Eine Analvenenthrombose, oft fälschlicherweise als äußere Hämorrhoide bezeichnet, ist ein plötzlich auftretendes Blutgerinnsel in den oberflächlichen Venen des Afters. Sie äußert sich meist als kleiner, bläulich-schwarzer, prall-elastischer und druckschmerzhafter Knoten am Analrand. Im Gegensatz zu tiefen Beinvenenthrombosen sind Analvenenthrombosen harmlos und bergen kein Risiko einer Embolie. Dennoch können die damit verbundenen starken Schmerzen die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, insbesondere während der Schwangerschaft und nach der Geburt.
Ursachen und Entstehung einer Analvenenthrombose
Die Entstehung einer Analvenenthrombose wird durch einen erhöhten Druck im Bauchraum begünstigt, der den Blutfluss in den Analvenen zum Stillstand bringt und zur Gerinnung führt. Während der Schwangerschaft können hormonelle Umstellungen, die zu Verstopfung führen, sowie der Druck des wachsenden Kindes auf den Beckenboden eine Rolle spielen. Das Blut in diesen feinen Venen fließt unter geringem Druck, und jede Erhöhung des Bauchinnendrucks kann den Fluss behindern. Dies kann durch schweres Heben, starkes Pressen beim Stuhlgang oder auch durch langes Sitzen verursacht werden.
Während der Geburt steigt der Druck in den Analvenen durch das Pressen massiv an. Die Passage des Kindes kann zu Einrissen im Beckenboden und Blutergüssen führen, die nach unten absinken. Dies erklärt, warum Schwellungen um den Anus im Wochenbett häufig vorkommen.
Symptome einer Analvenenthrombose
Die typischen Symptome einer Analvenenthrombose sind:
- Plötzlich auftretender, starker Schmerz am Analrand.
- Ein tastbarer, harter und druckschmerzhafter Knoten am Analrand, der bläulich bis schwarz verfärbt sein kann.
- Brennen und Stechen im Analbereich.
- Gelegentlich kann ein leichter Juckreiz oder ein Kribbeln einige Tage vor der eigentlichen Thrombose auftreten.
Im Gegensatz zu "echten" Hämorrhoiden ist die Oberfläche einer Analvenenthrombose glatt und der Knoten ist gut vom umliegenden Gewebe abgrenzbar.

Analvenenthrombose und Schwangerschaft/Geburt
Für Schwangere und frischgebackene Mütter stellt eine Analvenenthrombose eine besondere Herausforderung dar. Die Frage, ob eine spontane Geburt trotz einer Analvenenthrombose möglich ist, beschäftigt viele Frauen. Grundsätzlich ist eine vaginale Geburt auch mit einer Analvenenthrombose möglich. Die Geburt kann jedoch die Beschwerden verschlimmern, da der Druck auf die Analvenen während der Wehen und des Pressens erheblich steigt.
Manche Frauen berichten, dass die Geburt den Druck auf die Thrombose nimmt und die Beschwerden im Wochenbett dadurch sogar besser werden. Andere befürchten, dass die Geburt die Thrombose verschlimmert und die Schmerzen die erste Zeit mit dem Neugeborenen beeinträchtigen könnten. In einigen Fällen kann eine operative Entfernung oder Entlastung der Thrombose bei starken Beschwerden notwendig sein.
Mögliche Geburtsverläufe bei Analvenenthrombose
Die Erfahrungen von Frauen mit Analvenenthrombose und Geburt sind vielfältig:
- Einige Frauen haben spontan mit PDA entbunden, wobei die Schmerzen der Thrombose durch die PDA gelindert wurden.
- Andere Frauen berichten, dass die Geburt trotz Thrombose problemlos verlief und die Schmerzen am Geburtsort minimal waren.
- Wieder andere empfehlen aufgrund der starken Schmerzen eher einen Kaiserschnitt, um die zusätzliche Belastung durch eine vaginale Geburt zu vermeiden.
- Es gibt auch Berichte über Analvenenthrombosen, die sich nach der Geburt von selbst zurückgebildet haben oder operativ entlastet wurden.
Die Entscheidung für den Geburtsmodus sollte immer individuell in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der Hebamme getroffen werden, unter Berücksichtigung der individuellen Situation und des Schweregrads der Thrombose.
Hilfe bei Hämorrhoiden in der Schwangerschaft und nach der Geburt
Behandlungsmöglichkeiten der Analvenenthrombose
In vielen Fällen ist bei einer Analvenenthrombose keine spezifische Behandlung erforderlich, und die Thrombose heilt von selbst innerhalb weniger Wochen ab. Die wichtigste Maßnahme ist die Schmerzlinderung und die Vermeidung einer Verschlimmerung.
Konservative Behandlung
Die konservative Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome:
- Schmerzmittel: Ibuprofen oder Diclofenac werden häufig empfohlen, da sie schmerzlindernd und abschwellend wirken. Alternativ kann Metamizol verschrieben werden.
- Lokale Anwendung: Örtlich betäubende Cremes können äußerlich aufgetragen werden. Kühlung wird oft als angenehm und schmerzlindernd empfunden.
- Abschwellende Salben: In einigen Fällen können cortisonhaltige Salben kurzzeitig helfen.
- Stuhlregulierung: Eine weiche Stuhlkonsistenz ist essenziell. Dies kann durch ballaststoffreiche Ernährung (z.B. mit indischen Flohsamenschalen) und ausreichende Flüssigkeitszufuhr erreicht werden.
- Sitzbäder: Sitzbäder mit kühlenden oder entzündungshemmenden Zusätzen wie Eichenrinde, Kamille oder Hamamelis können Linderung verschaffen.
Die Analhygiene sollte beachtet werden; feuchtes Toilettenpapier sollte vermieden werden.
Operative Behandlung
Bei ausgeprägten Beschwerden, insbesondere bei starken Schmerzen, kann eine operative Entfernung des Thrombus in örtlicher Betäubung erwogen werden. Dabei wird der Knoten geöffnet und das Blutgerinnsel entfernt. Dies führt in der Regel zu einer sofortigen Schmerzlinderung. Eine einfache Stichinzision wird von einigen Experten eher abgeraten, eine vollständige Entfernung des Thrombus wird bevorzugt.
Unterschiede zwischen Analvenenthrombose und Hämorrhoiden
Obwohl Analvenenthrombosen oft als "äußere Hämorrhoiden" bezeichnet werden, gibt es wichtige Unterschiede:
- Entstehung: Analvenenthrombosen entstehen durch ein akutes Blutgerinnsel, während Hämorrhoiden eine chronische Erweiterung von Blutgefäßpolstern darstellen.
- Symptome: Analvenenthrombosen sind typischerweise sehr schmerzhaft und treten plötzlich auf. Hämorrhoiden können schmerzlos sein, aber auch zu Juckreiz, Brennen oder Blutungen führen. Schmerzen bei Hämorrhoiden entstehen oft erst, wenn sie einklemmt sind.
- Aussehen: Analvenenthrombosen sind meist als klar abgrenzbare, bläuliche Knoten sichtbar. Hämorrhoiden können eher wie leicht gekörnte oder samtartige Schwellungen aussehen.
Eine genaue Diagnose durch einen Arzt, idealerweise einen Proktologen, ist entscheidend für die richtige Behandlung.

Dammrisse und Geburtsverletzungen
Neben Analvenenthrombosen sind Dammrisse eine häufige Folge vaginaler Geburten. Sie entstehen durch die Dehnung des Gewebes während der Austreibungsphase.
Graduierung von Dammrissen
Ärzte unterscheiden vier Grade von Dammrissen:
- Grad 1: Nur die Haut des Damms ist betroffen.
- Grad 2: Die Verletzung betrifft Haut und Muskulatur.
- Grad 3: Der Schließmuskel des Afters ist mit betroffen.
- Grad 4: Vollständiger Dammriss mit Beteiligung von Darm- und Schleimhaut.
Vorbeugung und Behandlung von Dammrissen
Maßnahmen zur Vorbeugung von Dammrissen umfassen:
- Dammmassage: Regelmäßige Massagen des Damms ab der 34. Schwangerschaftswoche können das Gewebe dehnbarer machen.
- Dammschutz: Während der Geburt versuchen Hebammen und Ärzte durch gezielte Handgriffe, das Reißen des Damms zu verhindern.
- Gebärposition: Positionen wie Hocken oder Stehen können den Damm entlasten.
Die Behandlung von Dammrissen hängt vom Grad ab. Kleinere Risse werden meist genäht und heilen gut. Bei höhergradigen Rissen kann eine operative Korrektur (Perineoplastik) notwendig sein, um die Funktion wiederherzustellen.
Umgang mit Beschwerden im Wochenbett
Beschwerden im Intimbereich wie Verstopfung, Schmerzen beim Stuhlgang, Hämorrhoiden oder Blasenschwäche sind nach der Geburt weit verbreitet. Es ist wichtig, sich nicht zu scheuen, diese Probleme anzusprechen. Viele dieser Beschwerden sind vorübergehend und bessern sich mit der Zeit und entsprechender Pflege.

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