Fetofetales Transfusionssyndrom: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Das Fetofetale Transfusionssyndrom (FFTS), auch bekannt als Twin-to-Twin Transfusion Syndrome (TTTS), ist eine ernste und seltene Komplikation, die ausschließlich bei eineiigen Zwillingsschwangerschaften auftreten kann, wenn sich beide Feten eine gemeinsame Plazenta (Mutterkuchen) teilen. Diese Konstellation wird als monochoriale Plazenta bezeichnet.

Entstehung und Ursachen des FFTS

Bei etwa 70% der Schwangerschaften mit eineiigen Zwillingen teilen sich die Feten eine gemeinsame Plazenta (monochorial), während sie meist dennoch von ihrer eigenen Fruchtblase umgeben sind (diamniotisch). In etwa 12% bis 15% dieser monochorialen Zwillingsschwangerschaften entwickeln sich abnorme Verbindungen (Anastomosen) zwischen den Blutgefäßen der beiden Feten auf der Plazentaoberfläche. Diese abnormen Gefäßverbindungen führen zu einem ungleichmäßigen Blutfluss zwischen den Zwillingen.

Ein Zwilling, der mehr Blut abgibt als er erhält, wird als Donor (Geber) bezeichnet. Dieser Zwilling wird schlechter mit Blut versorgt, was zu Wachstumsverzögerungen, schlechter Entwicklung und beeinträchtigter Herz- und Nierenfunktion führen kann. Er produziert zudem zu wenig Fruchtwasser (Oligohydramnion).

Der andere Zwilling, der mehr Blut empfängt als er abgibt, wird als Empfänger (Rezipient) bezeichnet. Dieser Zwilling muss das überschüssige Blut pumpen, was sein Herz stark belastet und zu einer Vergrößerung des Herzmuskels führen kann. Er produziert übermäßig viel Fruchtwasser (Polyhydramnion), was wiederum die Fruchtblase vorzeitig platzen lassen und zu vorzeitigen Wehen führen kann.

Obwohl die genauen Auslöser für die Entstehung des FFTS nicht vollständig geklärt sind, werden verschiedene Faktoren diskutiert:

  • Genetische Faktoren: Es wird vermutet, dass bestimmte genetische Prädispositionen die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung des Syndroms erhöhen könnten.
  • Umweltfaktoren: Infektionen während der Schwangerschaft, die die Plazentafunktion beeinträchtigen, könnten eine Rolle spielen.
  • Lebensstil und Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebensstil können die allgemeine Gesundheit von Mutter und Kind unterstützen und potenziell die Plazentafunktion positiv beeinflussen.
Schema der Blutgefäßverbindungen in der Plazenta bei einer monochorialen Zwillingsschwangerschaft mit Fetofetalem Transfusionssyndrom

Symptome und Diagnose

Die Symptome des FFTS können je nach betroffenem Zwilling (Donor oder Empfänger) erheblich variieren. Bei der schwangeren Mutter können folgende Anzeichen auftreten:

  • Schnelle und massive Zunahme des Bauchumfangs aufgrund des stark vermehrten Fruchtwassers.
  • Schmerzhaft gespannter Bauch.
  • Rückenschmerzen.
  • Atemnot.
  • Vorzeitige Wehen.

Die Diagnose eines FFTS erfolgt typischerweise durch eine gründliche klinische Untersuchung und eine detaillierte Anamnese. Entscheidend ist die Durchführung einer Ultraschalluntersuchung durch erfahrene Ärzte, die das Ausmaß der Erkrankung und den Schweregrad beurteilen können.

Bei der Ultraschalldiagnostik fallen typischerweise folgende Merkmale auf:

  • Deutliche Unterschiede in den Fruchtwassermengen um die beiden Feten (Polyhydramnion beim Empfänger, Oligohydramnion beim Donor).
  • Vergrößerte Harnblase beim Empfänger-Zwilling, während die Harnblase des Donor-Zwillings möglicherweise nicht darstellbar ist.
  • Bei schwereren Fällen kann der Blutfluss in der Nabelarterie des unterversorgten Kindes unterbrochen sein oder der Empfänger-Zwilling entwickelt eine Umkehr des Blutflusses im Ductus Venosus.
  • Fehlbildungen der Herzklappen beim Donor-Zwilling und verdickte Muskelschichten der Blutgefäße beim Empfänger-Zwilling.
  • Flüssigkeitsansammlungen (Hydrops fetalis) können bei beiden Kindern auftreten.

Leitlinien empfehlen bei allen monochorialen Schwangerschaften ab der 16. Schwangerschaftswoche (SSW) eine zweiwöchentliche Ultraschallkontrolle zur Früherkennung des FFTS. Bei Auftreten der beschriebenen Symptome, auch wenn bislang von zweieiigen Zwillingen ausgegangen wurde, ist eine sofortige Vorstellung in einer pränatalmedizinischen Praxis oder Frauenklinik unerlässlich.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung des FFTS erfordert oft einen multidisziplinären Ansatz und sollte idealerweise in spezialisierten Zentren erfolgen. Die Wahl der Therapie hängt vom Schweregrad der Erkrankung und dem Zeitpunkt der Diagnose ab.

Fetoskopische Lasertherapie (Laserkoagulation der Anastomosen)

Die fetoskopische Lasertherapie gilt heute als die effektivste und kurativste Behandlungsmethode für das schwere FFTS. Der Eingriff wird minimal-invasiv unter lokaler Betäubung durchgeführt:

  1. Mittels einer kleinen Hohlnadel wird unter Ultraschallsicht ein Fetoskop (eine kleine Kamera) in die Frucht­höhle eingebracht.
  2. Über das Fetoskop wird eine Laserfaser eingeführt.
  3. Unter Sicht werden die abnormen Gefäßverbindungen (Anastomosen) auf der Plazentaoberfläche mit dem Laser verödet (verkocht).

Dieser Eingriff dauert in der Regel etwa 20 Minuten. Nach der Operation ist meist ein kurzer stationärer Aufenthalt von etwa 2 Tagen erforderlich. Studien zeigen, dass nach dieser Therapie in über der Hälfte der Fälle beide Zwillinge und in etwa 90% der Fälle mindestens ein Zwilling überlebt.

Abbildung eines Fetoskops, das für die Lasertherapie des FFTS verwendet wird

Andere Behandlungsansätze

Früher wurde häufig die serielle Amniondrainage angewendet, bei der überschüssiges Fruchtwasser wiederholt abgesaugt wird. Diese Methode behandelt jedoch nur das Symptom (Polyhydramnion) und nicht die Ursache des ungleichen Blutflusses und wird heute nur noch in Einzelfällen eingesetzt.

In einigen Fällen kann auch das gezielte Verschließen der Nabelschnur eines nicht überlebensfähigen Zwillings erwogen werden, um die Überlebenschancen des anderen Zwillings zu verbessern. Dies ist eine hochriskante Operation.

Je nach Stadium der Erkrankung kann auch zunächst abgewartet und die Schwangerschaft engmaschig mittels Ultraschall kontrolliert werden. Gegebenenfalls können Steroide zur Beschleunigung der Lungenreifung der Feten verabreicht werden.

Prognose

Die Prognose für Zwillinge mit FFTS variiert stark je nach Schweregrad der Erkrankung, dem Zeitpunkt der Diagnose und dem Beginn der Behandlung. Ohne Behandlung liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder nicht überleben, bei 80% bis 90% bei schwerem FFTS, das in der Mitte der Schwangerschaft festgestellt wird.

Mit modernen Behandlungsmethoden wie der fetoskopischen Lasertherapie können die Überlebenschancen erheblich verbessert werden:

  • In etwa 60% aller Fälle können beide Kinder gerettet werden.
  • In rund 80% der Fälle überlebt mindestens eines der Kinder.

Schätzungsweise 80% der überlebenden Kinder werden nach der 30. Schwangerschaftswoche geboren, was das Risiko von Folgeschäden durch Frühgeburt reduziert. Die meisten überlebenden Kinder kommen gesund zur Welt.

Es ist wichtig zu betonen, dass dieser Artikel ausschließlich zu Informationszwecken dient und keine professionelle medizinische Beratung ersetzt. Bei Verdacht auf FFTS oder Fragen zur Schwangerschaftsbetreuung sollte umgehend ein qualifizierter Arzt konsultiert werden.

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