Jede Schwangerschaft und jede Geburt stellt eine erhebliche Belastung für den weiblichen Körper dar, insbesondere für den Beckenboden. Während vaginale Geburten bekanntermaßen das Risiko für Beckenbodenfunktionsstörungen erhöhen, wird die Rolle des Kaiserschnitts (Sectio) in diesem Zusammenhang oft kontrovers diskutiert. Ein Kaiserschnitt schützt zwar signifikant vor Senkungszuständen von Gebärmutter und Scheide, doch der Schutz hinsichtlich Harninkontinenz ist weniger deutlich ausgeprägt. Insgesamt ist das weibliche Geschlecht allein ein Risikofaktor für die Entwicklung von Beckenbodenproblemen.
Die Belastungsharninkontinenz, die häufig nach der Geburt auftritt, ist in der Regel gut konservativ und operativ behandelbar. Bei Senkungszuständen sind die Behandlungsmöglichkeiten jedoch begrenzter, da diese oft eher auf ein Bindegewebs- als auf ein Muskelproblem zurückzuführen sind. Hilfsmittel wie Pessare (z. B. Ringe oder Würfel) stellen hier eine konservative Therapieoption dar.

Risikofaktoren und Prävalenz von Beckenbodenfunktionsstörungen
Die Schwangerschaft und Geburt beanspruchen den Beckenboden erheblich. Während der Schwangerschaft wird die Muskulatur durch Hormone weicher, und das zunehmende Gewicht des Kindes übt zusätzlichen Druck auf das Gewebe aus. Bei der Geburt können Muskulatur, Bindegewebe und Nerven verletzt werden, was zu einer Beckenbodenschwäche führen kann. Dies betrifft nicht nur ältere Frauen, sondern auch jüngere Patientinnen, die gerade ihr erstes Kind geboren haben.
Zu den bekannten Risikofaktoren für Beckenbodenschäden zählen:
- Vaginale Geburten, insbesondere lange Austreibungsphasen
- Hohes Geburtsgewicht des Kindes (über 4.000 Gramm)
- Operative Entbindungen (Zange oder Saugglocke)
- Übergewicht
- Genetisch bedingt schwächeres Bindegewebe
- Alter
- Chronischer Husten oder Verstopfung (vermutet)
Auch ein Kaiserschnitt hat, obwohl er den Beckenboden weniger direkt belastet als eine vaginale Geburt, indirekte Auswirkungen. Durch die Durchtrennung der Bauchmuskulatur kann die Verbindung zum Becken instabil werden, und die Operationsnarbe kann bei alltäglichen Bewegungen Beschwerden verursachen. Ein fehlendes Beckenbodenbewusstsein und ein schwacher Beckenboden können auf Dauer zu einer Beckenbodenschwäche führen.
Studien deuten darauf hin, dass vaginale Geburten, auch nach einem vorangegangenen Kaiserschnitt, das Risiko für eine Beckenbodendysfunktion erhöhen. Insgesamt war jedoch die Rate an Operationen aufgrund von Beckenbodenproblemen mit 2,4 Prozent gering.
Symptome einer Beckenbodenschwäche und Senkungszustände
Eine Schwächung des Beckenbodens kann zu einer Absenkung der Beckenorgane führen, wie Gebärmutter, Scheide, Harnblase oder Enddarm. Dies wird als Beckenbodensenkung oder Descensus genitalis bezeichnet. Die Symptome können vielfältig sein und reichen von:
- Einem Druckgefühl im Unterleib, als ob etwas nach unten drückt
- Ein Fremdkörpergefühl im Unterleib
- Blasenschwäche (Stress- oder Belastungsinkontinenz), häufiger Harndrang oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen
- Ziehende Unterbauchschmerzen
- Schmerzen oder Probleme beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
- Probleme beim Stuhlgang
- Rücken- und Kreuzschmerzen
- Druckgeschwüre und Blutungen in der Vagina
Schmerzen und ein Druckgefühl treten oft beim Laufen, Stehen oder Stuhlgang auf und lassen im Liegen nach. In schweren Fällen können die Organe so weit absinken, dass die Vagina oder ein Teil der Gebärmutter sichtbar aus der Vagina herausragt (Vaginal- oder Uterusprolaps).

Diagnose von Beckenbodenproblemen
Die Diagnose von Beckenbodenproblemen umfasst typischerweise:
- Anamnese: Erfassung der Beschwerden und der Krankengeschichte.
- Körperliche Untersuchung: Abtasten der Organe im Becken von außen und über die Vagina, Untersuchung der Vagina mit einem Spekulum.
- Rektale Untersuchung: Beurteilung der Lage der Organe im hinteren Beckenbereich.
- Husten-Stresstest: Zur Feststellung einer Belastungsinkontinenz.
- Restharnbestimmung: Zur Abklärung von Problemen beim Wasserlassen.
- Bildgebende Verfahren: Gegebenenfalls eine 3D-Perinealsonografie, MR-Defäkographie oder eine konventionelle Röntgen-Defäkographie zur detaillierten Darstellung der Beckenorgane.
Behandlungsmöglichkeiten bei Beckenbodendefekten
Die Behandlung von Beckenbodendefekten richtet sich nach der Ausprägung der Beschwerden und umfasst verschiedene Ansätze:
Konservative Therapie
- Beckenbodentraining: Gezielte Übungen zur Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur. Dies ist die Basistherapie bei Inkontinenz und Senkungszuständen. Nach einer Geburt kann Rückbildungsgymnastik den Beckenboden stärken.
- Therapeutische Pessare: Kleine Schalen, Würfel oder Ringe aus Gummi oder Silikon, die in die Vagina eingeführt werden, um die Beckenorgane zu stützen. Pessare müssen individuell angepasst werden.
- Hormonelle Mittel: Vaginalcremes können die Schleimhaut schützen und das Einführen eines Pessars erleichtern, ihre Wirkung gegen Senkungsbeschwerden ist jedoch nicht belegt.
- Lebensstiländerungen: Vermeidung von schwerem Heben und Tragen, Behandlung von chronischem Husten und Verstopfung zur Reduzierung des Drucks auf den Beckenboden.
Organsenkung bei Frauen - Erste Hilfe Beckenboden-Übungen für Fortgeschrittene, Teil 1
Operative Therapie
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen oder die Beschwerden sich verschlimmern, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Ziel der Operation ist es, die Beckenorgane anzuheben und zu stabilisieren sowie das Bindegewebe zu stärken.
Verschiedene operative Verfahren kommen zum Einsatz, darunter:
- Rekonstruktion von Schließmuskelverletzungen: Bei Verletzungen des äußeren und/oder inneren Schließmuskels können rekonstruktive Eingriffe durchgeführt werden, um die Kontinenz zu verbessern.
- Behebung von Rektozelen: Eine Rektozele (taschenförmige Ausbuchtung der Mastdarmwand) kann gefaltet und fixiert werden, um die Speicherfähigkeit des Mastdarms zu erhalten.
- Anheben des Beckenbodens: Durch Nähte kann der Beckenboden angehoben und stabilisiert werden, was auch Nervenschäden durch Überdehnung beheben kann.
- Beseitigung von Dammrissen: Die Reparatur von Dammrissen, insbesondere höhergradiger Risse, ist entscheidend zur Wiederherstellung der Kontinenz und zur Vermeidung von Spätfolgen.
- Chirurgische Verfahren zur Behebung von Senkungszuständen: Hierbei werden die Organe angehoben und das Bindegewebe gestärkt. Manchmal kann auch eine Gebärmutterentfernung notwendig sein.
Die genaue Durchführung der Operation wird individuell auf die Befunde der Patientin abgestimmt. Die "Preanal repair"-Methode ist ein Beispiel für eine solche individuell angepasste Operationstechnik.
Aufklärung und Prävention
Es wird betont, wie wichtig eine umfassende Aufklärung über mögliche Beckenboden-Folgeschäden vor jeder Geburt ist. Dies ermöglicht Frauen, eine informierte Entscheidung über den Geburtsmodus zu treffen. Frauen wünschen sich, informiert zu sein, und die wenigsten würden sich ohne Kenntnis der Risiken für einen Kaiserschnitt entscheiden.
Auch bei Erstgeburten ohne bekannte Risikofaktoren ist von einem Kaiserschnitt zur reinen Prävention von Beckenbodenkomplikationen abzuraten. Kaiserschnitte, insbesondere mehrfache, können potenziell schwerwiegende Komplikationen für Mutter und Kind mit sich bringen.
Ein psychisches Trauma nach einem Kaiserschnitt kann zwar auftreten, ist aber selten. Häufiger sind Frauen frustriert und traumatisiert, weil sie nicht ausreichend aufgeklärt wurden und nicht in Entscheidungsprozesse einbezogen wurden.
In Deutschland spielt das Risiko für Beckenbodenkomplikationen bei der Entscheidung zur Entbindungsmethode wahrscheinlich noch eine untergeordnete Rolle, während in anderen Ländern bereits eine Aufklärungspflicht besteht.

Nachsorge und langfristige Perspektiven
Eine strukturierte Nachsorge sechs bis acht Wochen nach der Geburt ist essenziell. Dabei sollten Blutung, Schmerzen, Miktion, Defäkation, Sexualität, psychische Gesundheit und Belastbarkeit systematisch erfasst werden. Warnzeichen wie Fieber, starke Blutungen oder Infektionsverdacht erfordern sofortige ärztliche Abklärung.
Auch wenn die meisten Beckenbodenprobleme nach der Geburt mit der Zeit besser werden, ist eine konsequente Durchführung von Beckenbodentraining über das ganze Leben hinweg ratsam, um Rezidiven vorzubeugen. Die Lebensqualität der betroffenen Frauen kann durch gezielte Behandlung und Prävention erheblich verbessert werden.
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