Die Elektroautos mit der aktuell größten Reichweite nach WLTP-Zyklus

Die Auswahl an Elektroautos auf dem Markt wächst stetig. Dies wirft die Frage auf, welche Modelle derzeit die größte Reichweite mit einer einzigen Akkuladung bieten. Die Hersteller geben die Reichweite ihrer Fahrzeuge in der Regel nach dem standardisierten Messverfahren WLTP (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure) an. Dieser Wert wird auf einem Rollenprüfstand ermittelt, was Fragen bezüglich seiner Realitätsnähe aufwirft. AUTO BILD verfolgt einen anderen Ansatz und testet den Energieverbrauch von Elektroautos unter realen Bedingungen im öffentlichen Straßenverkehr.

Das Thema Reichweitenangst spielt unter E-Auto-Fahrern nach wie vor eine bedeutende Rolle. Welches Elektroauto kommt mit einer Akkuladung am weitesten? Um diese Frage zu beantworten, werden im Folgenden die Top-Elektroautos nach dem WLTP-Standard aufgeführt.

E-Auto: Reichweiten-Top-5 laut WLTP

  1. Mercedes EQS (WLTP-Reichweite bis zu 785 km)
  2. Tesla Model S Long Range (WLTP-Reichweite bis zu 663 km)
  3. BMW iX (WLTP-Reichweite bis zu 630 km)
  4. Ford Mustang Mach-E (WLTP-Reichweite bis zu 610 km)
  5. BMW i4 (WLTP-Reichweite bis zu 591 km)
Vergleichstabelle von Elektroautos mit hoher Reichweite nach WLTP

Das Testverfahren WLTP im Detail

Die Abkürzung WLTP steht für "Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure". Dieser seit 2017 geltende Standardtest für neue Autos stellt eine Verbesserung gegenüber dem zuvor von den Herstellern angewendeten Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) dar. Ziel des WLTP ist es, eine weltweite Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten und die Testbedingungen näher an den alltäglichen Einsatz der Fahrzeuge anzupassen.

Der WLTP-Testzyklus ist insgesamt länger und beinhaltet mehr Beschleunigungs- und Bremsanteile sowie höhere Geschwindigkeiten. Auch die Ausstattungsvarianten und Außentemperaturen werden realistischer berücksichtigt. Dennoch findet der WLTP-Test unter insgesamt eher künstlichen Bedingungen statt.

Verbrauch realitätsnah ermittelt - alles über WLTP

Die Messung des Energieverbrauchs durch AUTO BILD

Im Gegensatz zu den meisten Herstellern ermittelt AUTO BILD den Energieverbrauch eines Autos nicht auf dem Prüfstand, sondern testet unter realistischen Bedingungen im öffentlichen Straßenverkehr. Die Verbrauchsrunde ist exakt definiert, 155 Kilometer lang und setzt sich zu gleichen Teilen aus Stadt-, Landstraßen- und Autobahnverkehr zusammen. Vor und nach der Fahrt wird das Fahrzeug vollgetankt bzw. vollgeladen. Der Luftdruck wird korrekt eingestellt, und Verbraucher wie die Klimaanlage werden ausgeschaltet.

Der WLTP-Testzyklus (Worldwide harmonized Light Duty Test Procedure) ist seit dem 1. September 2018 für alle neu homologierten Fahrzeuge verpflichtend. Dies stellt einen echten Vorteil für Autokäufer dar, da der reale Kraftstoffverbrauch eines Fahrzeugs oft deutlich über den im Prospekt angegebenen Werten lag. Der bisherige NEFZ-Testzyklus lieferte praxisferne Ergebnisse, da die Tests nur im Labor durchgeführt wurden. Das WLTP-Verfahren soll dem Autokäufer realistischere Verbrauchsangaben liefern.

Der neu vorgeschriebene WLTP-Test besteht je nach Fahrzeugklasse aus mehreren Einzelzyklen. Während die Testdauer nach NEFZ 20 Minuten betrug, sind es nach WLTP 30 Minuten bei einer Geschwindigkeit von bis zu 130 km/h. Die zu fahrende Strecke hat sich von 11 auf 23,25 Kilometer erhöht, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 46 statt bisher 34 km/h. Die durchschnittlichen Verbrauchswerte nach WLTP können gegenüber dem NEFZ-Verfahren um bis zu 25 Prozent höher ausfallen. Dies führt zwar zu realistischeren Verbrauchsangaben, erhöht aber für viele Modelle auch die Kfz-Steuer, da diese sich aus dem CO₂-Ausstoß und somit aus dem Kraftstoffverbrauch ergibt.

E-Auto Reichweite: Worauf es wirklich ankommt

Die Reichweite von Elektroautos bleibt laut Umfragen das Thema Nummer 1. Das WLTP-Verfahren ist darauf ausgelegt, realistischere und praxisnähere Fahrbedingungen im Vergleich zum vorherigen Testverfahren NEDC (New European Driving Cycle) abzubilden. Beim WLTP werden verschiedene Fahrprofile, Außentemperaturen und Fahrweisen berücksichtigt, um die tatsächlichen Emissionswerte und den Energieverbrauch moderner Fahrzeuge besser zu reflektieren.

Diese E-Autos erreichen mehr als 700 Kilometer Reichweite im WLTP-Zyklus

Aktuell gibt es eine Reihe von Elektroautos, die im WLTP-Zyklus über 700 Kilometer Reichweite erzielen. Darunter finden sich nicht nur teure Oberklasse-Modelle, sondern auch Fahrzeuge von Herstellern wie Tesla, VW und Mercedes, die preislich attraktivere Optionen bieten.

1. Lucid Air Grand Touring - bis zu 960 Kilometer

Das reichweitenstärkste Modell des Lucid Air Grand Touring erreicht mit 19-Zoll-Aero-Rädern eine unfassbare WLTP-Reichweite von 960 Kilometern bei einem Verbrauch von nur 13,5 kWh/100 km. Selbst nach Abzug von 20 Prozent für realistische Bedingungen bleiben immer noch starke 768 Kilometer übrig. Die 900-Volt-Architektur ermöglicht schnelles Laden mit bis zu 300 kW. Der Lucid Air Grand Touring verfügt über 611 kW (831 PS) Leistung, Allradantrieb und beschleunigt die Oberklasse-Limousine in 3,2 Sekunden von Null auf Hundert. Die 112-kWh-Batterie sorgt für diese beeindruckenden Werte. Allerdings hat dies seinen Preis: Der Lucid Air Grand Touring kostet mindestens 129.900 Euro.

Lucid Air Grand Touring mit Fokus auf Aerodynamik

2. Mercedes EQS - bis zu 821 Kilometer

Der Mercedes EQS 450+ erreicht nach WLTP eine Reichweite von 821 Kilometern. Mit 265 kW (360 PS) und maximal 568 Newtonmetern ist er leistungsstark, jedoch ist sein Verbrauch mit im besten Fall 16,4 kWh pro 100 Kilometer deutlich höher, was einen größeren Akku und ein Gewicht von über 2,5 Tonnen bedingt. Die Ladeleistung ist mit maximal 200 kW ebenfalls langsamer. Der EQS gehört der Oberklasse an und kostet 109.551 Euro.

3. Mercedes CLA - bis zu 791 Kilometer

Der neue Mercedes CLA, der auf der "Mercedes Modular Architecture" (MMA) basiert, bietet einen extrem effizienten Antrieb mit Zweigang-Getriebe. Die Variante CLA 250+ mit EQ Technologie ermöglicht einen sparsamen Stromverbrauch von idealerweise 12,2 kWh pro 100 Kilometer und erzielt eine sensationelle WLTP-Reichweite von 791 Kilometern. Die Auslieferung der ersten Exemplare wird noch einige Wochen dauern. Der Preis für dieses Modell liegt bei etwa 55.858 Euro.

4. Audi A6 E-Tron Sportback - bis zu 756 Kilometer

Der Audi A6 e-tron nutzt den PPE-Baukasten, der auch beim elektrischen Porsche Macan zum Einsatz kommt. Dies ermöglicht Schnellladen mit bis zu 270 kW. Ein brutto 100 und netto 94,9 kWh großer Akku hebt die WLTP-Reichweite des Audi A6 Sportback E-Tron Performance auf 756 Kilometer. Das einmotorige Heckantriebs-Layout bietet mit 270 kW (367 PS) und maximal 565 Newtonmetern reichlich Leistung, was für einen Null auf-Hundert-Sprintwert von 5,4 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h ausreicht. Der Preis für dieses Modell liegt bei mindestens 75.600 Euro.

Audi A6 e-tron Sportback im Detail

5. DS N°8 - bis zu 749 Kilometer

Die französische E-Limousine DS N°8, basierend auf der STLA-Medium-Plattform, soll noch im Sommer zu den Händlern rollen. Die Variante DS N°8 Pallas FWD Long Range bietet eine WLTP-Reichweite von 749 Kilometern. Grund dafür ist ein Nickel-Mangan-Kobalt-Akku mit einer Kapazität von 97,2 kWh. Der die Vorderräder antreibende Elektromotor leistet 180 kW (245 PS) und beschleunigt den Franzosen in 7,8 Sekunden von Null auf Hundert. Eine relativ geringe maximale Ladeleistung von 160 kW ist ein Nachteil. Der Preis beträgt 63.200 Euro.

6. Tesla Model S - bis zu 723 Kilometer

Das Tesla Model S ist weiterhin im regulären Angebot, auch wenn die Absatzzahlen gesunken sind. Die "schwächere" der beiden Modellversionen, deren Elektromotoren jeweils 252 kW (343 PS) leisten (Gesamtleistung 670 PS), kommt nach WLTP bis zu 723 Kilometer weit, sofern die aufpreisfreien 19-Zoll-Tempest-Felgen gewählt werden. Das Model S ist nicht günstig: Der Einstiegspreis liegt bei 109.990 Euro.

Tesla Model S im Profil

7. VW ID.7 - bis zu 709 Kilometer

Der VW ID.7 Pro S, ausgestattet mit einem netto 86 kWh großen Akku, erzielt je nach Ausstattung eine Reichweite von bis zu 709 Kilometern. Der Energieverbrauch von 13,6 bis 16,2 kWh pro 100 Kilometer sowie das Ladetempo mit maximal 200 kW überzeugen. Der ID.7 steht mindestens 26 Minuten am Gleichstrom-Schnelllader, um die Batterie von 10 auf 80 Prozent zu laden. Der Heckmotor leistet 210 kW (286 PS), und der Sprint von Null auf Hundert dauert 6,6 Sekunden. Der ID.7 Pro S ist ab 58.985 Euro erhältlich, wobei ein Rabatt von 6.000 Euro bis Ende Juni möglich ist.

8. Polestar 3 - bis zu 706 Kilometer

Der Polestar 3 nutzt die Technik des chinesischen Mutterkonzerns Geely und wird in China gefertigt. Die reichweitenstärkste Modellversion "Long Range Single Motor" kommt bis zu 706 Kilometer weit, entwickelt 220 kW (299 PS) und beschleunigt in 7,8 Sekunden von Null auf Hundert. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h. Der Preis für den Polestar 3 beginnt bei 74.590 Euro.

9. Tesla Model 3 - bis zu 702 Kilometer

Das Tesla Model 3 in der Version Maximale Reichweite Hinterradantrieb bietet eine Reichweite von 702 Kilometern. Dies wird durch einen sehr effizienten Energieverbrauch von nur 12,5 kWh auf 100 Kilometer nach WLTP erreicht, trotz einer 79-kWh-Batterie. Die Ladezeiten sind flott, und der Heckmotor leistet 208 kW (283 PS). Der Beschleunigungswert von Null auf Hundert beträgt 6,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit 201 km/h. Der Basispreis liegt bei 44.990 Euro.

10. Volvo ES90 - bis zu 700 Kilometer

Der neue Volvo ES90 ist bereits bestellbar, wird aber erst ab dem vierten Quartal 2025 ausgeliefert. Die Twin-Motor-Varianten mit einem 106-Kilowattstunden-Akku bieten eine Reichweite von exakt 700 WLTP-Kilometern, selbst in der Performance-Variante mit 500 kW (680 PS). Der Einstiegspreis liegt bei 88.990 Euro bzw. 94.490 Euro für die Performance-Version.

Übersicht der Top-10 Elektroautos nach Reichweite im WLTP-Zyklus

Die Bedeutung des WLTP-Zyklus und der realen Reichweite

Es ist wichtig zu betonen, dass die WLTP-Norm-Reichweite nicht mehr als ein theoretischer Wert ist. Selbst nach Abzug der obligatorischen 15 bis 20 Prozent, um auf eine realistische Alltagsreichweite zu kommen, ergeben sich fraglos langstreckentaugliche Aktionsradien von deutlich über 500 Kilometern. Im Sommer können die realen Reichweiten sogar die WLTP-Werte erreichen oder übertreffen, während sie im Winter, je nach Tempo und Temperatur, deutlich darunter liegen können.

Die Umstellung auf Elektroautos kommt zwar in Schwung, doch viele Vorbehalte bezüglich der Kosten und der Reichweite sind oft unbegründet. Während Elektroautos in der Anschaffung teurer sein können, sind sie im Betrieb oft günstiger als Verbrenner. Die Befürchtung, wegen einer zu geringen Reichweite liegen zu bleiben, ist bei den aktuellen Modellen mit großen Batterien meist unbegründet.

Die Nachhaltigkeit von Elektroautos wird von Experten nicht mehr angezweifelt. Je größer die Batterie und je höher die Reichweite, desto größer ist jedoch in der Regel der Klimaschaden bei ihrer Herstellung. Auch das Gewicht der Fahrzeuge spielt eine Rolle. Es ist daher empfehlenswert, beim Kauf auf einen sparsamen Verbrauch zu achten, auch wenn hohe Reichweiten erzielt werden.

Die Reichweite von Elektroautos wird mit den Abkürzungen WLTP, NEFZ/NEDC oder EPA angegeben. Der NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) bzw. NEDC (New European Driving Cycle) war seit 1992 gültig und wurde 2018 durch den WLTP abgelöst. Der WLTP-Testzyklus wird unter Laborbedingungen gemessen, die für alle Elektroautos gleich sind und realistischere Angaben zum Kraftstoffverbrauch liefern als das Vorgängermodell.

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