Eine Schwangerschaft dauert ungefähr 40 Wochen. Wenn Ihr Baby vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren wird, dann ist es ein "Frühchen". Frühchen müssen nach der Geburt häufig auf einer Frühgeborenenstation versorgt werden. Die intensive medizinische Betreuung und Ihre elterliche Fürsorge und Nähe erhöhen die Chancen, dass Ihr Frühgeborenes zu einem gesunden Baby heranwächst. Nach wenigen Tagen oder Wochen übernehmen Sie die Pflege und Versorgung Ihres Kindes zu Hause.
Diese emotionale Ausnahmesituation kann für Ihre ganze Familie eine große Belastung darstellen. Daher gibt es verschiedene Regelungen zur Entlastung und finanziellen Unterstützung für Eltern von frühgeborenen Babys.

Hilfe und Beratung
In emotional belastenden Situationen stehen Ihnen verschiedene Beratungsangebote zur Verfügung. Diese sind bundesweit anonym, kostenlos und vertraulich.
Telefonische Hilfe und Beratung
- Eltern-Hotline des Bundesverbands Das frühgeborene Kind: 0800 - 875 877 0
Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9 Uhr bis 12 Uhr und Mittwoch von 16 Uhr bis 19 Uhr. - Elterntelefon der Nummer gegen Kummer: 0800 - 111 0 550
Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 17 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 9 Uhr bis 19 Uhr.
Mutterschutz
Der Mutterschutz ist ein Zeitraum vor und nach der Geburt, in dem Sie nicht arbeiten dürfen. Die Mutterschutzfrist beginnt 6 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und endet normalerweise 8 Wochen nach der Geburt.
Wenn Ihr Kind vor dem errechneten Termin auf die Welt kommt, dann dauert die Mutterschutzfrist insgesamt trotzdem 14 Wochen. Sie endet also nicht schon 8 Wochen nach der Geburt, sondern ein paar Tage später - so viele Tage später, wie Ihr Kind vor dem errechneten Termin auf die Welt gekommen ist.
Wenn Ihr Kind eine medizinisch attestierte Frühgeburt ist (weniger als 2.500 Gramm bei Geburt oder noch nicht voll ausgebildete Reifezeichen), endet die Mutterschutzfrist erst 12 Wochen nach der Geburt. Teilen Sie dies bitte Ihrer Krankenkasse mit unter Vorlage eines ärztlichen Attestes. Dazu kommen die Tage, die Ihr Kind vor dem errechneten Termin auf die Welt gekommen ist. In diesem Fall dauert die Mutterschutzfrist längstens 18 Wochen.
Mutterschaftsleistungen und Elterngeld
Bei einer Frühgeburt verlängert sich die Mutterschutzfrist nach der Geburt und der damit verbundene Bezug von Mutterschaftsleistungen. Elterngeld erhalten Sie ab dem tatsächlichen Geburtstermin. Kommt das Kind sechs Wochen vor dem errechneten Termin oder früher zur Welt, erhalten Eltern zusätzliche Monate Elterngeld. Die Mutterschaftsleistungen werden auf das Elterngeld angerechnet.
Anmeldung der Elternzeit
Ihre Elternzeit müssen Sie bei Ihrem Arbeitgeber spätestens 7 Wochen vor dem gewünschten Beginn schriftlich anmelden. Bei einer Frühgeburt kann auch eine kürzere Frist möglich sein, auch bei einer vorzeitigen Geburt, die keine medizinisch attestierte Frühgeburt ist. Welche Fristen in solchen Fällen für den Vater gelten, ist unterschiedlich, denn dann kommt es auf die Umstände des einzelnen Falles an. Kommt Ihr Kind noch vor Beginn der 7-Wochen-Frist auf die Welt, sollten Sie Ihrem Arbeitgeber die Inanspruchnahme der Elternzeit schnellstmöglich mitteilen und klären, ab wann diese beginnen kann. Ihr Arbeitgeber selbst kann auch jederzeit eine kürzere Anmeldefrist akzeptieren oder auf die Einhaltung einer Frist komplett verzichten.
Finanzielle Hilfen Ihrer Krankenkasse
Sie können bei Ihrer Krankenkasse die Kostenübernahme für folgende Unterstützungen beantragen:
- Fahrtkosten zum Besuch Ihres Kindes im Krankenhaus
- Haushaltshilfe oder Tagesmutter, wenn Ihr anderes Kind während der Zeit Ihres Krankenhausaufenthaltes betreut werden muss
- Familienentlastender Dienst
- Häusliche Kinderkrankenpflege
- Häusliche Pflegehilfe
- Heil- und Hilfsmittel
- Therapiekosten
- Pflegegeld
Beim Bundesverband Das frühgeborene Kind finden Sie Musteranträge für die Kostenübernahme bei Ihrer Krankenkasse.
Sozialmedizinische Nachsorge
Nach der Geburt wird Ihr Frühchen häufig auf der Frühgeborenenstation versorgt. Wenn Sie Ihr Kind dann mit nach Hause nehmen können, unterstützt Sie die Sozialmedizinische Nachsorge bei der Pflege und Versorgung Ihres Kindes. Die Sozialmedizinische Nachsorge ist eine Regelleistung der Gesetzlichen Krankenversicherung, die von Ihrem Arzt verordnet wird. Weitere Informationen sowie einen Überblick über die Nachsorge-Einrichtungen in Deutschland gibt es bei der Standort-Suche auf bunter-kreis-deutschland.de.
Kuren des Müttergenesungswerkes
Eine Kur für Mütter oder Väter (ohne Kinder), eine Mutter-Kind-Kur oder Vater-Kind-Kur des Müttergenesungswerkes hilft Ihnen in Belastungssituationen, den Alltag besser zu meistern. Einige Einrichtungen bieten auch spezielle Angebote für Mütter und Väter von frühgeborenen Kindern an. Die Kur ist eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Wenn bei Ihnen eine Kurbedürftigkeit vorliegt, kann Ihr Arzt Ihnen eine Kur verschreiben, die Sie dann bei Ihrer Krankenkasse beantragen müssen.
Frühe Hilfen
Frühe Hilfen sind Angebote vor Ort für Familien ab der Schwangerschaft bis zum 3. Geburtstag Ihres Kindes. Sie helfen Ihnen in schwierigen Lebenslagen, zum Beispiel auch bei Frühgeburten. Beispielsweise können Familienhebammen oder Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen oder -pfleger eine große Hilfe und Entlastung für die Eltern sein. Die Angebote sind freiwillig und kosten kein Geld. Unter Elternsein.info können Sie Anlaufstellen der Frühe Hilfen in Ihrer Nähe finden.
Frühförderung
Bei einer Frühgeburt können Sie pädagogische und therapeutische Maßnahmen in Anspruch nehmen, die die Entwicklung Ihrer Kinder unterstützen. Diese sogenannte Frühförderung wird angeboten von interdisziplinären Frühförderstellen und sozialpädiatrischen Zentren. Wenn Sie mehr über die Möglichkeiten der Frühförderung in Ihrem Ort erfahren möchten, wenden Sie sich bitte an Ihr Jugendamt.
Steuerentlastungen
Sie können folgende Posten bei Ihrer Einkommensteuererklärung geltend machen:
- Kinderbetreuungskosten
- Haushaltshilfe
- Fahrten ins Krankenhaus (Kilometergeld oder Fahrkarten)
Weitere Informationen zu Formalitäten nach der Geburt und finanziellen Unterstützungen für Familien finden Sie auf entsprechenden Webseiten.
Späte Frühgeborene: Ein erhöhtes Risiko trotz scheinbarer Reife
In Deutschland kamen im Jahr 2023 etwa 7,6 Prozent aller lebend geborenen Kinder zu früh auf die Welt. Der Großteil von ihnen sind sogenannte späte Frühgeburten. Diese Kinder werden zwischen der 34. und 37. Schwangerschaftswoche geboren.
Auch wenn späte Frühgeborene bei der Geburt oft ein Gewicht und eine Größe aufweisen, die mit termingerecht geborenen Neugeborenen vergleichbar ist, sind sie physiologisch und metabolisch noch unreif. Ihre Gehirnentwicklung kann Reize noch nicht so gut verarbeiten, die Atmung kann beeinträchtigt sein und der Darm ist anfällig. Dies birgt ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Probleme.
So haben Frühgeborene der 34. bis 36. Schwangerschaftswoche (SSW) im Durchschnitt ein siebenfach höheres Erkrankungsrisiko als Neugeborene der Wochen 37 bis 41. Besonders ins Gewicht fällt ein erhöhtes Risiko für Lungenprobleme. Nach einer Infektion mit dem Respiratory Syncytial Virus (RSV) müssen reifere Frühgeburten annähernd doppelt so häufig stationär überwacht werden wie Termingeborene. Der Schweregrad der Atemwegserkrankung ist bei späten Frühgeburten deutlich ausgeprägter. Die Lungenfunktionswerte frühgeborener Kinder verbessern sich dabei nur langsam und sind auch im Alter von einem Jahr nur etwa halb so hoch wie bei Termingeborenen.
Die Alveolen sind bei späten Frühgeborenen nur unvollständig ausgebildet, was zu einer geringeren Oberfläche für den Gasaustausch und einem kleineren Lungenvolumen führt. Zudem sind die kleinen Bronchien noch dickwandig und eng, was den Gasaustausch erschwert und sie nach einer Virusinfektion anfälliger für Obstruktionen macht.
Auch die Überlebenschancen sind bei sehr frühen Geburten statistisch nachweisbar erhöht. Kinder, die zu früh, aber nach der 32. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen, haben noch ein um das Zweieinhalbfache erhöhtes Risiko, im ersten Lebensjahr zu sterben. Statistisch nachweisbar ist die Risikoerhöhung sogar bereits für Kinder, die nach der 38. statt der normalen 40. Schwangerschaftswoche auf die Welt gebracht werden: Diese haben ein um 75 Prozent höheres Sterberisiko. Dieses erhöhte Sterberisiko ist wahrscheinlich dadurch bedingt, dass auch nur wenige Wochen zu früh geborenen Kinder häufiger ein Atemnotsyndrom haben, sie mehr zu niedrigen Blutzuckerwerten und Auskühlung neigen, und auch häufiger nach Geburt beatmet werden müssen.

Ursachen für Frühgeburten
Nicht immer können die Gründe für eine Frühgeburt festgestellt werden. Oft spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Als mögliche Ursachen kommen in Betracht:
- Mehrlingsschwangerschaften
- Alter der Mutter (unter 18 oder über 35 Jahre)
- Medizinische Vorgeschichte: bereits erlebte Frühgeburt, künstliche Befruchtung, kurze Abstände zwischen Schwangerschaften
- Vorerkrankungen der Mutter (z.B. Diabetes mellitus, Infektionskrankheiten oder Bluthochdruck)
- Infektionen: Blasen- oder Scheideninfektionen, aber auch Zahnfleischentzündungen
- Erkrankungen des Kindes (z.B. Fehlbildungen)
- Veränderungen der Gebärmutter oder der Plazenta (z.B. Fehlbildungen, Myome, Gebärmutterhalsschwäche oder vorzeitige Ablösung der Plazenta)
- Lebensstil (z.B. Rauchen, mangelnde Ernährung)
Die Geschichte von Juli: Eine späte Frühgeburt
Es ist ein grauer Vormittag in Hamburg, als Juli Mitte März per Kaiserschnitt zur Welt kommt. Sechs Wochen zu früh, mit 2.600 Gramm. Der kleine Junge ist eine späte Frühgeburt - sein errechneter Geburtstermin war der 28. April. Seine Mutter, Johanna Heppke, bemerkte einige Monate zuvor eine Blutung in der 23. Schwangerschaftswoche. Die Diagnose lautete: Placenta praevia totalis, was bedeutet, dass die Plazenta über dem Muttermund lag. Dies führte zu wiederholten Blutungen, die eine stationäre Aufnahme in der 32. Schwangerschaftswoche zur Folge hatten.
Am 18. März, bei 34+1 Schwangerschaftswochen, traten erneut Blutungen auf. Dies war die magische Grenze, ab der von einer späten Frühgeburt gesprochen wird. Juli wurde um elf Uhr zur Welt geholt und sofort auf der neonatologischen Intensivstation betreut. Aufgrund der Placenta praevia hatte Johanna während der Geburt mehr als zwei Liter Blut verloren.

Medizinische Betreuung auf der Neugeborenen-Intensivstation
Auf der neonatologischen Intensivstation wird Juli engmaschig überwacht. Die Ärzte achten zuallererst auf die Sauerstoffversorgung, dann auf die Temperatur und den Blutzucker. Späte Frühchen können manchmal Schwierigkeiten mit der Sauerstoffsättigung haben, was mitunter Koffein zur Anregung der Atmung erfordert.
Körperkontakt ist besonders wichtig für die Entwicklung und Wärmeregulation der Frühchen. Auch wenn Juli in einem Wärmebettchen lag, war der Hautkontakt zu seiner Mutter wichtig. Er erhielt für einige Tage eine Magensonde und einen Zugang für Flüssigkeiten.
Insgesamt drei Wochen verbrachte Johanna mit Juli in der Klinik. Der Austausch mit anderen Müttern auf der Station half ihr, die emotionale Belastung zu bewältigen. Neonatologe Prof. Dr. Irwin Reiss betont, dass es wichtig ist, den Eltern die Ängste zu nehmen und sie über die Behandlungsschritte aufzuklären.
Stillen und Ernährung von späten Frühchen
Muttermilch ist die optimale Nahrung für Frühchen, da sie vor Infektionen schützt und die Gehirnentwicklung fördert. Beim Stillen von späten Frühchen können jedoch in der ersten Zeit Schwierigkeiten auftreten, da die Babys oft schläfrig sind oder schnell ermüden.
Um eine gute Milchproduktion aufzubauen und eine ausreichende Trinkmenge des Babys sicherzustellen, sind folgende Punkte wichtig:
- Milchproduktion anregen: In den ersten 8-10 Tagen nach der Geburt sollte die Milchproduktion so gut angeregt werden, dass am Ende der zweiten Woche etwa 750 ml Muttermilch in 24 Stunden produziert werden. Überschüssige Milch sollte eingefroren werden.
- Frühzeitiges Abpumpen: Wenn das Baby noch nicht kräftig genug saugen kann oder von der Mutter getrennt ist, sollte innerhalb von 6 Stunden nach der Geburt mit dem Abpumpen begonnen werden. Die erste Milch (Kolostrum) sollte so oft wie möglich von Hand entleert und dem Baby gefüttert werden.
- Elektrische Milchpumpe: Sobald die Milchmenge ansteigt, sollte mit einer elektrischen Klinikmilchpumpe gepumpt werden. Es wird empfohlen, 8-mal für 15 Minuten in 24 Stunden zu pumpen, während die Brüste sanft massiert werden.
- Stillen nach Bedarf: Das Baby sollte möglichst bald nach der Geburt zum ersten Mal angelegt werden und danach etwa alle 2-3 Stunden (8-12 Mal in 24 Stunden). Es ist wichtig, frühe Hungerzeichen wie Saug- und Leckbewegungen zu erkennen und das Baby sanft zum Stillen zu wecken.
- Stillposition und Technik: Eine bequeme Stillposition mit guter Unterstützung für Mutter und Kind ist wichtig. Achten Sie auf eine gute Anlegetechnik, damit das Baby viel Brust erfasst. Bei Schwierigkeiten kann die "Laid-back"-Position hilfreich sein.
- Brustmassage und -kompression: Während des Stillens können sanfte Brustmassagen und Kompressionen helfen, die Milchabgabe zu fördern.
- Beurteilung der ausreichenden Trinkmenge: Ab dem 4. Lebenstag sollte das Baby mindestens sechs nasse Windeln und vier Stuhlgänge pro Tag haben, mehr als 20 g pro Tag zunehmen und nach etwa 20-30 Minuten Stillen zufrieden sein.
- Zufütterung: Wenn das Baby nicht ausreichend zunimmt, sollte nach dem Stillen abgepumpt und die abgepumpte Muttermilch zugefüttert werden. Falls eigene Milch nicht ausreicht, kann vorübergehend Flaschennahrung zugefüttert werden. Es wird empfohlen, die Zufütterung möglichst an der Brust durchzuführen (z.B. mit einer Sonde oder einem Fingerfeeder), um die Saugschwäche nicht zu verstärken. Flaschennahrung und Beruhigungssauger sind weniger empfehlenswert.
Brustmassage/-ausstreichen - So geht's!
Bis das Baby gut gedeiht, sollte es täglich gewogen und ein Protokoll über Stillzeiten, Ausscheidungen, Pump- und Zufütterungsmengen geführt werden.
Hautkontakt und "Känguru-Pflege"
Verbringen Sie so viel Zeit wie möglich im direkten Haut-Haut-Kontakt mit Ihrem Baby. Das nackte Baby auf dem nackten Oberkörper zu lagern ("Känguru-Pflege") fördert die Bindung, die Wärmeregulation und kann dem Baby helfen, die Brustwarze zu finden und anzusaugen.
Unterstützung für die Eltern
Die ersten Wochen nach der Geburt können sehr anstrengend sein. Organisieren Sie sich so viel Hilfe und Entlastung wie möglich im Haushalt und bei der Betreuung älterer Geschwisterkinder. Achten Sie auf eine gute Ernährung, trinken Sie reichlich und ruhen Sie sich aus, wann immer es möglich ist.
Denken Sie daran: Ihre Muttermilch ist für Ihr Baby besonders wichtig und nur Sie können es stillen. Es lohnt sich für Ihr Baby, für Sie und für Ihre ganze Familie!