Dammriss: Ursachen, Symptome, Behandlung und Vorbeugung

Ein Dammriss ist eine Verletzung des Gewebes zwischen der Vagina und dem After, die während der Geburt auftreten kann. Dieses Gewebe, auch als Perineum bezeichnet, wird während der Austreibungsphase des Kindes stark gedehnt. Wenn das Gewebe diesen Druck nicht standhält, kann es reißen. Dammrisse sind eine häufige Komplikation bei vaginalen Geburten und werden in verschiedene Schweregrade eingeteilt.

Ursachen und Risikofaktoren für einen Dammriss

Die Hauptursache für einen Dammriss ist die starke Dehnung des Damms während des Geburtsverlaufs. Wenn diese Dehnung nicht langsam und kontrolliert erfolgen kann, beispielsweise bei einer sehr schnellen Geburt, kann das Gewebe leichter reißen. Auch künstlich beschleunigte Geburten, wie sie bei Notlagen des Kindes vorkommen können, erhöhen das Risiko.

Zu den weiteren Risikofaktoren zählen:

  • Schnelle Geburt: Wenn das Baby sehr schnell durch den Geburtskanal tritt, hat das Gewebe nicht genug Zeit, sich anzupassen.
  • Großes Kind: Ein hohes Geburtsgewicht (über 4000 g) und ein großer Kopfumfang (über 35 cm) erhöhen den Druck auf den Damm.
  • Ungünstige Kindslage: Bestimmte Positionen des Kindes können den Geburtsverlauf erschweren und das Risiko für Risse erhöhen.
  • Operative Eingriffe: Die Anwendung von Geburtszangen oder Saugglocken (Vakuumextraktion) kann zu erhöhter Belastung des Damms führen.
  • Unzureichender Dammschutz: Eine mangelhafte Unterstützung des Damms durch das Geburtsteam kann das Risiko steigern.
  • Festes Bindegewebe der Frau: Eine geringere Elastizität des Gewebes kann die Entstehung von Rissen begünstigen.
  • Kristeller-Handgriff: Dieser Griff, bei dem Druck von oben auf den Bauch der Mutter ausgeübt wird, kann das Risiko für Dammrisse erhöhen.
  • Vorherige höhergradige Dammrisse: Frauen, die bereits bei einer früheren Geburt einen Dammriss dritten oder vierten Grades erlitten haben, haben ein erhöhtes Risiko bei Folgegeburten.

Früher war es üblich, routinemäßig einen Dammschnitt (Episiotomie) durchzuführen, um Risse zu vermeiden. Neuere Erkenntnisse zeigen jedoch, dass Risse nach einem Schnitt sogar häufiger vorkommen können und Schnitte schlechter heilen als Risse. Daher wird der Dammschnitt heute nur noch in spezifischen Situationen eingesetzt.

Schema des Damms und der umliegenden Strukturen während der Geburt

Symptome eines Dammrisses

Die Symptome eines Dammrisses hängen vom Schweregrad der Verletzung ab. Unmittelbar nach der Geburt treten in jedem Fall Schmerzen und Blutungen auf.

Bei höheren Schweregraden oder verzögerter Behandlung können weitere Komplikationen entstehen:

  • Infektionen
  • Fisteln (unnatürliche Verbindungen zwischen Organen)
  • Narbenbildungen, die zu Beschwerden beim Wasserlassen, Stuhlgang und Geschlechtsverkehr führen können.

In besonders schweren Fällen kann es sinnvoll sein, bei zukünftigen Schwangerschaften eine normale Geburt zu vermeiden und einen Kaiserschnitt in Erwägung zu ziehen.

Schweregrade von Dammrissen

Dammrisse werden in vier Schweregrade eingeteilt, die das Ausmaß der Verletzung beschreiben:

  • Dammriss Grad 1: Nur die Haut am Damm ist oberflächlich gerissen. Die Muskulatur ist nicht betroffen.
  • Dammriss Grad 2: Die Verletzung betrifft Haut und Muskulatur des Damms. Der Schließmuskel des Afters ist intakt.
  • Dammriss Grad 3: Neben Haut und Muskulatur ist auch der Schließmuskel des Afters teilweise oder vollständig gerissen.
  • Dammriss Grad 4: Dies ist der schwerste Grad. Neben Haut-, Muskel- und Schließmuskelrissen sind auch die Darmschleimhaut des Enddarms und eventuell die Scheide verletzt.

Die Häufigkeit von Dammrissen dritten und vierten Grades ist relativ gering: Grad 3 tritt bei etwa 1,5 Prozent und Grad 4 bei nur etwa 0,1 Prozent aller Frauen auf. Dammrisse ersten und zweiten Grades sind deutlich häufiger. Insgesamt liegt die Häufigkeit von Dammrissen in Deutschland je nach Studie zwischen 20 und 30 Prozent.

Diagnose und Behandlung eines Dammrisses

Die Diagnose eines Dammrisses erfolgt in der Regel direkt nach der Geburt durch eine sorgfältige Untersuchung des Damms und der Vagina durch den Gynäkologen oder die Hebamme. Bei Verdacht auf tiefere Verletzungen kann ein Scheidenspiegel (Spekulum) eingesetzt werden.

Sofortige Versorgung

Jeder Dammriss sollte umgehend genäht werden. Die Art der Naht und der benötigten Betäubung hängt vom Schweregrad ab:

  • Schweregrade I und II: Ein kleinerer Eingriff in Lokalanästhesie ist in der Regel ausreichend.
  • Schweregrade III und IV: Der Eingriff ist größer, da hier zunächst der Afterschließmuskel und der Darm versorgt werden müssen.

Ärzte verwenden meist selbstauflösendes Nahtmaterial, sodass ein späteres Fädenziehen nicht notwendig ist.

Nachsorge und Heilung

Nach der Naht sind eine gute lokale Hygiene und die Einnahme von Schmerzmitteln hilfreich. Sitzhaltungen mit enger Beinhaltung können den Damm entlasten. Zunächst sollten jedoch Sitzhaltungen wie der Schneidersitz und sportliche Übungen vermieden werden.

Die Heilungsdauer beträgt meist etwa zwei bis vier Wochen, abhängig vom Einzelfall. Bei Rissen ersten und zweiten Grades ist die Heilung in der Regel unkompliziert. Komplikationen wie Entzündungen sind bei niedrigen Graden selten. Juckreiz während der Heilung ist oft ein Zeichen des Heilungsprozesses.

Bei Anzeichen einer Entzündung, fehlender Heilung oder aufgegangener Naht sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Bei Dammrissen dritten und vierten Grades kann es in manchen Fällen zu Spätfolgen wie Harn- oder Stuhlinkontinenz oder Beckenbodenproblemen kommen. Ein bedarfsgerechtes Beckenbodentraining kann wesentlich zur Vermeidung von Inkontinenzen beitragen.

Infografik mit den vier Schweregraden eines Dammrisses

Behandlung von Komplikationen und Narben

Stuhlgang kann nach einem Dammriss unangenehm sein, insbesondere bei Verstopfung. Ärzte können Laxantien verschreiben, um den Stuhl weich zu machen und starkes Pressen zu vermeiden. Bis zur Heilung des Dammrisses ist der Stuhlgang oft unangenehm.

Sowohl nach einem Dammschnitt als auch nach einem Dammriss bleibt eine Narbe zurück. Bei oberflächlichen Verletzungen ist die Narbe meist klein und weich. Bei schwerwiegenden Rissen kann die Narbe verhärtet, knubbelig oder wulstig wirken. Wenn die Narbe verheilt ist, kann eine lokale Eigenbehandlung mit Salben oder Massagen zur Pflege durchgeführt werden.

Bei Dammrissen dritten und vierten Grades ist eine chirurgische Versorgung von Muskulatur und Darm notwendig, die schichtweise vernäht wird. In manchen Fällen kann eine Operation erforderlich sein.

Spezifische Behandlungsmethoden

Zur Linderung von Beschwerden und Unterstützung der Heilung können folgende Maßnahmen hilfreich sein:

  • Kühlung: Kalte Kompressen, Waschlappen oder Binden aus dem Kühlschrank können Schwellungen und Schmerzen lindern. Vorsicht bei direkter Anwendung von Eis oder Coldpacks, um Erfrierungen zu vermeiden.
  • Sitzbäder: Sitzbäder mit Extrakten von Kamille, Calendula oder Arnika können wohltuend sein. Sie sollten jedoch nicht länger als zehn bis 15 Minuten dauern, um ein Aufweichen der Wunde zu vermeiden.
  • Salben: Es gibt verschiedene Salben zur Behandlung von Dammrissen. Pflanzliche Mittel wie Arnika-Salbe sind beliebt. Die Salben sollten dünn aufgetragen und eingezogen werden.
  • Dammmassage: Eine Dammmassage ist erst nach vollständiger Wundheilung empfehlenswert und kann mit speziellen Ölen oder Salben durchgeführt werden.

Produkte wie die Bepanthen Wund- und Heilsalbe können die Wundheilung bei Dammrissen ersten Grades unterstützen und bei tiefergehenden Rissen begleitend eingesetzt werden.

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Sex nach einem Dammriss

Die Frage, wann Sex nach einem Dammriss wieder möglich ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich sollte die Heilung weit fortgeschritten sein und der Wochenfluss beendet sein, um eine erhöhte Infektionsgefahr zu vermeiden.

  • Leichtere Schweregrade: Bei gut verheilter, schmerzfreier Wunde bestehen keine grundsätzlichen Einschränkungen gegen Geschlechtsverkehr.
  • Schweregrade III und IV: Hier sollte eine gezielte Beratung bei der frauenärztlichen Nachuntersuchung erfolgen.

Sollten Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten, ist ärztlicher Rat einzuholen, da dies ein Warnsignal des Körpers sein kann.

Vorbeugung von Dammrissen

Obwohl ein Dammriss nicht immer vollständig vermeidbar ist, gibt es Maßnahmen, die das Risiko, insbesondere für schwerwiegendere Risse, reduzieren können:

  • Dammmassage: Eine regelmäßige Dammmassage in den letzten Wochen der Schwangerschaft (ab etwa der 34. SSW) mit geeigneten Ölen (z.B. Weizenkeimöl) kann das Gewebe elastischer machen und auf die Dehnung vorbereiten.
  • Sitzbäder: Sitzbäder vor der Geburt mit Zusätzen wie Heublumen oder Lindenblüten können das Gewebe lockern und geschmeidig machen.
  • Vorbereitung mit Ballon (z.B. Epi-No): Das Training mit einem Ballon kann den Damm auf die Dehnung während der Geburt vorbereiten.
  • Warme, feuchte Kompressen: Die Anwendung warmer, feuchter Kompressen am Damm während der Geburt kann das Risiko von Dammrissen dritten und vierten Grades senken.
  • Langsame Geburtspositionen: Positionen wie die kniende Haltung, bei der das Becken am beweglichsten ist, können die Entstehung von Rissen begünstigen. Die Rückenlage gilt als eher ungünstig.
  • Langsame Geburt: Langsames Pressen während der Geburt ermöglicht eine allmähliche Dehnung des Gewebes.

Es ist wichtig zu verstehen, dass ein Dammriss eine natürliche Komplikation ist, auf deren Verlauf man nur begrenzten Einfluss hat. Frauen sollten sich nicht selbst dafür verantwortlich machen.

Frau bei einer Dammmassage während der Schwangerschaft

Scheidenrisse und andere Geburtsverletzungen

Neben Dammrissen können während der Geburt auch andere Verletzungen auftreten, wie beispielsweise Scheidenrisse. Diese entstehen ebenfalls meist bei der vaginalen Geburt, insbesondere bei der Anwendung von Zangen oder Saugglocken. Symptome sind Blutungen und Schmerzen, und die Versorgung erfolgt in der Regel durch eine chirurgische Naht.

Auch Schamlippenrisse (Labienrisse) und Zervixrisse (Risse im Gebärmutterhals) können vorkommen. Die meisten dieser Verletzungen heilen gut ab, bei schwereren Rissen ist jedoch eine ärztliche Versorgung notwendig.

Seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Verletzungen sind die Uterusruptur (Gebärmutterriss) und der Scheidenabriss (Kolporrhexis), die sofortige medizinische Hilfe erfordern.

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