefunden hat.
Wie lange dauert es, bis der Körper einen neuen Anlauf startet?
Es gibt keine feste Regel, wie lange der Körper braucht, um einen neuen Eisprung-Anlauf zu starten, wenn der erste nicht erfolgreich war. Dies hängt stark von den individuellen hormonellen Bedingungen und dem Zustand des Körpers ab. In einigen Fällen kann dies nur wenige Tage dauern, in anderen kann es länger dauern, bis die Hormone wieder das richtige Niveau erreichen, um die Follikelreifung erneut anzustoßen.
Im Fall einer Nutzerin, die am 14. August ihren Eisprung mit Schmerzen und einer Schmierblutung hatte, gefolgt von ziehenden Schmerzen und dann einer Blutung am 9. Tag nach dem Eisprung (trotz negativem Schwangerschaftstest), ist es möglich, dass dies eine Einistungsblutung war oder eine frühe Periode, die durch die Zyklusunregelmäßigkeiten bedingt war.
NSARs und ihre Auswirkung auf den Eisprung
Es gibt Hinweise darauf, dass die Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSARs), insbesondere in verschreibungspflichtigen Dosen, die Anzahl der Eisprünge reduzieren kann. Medikamente wie Diclofenac, Naproxen oder Etoricoxib können die Bildung von Prostaglandinen hemmen, die für die Freisetzung der Eizelle aus dem Follikel wichtig sind. Eine Studie aus dem Jahr 2015 zeigte, dass Frauen, die solche NSARs einnahmen, eine deutlich niedrigere Anzahl an Eisprüngen aufwiesen. Diese Erkenntnis ist jedoch vor allem für die regelmäßige Einnahme hoher Dosen relevant und sollte nicht mit der gelegentlichen Einnahme von rezeptfreien Schmerzmitteln gleichgesetzt werden.
Ovulationstest vs Kalender--/ Basaltemperaturmethode
Die Rolle von Symptomen und Tests
Viele Frauen nutzen Ovulationstests (Ovus), um ihren fruchtbarsten Zeitraum zu ermitteln. Ein stark positiver Ovu zeigt einen hohen LH-Spiegel an, der oft mit dem Eisprung korreliert. Allerdings signalisiert ein positiver Ovu nur den LH-Anstieg, nicht zwingend, dass der Eisprung auch tatsächlich stattfindet. Der LH-Spiegel kann in Wellen ausgeschüttet werden, sodass ein Test zu einem Tiefpunkt negativ ausfallen kann, obwohl der Wert kurz darauf wieder ansteigt.
Andere Symptome wie Mittelschmerz und Zervixschleim (spinnbar, klar wie Eiweiß) sind ebenfalls wichtige Indikatoren. Der Zervixschleim verändert sich während des Zyklus und wird in der fruchtbaren Phase dünner und durchlässiger für Spermien. Die Basaltemperaturmessung kann nach dem Eisprung einen Anstieg zeigen, der die stattgefundene Ovulation bestätigt.
Wenn ein Ovu wiederholt positiv wird, nachdem er bereits schwächer wurde, oder wenn andere fruchtbarkeitsanzeigende Symptome wie Mittelschmerz und spinnbarer Zervixschleim erneut auftreten, kann dies auf einen zweiten Eisprung-Anlauf hindeuten. Die symptothermale Methode, die Temperaturmessung mit der Beobachtung von Zervixschleim und/oder Muttermund, ist eine zuverlässige Methode zur Bestimmung der fruchtbaren Tage.
Unsicherheit und psychischer Druck
Die Unsicherheit, ob und wann der Eisprung stattfindet, kann erheblichen psychischen Druck erzeugen, insbesondere wenn der Kinderwunsch besteht. Kommentare, die den Druck erhöhen, wie etwa die Annahme, dass der Körper ab einem bestimmten Alter oder bei bereits vorhandenen Kindern keine weiteren Kinder mehr "schenken" will, können kontraproduktiv sein und die Situation erschweren. Es ist wichtig, sich auf wissenschaftlich fundierte Methoden zu verlassen und professionellen Rat einzuholen, wenn Unsicherheiten bestehen.
Manche Frauen berichten von empfindlichen Brüsten und Ziehen im Unterleib, was auf hormonelle Veränderungen im Zyklus hindeuten kann, aber auch eine Nebenwirkung von Medikamenten wie Clomifen sein kann. Eine schwache, dunkelrote Menstruation kann ebenfalls auf hormonelle Einflüsse zurückzuführen sein.
Wann zum Arzt?
Bei anhaltenden Unregelmäßigkeiten, Unsicherheiten bezüglich des Eisprungs oder wenn der Kinderwunsch trotz Bemühungen nicht erfüllt wird, ist es ratsam, einen Frauenarzt aufzusuchen. Dieser kann mittels Ultraschall die Follikelentwicklung und den Zustand der Gebärmutterschleimhaut beurteilen und gegebenenfalls weitere diagnostische Schritte oder Behandlungsmethoden vorschlagen.