Die Vorfreude auf das Baby ist riesig, und damit beginnt auch die Frage: Wie soll das Kleine zur Welt kommen? Die beiden Hauptoptionen dabei sind die natürliche Geburt und der Kaiserschnitt. Bei einer natürlichen Geburt kommt das Baby auf klassischem Weg zur Welt - durch die Scheide der Mutter. Ein Kaiserschnitt hingegen ist eine Operation, bei der das Baby durch einen Schnitt im Bauch auf die Welt geholt wird. Jede Methode hat ihre Vorteile und Begründungen.
Im Folgenden wird alles erläutert, was Sie über die natürliche Geburt und den Kaiserschnitt wissen sollten.

Natürliche Geburt
Eine natürliche Geburt ist der Vorgang, bei dem das Baby ohne chirurgischen Eingriff auf natürlichem Weg über die Scheide der Mutter geboren wird. Der Geburtsprozess setzt dabei mit den Wehen ein, die den Muttermund öffnen, und endet mit dem Austritt des Babys und der Plazenta (Mutterkuchen).
Phasen der natürlichen Geburt
Eine natürliche Geburt verläuft in drei Phasen:
- Eröffnungsphase: Diese Phase beginnt mit den ersten regelmäßigen Wehen, die den Muttermund langsam öffnen. Der Muttermund weitet sich von wenigen Zentimetern bis zu etwa zehn Zentimetern auf. Gleichzeitig wird das Gewebe des Geburtskanals weicher, damit das Baby leichter hindurchkommt. Die Wehen werden mit der Zeit intensiver und kommen in kürzeren Abständen (ca. alle 3 bis 6 Minuten). Das medizinische Personal überwacht in dieser Phase die Herzfrequenz des Babys und die Stärke der Wehen, um sicherzustellen, dass es Mutter und Kind gut geht. Schmerzmittel wie eine PDA können in Absprache verabreicht werden, um die Schmerzen der Mutter zu lindern.
- Austreibungsphase: In dieser Phase ist der Muttermund vollständig geöffnet und die eigentliche Geburt des Babys beginnt. Die Wehen werden sowohl stärker als auch häufiger und die Mutter verspürt einen intensiven Drang zu pressen. Mit der Unterstützung der Hebamme oder des Arztes wird das Baby durch den Geburtskanal geschoben. Dabei rotiert es oft, um sich besser durch das Becken der Mutter zu bewegen. Schließlich tritt der Kopf des Babys zuerst aus, gefolgt vom restlichen Körper. Das medizinische Personal leitet die Mutter dabei an, wann sie pressen soll und wann es besser ist, die Wehen auszuatmen, um Verletzungen zu vermeiden.
- Nachgeburtsphase: Nachdem das Baby geboren ist, folgt die Nachgeburtsphase, in der die Plazenta ausgestoßen wird. Die Gebärmutter zieht sich weiter zusammen, um die Plazenta abzulösen und sie durch leichte Wehen auszustoßen. In dieser Phase überprüft das medizinische Personal, ob die Plazenta vollständig abgegangen ist, um Komplikationen wie Blutungen zu vermeiden.
Während der gesamten Geburt stehen Hebammen und Ärzte unterstützend zur Seite, überwachen die Sicherheit von Mutter und Kind und greifen ein, wenn es nötig ist.
Mögliche Risiken und Komplikationen bei natürlicher Geburt
Bei einer natürlichen Geburt können unter Umständen Komplikationen auftreten:
- Geburtsverletzungen: Während der Geburt kann es zu Verletzungen im Geburtskanal kommen, wie Risse am Damm, in der Scheide oder an den Schamlippen.
- Protrahierte Geburt (Geburtsstillstand): Manchmal kommt der Geburtsverlauf ins Stocken und der Muttermund öffnet sich nicht weiter oder die Wehen werden schwächer. Dies kann die Geburt verzögern und für die Mutter sehr belastend sein. In solchen Fällen kann medizinisches Personal Wehenmittel geben.
- Sauerstoffmangel beim Baby: Während der Geburt kann es passieren, dass das Baby kurzzeitig weniger Sauerstoff bekommt. Etwa, wenn die Nabelschnur um den Hals des Babys liegt oder es sich stark verdreht.
- Geburtsverletzungen beim Baby: Auch beim Baby können während der Geburt Verletzungen entstehen, etwa durch den Druck im Geburtskanal. Dies können kleinere Schwellungen oder Hämatome am Kopf sein, ein Bruch des Schlüsselbeins oder Nervenverletzungen. Insbesondere wenn eine Saugglocke oder Geburtszange eingesetzt wird, können Druckstellen oder leichte Verletzungen auftreten.
Trotz dieser möglichen Risiken bleibt die natürliche Geburt für viele der sicherste Weg, um ein Baby zur Welt zu bringen.
Vorteile der natürlichen Geburt
Eine natürliche Geburt bringt verschiedene gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind mit sich:
- Kürzere Erholungszeit und Krankenhausaufenthalte: Da bei einer natürlichen Geburt kein chirurgischer Eingriff nötig ist, ist die Erholungszeit in der Regel kürzer als nach einem Kaiserschnitt. Viele Mütter können bereits wenige Stunden nach der Geburt aufstehen und sich selbstständig um ihr Baby kümmern.
- Positive Auswirkungen auf das Immunsystem des Babys: Während der Passage durch den Geburtskanal nimmt das Baby wertvolle Bakterien auf, die eine wichtige Rolle beim Aufbau seines Immunsystems spielen.
- Förderung der Mutter-Kind-Bindung: Eine natürliche Geburt setzt eine Welle von Hormonen frei, darunter Oxytocin, das sogenannte „Bindungshormon“. Bonding beschreibt den intensiven Moment, wenn Mutter und Baby sich direkt nach der Geburt hautnah spüren und kennenlernen.
- Positive Auswirkungen auf zukünftige Schwangerschaften: Frauen, die bereits eine natürliche Geburt erlebt haben, können oft auch ihr nächstes Kind auf natürlichem Wege zur Welt bringen.
Nachteile der natürlichen Geburt
Ein Nachteil der natürlichen Geburt ist, dass der Schmerz und der Geburtsverlauf schwer vorhersehbar sind. Geburtsverletzungen wie Dammrisse sind nicht immer vermeidbar. Zudem ist die Geburt körperlich sehr anstrengend und fordert viel Kraft, was zu Erschöpfung, Dehydration und Muskelkater führen kann.

Kaiserschnitt (Sectio)
Ein Kaiserschnitt, auch Sectio genannt, ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem das Baby durch einen Schnitt im Bauch und in der Gebärmutter der Mutter zur Welt gebracht wird.
Arten von Kaiserschnitten
Man unterscheidet zwischen:
- Geplanter Kaiserschnitt (Primärer Kaiserschnitt): Dieser Eingriff wird bereits vor dem Geburtstermin festgelegt. Gründe dafür können etwa sein, dass das Baby in einer Steißlage liegt, also mit dem Po nach unten, oder dass die Mutter schon einmal einen Kaiserschnitt hatte und eine natürliche Geburt als zu riskant eingeschätzt wird.
- Sekundärer Kaiserschnitt (ohne akute Gefahr): Dieser wird im Verlauf einer bereits begonnenen natürlichen Geburt notwendig, wenn diese nicht wie geplant voranschreitet, aber keine akute Lebensgefahr besteht. Gründe dafür können sein, dass sich der Muttermund trotz Wehen nicht ausreichend öffnet oder die Wehen plötzlich nachlassen und das Baby im Geburtskanal stecken bleibt. Ein sekundärer Kaiserschnitt wird dann in Ruhe durchgeführt, um die Geburt sicher abzuschließen, bevor sich kritische Zustände entwickeln.
- Not-Kaiserschnitt (Sekundärer Kaiserschnitt bei akuter Gefahr): Ein Not-Kaiserschnitt wird durchgeführt, wenn während der Geburt plötzlich Komplikationen auftreten, die eine Gefahr für das Leben von Mutter oder Kind darstellen. Das kann unter anderem der Fall sein, wenn das Baby unter Sauerstoffmangel leidet, die Nabelschnur eingeklemmt wird oder die Herztöne des Babys sich stark verschlechtern.
Ablauf eines Kaiserschnitts
Die Vorbereitung auf einen geplanten oder sekundären Kaiserschnitt beinhaltet ein Vorgespräch mit dem Anästhesie-Team, bei dem die Form der Betäubung besprochen wird. Meist wird eine Spinalanästhesie oder eine Periduralanästhesie (PDA) angewendet, bei der die Mutter wach bleibt, aber vom Bauch abwärts betäubt ist. Der Bauch wird steril gereinigt und abgedeckt.
Der Arzt setzt einen horizontalen Schnitt knapp über dem Schambein. Durch weitere Schnitte werden die Bauchdecke und die Gebärmutter geöffnet, um das Baby zu entbinden. Dabei wird so schonend wie möglich vorgegangen. Sobald das Baby entbunden und gegebenenfalls die Plazenta entfernt wurde, wird die Gebärmutter in mehreren Schichten wieder vernäht.
Nach dem Kaiserschnitt verbringt die Mutter einige Zeit im Aufwachraum. Das Baby wird in dieser Zeit in der Regel direkt mit der Mutter zusammengebracht, um das Bonding und das erste Stillen zu ermöglichen. Bei einem geplanten oder sekundären Kaiserschnitt ohne Notfall läuft der Eingriff oft in ruhiger Atmosphäre ab und die Mutter kann das Baby direkt nach der Entbindung auf die Brust gelegt bekommen (sogenannter „sanfter Kaiserschnitt“).
Das passiert bei einem Kaiserschnitt! 🍼👶
Vorteile des Kaiserschnitts
Ein Kaiserschnitt kann für werdende Eltern eine wichtige Option sein und bietet einige Vorteile:
- Planbarkeit: Mit einem geplanten Kaiserschnitt kann der Geburtstermin genau festgelegt werden, was der werdenden Mutter mehr Kontrolle und Sicherheit gibt.
- Vermeidung von Komplikationen: Wenn bestimmte Risikofaktoren wie ein zu großes Baby oder eine ungünstige Lage vorliegen, kann ein Kaiserschnitt potenzielle Probleme während einer vaginalen Geburt umgehen.
- Weniger Stress für das Baby: In manchen Fällen kann ein Kaiserschnitt das Risiko von Geburtsstress sowie -verletzungen für das Baby verringern.
- Schmerzfrei während der Geburt: Dank der Anästhesie entfallen die Schmerzen der Wehen und der eigentlichen Geburt.
- Keine Geburtsverletzungen im Scheidenbereich: Ein Dammschnitt oder -riss ist ausgeschlossen und die Vagina bleibt unberührt.
Nachteile und Risiken des Kaiserschnitts
Ein Kaiserschnitt birgt, wie jeder chirurgische Eingriff, gewisse Risiken und Komplikationen:
- Erhöhte Infektionsrisiken: Nach der Operation besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko, und es kann notwendig sein, im Wochenbett Medikamente einzunehmen.
- Verletzungsrisiken während der Operation: Trotz aller Vorsicht kann es während der Operation zu Verletzungen an Blase, Darm oder Blutgefäßen kommen.
- Narbenbildung: Wenn die Wundnähte schlecht verheilen, können sich schmerzende und unschöne Narben bilden.
- Allergische Reaktionen: Bei Allergien auf Medikamente können Reaktionen wie Übelkeit oder Hautausschläge auftreten.
- Thrombose- und Embolierisiko: Die Verletzung von Blutgefäßen und die anschließende Bettruhe erhöhen das Risiko für Thrombosen und Embolien.
- Längere Erholungszeit: Die Genesung dauert länger, die Bewegungsfreiheit ist durch die Wundheilung eingeschränkt. Mutter benötigen mehr Unterstützung, und der Krankenhausaufenthalt ist in der Regel länger als nach einer natürlichen Geburt.
- Schlafqualität: Die Schlafqualität kann durch die Bauchwunde beeinträchtigt sein.
- Psychische Belastung: Manche Mütter leiden nach einem Kaiserschnitt unter dem sogenannten „Babyblues“ oder fühlen sich um das Geburtserlebnis betrogen.
- Auswirkungen auf zukünftige Schwangerschaften: Ein Kaiserschnitt kann das Risiko für Uterusrupturen (Riss der Gebärmutter) in späteren Schwangerschaften erhöhen und das Risiko für Plazentationsstörungen (z.B. Plazenta prävia, Plazenta accreta/increta).
- Auswirkungen auf das Baby: Kaiserschnitt-Babys können anfangs häufiger Probleme mit der Atmung haben, da die Flüssigkeit in den Lungen nicht wie bei einer natürlichen Geburt herausgepresst wird. Sie kommen mit einem keimfreien Darm zur Welt und benötigen länger, um eine gesunde Darmflora aufzubauen, was sich auf das Immunsystem auswirken kann. Studien deuten auf ein erhöhtes Risiko für Allergien, Asthma, Diabetes mellitus und Zöliakie bei Kindern nach Kaiserschnitt hin.
- Verzögerungen bei Rückbildung und Stillen: Es kann zu Verzögerungen bei der Rückbildung der Gebärmutter und beim Milcheinschuss kommen.

Entscheidungsfindung und Beratung
Die Entscheidung zwischen einem Kaiserschnitt und einer natürlichen Geburt wird gemeinsam mit der werdenden Mutter und dem medizinischen Team (Hebamme und behandelnder Arzt) getroffen. Das professionelle Team achtet darauf, was für die Mutter und ihr Baby am sichersten ist, und berücksichtigt die Vorgeschichte und den Zustand des Babys.
Sie haben immer ein Mitspracherecht. Indem Sie sich gut informieren und offen mit Ihrem Geburtsteam sprechen, können Sie Ihre Wünsche und Bedürfnisse klar äußern. Informieren Sie sich über die verschiedenen Geburtsmodi und deren Vor- und Nachteile, um gut vorbereitet zu sein. Bei Unsicherheiten können Sie auch eine Zweitmeinung einholen, um Klarheit zu gewinnen. Ein Geburtsplan hilft, Ihre Vorstellungen festzuhalten und im Vorfeld zu besprechen.
Es gibt eigentlich keine „richtigen“ oder „falschen“ Gründe für einen Wunschkaiserschnitt, wenn der Kaiserschnitt nicht gerade aus medizinischer Sicht notwendig ist. Sprechen Sie ausführlich mit Ihrem oder Ihrer Ärzt:in oder Ihrer Hebamme darüber. Denn je besser Sie über alle Einzelheiten informiert sind, umso entspannter können Sie sich bei der Geburt auf Ihr Baby freuen - ganz gleich, auf welchem Wege es zur Welt kommt. Auch der Rat von Menschen, die Ihnen nahestehen, ist wichtig und wertvoll. Lassen Sie sich Zeit!
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