Eier auf Befruchtung prüfen: Eine Anleitung zum Schieren

Die Entscheidung, eigene Küken zu ziehen, ist für viele Geflügelhalter ein spannender Schritt. Doch nicht jedes gelegte Ei ist auch befruchtet. Um sicherzustellen, dass die Brut erfolgreich verläuft, ist das Schieren der Bruteier unerlässlich. Dieser Prozess ermöglicht es, den Entwicklungsstand des Embryos zu beurteilen, abgestorbene Eier zu identifizieren und somit die Grundlage für gesunde Küken zu schaffen.

Illustration eines Hühnereis, das mit einer Schierlampe durchleuchtet wird, um die inneren Strukturen wie den Embryo und das Blutgefäßsystem sichtbar zu machen.

Was bedeutet Schieren?

Schieren bezeichnet das Durchleuchten von Bruteiern mit einer speziellen Lampe, um einen Einblick in das Innere des Eis zu erhalten. Dieser Vorgang ist besonders während der Brutzeit von großer Bedeutung. Er erlaubt es Züchtern, die Entwicklung und Gesundheit des Embryos zu beobachten, das Vorhandensein von Leben im Ei zu bestätigen und frühzeitig Probleme zu erkennen.

Die Analyse der Bruteier durch Schieren liefert wertvolle Informationen:

  • Erkennung befruchteter Eier: Schon früh in der Brutzeit lässt sich feststellen, ob ein Brutei überhaupt befruchtet ist.
  • Überprüfung der Embryonalentwicklung: Mittels regelmäßigem Schieren kann die Entwicklung des Embryos, einschließlich seiner Größe, der Position der Luftblase und des Herzschlags, überprüft werden.
  • Bestimmung des Bruttages: Anhand der Embryonalentwicklung ist es möglich, den voraussichtlichen Schlupftag der Küken zu bestimmen.
  • Identifizierung abgestorbener Bruteier: Sollte ein Embryo im Laufe der Brutzeit abgestorben sein, kann dies beim Schieren erkannt werden.

Der Prozess der Befruchtung im Huhn

Bevor ein Ei zur Brut verwendet werden kann, muss es befruchtet werden. Dieser Prozess beginnt im Eierstock der Henne, wo sich die Eizelle über zwei bis drei Wochen zu einem reifen Ei entwickelt. Dieses besteht zunächst nur aus Dotter und einer Keimscheibe, dem sogenannten Hahnentritt. Nach der Reifung wandert das junge Ei in den Eileiter. Dort, in einer kleinen Ausbuchtung, kann Sperma des Hahns bis zu 14 Tage aufbewahrt werden, falls die Henne vom Hahn begattet wurde. In diesem Bereich kommt es zur Verschmelzung von Ei- und Samenzelle, wobei die Befruchtung eines Eis etwa 24 Stunden dauert, während es den Eileiter durchläuft. Während dieser Reise bilden sich das Eiklar, die Membranen und die Eierschale. Bereits in dieser Phase beginnt die embryonale Entwicklung, erkennbar an einem weißlichen Keimfleck. Bei einer optimalen Temperatur von 37 bis 38 Grad Celsius entwickelt sich der Embryo aus den Furchungszellen der Keimscheibe. Bereits am ersten Tag nach der Befruchtung bilden sich Blutgefäße zur Nährstoffversorgung.

Schema der weiblichen Geschlechtsorgane eines Huhns, das den Weg des Eies von der Eizelle bis zur Ablage zeigt.

Die Wahl der richtigen Schierlampe

Für ein erfolgreiches Schieren ist die Wahl der richtigen Lampe von entscheidender Bedeutung. Nicht jede beliebige Taschenlampe ist dafür geeignet. Die Lichtquelle muss mehrere wichtige Kriterien erfüllen: eine hohe Helligkeit bei gleichzeitig geringer Wärmeentwicklung. Eine übermäßige Hitzeentwicklung kann die Entwicklung des Embryos negativ beeinträchtigen. Aus diesem Grund verwenden die meisten modernen Schierlampen LED-Leuchtmittel, die hell sind und vergleichsweise kühl bleiben.

Während für Eier mit hellen Schalen eine einfache Taschenlampe als Notlösung ausreichen mag, ist für eine detaillierte Beobachtung der Entwicklung, wie das Erkennen des Herzschlags oder der Bewegungen des Kükens, eine dedizierte Schierlampe empfehlenswert. Diese liefert ein deutlicheres Bild und überhitzt das Ei nicht. Viele professionelle Schierlampen verfügen zudem über Aufsätze, die an die jeweilige Eigröße angepasst werden können.

Vergleich verschiedener Lampen (Taschenlampe, Smartphone-Blitz, professionelle Schierlampe) im Einsatz beim Schieren von Eiern, um die Unterschiede in der Leuchtkraft und Hitzentwicklung zu demonstrieren.

Zeitpunkte und Vorgehensweise beim Schieren

Der richtige Zeitpunkt für das Schieren ist entscheidend, um die gewünschten Informationen über die Bruteier zu gewinnen. Generell gilt, dass die Brutmaschine während der ersten drei Tage der Brut nicht geöffnet werden sollte, da die Eier in dieser sensiblen Phase sehr empfindlich sind. Das Schieren ist daher erst danach praktikabel.

Frühes Erkennen von befruchteten Eiern (Tag 3-4)

Schon zu einem frühen Zeitpunkt der Brutzeit, oft ab dem dritten oder vierten Tag, lohnt es sich, die Bruteier zu schieren. Bei hellen oder dünnschaligen Eiern lassen sich bereits erste Blutadern erkennen. Wenn diese sichtbar sind, kann man sicher sein, dass es sich um befruchtete Bruteier handelt. Bei dunklen oder dickschaligen Eiern ist dies oft erst später möglich.

Beim Schieren am Tag 3 eines hellen Eis ist ein 3 bis 4 Millimeter großer Punkt inmitten eines von Blutadern umgebenen Bereichs zu erkennen. Dieses Geflecht aus Blutadern wird auch als „Spinnennetz“ oder „Adernetz“ bezeichnet. Ein Tipp für Anfänger: Markieren Sie Eier, bei denen Sie sich unsicher sind, mit einem Fragezeichen und lassen Sie sie noch in der Brutmaschine. Erst wenn auch am siebten Tag keine Entwicklung sichtbar ist, sollten sie entfernt werden, um ein befruchtetes Ei nicht versehentlich für leer zu halten.

Detailaufnahme eines Hühnereis beim Schieren am 3. Tag der Brut, die ein feines Netz aus Blutadern und einen kleinen Embryo-Punkt zeigt.

Überprüfung der Embryonalentwicklung (Tag 7)

Am siebten Tag der Brutzeit hat sich das sich entwickelnde Küken bereits deutlich vergrößert. Das Adernetz hat sich über fast die gesamte Fläche des Eis ausgebreitet, und der Embryo ist merklich gewachsen, oft schon auf etwa einen Zentimeter Größe. Nun ist auch bei dunkelschaligen oder dickschaligen Eiern die Entwicklung gut erkennbar. Zu diesem Zeitpunkt lassen sich auch unbefruchtete Eier meist leicht identifizieren: Es ist kein dunkler Punkt oder Adernetz zu sehen. Diese Eier können nun aus der Brutmaschine entfernt werden, um Platz für die entwickelnden Küken zu schaffen.

Vergleich von Eiern am 7. Tag der Brut: Ein befruchtetes Ei mit gut entwickeltem Adernetz und Embryo neben einem unbefruchteten Ei ohne sichtbare innere Strukturen.

Fortgeschrittene Entwicklung und Schlupfvorbereitung (Tag 10-14)

Bis zum 10. Tag nehmen die Embryonen bereits einen Großteil des Ei-Inhalts ein. Am 14. Tag ist das Küken so weit herangewachsen, dass es fast den gesamten Raum des Bruteis ausfüllt. Nur noch die Luftblase ist an der Unterseite des Eis sichtbar. Bei genauem Hinsehen kann nun auch der schlagende Herzschlag des Kükens erkannt werden - ein faszinierender Moment, der das Heranwachsen eines lebendigen Wesens verdeutlicht.

Bild eines Hühnereis beim Schieren am 14. Tag der Brut, das die deutlichen Konturen des fast vollständig entwickelten Kükens und die Luftblase zeigt.

Schieren am 20. Tag - Vorsicht geboten

Das Schieren am 20. Tag, also kurz vor dem erwarteten Schlupf, wird aus zwei wichtigen Gründen nicht empfohlen:

  • Die Brutmaschine sollte ab Tag 19 nicht mehr geöffnet werden, um den Verlust von Luftfeuchtigkeit zu vermeiden, der für den Schlupfprozess kritisch ist.
  • Die Eier sollten ab diesem Zeitpunkt nicht mehr bewegt werden, da die Küken sich an der Position des Eies orientieren, um sich für den Schlupf optimal auszurichten.

Erkennen von Problemen während der Brut

Das Schieren dient nicht nur der Bestätigung von Leben, sondern auch der frühzeitigen Erkennung von Problemen. Wenn spätestens am 6. Tag der Brut keine Blutgefäße zu erkennen sind, deutet dies auf eine ausbleibende Befruchtung oder einen abgestorbenen Embryo hin.

Abgestorbene Embryonen

Ein Küken kann zu verschiedenen Zeitpunkten während der Brut absterben. Die Anzeichen dafür variieren:

  • Frühes Absterben: Bildet sich ein sogenannter Blutring (auch Hexenring genannt), der direkt mit der Eischale verbunden ist und sich beim Drehen des Eis nicht mit dem Eiklar mitbewegt, ist dies ein sicheres Zeichen für ein abgestorbenes Ei. In solchen Eiern sind keine Blutadern oder ein Embryo erkennbar.
  • Späteres Absterben: Wenn ein Embryo in einer späteren Phase der Brut abstirbt, ist dies oft daran erkennbar, dass das Adernetz nicht mehr sichtbar ist. Zudem ist die Luftblase, die sich normalerweise an der stumpfen Seite des Eies befindet, frei beweglich.

Ein deutlicher Hinweis auf ein abgestorbenes Küken kann auch ein schwefeliger Geruch sein, der beim Öffnen der Brutmaschine wahrnehmbar wird. Abgestorbene Eier sollten umgehend aus der Brutmaschine entfernt werden, da sie „gasen“ und die anderen Eier belasten oder als Keimherd dienen können.

Entwicklungsverzögerungen und Fehlbildungen

Entwicklungsverzögerungen können beim Schieren ebenfalls erkannt werden. Ist der Embryo kleiner als er zu einem bestimmten Zeitpunkt sein sollte, ist oft eine zu niedrige Bruttemperatur die Ursache. Fehlbildungen können sich durch unregelmäßige Gefäßstrukturen oder dunkle Flecken auf dem Embryo bemerkbar machen.

Vergleich von Eiern mit abgestorbenen Embryonen: Ein Ei mit deutlichem Blutring neben einem Ei, bei dem das Adernetz nicht mehr erkennbar ist.

Besonderheiten bei anderen Geflügelarten

Das Prinzip des Schierens ist nicht auf Hühnereier beschränkt. Auch bei anderen Geflügelarten wie Wachteln oder Enten ist dieser Vorgang anwendbar, erfordert jedoch teilweise angepasste Vorgehensweisen und Ausrüstung.

Wachteleier schieren

Das Schieren von Wachteleiern stellt eine besondere Herausforderung dar. Ihre grünliche Schale mit dunklen Punkten und die oft dickere Schale erschweren die Durchleuchtung. Hierfür ist eine besonders helle Schierlampe notwendig, idealerweise eine mit LED-Technologie, um die Embryonen sichtbar zu machen. Die Entwicklung beginnt auch hier nach einigen Tagen im Brutkasten. Empfohlene Zeitpunkte für das Schieren von Wachteleiern sind der 6. Tag (Entfernen unbefruchteter Eier), der 10. Tag (Entfernen abgestorbener Bruteier) und der 15. Tag (erneutes Entfernen abgestorbener Eier vor dem Umlegen auf die Schlupfhorde).

Enteneier schieren

Enteneier lassen sich prinzipiell genauso schieren wie Hühnereier. Aufgrund der oft etwas dickeren Schale sollte auch hier auf eine hochwertige Schierlampe zurückgegriffen werden, um die Entwicklung des Embryos erkennen zu können.

Häufig gestellte Fragen zum Schieren

Wie erkenne ich ob das Küken im Ei noch lebt?

Ab dem 12. Tag können bei der Verwendung einer geeigneten Schierlampe nicht nur die Umrisse des Kükens deutlich erkannt werden, sondern auch seine Bewegungen und teilweise der schlagende Herzschlag. Ein sich bewegendes Küken mit schlagendem Herzen ist ein Indikator für eine bisher erfolgreiche Brut.

Kann man befruchtete Eier essen?

Hier muss zwischen "befruchteten Eiern" und "angebrüteten Eiern" unterschieden werden. Ein Ei ist befruchtet, sobald ein Hahn bei der Henne war. Solche Eier sind essbar, auch wenn man von außen nicht erkennen kann, ob es sich um ein befruchtetes oder unbefruchtetes Ei handelt. Angebrütete Eier, also solche, die bereits einige Tage in der Brutmaschine lagen, sind eine persönliche Entscheidung zum Verzehr. Ein Ei mit einem sich entwickelnden Embryo wird jedoch in der Regel nicht mehr zum Essen verwendet.

Was ist der "Hahnentritt"?

Der Begriff "Hahnentritt" (auch "Blutpunkt" oder "Fleischfäden" genannt) bezieht sich auf kleine rote Punkte oder Blut- und Gewebeteile, die auf dem Dotter eines aufgeschlagenen Eis sichtbar sein können. Dies sind in der Regel keine Embryonen, sondern stammen aus dem Eileiter des Huhns. Sie sind häufiger bei älteren Hennen oder bei Hähnen mit nachlassender Spermienqualität zu beobachten.

Embryologie - Befruchtung und Implantation einfach erklärt

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