Calciumalginat und Informationen zur Stillzeit

Stillen: Die beste Nahrung für Ihr Baby und eine Stärkung der Mutter-Kind-Bindung

Muttermilch gilt weithin als die optimale Nahrung für Säuglinge und bietet zahlreiche Vorteile, die weit über die reine Ernährung hinausgehen. Stillen stärkt nicht nur die physische und psychische Gesundheit des Säuglings, sondern fördert auch eine tiefe emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind. Studien belegen, dass gestillte Kinder oft widerstandsfähiger gegen Krankheiten sind und ein geringeres Risiko für Allergien, Asthma, Diabetes und den plötzlichen Kindstod aufweisen.

Trotz der anerkannten Vorteile wird Muttermilch nur von jedem achten Kind in Deutschland mindestens sechs Monate lang konsumiert, was deutlich unter den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Nationalen Stillkommission liegt. Einer der Hauptgründe für das vorzeitige Abstillen sind Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Medikamenten, die stillende Mütter einnehmen müssen.

Schema der Vorteile des Stillens für Mutter und Kind

Medikamenteneinnahme in Schwangerschaft und Stillzeit: Sicherheit geht vor

Das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité - Universitätsmedizin Berlin (Embryotox) hebt hervor, dass ein genereller Verzicht auf Medikamente während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht sinnvoll ist. Eine unzureichend behandelte mütterliche Erkrankung kann die Entwicklung des Kindes stärker beeinträchtigen als die Einnahme bestimmter Medikamente. Die Website www.embryotox.de bietet unabhängige, wissenschaftlich fundierte Informationen zu rund 400 Medikamenten für Schwangere und Stillende.

Insbesondere bei chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Epilepsie oder psychischen Erkrankungen ist eine medikamentöse Therapie oft unerlässlich. Auch akute Beschwerden erfordern manchmal eine Behandlung, bei der die Risiken stets gegen den Nutzen abgewogen werden müssen. Für nahezu alle Erkrankungen gibt es ausreichend sichere Medikamente, sodass ein Abstillen bei richtiger Auswahl der Präparate selten notwendig ist.

Der Übergang von Medikamenten in die Muttermilch: Faktoren und Bewertung

Viele Arzneistoffe gehen in die Muttermilch über, jedoch ist die tatsächlich beim Kind ankommende Menge oft entscheidend. Mehrere Faktoren beeinflussen diesen Übergang:

  • Orale Verfügbarkeit: Die Fähigkeit des Wirkstoffs, den Magen-Darm-Trakt der Mutter zu passieren.
  • Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung: Diese Prozesse können die Anreicherung oder Limitierung von Arzneistoffen in der Brustdrüse beeinflussen.
  • Fettlöslichkeit: Gut fettlösliche Wirkstoffe und solche mit Molekülmassen unter 200 Dalton gehen leichter über.
  • Basizität: Basische Substanzen diffundieren leichter in die leicht saure Muttermilch (pH 6,8-7,1) im Vergleich zum Plasma (pH 7,4).
  • Proteinbindung: Eine geringe Proteinbindung im mütterlichen Plasma begünstigt den Übergang in die Milch, da nur der ungebundene Anteil übergeht.
  • Ionisationsgrad: Der Ionisationsgrad eines Arzneistoffs beeinflusst ebenfalls den Übergang.
  • Dosis und Applikationsart: Die Höhe der Dosis, die Häufigkeit und die Art der Verabreichung sind von Bedeutung.

Der Milch-Plasma-Quotient (M/P-Quotient) gibt das Verhältnis der Arzneistoffkonzentration in der Muttermilch zur Konzentration im mütterlichen Blutplasma an. Er dient als Anhaltspunkt, kann aber bei hohen mütterlichen Plasmakonzentrationen trotz niedrigem Quotient zu einer relevanten Exposition beim Säugling führen. Umgekehrt können hohe Quotienten bei ausgeprägtem Verteilungsvolumen der Mutter zu geringen Expositionen beim Kind führen. Der M/P-Quotient variiert zudem mit der Zusammensetzung der Muttermilch (Kolostrum vs. reife Milch).

Die relative Dosis (Dosis Säugling / Dosis Mutter × 100) wird zur Abschätzung des Expositionsrisikos herangezogen. Beispiele:

  • Acetylsalicylsäure: M/P-Quotient 0,1 (relative Dosis 2-6 %)
  • Paracetamol: M/P-Quotient 1 (relative Dosis 6-12 %)
  • Ibuprofen: M/P-Quotient 0,008 (relative Dosis < 0,6 %)

Besonderheiten bei Neugeborenen und Säuglingen

Die physiologischen Unterschiede bei Neugeborenen und Säuglingen beeinflussen die Pharmakokinetik:

  • Blut-Hirn-Schranke: Noch nicht vollständig ausgebildet, erleichtert den Zugang von Arzneistoffen zum Zentralnervensystem.
  • Magen-Darm-Tätigkeit und pH-Wert: Unregelmäßige Aktivität und höherer Magen-pH begünstigen die Bioverfügbarkeit basischer Stoffe.
  • Verteilungsvolumen: Hoher Wasseranteil bei Säuglingen führt zu großem Verteilungsvolumen für hydrophile Stoffe.
  • Plasmaproteinbindung: Geringer, da Leber und Metabolisierungskapazitäten noch reifen müssen.
  • Enzyme: Einige CYP- und Phase-2-Enzyme benötigen Zeit zur Reifung.

Daraus ergeben sich kritische Aspekte bei Dauermedikationen mit Kumulationsgefahr und der Gabe hoher Arzneimitteldosen.

Sichere Medikamente und Substanzen in der Stillzeit

Viele Medikamente können während der Stillzeit sicher angewendet werden:

Antibiotika

Als erste Wahl gelten Penicillin, Amoxicillin und Clavulansäure, Cephalosporine, Pivmecillinam und Makrolide. Fosfomycin ist Mittel der zweiten Wahl.

Antidepressiva

Geeignet sind Sertralin, Citalopram, Escitalopram, Mirtazapin und Amitriptylin. Bei bipolaren Erkrankungen haben sich Quetiapin und Methylphenidat bewährt. Kritisch werden Lithium, Agomelatin, Risperidon und Clozapin angesehen.

Bei Auftreten von Symptomen wie Sedierung, Trinkschwäche oder Unruhe beim gestillten Kind sollte ein Kinderarzt konsultiert werden.

Antiepileptika

Medikamente wie Valproinsäure und Carbamazepin sind nur unter strenger Beobachtung des Kindes akzeptabel.

Antihypertensiva

Bei Bluthochdruck ist die (Weiter-)Behandlung oft unumgänglich. Mittel der ersten Wahl ist α-Methyldopa. Mittel der zweiten Wahl sind Nifedipin, Enalapril, Captopril sowie Betablocker wie Atenolol und Metoprolol. Betablocker können zwar in die Muttermilch übergehen und beim Kind zu höheren Konzentrationen führen, Symptome wie Bradykardie treten jedoch selten auf.

Sulfonamide dürfen bei Frühgeborenen und Säuglingen bis zur sechsten Lebenswoche nicht angewendet werden, da sie Bilirubin aus der Plasmaeiweißbindung verdrängen und zu Kernikterus führen können. Fluorchinolone können Knorpel- und Gelenkschäden verursachen; bei zwingender Indikation sollte auf Ciprofloxacin zurückgegriffen werden. Tetrazykline verfärben Zahnanlagen und sind bis zum achten Lebensjahr kontraindiziert. Clindamycin birgt ein hohes Risiko für antibiotikaassoziierte Durchfälle und gilt als Mittel der zweiten Wahl.

Schmerzmittel (Analgetika)

Bei leichten Schmerzen wird Ibuprofen bevorzugt. Es ist ebenso wie Paracetamol das Analgetikum der Wahl. Acetylsalicylsäure und Diclofenac sind Mittel der zweiten Wahl, können aber als Einzeldosis eingesetzt werden.

Grundregeln für die Schmerztherapie in der Stillzeit:

  • Möglichst keine Kombinationspräparate oder Substanzen derselben Wirkstoffgruppe.
  • Vorteilhaft sind hohe Proteinbindung, niedriger Milch-Plasma-Quotient und kurze Halbwertszeit.

Weitere Medikamente

  • Protonenpumpenhemmer: Pantoprazol oder Omeprazol können als Magenschutz eingesetzt werden.
  • Erkältungsmittel: Ambroxol (sekretolytisch, mukolytisch) ist geeignet. Bei quälendem Reizhusten kann Dextromethorphan kurzzeitig angewendet werden (Vorsicht bei Apnoe-Neigung). Erkältungssalben und Cineol-haltige Sekretolytika sollten gemieden werden. Salzlösungen eignen sich zum Befeuchten der Nase.
  • Magen-Darm-Mittel: Dimenhydrinat bei Übelkeit/Erbrechen und Loperamid bei Diarrhö sind für einige Tage akzeptabel. Bei Sodbrennen kommen Antazida und Alginate zum Einsatz.
  • Obstipation/Hämorrhoiden: Salben mit Hamamelis oder Zink können Linderung verschaffen.

Die 6-R-Regel & 10-R-Regel - sichere Medikamentenvergabe in der Pflege

Häufige Stillprobleme und deren Bewältigung

Zu den häufigsten Komplikationen, die zum Stillabbruch führen können, zählen Milchstau, Brustentzündungen (Mastitis puerperalis) und wunde Brustwarzen.

Milchstau und Brustentzündung

Ursachen können falsche Stillpositionen, ungünstige Saugtechniken des Kindes oder unzureichende Brustentleerung sein. Stress kann Milchstau und Entzündungen fördern.

Symptome eines Milchstaus sind Schwellungen, Schmerzen und Rötungen der Brüste, oft einseitig und lokal begrenzt. Brustentzündungen können mit grippeähnlichen Symptomen, Fieber und Gliederschmerzen einhergehen.

Behandlung:

  • Regelmäßige Brustentleerung durch Weiterstillen oder Abpumpen.
  • Schmerzlinderung mit Ibuprofen.
  • Leichte Erwärmung vor dem Stillen (fördert Milchfluss), Kälteanwendung danach (schmerzlindernd).
  • Kühl- und Quarkkompressen.
  • In seltenen Fällen Betalactam-Antibiotika.
  • Wichtig: Ruhe und Stressvermeidung.

Wunde Brustwarzen

Verletzungen wie Ödeme, Fissuren, Rhagaden oder Hautabschürfungen können durch falsche Stillpositionen oder Saugtechniken entstehen und Eintrittspforten für Bakterien bieten.

Linderung:

  • Professionelle Stillberatung.
  • Anwendung von Lanolin, feuchten Hydrogelkompressen oder Auflagen mit schwarzem Tee.

Ein zu kurzes Zungenbändchen des Säuglings kann zu Trinkschwierigkeiten und damit zu Problemen bei der Brustentleerung führen und muss gegebenenfalls chirurgisch korrigiert werden.

Ernährung in der Stillzeit: Nährstoffbedarf und Empfehlungen

Die Stillzeit stellt besondere Anforderungen an die mütterliche Ernährung. Der Energiebedarf steigt um etwa 500 kcal pro Tag. Eine nährstoffreiche und ausgewogene Ernährung ist essenziell, um sowohl die eigene Gesundheit als auch die optimale Versorgung des Säuglings über die Muttermilch sicherzustellen.

Wichtige Nährstoffe

  • Energie: Rund 500 kcal mehr pro Tag.
  • Eiweiß: 1,2 g pro kg Körpergewicht (bei Normalgewicht).
  • Jod: Rund 230 µg/Tag, da Österreich ein Jodmangelgebiet ist und der Bedarf erhöht ist. Gute Quellen sind jodiertes Speisesalz, Seefisch und Milchprodukte.
  • Eisen: Ca. 16 mg/Tag. Eisen aus tierischen Lebensmitteln wird besser aufgenommen. Kaffee, Tee und calciumreiche Lebensmittel können die Aufnahme hemmen.
  • Calcium: Ca. 1.000 mg/Tag. Wichtig für Knochen und Zähne. Milchprodukte, calciumreiches Mineralwasser und bestimmte pflanzliche Lebensmittel sind gute Quellen. Bei veganer Ernährung ist eine Supplementierung unerlässlich.
  • Vitamin D: Ca. 20 µg/Tag, da die körpereigene Synthese durch Sonnenlicht oft nicht ausreicht. Säuglinge erhalten routinemäßig Vitamin D als Supplement.
  • Vitamin B12: Wichtig für Blutbildung und Nervensystem. Bei vegetarischer/veganer Ernährung kritisch, da fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln enthalten.
  • Omega-3-Fettsäuren (DHA): Wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Sehvermögen des Babys. Der Gehalt in der Muttermilch hängt von der mütterlichen Zufuhr ab. Fettreiche Seefische sind gute Quellen.
  • Folsäure: Der Bedarf ist erhöht (450 µg/Tag), aber eine ausgewogene Ernährung deckt ihn oft ab.

Wichtig: Bei der Einnahme von Calciumpräparaten sollte auf eine zeitliche Trennung von Magnesium, Eisen und Zink geachtet werden, um die Aufnahme nicht zu beeinträchtigen.

Infografik zur empfohlenen Nährstoffzufuhr in der Stillzeit

Calciumalginat: Eigenschaften und Anwendung

Calciumalginat ist das Calciumsalz der Alginsäure, einem Polysaccharid, das aus Braunalgen gewonnen wird. Es besitzt gelbildende und blutstillende Eigenschaften und wird vielseitig eingesetzt.

Eigenschaften

  • Gelbildung: Durch Quervernetzung mit Kationen wie Calcium.
  • Blutstillend: Wird zur Herstellung von blutstillender Watte verwendet.
  • Hohe Exsudataufnahme: Alginatverbände können viel Wundflüssigkeit aufnehmen und ermöglichen eine feuchte Wundbehandlung.
  • Nicht verklebend: Verhindert das Anhaften an der Wunde.
  • Biologisch abbaubar: Natürliche Substanz mit GRAS-Status („generally recognized as safe“).

Anwendungsbereiche

  • Blutstillende Watte: Besteht in der Regel aus reinem Calciumalginat.
  • Alginatverbände: Für nässende Wunden, zur feuchten Wundversorgung, auch in Wundhöhlen einbringbar. Werden seit den 1980er Jahren eingesetzt und können mit Silberionen kombiniert werden.

Calciumalginat gilt als gut verträglich und ist eine natürliche Substanz.

Beikosteinführung und Stillende Ernährung

Die Einführung von Beikost sollte frühestens ab dem fünften und spätestens mit Beginn des siebten Lebensmonats erfolgen, da die Muttermilch ab dem sechsten Monat ernährungsphysiologisch nicht mehr ausreicht.

Empfehlungen zur Beikosteinführung

  • Gemüsebrei: Beginn mit einer kleinen Portion (2-3 Teelöffel) ab dem 5. Monat.
  • Getreide-Milch-Brei: Einführung im 6. bis 8. Monat, ersetzt eine weitere Stillmahlzeit.
  • Getreide-Obst-Brei: Als Zwischenmahlzeit am Nachmittag (7. bis 9. Monat).
  • Übergang zum Familienessen: Im 10. bis 12. Monat, mit drei Haupt- und zwei Zwischenmahlzeiten.

Die Beikosteinführung bedeutet nicht automatisch Abstillen. Muttermilch/Säuglingsmilch bleibt wichtig.

Säuglingsmilchnahrung als Alternative

Pre- und 1er-Nahrungen sind von Geburt an geeignet und können als Muttermilchersatz dienen. Pre-Nahrungen ähneln der Muttermilch in der Kohlenhydratzusammensetzung (nur Laktose). 1er-Nahrungen können zusätzliche Kohlenhydrate enthalten.

Folgenahrungen (2er) sind ab Beikostbeginn geeignet und enthalten mehr Eisen.

Von der eigenen Herstellung von Flaschennahrung ist abzuraten, da keine Tiermilch der Frauenmilch entspricht.

Getränke

Ab dem dritten Brei wird Wasser angeboten (ca. 200 ml/Tag). Ungesüßter Tee ist ebenfalls möglich. Süße Getränke, Säfte und Saftschorlen sind nicht empfehlenswert.

Schema zur Einführung von Beikost

Hormonelle Einflüsse auf die Milchbildung

Die Milchproduktion wird bereits während der Schwangerschaft durch die Hormone Progesteron und Prolaktin vorbereitet. Nach der Geburt regelt das Saugen des Kindes die Milchproduktion maßgeblich. Das Hormon Oxytocin presst die Milch aus den Brustdrüsen.

Die Milchbildung beginnt meist ein bis fünf Tage nach der Geburt. Zunächst wird nur Kolostrum (Vormilch) produziert, gefolgt von Übergangsmilch und schließlich reifer Milch.

Wichtig: Die Einnahme von Plazenta-Präparaten kann die Milchbildung hemmen, da Plazenta Progesteron enthält, welches die Bildung reifer Muttermilch unterdrückt. Eine vollständige Ausscheidung der Plazenta ist für den Milchbildungsprozess entscheidend.

Mikronährstoffversorgung in der Stillzeit: Eine Studie

Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie untersuchte die Auswirkungen einer Supplementierung mit Mikronährstoffen, DHA und Lutein auf stillende Mütter und ihre Säuglinge.

Studiendesign und Ergebnisse

Die Studie zeigte, dass die Supplementierung zu einer signifikanten Steigerung des DHA-Gehalts der Muttermilch führte. Ebenso erhöhten sich die Blut- und Milchkonzentrationen von EPA, Betacarotin, 25-OH-Vitamin D, Folsäure, Vitamin B12 und Lutein. Der Blut-Homocysteinspiegel sank, was positiv zu bewerten ist.

Die Supplementierung wurde gut vertragen, und es gab keine signifikanten Unterschiede bei den unerwünschten Ereignissen zwischen der Verum- und der Placebogruppe.

Die Studie unterstreicht, dass die Mikronährstoffversorgung stillender Mütter oft unzureichend ist und eine gezielte Supplementierung sinnvoll sein kann, insbesondere bei Nährstoffen wie DHA, Jod und bestimmten Vitaminen.

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